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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Neues in der Kategorie Politik
09. Februar 2012
Wissenschaftler und ihr Interesse am Geld
Kategorie: Politik · Kommentare: 24
Wenn's um Klimaforschung - genauer gesagt: den Klimawandel - geht, taucht ja sehr schnell der Vorwurf auf, dies sei alles nur eine Verschwörung (scheint's als ob ich in letzter Zeit nicht ohne dieses Wort auskomme), damit sich die Klimaforscher bereichern können, im Sinne von: klotzig Geld mit der Erforschung eines nicht vorhandenen Phänomens verdienen. Abgesehen davon, dass es nach dieser Logik viel lukrativer wäre, gegen den Klimawandel zu forschen, da erstens die Konkurrenz geringer ist und zweitens die Geldgeber (zum Beispiel das Heartland Institute) vermutlich finanziell viel besser ausgestattet sind: Die Annahme, dass dies nur eine Geldschinderei sei, liegt alleine schon deswegen daneben, weil Wissenschaftler nachweislich nicht vom Geld motiviert sind. Hab' ich eben "nachweislich", im Sinne von "wissenschaftlich belegbar" geschrieben? Jawohl, denn genau das ist es: Scott Stern von der MIT Sloan School of Management hat genau diesen Aspekt der wissenschaftlichen Taetigkeit analysiert. Und kam dabei zu dem Resultat, dass Wissenschaftler sogar bereit sind, für mehr Forschungsmöglichkeiten auf Einkommen zu verzichten. Oder, um es in Sterns Worten überspitzt auszudrücken: Scientists Pay to Be Scientists.
(Muss leider nun zu einer Vorlesung rennen; wer ein bisschen mehr über Scott und seine Forschung erfahren will, kann sich hier schon mal einlesen.)
Autor: Jürgen Schönstein· 09.02.12 · 18:45 Uhr· 24 Kommentare
08. Februar 2012
Gibt es zu wenig islamische Terroristen?
Kategorie: Politik · Kommentare: 21
Könnte man meinen, wenn man The Missing Martyrs: Why There Are So Few Muslim Terrorists von Charles Kurzman vorsätzlich falsch interpetiert. Worum es darin geht, lassen wir ihn doch am besten gleich selbst erklären:
The Missing Martyrs promotional video from Charles Kurzman on Vimeo.
Autor: Jürgen Schönstein· 08.02.12 · 18:11 Uhr· 21 Kommentare
06. Februar 2012
Die UN-Verschwörung ist an allem Schuld!
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 24
Tut mir leid, dass ich schon wieder das Reizwort Verschwörung benutze - und die Überschrift ist mit einer Portion Sarkasmus im Tonfall auszusprechen. Ich habe zwei Jahrzehnte lang als UN-Korrespondent über die Weltorganisation aus ihrem Hauptsitz am New Yorker East River berichtet, und wenn es ein einzelnes, alles umspannendes Attribut gäbe, das ich den Vereinten Nationen ins Poesiealbum schreiben müsste, dann wäre es wohl "uneinig" (ja, der Ironie bin ich mir bewusst, vielen Dank). Dass in so einem Länderhaufen, wo "Einigungen" immer in Anführungszeichen zu setzen sind und Effizienz ein Scherzwort zu sein scheint, seit längerem eine koordinierte, durchorganisierte und politisch konsistente Verschwörung stattfinden soll, erscheint jedem, der den Laden kennt, bestenfalls lachhaft und schlimmstenfalls als ein Indiz, dass eine neuropsychiatrische Untersuchung ratsam wäre. Doch genau dies ist es, was offenbar viele Tea-Party-Anhänger (ich habe gelegentlich schon die Bezeichnung Teanderthaler gehört und gelesen) derzeit umtreibt und sie gegen verbesserten öffentlichen Personennahverkehr, Umweltschutz, effizientere Energieversorgung und wasnichtsonstnochalles auf die Barrikanden treibt: Alles eine Verschwörung der Vereinten Nationen, basierten auf der Agenda 21.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.02.12 · 05:00 Uhr· 24 Kommentare
03. Februar 2012
Der Hochschul-Esoterik "vehement, laut und vernehmlich Einhalt gebieten"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 68
Auf dem GWUP-Blog war ja schon vor einigen Tagen ein Link zu diesem Clip aus der 3Sat-Sendung nano zu finden. Aber ich denke, man kann ihn nicht oft genug zeigen, darum auch hier noch einmal der Hinweis (einbetten lässt sich das Video leider nicht, aber aufs Bild klicken führt direkt dorthin):
![]()
Hier der Direktlink noch einmal in Langschrift: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=29008&mode=play&nw=true
Autor: Jürgen Schönstein· 03.02.12 · 16:53 Uhr· 68 Kommentare
31. Januar 2012
Hier spricht Bismarck! (1889)
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik · Kommentare: 10
