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Vom 28.9. - 1.10.2010 fand in Berlin der 48. Deutsche Historikertag statt. Der größte geisteswissen-schaftliche Kongress Europas mit rund 4000 Teilnehmern stand in diesem Jahr unter dem inhaltlichen Motto „Über Grenzen".
In diesem Blog berichtet ein Autorenteam aktuell von der Tagung. Das Blog dient zugleich auch als offizielles Presse-Informationsportal.
Ausserdem gibt es hier Impressionen der Tagung, einen Pressespiegel und kurze Buchrezensionen.
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01.10.10 · 18:00 Uhr
Hinter den Panzertüren des Auswärtigen Amtes
Kategorie: Am Rande·Deutsche Postings · Kommentare: 1
Viele Meter unter dem Büro von Guido Westerwelle lagern in den drei Tiefgeschossen der ehemaligen Reichsbank die 25 Regalkilometer des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes. Wo hinter dicken Mauern und Stahltüren einst die Devisen- und Goldreserven des „Deutschen Reichs" aufbewahrt wurden, haben seit dem Regierungsumzug vor etwa zehn Jahren die Akten der Auslandsvertretungen, die bi- und multilateralen Verträge der Bundesrepublik sowie 70.000 Personalakten ihren Platz. In einer knapp zweistündigen Führung für Mitglieder des Historikertags erläuterte Referent Martin Kröger die 90-jährige Geschichte des Archivs und zeigte zudem eine große Anzahl von interessanten Beispielen des Bestandes.
Von Philipp Meller
Die gesammelten Dokumente sind oft noch älter als das Archiv selbst. Kröger konnte so zum Teil lustige Anekdoten aus den alten Kaiserzeiten am Ende des 19. Jahrhunderts erzählen und an äußerst interessanten Zeugnissen belegen. Schließlich lagern in dem bedeutenden Archiv mit einer Aufbewahrungsquote von stattlichen 40 Prozent nicht nur langweilige Akten, sondern auch außergewöhnliche Gegenstände, wie der Konstruktionsplan eines über hundert Jahre alten Mercedes-Benz (Gastgeschenk an Äthiopien) oder ein - nach Skizze von Kaiser Wilhelm II. - gefertigter Ärmel einer deutschen Diplomatenuniform. Doch auch die zwischenstaatlichen Verträge sind keineswegs verstaubte Papiere: Sowohl in einen von Königin Viktoria persönlich unterschriebenen Vertrag mit riesiger silberner Schale zur Aufbewahrung des Wachssiegels als auch in die zunehmend nüchternen Ausfertigungen der bundesdeutschen Verträge wurde den interessierten Teilnehmern Einblick gewährt.

(Verbindungskorridor zwischen dem Neubau und dem Gebäude der ehemaligen Reichsbank).
Wie die vielfältige Geschichte der deutschen Außenpolitik erahnen lässt, werden im Archiv des Auswärtigen Amtes aber nicht nur erheiternde Relikte vergangener Zeiten aufbewahrt. Besonders das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte hinterließ Spuren in den sauberen und sorgfältig geordneten Regalen tief unter der Erde im Herzen Berlins. Während er den Teilnehmern das Faksimile einer Akte von der Wannsee-Konferenz von 1942 zeigte, erläuterte Kröger, dass jedes gefundene Dokument aus der Zeit vor 1945 ins Archiv aufgenommen werde. Auch in den vergangenen Jahrzehnten gab es spannende Momente für die Archivmitarbeiter, wie die schnelle Bemächtigung der Akten des ostdeutschen Pendants zum Bundesaußenministerium 1990 oder der langwierige Umzug von Bonn nach Berlin.
Für die angereisten Historiker außerdem interessant waren die Fragen der Sicherung von Archivgut, Recherchemöglichkeiten vor Ort, Digitalisierung des Bestandes und Informationen zu Zugangsberechtigungen und Geheimhaltung der Akten. Auch hier erhielten die Teilnehmer fachkundige Auskunft des Referenten. Nachdem jeder noch ein Buchgeschenk erhalten hatte, führte Martin Kröger die Gruppe wieder durch die alten, schweren Panzertüren ans Tageslicht zurück. Viele Historiker wird er sicherlich wiedertreffen, wenn sie für ihre Recherchen den Lesesaal des Auswärtigen Amtes besuchen werden. Denn nur bei einer sorgfältigen Sicherung der Quellen ist auch eine qualitative Forschung möglich.
* Die dicken Panzertüren (Foto oben rechts) stammen aus der Entstehungszeit des Gebäudes und erfüllen für das Archiv keinen Zweck mehr.
| Philipp Meller hat Geschichte und Religionswissenschaft in Heidelberg studiert und beginnt in Kürze ein Masterstudium in Geschichte. |
(Redaktion: KP/MS/CJ)
Autor: Marc Scheloske· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
sehr interessanter Artikel. Es wird sicher eine ganze Weile dauern, den gesamten Bestand zu digitalisieren. Die Arbeit möcht ich nicht machen...