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Ulrich Berger, Mathematiker und Wirtschaftswissenschaft- ler, ist Professor für VWL an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er ist Vorsitzender der GkD sowie Mitglied im Wissenschaftsrat und im Vorstand der GWUP. Auf Kritisch gedacht bloggt er über Pseudowissenschaft und verwandte Themen.
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25.08.08 · 19:02 Uhr
Lob unseres Wissenschaftsministers
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 27
Es ist ein ewiges Auf und Ab. Gestern erst tadelten wir den Standard für den Abdruck von esoterischem Feng-Shui-Schmarrn, heute loben wir den Standard für den Abdruck eines absolut lesenswerten Offenen (Leser-)Briefes an Wissenschaftsminister Johannes "Gio" Hahn. Inspiriert wurde der Offene Brief durch Günter Traxlers "Blattsalat" im Standard, der sich wiederum beim Artikel von Christa Karas in der Wiener Zeitung bediente, welche sich ihrerseits auf die skurrile Reaktion Hahns auf jene parlamentarische Anfrage bezüglich der Aberkennung des Grander'schen Esoterikkreuzes... aber genug davon, das wissen Sie ja alles schon!
Der Leserbrief stammt übrigens nicht von irgendwem, sondern von unserem geschätzten Stammkommentator Dr. Edmund Berndt. Wir bedanken uns ganz herzlich für die mediale Unterstützung!
(Für Großansicht bitte anklicken!)
PS: Der Herr Wissenschaftsminister darf auch gerne per Kommentar hier unten antworten, wenn es ihm ein Anliegen ist.
[Nachtrag: Mit Grander und Hahn beschäftigt sich inzwischen bereits die heimische Kunst- und Kulturszene. Anne Frütel und Jörg Wipplinger kennen Die Wahrheit und über Verhältnismäßigkeiten weiß Christoph Krall Bescheid.]
Autor: Ulrich Berger· 27 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (27)
Sehr gut! Leider wird es wohl Johannes Hahn nicht umstimmen, aber zeigt gut, wie nahe wir einem gefährlichen Rückfall in Richtung Aberglaube sind.
Hat man Grander eigentlich das Ehrenkreuz gegeben, weil sich keine 1/3 Mehrheit in der Wissenschaftskurie für eine Verleihung des Ehrenzeichens fand?
http://www.help.gv.at/Content.Node/173/Seite.1730402.html#Wissenschaft
Für das EhrenZEICHEN hätte Grander von Mitgliedern der Kurie - frühere Ehrenzeichenträger - vorgeschlagen werden müssen. Das ist völlig undenkbar. Das EhrenKREUZ dagegen kann Hinz und Kunz nach Gutdünken verliehen werden. Das scheint auch der Fall zu sein, immerhin wird laut Anfragebeantwortung durchschnittlich alle 10 bis 11 Tage eines verliehen.
Sehr guter Leserbrief, ich hab mich gut amüsiert, das erwarte ich von kritischen Lesern, auf den Punkt gebracht, einfach super.
Wo sind eigentlich die Stellungnahmen der Vertreter der Wissenschaft zu diesem Fall? Ich habe dazu noch nichts von der Akademie der Österreichischen Wissenschaften, die ja den Anspruch erhebt, die besten Wissenschaftler in ihren Reihen zu haben, oder von Vertetern der Universitäten gehört. Warum melden sich die bisherigen mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichneten Personen nicht zu Wort? Warum überlässt man diese Auseinandersetzung nur der Gesellschaft für kritisches Denken?
Es scheint als schäme man sich der schmuddeligen Verwandten aus der Esoterik und will ja nichts mit ihnen zu tun haben. Das Sicherste ist im Elfenbeinturm zu bleiben, hier und da einen ängstlichen Blick durch die Gucklöcher nach außen zu werfen und sich ja nicht auf die Straße zu begeben. In Wirklichkeit hat sich die Esoterik schon überall eingenistet und untergräbt schon längst die Fundamente des Turms der Wissenschaft. Man braucht nur einmal in die Bestsellerlisten der Sachbücher zu schauen und die Platzierungen von populärwissenschaftlichen Büchern und Esoterikbüchern vergleichen.
