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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.


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Archiv November 2008

28. November 2008

Prof. Pietschmann und die eminenzbasierte Alternativmedizin

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Prof. Herbert Pietschmann ist theoretischer Physiker. Er ist einer der wenigen österreichischen Wissenschaftler, die in der Öffentlichkeit einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Wann immer die österreichischen Medien früher einen Physiker brauchten, der in allgemeinverständlichen Sätzen sprechen konnte, wandten sie sich an Prof. Pietschmann. Bis Ende der 90er Jahre Anton Zeilinger kam.

Pietschmann beschäftigt sich auch mit Philosophie - und mit Alternativmedizin. Seit ein paar Monaten wird er nun von Homöopathiefreunden verstärkt zitiert. Prof. Pietschmann hat nämlich in der Presse vom 16. September verkündet, dass er nicht mehr daran glaube, dass Homöopathie Placebo sei.

Das interessiert uns. Was sind seine Argumente? Neue Evidenz für das Wassergedächtnis? Feinstoffliche Quanten im Experiment nachgewiesen? Neue Metaanalyse erschienen? Nun, nicht ganz...

Bei der Homöopathie habe ich als Physiker auch lange an einen Placebo-Effekt geglaubt; aber mehrere bedeutende Internisten sagten mir ,G'sund werden die Leut' davon schon!'

Klar, dass das die Homöopathen freut. Doch Dr. Edmund Berndt war - gelinde gesagt - verwundert. Er wollte es genauer wissen. Hier sein Erfahrungsbericht.

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Autor: Ulrich Berger· 28.11.08 · 18:18 Uhr· 11 Kommentare

20. November 2008

Dr. Oberfeld und die Wissenschaft vom Hörensagen

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 86

Wissen Sie, was den texanischen Scharfschützen kennzeichnet? Er schießt zuerst auf das Scheunentor und malt dann die Zielscheibe um die Einschusslöcher. Das dahinter steckende Verfahren ist analog zu einer weit verbreiteten Denkfalle, die als Texas sharpshooter fallacy bezeichnet wird. Besonders problematisch ist diese Denkfalle in der Epidemiologie, etwa wenn es um die Untersuchung von "Krebsclustern" geht. Obwohl das Problem seit langem bekannt ist, versteckt es sich hartnäckig immer wieder in methodisch schwachen epidemiologischen Studien. Manchmal wird es nie entdeckt. Manchmal ist es fast augenscheinlich. Und manchmal ist es so offenkundig, dass es nur mehr peinlich ist. Wie im Fall der berüchtigten Oberfeld-Studie, um die sich schließlich sogar die Justiz kümmern musste.

Wie es dazu kam, lesen Sie in unserem heutigen Gastbeitrag von Prof. Ernst Bonek:

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Autor: Ulrich Berger· 20.11.08 · 20:34 Uhr· 86 Kommentare

