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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Neues in der Kategorie Medizin
03. Februar 2012
Der Hochschul-Esoterik "vehement, laut und vernehmlich Einhalt gebieten"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 68
Auf dem GWUP-Blog war ja schon vor einigen Tagen ein Link zu diesem Clip aus der 3Sat-Sendung nano zu finden. Aber ich denke, man kann ihn nicht oft genug zeigen, darum auch hier noch einmal der Hinweis (einbetten lässt sich das Video leider nicht, aber aufs Bild klicken führt direkt dorthin):
![]()
Hier der Direktlink noch einmal in Langschrift: http://www.3sat.de/mediathek/mediathek.php?obj=29008&mode=play&nw=true
Autor: Jürgen Schönstein· 03.02.12 · 16:53 Uhr· 68 Kommentare
24. Januar 2012
Und nochmal das Thema "Open Science"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Nachtreten ist zwar regelwidrig, aber hier muss ich es doch einmal tun, obwohl ich es, in diesem Fall, eher in der Rolle des Reporters am Spielfeldrand tue - was natürlich extrem unfair ist ... Hier hatte ich ja das Thema schon angesprochen: Geht peer review nur mit teuren Fachjournalen, oder wäre sie auch in einer "open science"-Plattform möglich? Anlass meines erneuten Einstiegs ist der folgende Leserbrief in der heutigen Science-Beilage der New York Times (ich habe ihn gleich übersetzt):
"Cracking Open the Scientific Process" (17. Januar) fängt damit an, dass das New England Journal of Medicine" als Teil eines traditionellen peer-review-Prozesses genannt wird, der "keinen Anlass zum feiern" gebe. Es wird argumentiert, dass wissenschaftliche Publikationen offen und fei zugänglich sein sollten. Was der Artikel aber übersieht ist, dass es einen wesentlichen Unterschied zwischen wissenschaftlicher und medizinischer Publikation gibt.
Wenn eine wissenschaftliche Theorie falsch ist, dann mag das Verschwendung von Zeit und Geld sein, aber niemands Gesundheit wird dadurch gefährdet. Im Gegensatz dazu kann es, wenn veröffentlichte Gesundheitsinformationen falsch oder fehlerhaft sind, zu schweren Schäden kommen.
Wir erhalten häufig Manuskripte, in denen Leute Ideen und Theorien ohne angemessene Daten verbreiten, meistens mit dem Ziel des persönlichen Ruhms oder des finanziellen Gewinns. Die peer-reviewte medizinische Literatur mag nicht ohne Fehler sein, aber es gibt keinen besseren Weg als die peer review, um Informationen zu verifizieren, ehe sie in Diagnose und Behandlung angewandt werden. Zumindest in der Medizin sollten wir sorgfältig nachdenken, ehe wir entscheiden, dass mehr und ungefilterte Information die bessere Information sei.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.01.12 · 19:15 Uhr· 12 Kommentare
16. Januar 2012
Wie Ärzte sterben ...
Kategorie: Medizin · Kommentare: 20
Ein bizarrer Titel - einer, den ich direkt von diesem Beitrag How Doctors Die des Webprojekts Zócalo Public Square übernommen habe (auf den Beitrag selbst war ich via Mark Hoofnagle und seinen denialism blog gestoßen). Ein lesens- und nachdenkenswerter Artikel, wie ich finde, denn er beschreibt, wie sich Ärzte verhalten, wenn sie selbst die Nachricht erhalten, unheilbar krank zu sein. Sicher, es ist ein rein anekdotischer Beitrag, dem es an methodisch gesicherten Fakten fehlt; aber die Idee, dass Ärzte oft einfach besser wissen, wie wenig Heilungschancen bestehen - und vor allem welche oftmals qualvollen Nebenwirkungen die scheinbar lebensrettenden Maßnahmen haben können - und sich daher gegen das, was medizinisch möglich ist und statt dessen für einen würdevollen Tod entscheiden, scheint mir plausibel. Und sie verrät, wie wichtig es ist, sich rechtzeitig so umfassend wie nur möglich zu informieren, um dann nicht in einer extremen Stress-Situation sponatne Entscheidungen treffen zu müssen, die dem eigenen Interesse (oder dem einer nahestehenden Person) entgegengesetzt sind.
Autor: Jürgen Schönstein· 16.01.12 · 18:10 Uhr· 20 Kommentare
12. Januar 2012
Ein Gesetz gegen "Open Science"?