Ich bin Optimist und bin auch überzeugt, dass es doch noch weitere Wissenschaftler geben muss, die für ihr Weltbild einstehen und denen solche Entwicklungen wie der Siegeszug der Esoterik und die Verschlampung der Aufklärung nicht gleichgültig sind.
Ich finde den Leserbrief auch genial!
Ich hoffe, er findet bei den Zielpersonen Anklang! :-)
@Heinz Oberhummer
Sie sprechen genau die wunden Punkte an, die auch immer wieder sehe.
Die Aufklärung und die Naturwissenschaften werden nicht mehr als das unbedingt notwendiges Fundament des moderen Staates und seiner Rechtsprechung gesehen. So kommt es eben, dass Wirkungen von Voodooprodukten ausgelobt werden dürfen, die nach besten naturwissenschaftlichen Wissen nicht eintreten können. Wer von seinem Wissen nun ordentlich Gerauch macht und mit diesem Wissen schlüssig darlegt, dass die ausgelobten Wirkungen nicht eintreten werden, muß, nur weil er so dumm war die Wissenschaft ordentlich anzuwenden, jede Schaßmeldung mit viel Aufwand im Detail per Versuch widerlegen. Es nützt gar nichts, dass er seine Aussage auf die Grundlagen der Naturwissenschaften, die ja ganzheitlich über alle Disziplinen hinweg "gültig" sind, stützen kann. Kurz, es ist nicht erlaubt, kraft Wissenschaft öffentlich einfach Wirkungen zu bezweifeln, die klar undeindeutig der 4-Kräftelehre widersprechen. Nicht der Scharlatan trägt die Beweislast sondern der betrogene Konsument und Käufer!". Eine wissenschaftlich fundierte Aussage ist nur mehr eine Meinung, also etwas beliebiges und unverbindliches.
Dem "Elfenbeinturm" ist nichts hinzuzufügen.
Leider sind mittlerweile die Bücher über Esoterik und Pseudowissenschaft schon in den Abteilungen "Wissenschaft" der Buchhandlungen gelandet. Vor kurzem habe ich in einem Regal ein Buch von Erich von Däniken knapp neben einem Physiklehrbuch von Paul Tipler gesehen, von dem viele Exemplare bei uns in der Unibibliothek stehen. Für Außenstehende scheint so kein qualitativer Unterschied zwischen diesen Büchern zu bestehen und somit wird Esoterik als Teil wissenschaftlicher Forschung betrachtet.
Ich habe BM Hahn auf http://www.meinparlament.at/dr_johannes_hahn-10815-18533.html bezüglich Grander gefragt:
Herrn Grander die Stange zu halten bedeutet, gegen Wissenschaft zu sein, den Konsumenten und Verbraucherschutz mit Füßen zu treten, der Eso-Ökonomie ein Tatwerkzeug zum Übervorteilen und Abzocken zur Verfügung zu stellen.
Warum in Dreiteufelsnamen machen Sie das?
und dazu diese Antwort erhalten:
Sehr geehrter Herr Berndt !
Ich nehme an, dass sich Ihre Anfrage auf die Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst an Herrn Johann Grander sen. bezieht und die damit in Verbindung stehende Kommentierung Ihrerseits in einer österreichischen Tageszeitung.
Dazu ist festzustellen, dass jene Sachverhalte im Hinblick auf die Aberkennungstatbestände des § 8a des Bundesgesetzes, BGBl. Nr. 96/1955, i.d.F. BGBl. I Nr. 128/2001, die als Tatsachen einer Verleihung entgegengestanden wären oder die sich auf das Verhalten des Beliehenen, das zu einer Aberkennung eines Ehrenkreuzes führen könnte, ohne Frage ernsthafte und schwerwiegende sein müssen.