14. November 2008

Ayurveda-PR aus dem Gesundheitsministerium

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 26

Als wir vor einem Jahr darüber berichteten, wie ein paar Jünger der Transzendentalen Meditation unter der Führung von Regisseur David Lynch eine Privatuni gründen und dem Bundeskanzler das Yogische Fliegen beibringen wollten, da dachten wir, die würde wohl hierzulande so bald niemand mehr an ein Rednerpult lassen. Falsch gedacht!
Tja, die Maharishi Vedische Universität Österreich, vom Ayurveda-Mediziner und Obmann der Österreichischen Naturgesetze Partei, Dr. Lothar Krenner, bereits vor zweieinhalb Jahren als "in Gründung" bezeichnet, gibt es glücklicherweise immer noch nicht. Die aus Indien stammende Ayurveda-Lehre dagegen spürt Rückenwind, obwohl Wissenschaftler bei der Untersuchung der ayurvedischen Heilmittelchen statt Wirkung meist nur Schwermetalle fanden. Ayurveda ist angeblich 2000 Jahre alt und liegt damit im altundnaivmedizinischen Wettrüsten nicht schlecht. Die indische Bevölkerungsexplosion einzudämmen, ist ihr aber nicht gelungen, trotz gutgemeinter Ratschläge:
Early morning, evening time, dark moonless night, midnight and mid-day is not a proper time to be involved in sex. [...] Impatient, voracious eater, hungry, thirsty, tired person with urinary and digestive problems should not be involved in sex. Anyone having sex during menstruation suffers from eye diseases, low life span. Early morning and late night sex can cause nerve defect as vata is at the peak during this time. Unnatural sex also results in a whole of diseases.
Wie dem auch sei, Maharishi Ayurveda is back, seine Proponenten haben alles mögliche zu verkaufen und Dr. Lothar Krenner spricht also morgen über Nahrung als Nektar der Unsterblichkeit - aber nicht auf der Wiener Esoterikmesse, sondern - aufgepasst - auf der 1. Österreichischen wissenschaftlichen Tagung für Ayurveda Medizin. Jaja, so etwas gibt es hier. Dass das in der Presse von unserer alten Bekannten, Frau Claudia Richter, recht unkritisch beworben wird, wundert uns nicht so sehr. Aber dass diese Tagung vom Gesundheitsministerium höchstselbst mitveranstaltet wird, das ist dann doch ein starkes Stück. So stark, dass Dr. Krista Federspiel sich veranlasst sah, an das Büro von Ministerin Kdolsky einen offenen Brief zu schreiben. Hier ist er.

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Autor: Ulrich Berger· 14.11.08 · 17:08 Uhr· 26 Kommentare

02. November 2008

Homöopathie an der MedUni - Teil 2/2

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 43

[Dies ist die Fortsetzung von Homöopathie an der MedUni - Teil 1/2]

Abschnitt "Zum Wirkungsnachweis - Klinische Studien"

Das Skriptum-Kapitel über klinische Studien beginnt mit der Feststellung

Im Zeitraum von 1991-2000 sind mehrere Metaanalysen erschienen, die der Homöopathie im Großen und Ganzen einen positiven Wirkungsnachweis bescheinigen

Die Liste umfasst fünf Metaanalysen: Kleijnen et al 1991, Boissel 1996, Linde and Melchart 1998 und Cucherat et al 2000. Gesondert eingegangen wird danach auf Linde et al 1997.

Kleijnen et al 1991 war die erste Metaanalyse zur Homöopathie. Sie wird heute eher aus historischen Gründen erwähnt als wegen ihres Inhalts. Das Problem der prä-1991-Studien zur Homöopathie ist, dass diese zum Großteil methodisch extrem schlecht waren und ihre Ergebnisse daher so gut wie unbrauchbar. Die Autoren selbst schreiben in ihren Conclusions:

At the moment the evidence of clinical trials is positive but not sufficient to draw definitive conclusions because most trials are of low methodological quality and because of the unknown role of publication bias.

Im Skriptum findet sich dagegen lediglich die kurze Bemerkung:

Bezog 107 Studien ein - 77% beweisen eine Wirkung, unabhängig von der Qualität der Studien.

Besonders das Wort "beweisen" ist in diesem Zusammenhang klar unangebracht; eine solche Formulierung hat in einem wissenschaftlichen Skriptum eigentlich nichts verloren.

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Autor: Ulrich Berger· 02.11.08 · 23:47 Uhr· 43 Kommentare

Homöopathie an der MedUni - Teil 1/2

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 26

Für einen an Wissenschaft interessierten Laien, aber auch für einen Wissenschaftler selbst, mag es eine Überraschung sein, doch es ist Realität: In Österreich kann man an einer anerkannten medizinischen Universität Kurse in Homöopathie besuchen, die für das Studium der Humanmedizin anerkannt werden. Man muss nicht - so weit ist es noch nicht gekommen - aber man kann. Z.B. im Rahmen des Wahlfaches Homöopathie an der MedUni Wien.
muw.jpgUnter den Vortragenden des Kurses sind unseren Stammlesern bereits bekannte Namen wie Dr. Peter König (Stichwort Homöopathie an der Kinderuni) oder Prof. Michael Frass (Stichwort ATOX). Hier sollen uns die handelnden Personen aber nicht näher interessieren, sondern die Inhalte, die sie präsentieren.

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Autor: Ulrich Berger· 02.11.08 · 23:41 Uhr· 26 Kommentare

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