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Vom 28.9. - 1.10.2010 fand in Berlin der 48. Deutsche Historikertag statt. Der größte geisteswissen-schaftliche Kongress Europas mit rund 4000 Teilnehmern stand in diesem Jahr unter dem inhaltlichen Motto „Über Grenzen".
In diesem Blog berichtet ein Autorenteam aktuell von der Tagung. Das Blog dient zugleich auch als offizielles Presse-Informationsportal.
Ausserdem gibt es hier Impressionen der Tagung, einen Pressespiegel und kurze Buchrezensionen.
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26.09.10 · 14:30 Uhr
Homo Portans - eine Kulturgeschichte des Tragens
Kategorie: Deutsche Postings·Epochenübergreifende Sektion·Kultur
Der Mensch trägt, um Dinge von hier nach da zu transportieren, er trägt Waren zu Markte, er trägt Beute nach Hause, er trägt bei sich, was ihm wichtig ist, er trägt Lasten, er trägt die Zeichen seines Standes, er trägt mit sich, was er braucht. Tragen ist ein Alltagsphänomen. Die menschliche Fähigkeit zu tragen kann gemeinsam mit der Erfindung der Sprache und der Ausbildung des menschlichen Gehirns als entscheidende grenzüberschreitende Bedingung für die Erfolgsgeschichte der Menschheit betrachtet werden.
Vorbericht von Annette Kehnel
Der homo portans steht am Anfang menschlicher Zivilisationsgeschichte. Die ältesten Spuren von Dingen, die „vom Menschen getragen" wurden, deuten nicht auf funktionale logistische Transportleistungen, sondern vielmehr auf das Tragen bestimmter symbolischer Zeichen am menschlichen Körper hin: Amulette, Ringe, Schmuck und andere Zeichen, die man vermutlich zum Schutz oder als Erkennungszeichen trug. Möglicherweise steht die Verwendung des menschlichen Körpers als „Symbolträger" und Erkennungszeichen am Anfang der Kulturgeschichte des Tragens.
Das Thema ist wissenschaftlich gesprochen im Bereich der „Grundlagenforschung" anzusiedeln. Die Sektion fragt in einem epochen- und kulturübergreifend angelegten Zugriff nach den Implikationen der menschlichen „Tragefähigkeit". Sie widmet sich den vielfältigen Konsequenzen für den menschlichen Körper, für die Entwicklung menschlicher Zivilisationen und Gesellschaften, für Wirtschaft, Kultur, Natur und Umwelt etc. Das Projekt ist inspiriert von der „Faszination des Selbstverständlichen".
Das Thema ist interdisziplinär höchst anschlussfähig. Die Sektion möchte die vielfältigen Zugriffsmöglichkeiten, die das Thema anbietet, zunächst vorstellen und strukturieren, um dann in einem zweiten Schritt Ansätze für ein mögliches Ausstellungskonzept bündeln.
Beteiligt sind außer den historischen Fächern (Ur- und Frühgeschichte, Alte Geschichte, Mittelalterliche Geschichte, Neuere und Neueste Geschichte, Zeitgeschichte) zunächst die Disziplinen Verhaltensbiologie, Soziologie, Kulturanthropologie und Wissenschaftsgeschichte. Für die Gestaltung der mittelfristig geplanten Ausstellung sind weiter die Öffnung der Grenzen hin zur Gegenwartskunst und zu den Möglichkeiten des Web 2.0 angedacht.
Die Sektion "Homo portans" findet am 01. Oktober 2010 von 9:15 - 13:00 Uhr (HS 3094/96) statt. Die einzelnen Vorträge, Referenten und Posterpräsentationen sind hier auf der Programmübersicht zu finden.
| Annette Kehnel ist Professorin für Mittelalterliche Geschichte am Historischen Institut der Universität Mannheim. |
(PM/Redaktion: MS/CJ)
Autor: ScienceBlogs-Redaktion· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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