Aufgrund der nicht gegebenen Verhältnismäßigkeit zum einzig vorliegenden Fall einer Aberkennung eines verliehenen Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse im Falle Heinrich Gross, bei dem unbestritten und eindeutige ernsthafte und schwerwiegende Gründe im Sinne des § 8 a des zitierten Bundesgesetztes gegeben waren, ist die Anwendung des § 8 a im gegenständlichen Fall nicht zu vertreten.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Johannes Hahn
Ich hab Herrn Hahn gleich mal ne weitere Frage gestellt. Kann ja nicht sein, dass man immer nur mit diesem absurden Gross-Vergleich abgespeist wird...
Meine Frage an den Minister:
Sg. Herr Hahn,
Auch wenn die Frage oben schon von Ihnen beantwortet wurde möchte ich doch noch einmal nachfragen: Sie rechtfertigen die Beibehaltung des Ehrenkreuzes für Grander damit, dass dieser im Gegensatz zu Gross kein Kriegsverbrecher ist. Ich verstehe die Motivation dieser Antwort überhaupt nicht. Sollte nicht jeder Fall unabhängig von anderen beurteilt werden? Und sind es keine "schwerwiegenden Gründe", wenn eine wissenschaftliche Ehrung an jemanden verliehen wird, der nachweisbar keine wissenschaftliche Leistung erbracht hat? Wieso müssen im Fall Grander die Verbrechen von Gross als Beurteilung herhalten die dazu in absolut keinem Zusammenhang stehen?
Als österreichischer Wissenschaftler kann ich diese Entscheidung absolut nicht nachvollziehen - und schäme mich ehrlich gesagt auch dafür Wissenschaftler aus einem Land zu sein in dem offizielle wissenschaftliche Ehrungen an Pseudowissenschler verliehen werden (Ich lebe im Ausland und diese Entscheidung ist den Wissenschaftlern hier genauso unverständlich wie mir).
Über eine ernsthafte Antwort die über das bisher gesagte hinausgeht würde ich mich sehr freuen!
Mit freundlichen Grüssen
Dr. Florian Freistetter
Noch gabs keine Antwort - bin gespannt was hier kommt...
Ich habe vorgestern Abend unabhängig von und kurz nach Florian ebenfalls eine Frage gestellt. Diese ist bisher noch nicht einmal freigeschaltet. Bin gespannt, ob hier eine subtile Zensur am Werke ist.
Minister Hahns "Antwort" an Florian ist da:
http://www.meinparlament.at/dr_johannes_hahn-10815-18533--f129077.html#frage129077
_______________________________________________
Sehr geehrter Herr Dr. Freistetter!
Die Weiterentwicklung wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens auf höchstem Niveau ist für mich eine der wichtigsten Aufgaben. Der bei den Technologiegesprächen 2007 in Alpbach begonnene Forschungsdialog mündete kürzlich bei den Technologiegesprächen 2008 in 10 Zukunftsbotschaften, die von der Heranführung der Jugend an die Wissenschaften bis zur Förderung von Exzellenzinitiativen ein breites Spektrum umschließen. Ich bin mir meiner Verantwortung bewusst, Menschen für Wissenschaft und Forschung zu gewinnen, vor allem in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen, um Österreich international zu einem Frontrunner zu machen. Das beinhaltet auch die ständige kritische Diskussion über Probleme, Verfehlungen und Potentiale unseres Wissenschaftsstandorts.
Die von Ihnen angesprochene Fragestellung nehme ich daher sehr ernst und ich habe bereits veranlasst, die Thematik der Vergabe von sichtbaren Auszeichnungen und Ehrungen einer kritischen Evaluierung zu unterziehen, um gegebenenfalls gemeinsam in einer nächsten Bundesregierung eine Neubewertung vorzunehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Johannes Hahn
_______________________________________________
Und soeben kam auch die Antwort an mich - per e-mail. Die "erschöpfende Antwort" des Ministers an Florian steht ja oben. Urteilen Sie selbst...
