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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Neues in der Kategorie Kultur
11. Februar 2012
In Darwins eigener Handschrift
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften
Am Sonntag, dem 12. Februar 2012, jährt sich Charles Darwins Geburtstag zum 203. Mal. Das American Museum of Natural History hat, gemeinsam mit der Cambridge University Library und der Biodiversity Heritage Library (die dem Natural History Museum in London beigeordnet ist), den Jahrestag zum Anlass genommen, eine digitalisierte Datenbank mit Darwins Schriften online zu stellen. Das Darwin Manuscript Project ist, nach Angaben des Museums, der "umfassendste Katalog von Charles Darwins wissenschaftlichen Manuskripten, der jemals zusammengestellt wurde": Er enthält schon jetzt (die Arbeit geht noch weiter) 15.125 hochauflösend eingescannte und suchfähig abgeschriebene Dokumente, darunter Darwins Tagebücher, sowie Abschriften (aber keine Abbildungen) von weiteren 7400 Manuskriptseiten.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.02.12 · 00:05 Uhr· 0 Kommentare
03. Februar 2012
"Ein-Blicke" offenbaren Erstaunliches
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Ich könnte mir zwar einige Tricks vorstellen, wie man das nachfolgende Video fälschen ode rmanipulieren kann, aber offenbar ist Stephen Wiltshire, ein junger Künstler aus London, der sich auf detaillierte Großstadt-Panoramen spezialisiert hat, nicht nur autistisch, sondern auch authentisch: Er zeichnet seine detailgenauen Großstadtbilder aus dem Gedächtnis, nachdem er die Städte ein einziges Mal aus der Luft gesehen hat. Und das zeigt (immer unter der Voraussetzung der Authentizität), zu welchen erstaunlichen Leistungen die milliardenfach verknüpften Zellen in unserem Gehirn fähig sein können:
Autor: Jürgen Schönstein· 03.02.12 · 16:09 Uhr· 5 Kommentare
27. Januar 2012
Falsche Stimmen im Internet
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
Wenn ein - wie es scheint - nur mäßig begabter Autor eine negative Rezension seines Buches im Internet findet und daraufhin von einer kriminellen, Autoren vernichtenden Internetmafia schwadroniert (die passende Diskussion dazu gibt's hier bei Florian Freistetter), dann fällt das sicher eher in die Kategorie "Verfolgungs(oder sonstiger)Wahn". Aber die Vermutung, dass nicht alle Online-Rezensionen - nicht nur von Büchern, auch von allerlei anderen kommerziell vertriebenen Waren und Dienstleistungen - der ehrlichen Meinung ehrlicher Käufer/Benutzer geschuldet sind, ist keineswegs nur durch eine Neurose erklärbar. Etwa jede dritte "Kundenbewertung" ist gefälscht, typischer Weise gegen Bezahlung oder gegen sonstige Vergünstigungen. Die (heutige) Freitagausgabe der New York Times beispielsweise brachte auf ihrer Titelseite eine Story über einen Onlineversender von Schutzhüllen für Amazons Kindle, der seinen Kunden gegen eine gute Besprechung den Kaufpreis erließ. Auch die BusinessWeek hatte sich schon vor einigen Monaten mit diesem Thema befasst.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.01.12 · 21:59 Uhr· 1 Kommentar
23. Januar 2012
Der Nutzen der Mehrdeutigkeit
Kategorie: Kultur · Kommentare: 16
Sprache ist schon was Verwirrendes. Wenn ich "Hut" sage, meine ich dann "Kopfbedeckung" oder "Vorsicht"? Warum klingen "Rad" und "Rat" so ähnlich, und warum kann letzteres ein Gremium sein, ein Titel oder auch ein gut gemeinter Hinweis? Wäre es nicht viel effizienter, wenn es keine Mehrdeutigkeiten - die offenbar in allen Sprachen vorkommen können - gäbe und jeder Begriff, jedes Wort ganz eindeutig und frei von Missverständnissen einem Konzept, einer Bedeutung zugeordnet wäre? Noam Chomsky, der Vorzeigelinguist des Massachusetts Institute of Technology, folgerte aus diese Ambiguität der Sprache(n), dass sie offenbar gar nicht primär zur Kommunikation entstanden war:
The natural approach has always been: Is [language] well designed for use, understood typically as use for communication? I think that's the wrong question. The use of language for communication might turn out to be a kind of epiphenomenon... If you want to make sure that we never misunderstand one another, for that purpose language is not well designed, because you have such properties as ambiguity. If we want to have the property that the things that we usually would like to say come out short and simple, well, it probably doesn't have that property.