Kategorie: Medizin·Politik · Kommentare: 7
Schande über mich. Bisher hatte ich die Diskussion um "Open Science" als eine verstanden, in der es darum geht, immer mehr Quellen akademischer Arbeit frei zugänglich zu machen, also immer mehr Paper, die bisher hinter einer (für Nichtmitglieder akademischer Institutionen meist unüberwindlich hohen) Paywall verbergen, für jedermann und -frau zu öffnen. So soll's ja idealer Weise auch sein: Forschung, die mit öffentlichen Mitteln (zum Beispiel an staatlichen Universitäten, aber auch mit staatlicher Förderung, zum Beispiel durch die National Science Foundation oder die National Institutes of Health) gemacht wurde, sollte ihre Ergebnisse auch öffentlich verfügbar machen. Aber dabei hatte ich hier völlig verschlafen, dass im US-Kongress ein diametral entgegengesetzter Kampf tobt: Ein Gesetzesentwurf, der am 16. Dezember 2011 vom republikanischen Kongressabgeordneten Darrell Issa und seiner demokratischen Kollegin Carolyn Maloney eingebracht wurde und nun im Abgeordnetenhaus zur Abstimmung ansteht, würde die bisherige Praxis der National Library of Medicine ausdrücklich untersagen - bisher gilt (seit 2008) nämlich die Regel, dass alle Forscher und Institutionen, die Fördermittel der National Institutes of Health annehmen, eine Kopie der daraus resultierenden Publikationen auf der Website der Gesundheitsbibliothek frei zugänglich machen müssen. Dem will das Gesetz einen Riegel vorschieben:
No Federal agency may adopt, implement, maintain, continue, or otherwise engage in any policy, program, or other activity that--
(1) causes, permits, or authorizes network dissemination of any private-sector research work without the prior consent of the publisher of such work; or
(2) requires that any actual or prospective author, or the employer of such an actual or prospective author, assent to network dissemination of a private-sector research work.
(Achtung: Wichtiger Nachtrag: Bitte unbedingt diesen Kommentar von Martin Bäker dazu lesen - und handeln!)
Autor: Jürgen Schönstein· 12.01.12 · 05:59 Uhr· 7 Kommentare
10. Januar 2012
Der Tod läuft hinterher - mit maximal 1,36 Metern pro Sekunde
Kategorie: Medizin · Kommentare: 8
Wie bitte? Wer kommt denn auf sowas? Nun, das British Medical Journal hat es in einem Paper belegt: In einer Studie mit 1705 Männern über 70 Jahre in Sydney konnten australische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, dass Männer, die sich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 0,82 Metern pro Sekunde (gemessen bei zwei Durchläufen von jeweils sechs Metern) zu Fuß fortbewegen, am wahrscheinlichsten sterben, während keinen Studienteilnehmer, der noch in der Lage war, schneller als 1,36 Meter pro Sekunde zu gehen (was einem Stundentempo von knapp fünf Kilometern entspricht), der Tod ereilte - woraus die AutorInnen scharfsinning folgern:
The Grim Reaper's (etwa: der Sensenmann, d.Red) preferred walking speed is 0.82 m/s (2 miles (about 3 km) per hour) under working conditions. As none of the men in the study with walking speeds of 1.36 m/s (3 miles (about 5 km) per hour) or greater had contact with Death, this seems to be the Grim Reaper's most likely maximum speed; for those wishing to avoid their allotted fate, this would be the advised walking speed.
Autor: Jürgen Schönstein· 10.01.12 · 05:10 Uhr· 8 Kommentare
22. Dezember 2011
nature und die Traditionelle Chinesische Medizin
Kategorie: Medizin · Kommentare: 24
Nachdem ich mit meinen eigenen Beiträgen (hier und hier) über das Verhältnis von Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) und evidenzbasierter Medizin - genauer gesagt, über eine Grauzone, in der eine Annäherung zwischen beiden gesucht wird - eine ans Wütende grenzende Kommentarschlacht entfacht hatte, war ich erst zögerlich, als ich sah, dass die aktuelle Ausgabe von nature eine Sonderbeilage zu genau diesem Thema hat. Aber nun stellt sich mir doch die Frage (die natürlich auch im einleitenden nature-Editorial angeschnitten wird): Ist das akzeptabel bei einer der führenden Wissenschaftspubliaktionen der Welt? Wird nicht allein schon durch die Würdigung in nature, unabhängig von der begreiflichen wissenschaftlichen Intention, der Eindruck erweckt, dass TCM bereits die Schwelle dessen, was wir als Medizin bezeichnen (und was eben nicht die alternativen, weil nicht wissenschaftlich belegbaren Behandlungsmethoden aller Art und Herkunft einschließt), erreichen konnte?