_______________________________________________
Guten Tag Ulrich Berger,
vielen Dank für Ihre Frage an Herrn Hahn über meinparlament.at. Da von
Herrn Hahn auf thematisch ähnliche/gleiche Mails bereits erschöpfend
geantwortet wurde, fällt Ihre Mail in die Kategorie Massenmails.
Eine Fragenflut zu einem Thema wäre kontraproduktiv für die Lesbarkeit und
die Akzeptanz unserer Seite durch andere Nutzer und die Abgeordneten. Wenn
Sie dennoch weiter über das von Ihnen angesprochene Thema diskutieren
möchten, dann wenden Sie sich bitte direkt an Herrn Hahn.
Wir werden Herrn Hahn Ihre Nachricht aber zur Kenntnisnahme weiterleiten
(aus Datenschutzgründen ohne Ihre e-Mail-Adresse).
Den Moderations-Codex finden Sie unter: www.meinparlament.at/codex
Mit freundlichen Grüßen,
Sabrina Goebig
(meinparlament.at)
_______________________________________________
Johannes Hahns Antwort klingt sehr vielversprechend! :-)
Da war eure öffentliche Kritik an besagter Ehrenkreuz-Verleihung doch fruchtbar. Herzlichen Glückwunsch! :-)
Immer wenn englische Modewörter verwendent wewrden, ist Vorsicht angezeigt. So auch bei dem Wort "Frontrunner". Die Frage ist nur welcher Front Herr BM Hahn vorannläuft. Ich denke, er ist voll damit ausgelastet zu überlegen, wie man zu Mehrheiten kommt. Diese Denkarbeit beansprucht ihn so sehr, dass es ihm offenbar nicht mehr gelingt, zwischen Voodoo und echter Wissenschaft zu unterscheiden.
Das Absurde an Hahns Argumentation bezüglich der Verhältnismäßigkeit ist auch, dass die Aberkennungsmöglichkeit des Ehrenkreuzes/Ehrenzeichens GERADE WEGEN Gross geschaffen wurde. Die gab`s nämlich ursprünglich gar nicht! Zwischen 1955 und 2001 gab es keine Aberkennungsmöglichkeit. Es ist also nicht verwunderlich, dass es bis jetzt eben nur diesen einzigen Fall gibt.
http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI/I/I_00812/fnameorig_000000.html
Wenn Hahn nun meint, dass man bei jeder ins Auge gefassten Aberkennung mit Gross vergleichen muss (was überhaupt nicht nachvollziehbar ist - wozu überhaupt eine Verhältnismäßigkeitsprüfung wenn ohnehin keine wissenschaftliche Leistung vorliegt?), kommt er zu einer Unanwendbarkeit des § 8a. Man darf man aber bei einer sinnvollen Interpretation, was mit "ernsthaften und schwerwiegenden Gründen" gemeint ist, dem Gesetzgeber nicht unterstellen, eine unanwendbare oder lediglich für einen einzigen Fall anwendbare Norm geschaffen zu haben.
Die große Schwierigkeit liegt in der Zeit die für das Denken erforderlich ist. Daher haben viele Philosophen, wie z.B. Marx lange Bärte getragen, um nicht Zeit durch die tägliche Rasur zu verlieren. So ein schicker Dreitagesbart erspart eben offenbar noch nicht genug Zeit zum Erkennen von Voodootechnik.
Mein Tipp an BM Hahn: Vollbartträger werden!
Hahn hat es tatsächlich geschafft auf keine einzige meiner Fragen einzugehen. Naja, aber eigentlich hab ich mir nix anderes erwartet. Aber anders als "Verarschung" kann ich diese Antwort nicht auffassen - Hahn kann doch nicht ernsthaft glauben, dass so eine Antwort zufriedenstellend ist?
