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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Neues in der Kategorie Umwelt
09. Februar 2012
Der See aus der Vergangenheit
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 2
Aus aktuellem Anlass, aber leider ohne weitere eigene Betrachtung (aus Zeitmangel): Russische Wissenschaftler der Antarktis-Station Wostok sind nach mehr als einem Jahrzehnt des Bohrens erstmals zum etwa vier Kilometer tief unter dem Antarktis-Eis eingeschlossenen Wostok-See vorgedrungen. Das Suesswasser des Sees ist seit mindestens 15 Millionen Jahren von jeglichem Umweltkontakt abgeschlossen; falls es dort (noch) Leben gibt, wuerde es gute Rueckschluesse auf potenzielle Lebensbedingungen auf den Jupitermonden Ganymed und Europa, oder auf dem Saturnmond Enceladus erlauben. Hier ein Artikel aus der heutigen New York Times zum Thema: Russian Scientists Bore Into Ancient Antarctic Lake.

Abbildung: Zina Deretsky / NSF (US National Science Foundation) [Public domain], via Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 09.02.12 · 17:34 Uhr· 2 Kommentare
08. Februar 2012
Die große Treppenverschwörung
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 69
Ich habe versucht, lernfähig zu sein und mir mal zu Herzen genommen, was in manchen Kommentaren zu meinen und anderen Blogbeiträgen von dem einen oder anderen Klimawandelskeptiker so verzapft erklärt wird. Und bei konsequenter Anwendung dieser Denkstrukturen kann man sogar ganz erstaunliche Erkenntnisse gewinnen. Zum Beispiel die, dass es eine weltweite Treppenverschwörung gibt - das konzertierte Bemühen von Bauunternehmern, Hauseigentümern und Stadtplanern, uns einzureden, dass es so etwas wie "Treppen", also eine bauliche "Dienstleistung" zum Erklimmen höherer Niveaus gibt. Gleichzeitig werden wir ständig auf die Gefahren hingewiesen, die von solchen "Treppen" ausgehen - und mit unzumutbaren Vorschriften behelligt, wie beispielsweise jener, dass diese ein (kostspieliges!) Geländer haben müssen. Dabei ist das alles doch nachweislich Blödsinn!
Autor: Jürgen Schönstein· 08.02.12 · 04:27 Uhr· 69 Kommentare
06. Februar 2012
Die UN-Verschwörung ist an allem Schuld!
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 24
Tut mir leid, dass ich schon wieder das Reizwort Verschwörung benutze - und die Überschrift ist mit einer Portion Sarkasmus im Tonfall auszusprechen. Ich habe zwei Jahrzehnte lang als UN-Korrespondent über die Weltorganisation aus ihrem Hauptsitz am New Yorker East River berichtet, und wenn es ein einzelnes, alles umspannendes Attribut gäbe, das ich den Vereinten Nationen ins Poesiealbum schreiben müsste, dann wäre es wohl "uneinig" (ja, der Ironie bin ich mir bewusst, vielen Dank). Dass in so einem Länderhaufen, wo "Einigungen" immer in Anführungszeichen zu setzen sind und Effizienz ein Scherzwort zu sein scheint, seit längerem eine koordinierte, durchorganisierte und politisch konsistente Verschwörung stattfinden soll, erscheint jedem, der den Laden kennt, bestenfalls lachhaft und schlimmstenfalls als ein Indiz, dass eine neuropsychiatrische Untersuchung ratsam wäre. Doch genau dies ist es, was offenbar viele Tea-Party-Anhänger (ich habe gelegentlich schon die Bezeichnung Teanderthaler gehört und gelesen) derzeit umtreibt und sie gegen verbesserten öffentlichen Personennahverkehr, Umweltschutz, effizientere Energieversorgung und wasnichtsonstnochalles auf die Barrikanden treibt: Alles eine Verschwörung der Vereinten Nationen, basierten auf der Agenda 21.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.02.12 · 05:00 Uhr· 24 Kommentare
02. Februar 2012
Zwei Sichtweisen, aber nur ein Sachverhalt
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 35