Jawohl, jener Fürst Otto von Bismarck, Kanzler des wilhelminischen Deutschen Reiches. Eine alte Aufnahme, auf der er unter anderem die ersten Worte der Marseillaise (was im Hinblick auf den preussisch-französischen Krieg von 1870 mehr als bizarr erscheint!) rezitiert, wurde in den Archiven der Edison-Labors in New Jersey gefunden, die der amerikanischen Nationalparkverwaltung unterstellt sind; dass dies tatsächlich Bismarcks Stimme (schwer zu erkennen unter all dem Rauschen, aber immerhin) aus dem Jahr 1889 ist, aufgenommen auf seinem Landsitz Friedrichsruh bei Hamburg, als er noch im Amt war - dies wurde von den Experten Stephan Puille (Hochschule für Wirtschaft und Technik, Berlin) und Patrick Feaster (Indiana) bestätigt. Mehr Hintergrund gibt es hier und hier:
Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.12 · 18:05 Uhr· 10 Kommentare
27. Januar 2012
"Schrödinger-Verschwörungstheorie": Tot und lebendig
Kategorie: Politik · Kommentare: 53
In meinem Eintrag zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September hatte ich mir ein paar Gedanken darüber gemacht, warum eigentlich die Bereitschaft vieler so groß ist, an selbst die widersprüchlichsten und absurdesten Verschwörungstheorien zu glauben, während sie gleichzeitig selbst die plausibelsten, verschwörungsfreien Erklärungen kategorisch ablehnen. Meine - rein spekulative, weil auf subjektiven Beobachtungen und Überlegungen beruhende - These war:
Eine echte Antwort (auf die angeblich "offenen Fragen") ist sowieso nicht das Ziel, auch wenn die "Suche nach er Wahrheit" stets als Motivation vorgegeben wird. Denn es geht ja gar nicht mehr darum, die "wahre" Ursache zu entlarven - sondern nur darum, die Wahrheit so lange wie möglich nicht wahrnehmen zu müssen.Damit lag ich, wie ich nun einem Paper mit dem Titel Dead and Alive: Beliefs in Contradictory Conspiracy Theories (nö, nur dem Abstract mal wieder - das Paper selbst ist bisher, trotz gegenteiliger Versprechungen des Verlags, hinter einer Paywall verborgen) in Social Psychological & Personality Science entnehmen kann, zwar ein gutes Stück daneben - aber auch nicht total im Abseits.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.01.12 · 05:06 Uhr· 53 Kommentare
26. Januar 2012
New Hampshire schafft Lehrpläne ab
Kategorie: Politik · Kommentare: 20
Nicht ausdrücklich, aber de facto dann doch: Ein (bereits am 4. Januar) gegen das Veto des demokratischen Gouverneurs John Lynch mit der überwältigenden Mehrheit der Republikaner in beiden Kammern des Parlaments verabschiedetes Gesetz gibt den Eltern ein kategorisches Recht, ihre Kinder von allen Fächern befreien zu lassen, an deren Inhalt oder Lehrmaterial sie Anstoß nehmen:
Require school districts to adopt a policy allowing an exception to specific course material based on a parent's or legal guardian's determination that the material is objectionable. Such policy shall include a provision requiring the parent or legal guardian to notify the school principal or designee in writing of the specific material to which they object and a provision requiring an alternative agreed upon by the school district and the parent, at the parent's expense, sufficient to enable the child to meet state requirements for education in the particular subject area. The name of the parent or legal guardian and any specific reasons disclosed to school officials for the objection to the material shall not be public information (...)
Autor: Jürgen Schönstein· 26.01.12 · 05:38 Uhr· 20 Kommentare
13. Januar 2012
Colbert for President?
Kategorie: Politik · Kommentare: 7
Wenn Wahlkämpfe zu Politpossen verkommen, dann ist es nur konsequent, wenn die professionellen Possenreißer kandidieren. Okay, Donald Trump, einer der ganz Groß(mäulig)en auf diesem Feld, hat sehr schnell schon wieder den Rückzug angetreten, aber es gibt ja noch Stephen Colbert. Der hatte schon vor gut vier Jahren (nicht völlig ernsthaft, aber dennoch keineswegs wirkungslos) einen Schein-Wahlkampf aufgezogen, und nun hat er angekündigt, in seinem Heimatstaat South Carolina in den republikanischen Wahlkampf einzusteigen. (Der entsprechende Clip ist derzeit noch nicht auf seiner Website eingestellt, was aber stündlich passieren kann.) Auch wenn's unverholene Satire ist, kommt es der Realität ungewollt näher, als selbst Colbert erwartet hätte - laut einer Umfrage liegt er bei den Wählern mit fünf Prozent Zustimmung sogar noch vor dem durchaus ernsthaft kandidierenden John Huntsman:
Autor: Jürgen Schönstein· 13.01.12 · 05:22 Uhr· 7 Kommentare
12. Januar 2012
Ein Gesetz gegen "Open Science"?