Mal schauen - mehr Fragen zu dem Thema sind offensichtlich nicht erwünscht auf meinparlament - Ich werd am Wochenende nen Blogeintrag dazu schreiben und noch ne Mail an Hahn dazu.
@Florian
Bitte auch an den Standard die exzellente Antwort seiner Exzellenz übermitteln.
Danke!
Ich muss den Minister in Schutz nehmen. Derart lange Blindtexte zu schreiben, die beim Lesen nach Inhalt klingen, ist eine hohe Kunst.
Loriot hat das schon immer gewusst:
http://de.youtube.com/watch?v=3CHYuuY69NQ
So schnell kann es gehen, dass man bei einem hochtrabend formulierten Text das Wesentliche überliest.
Als ich um 15:16 Uhr meinen Kommentar hinterließ, war ich wohl etwas zu voreilig.
Da schreibt er doch:
[...] die Thematik der Vergabe von sichtbaren Auszeichnungen und Ehrungen einer kritischen Evaluierung zu unterziehen, um gegebenenfalls gemeinsam in einer nächsten Bundesregierung eine Neubewertung vorzunehmen.
So gesehen könnte es, wenn überhaupt etwas getan wird, noch dauern.
Auf alle Fälle nicht locker lassen und vor allem optimistisch bleiben!
Köstlicher Kommentar, super geschrieben! Schöne Grüße nach Lenzing!
22.08.2008
Frage von Dr. Edmund Berndt an Mag. Dr. Maria Fekter
Warum bleibt Johann Grander ausgezeichnet?
Ist es nicht irrwitzig, wenn im 21 Jahrhundert mitten in Österreich, 250 Jahre nach der Aufklärung, offizielle Organsiationen wie das WiFI Geistheiler diplomieren?
Glauben Sie , dass es zielführend ist, im Gesundheitswesen das Handauflegen wieder einzuführen?
Ist es nicht mehr die Aufgabe des Staates seine Bürger vor Unlauterem zu Schützen, besonders dann, wenn es um die Gesundheit geht?
Das hohe Niveau an Sicherheit und an Konsumentenschutz, das uns ein auf Naturwissenschaft basiertes Staatswesen gebracht hat, wird jetzt zu nehmend gefährdet durch die Salonfähigkeit von pseudowissenschaftlichem Schmarren. Jede Auszeichnung an einen Voodowissenschaftler ist auch eine Qualitätsbekundung, und sie wird auch als solches vermarktet. Jede derartige Auszeichnung ist ein Tatwerkzeug für Betrug und Übervorteilung!
Die Konsumentenschutzvereinigungen haben damit sicher keine Freude.
10.09.2008
Antwort von Mag. Dr. Maria Fekter
Sehr geehrter Herr !
Herzlichen Dank für Ihre Anfrage.
Wegen Unverhältnismäßigkeit und fehlender Angemessenheit ist ein Aberkennungsverfahren in dieser Frage nicht zu vertreten.
Mit freundlichen Grüßen
Maria Fekter
Bundesministerin für Inneres
Mein Kommentar: Sehr, sehr dürr! Und es geht ja nicht nur um Grander sondern um mehr und darauf hat es überhaupt keine Reaktion gegeben . Die gestellten Fragen waren wohl zu komplex.
Parteikollege Hahn zeigt in dieser Causa schon eine gewisse Einsicht, wenn auch höchst unverbindlich:
Sehr geehrter Herr Dr. Berndt,
ich erlaube mir, auf Ihr Schreiben vom 25.August 2008 an den Herrn Bundesminister Dr. Johannes Hahn zu antworten.
Die Weiterentwicklung wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens auf höchstem Niveau ist für Herrn Bundesminister Dr. Johannes Hahn eine der wichtigsten Aufgaben. Der bei den Technologiegesprächen 2007 in Alpbach begonnene Forschungsdialog mündete kürzlich bei den Technologiegesprächen 2008 in 10 Zukunftsbotschaften, die von der Heranführung der Jugend an die Wissenschaften bis zur Förderung von Exzellenzinitiativen ein breites Spektrum umschließen.