Auf diese Grafik, betitelt "Wie 'Skeptiker' die globale Erwärmung sehen - wie Realisten die globale Erwärmung sehen", bin ich via Greg Laden's Blog gestoßen:
Dass es sich dabei um reale - allerdings nur landbasiert erfasste - Daten handelt (die Legende sagt BEST land-only surface temperature data (green) with linear trends applied to the timeframes 1973 to 1980, 1980 to 1988, 1988 to 1995, 1995 to 2001, 1998 to 2005, 2002 to 2010 (blue), and 1973 to 2010 (red)), ist hier sogar mal beinahe nebensächlich: Was die Animation vor allem illustrieren will, ist dass durch die Wahl eines zu kurzfristigen Zeitraums der langfristig - und das ist nun mal, was Klima ausmacht - unübersehbare Trend ignoriert und weggedeutet werden kann. Aber das lässt ihn leider nicht verschwinden.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.02.12 · 03:25 Uhr· 35 Kommentare
31. Januar 2012
"Kein zwingender wissenschaftlicher Grund für drastische Aktion"
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 7
Früher habe ich das "Wall Street Journal" regelmäßig gelesen, aber aus finanziellen Gründen musste ich darauf verzichten. Das Blatt lag politisch zwar immer auf einer definitiv nicht mit meiner konvergierenden Linie, aber seine Wissenschaftsberichterstattung war solide genug, dass ich daraus die eine oder andere Anregung gewinnen. Aber wie gesagt, seit mehr als einem Jahr lese ich das Blatt nicht mehr, und darum hat's ein bisschen gedauert, bis die Kunde über diesen bereits am Freitag erschienenen "offenen Brief" von 16 Wissenschaftlern gegen den Klimawandel via Andrew Revkins Dot.Earth-Blog zu mir durchgedrungen ist. Der Titel sagt schon das Wesentliche: No Need to Panic About Global Warming - There's no compelling scientific argument for drastic action to 'decarbonize' the world's economy; auf Deutsch: Kein Grund zur Panik über globale Erwärmung - es gibt keinen zwingenden wissenschaftlichen Grund für drastische Aktionen, die Weltwirtschaft zu 'entkarbonisieren'."
Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.12 · 06:31 Uhr· 7 Kommentare
29. Januar 2012
(Sonnen)stürmische Höhen
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 1
Dass der Sonnensturm vom Anfang der vergangenen Woche sicher ein paar spektakuläre Aufnahmen von Nordlichtern ermöglichen wurde, hatte Florian hier ja schon vorher gesagt. Auf Flickr gibt's nun den Beweis:

Mehr Flickr-Bilder finden sich hier; auch Wired hat eine eindrucksvolle Sammlung von den Nordlichtern des Sonnensturms (hier nur ein Link, aus Urheberrechtsgründen).
Autor: Jürgen Schönstein· 29.01.12 · 03:59 Uhr· 1 Kommentar
18. Januar 2012
Klimawandel: Wind macht die Albatrosse fett
Kategorie: Umwelt
Klarer Fall von Boulevard-Schlagzeile, oder? Dazu hat sich der nature-online-Chefredakteur Ananyo Bhattacharya im britischen Guardian schon ein paar Gedanken gemacht*, mit dem Tenor: "The purpose of a headline is not to tell the story. That's the purpose of the story. The purpose of the headline is to pique the interest of readers without lying" (Der Zweck einer Schlagzeile ist nicht, die Geschichte zu erzählen. Das ist der Zweck der Geschichte. Der Zweck der Schlagzeile ist, das Interesse der Leser zu wecken, ohne zu lügen). Und gelogen ist die Überschrift nicht - ein Artikel über Changes in Wind Pattern Alter Albatross Distribution and Life-History Traits in der aktuellen Ausgabe von Science kann diesen Zusammenhang belegen:
Westerly winds in the Southern Ocean have increased in intensity and moved poleward. Using long-term demographic and foraging records, we show that foraging range in wandering albatrosses has shifted poleward in conjunction with these changes in wind pattern, while their rates of travel and flight speeds have increased. Consequently, the duration of foraging trips has decreased, breeding success has improved, and birds have increased in mass by more than 1 kilogram.
