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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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Neues in der Kategorie Geistes- & Sozialwissenschaften

31. Januar 2012

Hier spricht Bismarck! (1889)

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 10

Jawohl, jener Fürst Otto von Bismarck, Kanzler des wilhelminischen Deutschen Reiches. Eine alte Aufnahme, auf der er unter anderem die ersten Worte der Marseillaise (was im Hinblick auf den preussisch-französischen Krieg von 1870 mehr als bizarr erscheint!) rezitiert, wurde in den Archiven der Edison-Labors in New Jersey gefunden, die der amerikanischen Nationalparkverwaltung unterstellt sind; dass dies tatsächlich Bismarcks Stimme (schwer zu erkennen unter all dem Rauschen, aber immerhin) aus dem Jahr 1889 ist, aufgenommen auf seinem Landsitz Friedrichsruh bei Hamburg, als er noch im Amt war - dies wurde von den Experten Stephan Puille (Hochschule für Wirtschaft und Technik, Berlin) und Patrick Feaster (Indiana) bestätigt. Mehr Hintergrund gibt es hier und hier:


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Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.12 · 18:05 Uhr· 10 Kommentare

24. Januar 2012

Wenn kreative Ideen vom Teller rutschen ...

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 11

So ziemlich das Letzte, was mir bei solch abgedroschenen Klischees wie der Aufforderung, über den Tellerand zu blicken, oder über meinen Schatten zu springen, in den Sinn kommt, ist der Begriff "Originalität". Da bin ich wohl zu streng mit mir und anderen: Ein Paper, das in der Februar-Ausgabe von Psychological Science erscheinen wird (ist leider noch nicht online verfügbar, auch wenn die entsprechende Pressemitteilung gestern schon rausging), hat mal untersucht, ob es irgend einen kreativen Vorteil hat, wenn man solche Metaphern wie "Think outside the box" oder "put two and two together" (etwa: Eins und Eins zusammenzählen) nicht nur bildlich nimmt, sondern in die Tat umsetzt. Und das Ergebnis war, dass die Testpersonen, die von Angela Leung, Psychologieprofessorin an der Singapore Management University, und ihren Mitarbeitern daraufhin getestet wurden, ob sie in der Box (die in diesem Fall eine Pappschachtel mit eineinhalb Metern Kantenlänge) oder außerhalb derselben die besseren Einfälle haben, tatsächlich kreativer waren - im Sinn von mehr, variationsreichere und originellere Lösungsvorschläge zu gestellten Aufgaben fanden. Dies bestätigte sich auch bei Aufgaben, in denen sie (ohne natürlich zu wissen, was hier eigentlich getestet werden sollte) abwechseln beide Hände (die Redewendung dazu ist "on one hand - on the other hand", also einerseits - andererseits) benutzen oder die Hälften von zwei Scheiben zusammensetzen ("putting two and two together" - Eins und Eins zusammenzählen).

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Autor: Jürgen Schönstein· 24.01.12 · 05:07 Uhr· 11 Kommentare

16. Januar 2012

Wissenschaftslehrer-Ausbildung im Museum

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften

Ich mach's mir mal wieder einfach und verlinke hier auf einen Artikel in der aktuellen New York Times: Back to School, Not on a Campus but in a Beloved Museum. Worum geht's? Das American Museum of Natural History (hab' ich schon mal erwähnt, dass dies mein absolutes Lieblingsmuseum ist?) sponsort und organisiert die Ausbildung von insgesamt 50 SpeziallehrerInnen für Wissenschaft, die dann an den Mittel- und Oberstufenschulen in New York unterrichten werden. Die Ausbildung, die mit einem Magister-Titel (MA) abschließt, dauert 15 Monate und wird mit einem Stipendium von 30.000 Dollar pro StudentIn (zuzüglich Krankenversicherung, was in den USA immer ein wichtiger Faktor ist) gefördert. Hey, im AMNH studieren, das hätte mir auch gefallen können ... der einzige Haken ist, dass sich die Absolventen dabei verpflichten müssen, vier Jahre lang in einer ihnen zugewiesenen Schule (die einen besonders großen Nachholbedarf in der Wissenschaftsausbildung hat, versteht sich) irgendwo im Staat New York zu arbeiten. Sicher eine kleine Kröte - welcher New Yorker geht schon gerne nach, sagen wir mal, Buffalo? Doch die meisten betroffenen Schulen sind eh' in der Stadt New York selbst zu finden ... Bis zum 31. Januar kann man sich noch um einen der 50 Ausbildungsplätze bewerben; zu einer ersten Einführungsveranstaltung kamen immerhin schon 90 BewerberInnen.