Kategorie: Medizin·Politik · Kommentare: 7
Schande über mich. Bisher hatte ich die Diskussion um "Open Science" als eine verstanden, in der es darum geht, immer mehr Quellen akademischer Arbeit frei zugänglich zu machen, also immer mehr Paper, die bisher hinter einer (für Nichtmitglieder akademischer Institutionen meist unüberwindlich hohen) Paywall verbergen, für jedermann und -frau zu öffnen. So soll's ja idealer Weise auch sein: Forschung, die mit öffentlichen Mitteln (zum Beispiel an staatlichen Universitäten, aber auch mit staatlicher Förderung, zum Beispiel durch die National Science Foundation oder die National Institutes of Health) gemacht wurde, sollte ihre Ergebnisse auch öffentlich verfügbar machen. Aber dabei hatte ich hier völlig verschlafen, dass im US-Kongress ein diametral entgegengesetzter Kampf tobt: Ein Gesetzesentwurf, der am 16. Dezember 2011 vom republikanischen Kongressabgeordneten Darrell Issa und seiner demokratischen Kollegin Carolyn Maloney eingebracht wurde und nun im Abgeordnetenhaus zur Abstimmung ansteht, würde die bisherige Praxis der National Library of Medicine ausdrücklich untersagen - bisher gilt (seit 2008) nämlich die Regel, dass alle Forscher und Institutionen, die Fördermittel der National Institutes of Health annehmen, eine Kopie der daraus resultierenden Publikationen auf der Website der Gesundheitsbibliothek frei zugänglich machen müssen. Dem will das Gesetz einen Riegel vorschieben:
No Federal agency may adopt, implement, maintain, continue, or otherwise engage in any policy, program, or other activity that--
(1) causes, permits, or authorizes network dissemination of any private-sector research work without the prior consent of the publisher of such work; or
(2) requires that any actual or prospective author, or the employer of such an actual or prospective author, assent to network dissemination of a private-sector research work.
(Achtung: Wichtiger Nachtrag: Bitte unbedingt diesen Kommentar von Martin Bäker dazu lesen - und handeln!)
Autor: Jürgen Schönstein· 12.01.12 · 05:59 Uhr· 7 Kommentare
11. Januar 2012
Was Neues unter US-Republikanern: Antikapitalismus
Kategorie: Politik · Kommentare: 8
Ich hatte ja eine Vorwahl-Nachlese für die republikanische Präsidentschaftskandidatenkür Teil 1 in New Hampshire angekündigt, aber so richtig spannend fand ich die Resultate dann gar nicht: Der haushohe Favorit Mitt Romney, der einen Wochenendwohnsitz in New Hampshire besitzt und daher ein de-facto-Heimspiel hatte, gewann - nach bisherigen Auszählungen - zwar mit deutlichem Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Ron Paul. Aber eigentlich ist das trotzdem eher ein "gerade-mal-so"-Resultat: Vor vier Jahren hatte der (spätere Kandidat) John McCain aus Arizona hier schon 38 Prozent der Stimmen abgeräumt. Das hätte Romneys gut geölte und gut auf New Hampshire eingespielte Wahlkampfmaschine diesmal eigentlich mit Leichtigkeit deutlich übertreffen müssen. Andererseits ist ihm hier auch kein neuer Gegner erwachsen: Newt Gingrich und Rick Santorum spielten keine große Rolle (was sich natürlich in diesem wechselhaften Wahlkampf schon beim nächsten Match in South Carolina wieder ändern kann), der zweitplatzierte Ron Paul kann sich zwar über die Anerkennung der libertären Wähler in New Hampshire (von denen es dort reichlich gibt) freuen, aber niemand rechnet ernsthaft damit, dass er einen Wahlmarathon durch 50 Staaten finanziell und thematisch durchstehen kann. Und John Huntsman, der immer noch von der Außenseiterposition einschwenken kann, ist zwar noch in die "Medaillenränge" gekommen und will daher weitermachen - aber vorerst kann er an Romney nicht kratzen.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.01.12 · 05:06 Uhr· 8 Kommentare
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