Autor: Jürgen Schönstein· 18.01.12 · 18:52 Uhr· 0 Kommentare
17. Januar 2012
Klimaschutz: Machbares und Wünschenswertes
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 18
Nehmen wir mal an, wir säßen in einem Auto, das auf einen Abgrund zurast. Ein Passagier schreit: Tritt auf die Bremse! Ein anderer will, dass wir das Steuer nach Rechts herumreißen, ein Dritter meint: Links! Da keine Einigkeit über die zu ergreifende Maßnahme zu erzielen ist, fahren wir erst mal weiter - und in den Abgrund. Logsch? Natürlich nicht. Ich denke mal, die "normale" Reaktion wäre, sowohl die Bremse als auch das Lenkrad zu benutzen - vor allem, wenn der Abstand zur Kante groß genug ist, dass beide Manöver durchführbar sind. Nur wenn's um den Umwelt- und Klimaschutz geht, klappt dieses normale Denken wohl nicht. Da wird dann erst mal aus Prinzip darüber diskutiert, ob der Abgrund überhaupt so tief sei wie angenommen; wer denn eigentlich die Schuld daran habe, dass das Auto auf diese Kante zufährt (und dementsprechend dann auch die Aufgabe hätte, den Absturz zu verhindern); die "Lenker" werfen den "Bremsern" vor, ihnen ein Schleudertrauma zuzumuten, während die "Bremser" den "Lenkern" wiederum vorhalten, dass sie den Radius des Manövers nicht genau genug berechnen könnten. Und die Fahrer beschweren sich zwar, dass es keine Einigung gibt, aber selbst was tun wollen sie auch nicht ... Manchmal finde ich die Debatten, die ich hier seit gut vier Jahren mit verfolge (und selbst auch gelegentlich anzustiften versuche), extrem frustrierend.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.01.12 · 18:50 Uhr· 18 Kommentare
10. Januar 2012
Biosprit nicht verfügbar? Bestraft wird trotzdem
Kategorie: Technik·Umwelt · Kommentare: 19
Eine gar nicht so kleine Posse aus den USA um Bürokratie und Technologie: Die amerikanischen Ölmultis müssen für das Jahr 2011 insgesamt 6,8 Millionen Dollar (nein, kein Schreibfehler: 6,8 Millionen - angesichts der Milliardenumsätze und -Gewinne dieser Branche also Peanuts) an den amerikanischen Fiskus zahlen, weil sie ihrem Kraftfahrzeug-Treibstoff nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Anteile von Cellulose-Ethanol beigemischt haben. Laut dem Gesetz zur Energieunabhängigkeit und -Sicherheit (Energy Independence and Security Act) hätten die Raffinierien insgesamt rund 25 Millionen Liter dieses aus Holzabfällen hergestellten Bioalkohols in ihre KfZ-Treibstoffe mischen müssen. Tatsächlich beigemischt wurde ... nichts.
Autor: Jürgen Schönstein· 10.01.12 · 21:22 Uhr· 19 Kommentare
23. November 2011
Riskantes Schneeschaufeln
Kategorie: Medizin·Umwelt · Kommentare: 22
Der November geht nun bald zu Ende, und das heißt, dass wir uns langsam auf Winter mit Eis und Schnee einstellen müssen. In unserem Treppenhaus steht schon die Schneeschippe bereit - aber vielleicht sollte ich auch vorsorglich mal ein EKG machen lassen? Das Schneeschaufelschwingen ist nämlich eine höchst riskante Tätigkeit, wie eine Gruppe von Kardiologinnen und Kardiologen am Kingston General Hospital der kanadischen Queen's University in diesem Paper (erschienen im aktuellen Clinical Research in Cardiology) noch einmal belegen konnte: Snow-shoveling and the risk of acute coronary syndromes .
Autor: Jürgen Schönstein· 23.11.11 · 21:13 Uhr· 22 Kommentare
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