Autor: Jürgen Schönstein· 23.01.12 · 06:16 Uhr· 16 Kommentare
04. Januar 2012
Ist "Open Science" eine Bringschuld?
Kategorie: Kultur · Kommentare: 8
Vor ein paar Tagen hatte sich Florian Freistetter in seinem Blog Astrodicticum simplex Gedanken darüber gemacht, ob Wissenschaftskommunikation und Medienpräsenz einer akademischen Karriere schaden. Über diese Frage hatten wir hier ja schon einmal im Februar diskutiert, nachdem sie im Magazin Science aufgeworfen worden war; der Medienwissenschaftler Norbert Bolz war jedenfalls für deutsche Wissenschaftler zum bedauerlichen Resultat gelangt, dass Medienengagement, zum Beispiel durch Interviews in Massenmedien oder - extrapolieren wir's mal - durchs Bloggen der Karriere junger Wissenschaftler schade. Warum das so sein könnte, darüber lasse ich mich etwas später aus. Erst mal geht es mir um eine andere Frage, die durch einen Kommentar zu Florians Beitrag aufgeworfen wurde: Darin wird so etwas wie eine regelmäßige Berichtspflicht für Wissenschaftler angeregt.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.01.12 · 06:13 Uhr· 8 Kommentare
24. Dezember 2011
Der Weihnachtsmann unter NORAD-Beobachtung
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Was den US-Zeitungen der alljährlich veröffentlichte Briefwechsel zwischen Virginia und der längst eingestellten New York Sun ist, wird in meinem Blog dieser Artikel über den Weihnachtsmann und dem North American Aerospace Defense Command NORAD sein - getreu dem Motto "Alle Jahre wieder":
Angeblich durch einen Zufall wurde mehr als einem halben Jahrhundert das US-Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando NORAD dazu inspiriert, den Weihnachtsmann auf seinem Schlittenflug zu orten*. Und wenn das Militär schon mal einen Sinn von Humor (oder sogar Sensilbilität gegenüber kindlichen Gefühlen) zeigt, dann sollte man das auch honorieren. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf die entsprechende NORAD-Seite, die "das schnellste Ding auf der Erde" verfolgt und die es sogar in deutscher Sprache gibt (die Computerspiele, mit denen sich die Kinder oder Erwachsenen die Wartezeit verkürzen sollen, sind allerdings in englischer Sprache).
Und dort wird sogar eine - natürlich nicht ernst gemeinte, aber auch nicht ganz unseriöse - Antwort darauf gegeben, wie es dieser Weihnachtsmann schafft, alle Kinder der Welt in einer einzigen Nacht zu beliefern:
die Tatsache, dass der Weihnachtsmann schon seit mindestens 16 Jahrhunderten lebt, ohne zu altern, ist unser deutlichster Hinweis darauf, dass für ihn nicht dieselbe Zeitrechnung gilt wie für uns. Seine Reise scheint für uns nur 24 Stunden zu dauern, aber in der Zeitrechnung des Weihnachtsmanns dauert sie vermutlich mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate, wenn wir das in unsere normale Zeit umrechnen.Der Weihnachtsmann möchte sich für seine wichtige Aufgabe Zeit nehmen und sich beim Verteilen der Geschenke und dem Verbreiten der Weihnachtsstimmung nicht so abhetzen. Daher ist die einzige logische Erklärung die, dass für den Weihnachtsmann ein anderes Raum-Zeit-Kontinuum existiert als für uns.