Herr Bundesminister Dr. Johannes Hahn ist sich seiner Verantwortung bewusst, Menschen für Wissenschaft und Forschung zu gewinnen, vor allem in den naturwissenschaftlichen und technischen Bereichen, um Österreich international zu einem Frontrunner zu machen. Das beinhaltet auch die ständige kritische Diskussion über Probleme, Verfehlungen und Potentiale unseres Wissenschaftsstandorts.
Die von Ihnen angesprochene Fragestellung nimmt Herr Bundesminister daher sehr ernst und er hat bereits veranlasst, die Thematik der Vergabe von sichtbaren Auszeichnungen und Ehrungen einer kritischen Evaluierung zu unterziehen, um gegebenenfalls gemeinsam in einer nächsten Bundesregierung eine Neubewertung vorzunehmen.
Mit freundlichen Grüßen
Elisabeth Freismuth
Sein Sekretariat antwortete:
Schöne Antwort: Und identisch mit der, die ich auf meine Anfrage bekommen habe. Nur damals hat sie angeblich Herr Hahn persönlich verfasst.
Nachbearbeitung BM Mag. Dr. Maria Fekter
Sehr geehrte Frau Minister Dr. Fekter!
Ihre Antwort in "Mein Parlament", wie es kommen konnte, dass Johann Grander mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet zu bleiben hat, ist schon von sehr schnauziger Kürze.
So einfach sich jeder Verantwortung und des Nachdenkens über die Folgen der Auszeichnung eines Scharlatans zu entledigen, macht sie nicht besonders ministrabel.
Zuerst einmal ist eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus, wenn diese zur Rechtfertigung auf dem Bestehen falscher und surrealer Entscheidungen missbraucht werden. Das ist kein würdiges Gedenken, sondern eine weitere Schändung der Opfer. Auf eine derartig abwegige Rechtfertigung muss man erst einmal kommen.
Ihr Ministerkollege Hahn und seine Spezialjuristen verhöhnen jeden Konsumenten- und Patientenschutz und Sie machen da mit!
Ihre und ihrer Kollegen und Kolleginnen Abwimmelei führt zu der Frage, ob es noch als unwahrscheinlich angesehen werden kann, dass Sie und andere Regierungsmitglieder sowie Inhaber höchster Ämter der Republik tief im Dreck von Esoterik und Antiaufklärung stecken? Es gab ja Regierungsmitglieder und es gibt sie sicher noch heute (war ein Profilartikel), die sich eine Granderwasserampulle umgehängt haben, die sich ihr Büro nach Feng Shui eingerichtet haben, die sich einen Rosenquarz auf den Monitor stellen usw. Ich glaube auch, dass nicht wenige Pendler und Muter auch darunter sind. Aber bislang konnten derartige Einstellungsauffälligkeiten gegenüber naturwissenschaftlich nachgewiesenenen und basierten Tatsachen nicht das Rechtssystem, das Sacherverständigenwesen etc. negativ beeinflussen bzw. nachhaltig zum Schaden der Staatsbürger und Bürgerinnen verändern. Und unser Rechtssystem fußt auf Naturwissenschaft und Aufklärung, oder nicht?
Zurzeit ist es ja weitgehend noch(!) so, das die so genannten „Forschungsresultate“ von Pseudo- und Voodoowissenschaften, deren Protagonisten in den Medien als Experten gehandelt werden, keine amtliche bzw. juristische Gültigkeit haben. Und bis dato kann ohne Einschränkung behauptet werden, dass alle Bestätigungsversuche von der Lottozahlenforschung, der Astrologie, der Pendlerei und Muterei bis hin zu der staatlich genehmigten Homöopathie nur Zufallsergebnisse erbracht haben, die nichts beweisen.