Autor: Jürgen Schönstein· 22.12.11 · 18:22 Uhr· 24 Kommentare
02. Dezember 2011
Impfen gegen Fremdenhass und Vorurteile
Kategorie: Medizin · Kommentare: 33
Jawohl, Impfen ist hier nicht metaphorisch gemeint: Laut dem Paper Immunizing Against Prejudice Effects of Disease Protection on Attitudes Toward Out-Groups, das in der kommenden Ausgabe (derzeit leider noch nicht online, darum der Link zur Pressemitteilung) von Psychological Science erscheinen soll, kann durch Impfung tatsächlich die Aversion gegen Fremde - im Psychologensprech "outgroup" (auf Deutsch: Fremdgruppe) genannt - reduziert werden. Und da dies einerseits spannend genug klingt, dass mein journalistischer Instinkt darauf anspringt, andererseits die Sache per Pressemitteilung schon so vorab rausgeblasen wurde, reite ich jetzt mal mit dem bisschen, was ich habe, über den Acker. Und wenn das Paper raus ist, schau ich's mir noch einmal genauer an. Versprochen!
Autor: Jürgen Schönstein· 02.12.11 · 04:29 Uhr· 33 Kommentare
28. November 2011
Brain-Drain: Ärzte über Grenzen
Kategorie: Kultur·Medizin · Kommentare: 11
Afrika braucht Ärzte: Hier leben mehr Menschen mit und sterben mehr Menschen an Aids als sonstwo auf der Welt. Afrika bildet Ärzte aus: Allein in Nigeria gibt es 21 medizinische Hochschulen. Doch Afrika verliert auch Ärzte in Massen, durch den so genannten Brain-Drain: Die Aussicht für ausgebildete Mediziner, in Ländern wie Kanada, Australien, Großbritannien und den USA erheblich besser bezahlte Positionen zu finden, ist einfach zu verlockend. Dass es diesen Brain-Drain gibt, ist schon seit Jahrzehnten bekannt; ein Paper, das (frei verfügbar) im British Medical Journal erschienen ist, hat nun auch mal den Versuch gemacht, den ökonomischen Schaden - der vermutlich noch weit hinter dem humanitären Schaden liegt, aber dafür den Vorteil hat, quantifizierbar und in einer für Politiker nachvollziehbaren Sprache beschreibbar zu sein - zu beziffern. Denn die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner kostet Geld, und vor allem im Subsahara-Afrika wird diese Ausbiildung staatlich heftig subbventioniert. Doch den größten Profit dieser Medizinausbildung haben nicht die afrikanischen Gesellschaften, die dafür bezahlen, sondern die oben genannten Industrienationen, die sich enstprechende Ausbildungskosten sparen können.
Autor: Jürgen Schönstein· 28.11.11 · 06:25 Uhr· 11 Kommentare
23. November 2011
Riskantes Schneeschaufeln
Kategorie: Medizin·Umwelt · Kommentare: 22
Der November geht nun bald zu Ende, und das heißt, dass wir uns langsam auf Winter mit Eis und Schnee einstellen müssen. In unserem Treppenhaus steht schon die Schneeschippe bereit - aber vielleicht sollte ich auch vorsorglich mal ein EKG machen lassen? Das Schneeschaufelschwingen ist nämlich eine höchst riskante Tätigkeit, wie eine Gruppe von Kardiologinnen und Kardiologen am Kingston General Hospital der kanadischen Queen's University in diesem Paper (erschienen im aktuellen Clinical Research in Cardiology) noch einmal belegen konnte: Snow-shoveling and the risk of acute coronary syndromes .
Autor: Jürgen Schönstein· 23.11.11 · 21:13 Uhr· 22 Kommentare
25. Oktober 2011
Nachdenken über Vorsorgemedizin
Kategorie: Medizin · Kommentare: 25
Tja, und da hatte ich immer geglaubt, "Vorbeugeuntersuchung" wäre bildlich gemeint, doch seit ein paar Tagen weiß ich es besser (alle Männer über 50 werden diese Bemerkung vermutlich auch ohne Hilfestellung kapieren - alle anderen LeserInnen bitte ich um ein bisschen Geduld mit der Erklärung). Dass diese sehr persönliche Erfahrung ausgerechnet in die Zeit fällt, in der das bisher auf breiter Ebene in den USA praktizierte PSA-Screening (na, dämmert's jetzt schon?) ob seiner Unzuverlässigkeit nicht mehr generell empfohlen wird und auch der Sinn der Mammografie als Vorsorgeuntersuchung gegen Brustkrebs angezweifelt wird, ergänzt sich zudem mit der Frage zur Präventivmedizin, die unser neuer ScienceBlogger-Kollege Joseph Kuhn in seinem ersten Beitrag aufgegriffen hat. Also: Sind Vorsorgeuntersuchungen - zumindest gegen Brust- und Prostatakrebs - überhaupt sinnvoll und vertretbar?
Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.11 · 19:13 Uhr· 25 Kommentare
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