*Was kein Versuch sein soll, hier die Existenz des Weihnachtsmannes in irgend einer Form wissenschaftlich zu begründen. Wer Kinder hat, wird das verstehen. Wer nicht, dem sei eingangs erwähnter, klassisch gewordener Zeitungsartikel als Lektüre zu empfehlen: "Yes, Virginia, there is a Santa Claus". Frohe Weihnachten, oder was auch immer man als Jahresend-Festlichkeit begehen möchte!
Autor: Jürgen Schönstein· 24.12.11 · 05:10 Uhr· 2 Kommentare
20. Dezember 2011
Schrödingers Katze im "Schilf"
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Als Buchautor habe ich mich bisher nicht besonders hervor getan. Eine Idee, die ich seit ein paar Jahren schon mit mir rumschleppe ist ein Krimi mit Schrödingers Katze als Hauptfigur - aber dann denke ich, das will sowieso keiner lesen und verliere den Schwung. Um so erstaunter war ich, als mir nun die Ankündigung zu einem Kinothriller mit dem mysteriösen Titel "Schilf" auf den Desktop flatterte. Hier erst mal der Trailer:
Autor: Jürgen Schönstein· 20.12.11 · 19:03 Uhr· 6 Kommentare
17. Dezember 2011
Orson Welles über hellseherischen (Selbst-)Betrug
Kategorie: Kultur · Kommentare: 9
Falls sich jemand wundert, warum Hellseher und andere Spökenkieker offenbar selbst an ihre "übersinnlichen" Kräfte glauben: Der großartige Orson Welles (Der Dritte Mann ist meiner Meinung nach einer der besten Filme aller Zeiten) erklärt hier aus eigener Erfahrung und sehr eloquent, woher das kommt:
Autor: Jürgen Schönstein· 17.12.11 · 14:48 Uhr· 9 Kommentare
30. November 2011
Die Anlagemanager und der Mega-Lottogewinn
Kategorie: Kultur · Kommentare: 22
Na sowas. Da hört man einerseits immer wieder, dass Lottospielen eine irrationale Tätigkeit sei, der nur ökonomisch Minderbegabte so etwas wie eine Gewinnerwartung beimessen können (wird daher regional auch Deppensteuer genannt) - und dann lese ich hier, dass drei Top-Kapitalmanager der Investmenfirma Belpointe Asset Management in Greenwich, Connecticut - darunter der Firmengründer Brandon Lacoff - den Powerball-Lottojackpot geknackt und 254 Millionen Dollar gewonnen haben. Klassischer Fall von WTF!?!
Autor: Jürgen Schönstein· 30.11.11 · 03:03 Uhr· 22 Kommentare
28. November 2011
Brain-Drain: Ärzte über Grenzen
Kategorie: Kultur·Medizin · Kommentare: 11
Afrika braucht Ärzte: Hier leben mehr Menschen mit und sterben mehr Menschen an Aids als sonstwo auf der Welt. Afrika bildet Ärzte aus: Allein in Nigeria gibt es 21 medizinische Hochschulen. Doch Afrika verliert auch Ärzte in Massen, durch den so genannten Brain-Drain: Die Aussicht für ausgebildete Mediziner, in Ländern wie Kanada, Australien, Großbritannien und den USA erheblich besser bezahlte Positionen zu finden, ist einfach zu verlockend. Dass es diesen Brain-Drain gibt, ist schon seit Jahrzehnten bekannt; ein Paper, das (frei verfügbar) im British Medical Journal erschienen ist, hat nun auch mal den Versuch gemacht, den ökonomischen Schaden - der vermutlich noch weit hinter dem humanitären Schaden liegt, aber dafür den Vorteil hat, quantifizierbar und in einer für Politiker nachvollziehbaren Sprache beschreibbar zu sein - zu beziffern. Denn die Ausbildung der Medizinerinnen und Mediziner kostet Geld, und vor allem im Subsahara-Afrika wird diese Ausbiildung staatlich heftig subbventioniert. Doch den größten Profit dieser Medizinausbildung haben nicht die afrikanischen Gesellschaften, die dafür bezahlen, sondern die oben genannten Industrienationen, die sich enstprechende Ausbildungskosten sparen können.
Autor: Jürgen Schönstein· 28.11.11 · 06:25 Uhr· 11 Kommentare
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