Wenn also jemand seinen Nachbarn eines Verbrechens beschuldigt und als Beweis anführt, er könne das mit dem Pendel beweisen, oder jemand zu Gericht geht und seinen Nachbarn anzeigt, weil dieser sein Salatbeet verhext, so wird die Staatsanwaltschaft sicher nicht aktiv, weil das Aberglaube und Humbug ist. Es wird zu keinem Verfahren kommen. Wenn jemand behauptet, es hätten ihm ursächlich irgendwelche homöopathische Hochpotenzen geschadet, wird auch er vor Gericht auch kein Gehör finden, weil es keinem Sachverständigen gelingen kann, darüber einen wissenschaftlich fundierten Beweis zu erbringen.
Es ist noch nicht lange her, dass dieses heute (noch) selbstverständliche Prinzip Basis aufgeklärter Staatswesen ist. Denken Sie bitte doch bitte als Frau daran, dass die letzten Hexenverbrennungen noch Mitte des 18 Jahrhundert stattfanden. Erst der Einzug von Aufklärung und Wissenschaft z.B. in die Justiz, hat derartigem ein Ende bereitet. Wer will sich ernsthaft für ein Sacherverständigenwesen stark machen, das unwissenschaftliche Beweise zulässt. Und ich nehme an Sie wollen das auch nicht wirklich.
Dieses hohe Niveau an Sicherheit und an Konsumentenschutz, das uns ein auf Naturwissenschaft basiertes Staatswesen gebracht hat, wird jetzt zu nehmend gefährdet durch die Salonfähigkeit von pseudowissenschaftlichem Schmarren. Jede Auszeichnung an einen Voodowissenschaftler ist auch eine Qualitätsbekundung, und sie wird auch als solches vermarktet. Jede derartige Auszeichnung ist ein Tatwerkzeug für Betrug und Übervorteilung! Und sie können es selbst nachlesen auf der Webseite des Wunderwassermanns, wie damit für Humbug weiter Werbung gemacht wird.
Die Konsumentenschutzvereinigungen haben damit keine Freude. Und als kritischer Apotheker kann ich ihnen versichern, dass gerade im Gesundheitswesen die Esoterik und Co. so weit verbreitet ist, dass eine rationale und sinnvolle Beratung nicht mehr wirklich möglich ist!
Dies denke ich, sollte Sie als Innenministerin kümmern. Ist es nicht mehr die Aufgabe des Staates seine Bürger vor Unlauterem zu Schützen, besonders dann, wenn es um die Gesundheit geht!
Mit freundlichen Grüßen
Dr. E. Berndt
Ehrenkreuz für Hannes Androsch
Aus den Händen von Bundespräsident Heinz Fischer und zu den Klängen von George Gershwins "I got rhythm" erhielt Vizekanzler a. D. Hannes Androsch am Dienstag in Wien das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.
Das war gestern am 16.8.08. Wahrscheinlich hat sich unser BM a.D. so große Verdienste um die "Wissenschaft der persönlichen Steuerminimierung" erworben
Herr Dr B, zu ihrem Brief an Ministerin Fekter:
Ich fürchte, ich muss Ihr Vertrauen in die österreichische Rechtsprechung erschüttern. Lesen Sie selbst:
OGH, 14.03.2006, 4 Ob 256/05h
„Der Begriff der „medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse" ist nicht mit dem der Schulmedizin gleichzusetzen. Wissenschaftlich fundiert können auch Methoden sein, die (noch) nicht Eingang in die Schulmedizin gefunden haben, wie die Homöopathie und die Akupunktur. Eine auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen gegründete Tätigkeit wird aber nur ausgeübt, wenn die angewandte Methode ein gewisses Mindestmaß an Rationalität aufweist und für ihre Durchführung das typischerweise durch das Medizinstudium vermittelte umfassende Wissen erforderlich ist (4 Ob 217/04x = ÖBl 2005/21 - TUINA-MASSAGE).“
Keine Einzelentscheidung: OGH 4Ob217/04x oder OLG Graz, 9Bs254/05d argumentieren gleich.