Autor: Jürgen Schönstein· 16.01.12 · 17:54 Uhr· 0 Kommentare

26. Dezember 2011

Freundschaft in Zeiten der Social Media

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Vielleicht ist es der Umstand, dass bald wieder ein Jahr vorbei ist, der mich "altmodisch" fühlen lässt. Vielleicht bin ich wirklich schon, im sozialen Sinn, alt. Vielleicht ist es auch nur mein kutureller Hintergrund, der mir eine andere Grundvorstellung von sozialen Beziehungen mitgegeben hat. Was immer es ist: Als ich das Paper über Social selection and peer influence in an online social network las, das in den aktuellen Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, kam ich über die Aversion nicht hinweg, dass darin die Auswahl unserer Freundschaften am Beispiel der Social Media, namentlich Facebook, analysiert wurde.

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Autor: Jürgen Schönstein· 26.12.11 · 23:47 Uhr· 6 Kommentare

30. November 2011

Lesetipp: "Pinkerismen" etc.

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 5

Eigentlich wollte ich mich heute wieder anderen Themen (als Blogger ebenso wie als Leser und Kommentator) widmen, aber die Coverstory der aktuellen ScienceTimes über Steven Pinker, Human Nature's Pathologist und die daneben gestellten Pinkerisms, will ich dann doch noch einmal als Lesetipp hier platzieren. Zum besseren Verständnis: Ich empfehle nicht nur Artikel, die ich selbst mit einem "hört, hört!" oder "Bravo!" quittieren würde, sondern auch solche, die mir das Blut in den Ohren rauschen lassen. Der hier empfohlene, geschrieben von Carl Zimmer, tut ein bisschen von beidem.

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Autor: Jürgen Schönstein· 30.11.11 · 00:39 Uhr· 5 Kommentare

10. November 2011

Mörderische Weltgeschichte

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Politik  ·  Kommentare: 28

Sachlich-nüchterne Betrachtungen homizidaler Tendenzen und Handlungen sind ja eher die Domäne meines ScienceBlogs-Kollegen Cornelius Courts. Doch aus gegebenem Anlass (womit gemeint ist: weil ich es heute hier gelesen habe) will ich mich auch mal mit dem Thema befassen. Die Idee, mal ein globales Ranking der tödlichsten Ereignisse der Weltgeschichte zu erstellen und dies dann auch in Buchform zu publizieren, ist so makaber, dass es ein Wunder ist, dass sie bisher von niemandem umgesetzt wurde. Vielleicht ist es akademisch zu unappetitlich, oder methodisch zu vage - aber jedenfalls bleibt die Ehre, das erste umfassende Kompendium der Massenmorde und -Mörder in der menschlichen Geschichte verfasst zu haben, dem Archivar/Bibliothekar am Bundesgericht in Richmond (Virginia), Matthew White, überlassen. White ist zwar kein Akademiker, aber seine Sammlung von Gräueltaten hat akademische Ehren erreicht: Laut seinen Angaben (via New York Times, siehe oben) wurde seine Datensammlung in 377 veröffentlichten Büchern und 183 wissenschaftlichen Artikeln zitiert (durch Google Scholar finde ich auf Anhieb zwar nur 74, aber das mag auch daran liegen, dass ich zu enge Suchkriterien, wie beispielsweise die exakte Schreibweise seines Namens, vorgegeben habe). Derer werden es nun gewiss mehr werden: Sein mehr als 640 Seiten dickes Kompendium The Great Big Book of Horrible Things ist im amerikanischen W.W.Norton-Verlag erschienen (die britische Ausgabe trägt den Titel Atrocitology und wird von Canongate verlegt.

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Autor: Jürgen Schönstein· 10.11.11 · 05:37 Uhr· 28 Kommentare

06. November 2011

Was uns motiviert (kleiner Tipp: Geld allein tut's nicht)

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 22

Ich weiß nicht, ob jemand dieses Video hier schon mal gepostet hat. Und ich weiß auch nicht, wie korrekt die wissenschaftlichen Quellen hier zitiert und repräsentiert sind. Aber als Anregung zum sonntäglichen Nachdenken finde ich diesen Videobeitrag darüber, was uns motiviert (und ja, wie die Überschrift schon verrät: Geld ist nicht der alleinige Motivator - und bei überbezahlten "Leistungsträgern" führt es sogar eher zum Gegenteil), schon ganz gut:


Autor: Jürgen Schönstein· 06.11.11 · 05:03 Uhr· 22 Kommentare

25. Oktober 2011

Lügen - schon auf kurzen Beinen

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 45

Der "pädagogische" Kindesmissbrauch, auch Körperstrafe oder Prügelstrafe genannt, ist ja zumindest in Deutschland vor ein paar Jahrzehnten langsam aus der Mode gekommen und seit dem Jahr 2000 auch gesetzlich abgeschafft. Damit sind die Deutschen (sofern sie sich überhaupt daran halten, wessen ich mir nicht ganz sicher bin) weltweit in der Minderheit; selbst in Europa hat sich die Idee, dass man mit Schlägen in der Kindererziehung nichts erreicht, noch nicht gänzlich durchgesetzt, wie diese Karte (via Wikipedia) zeigt:
Corporal punishment in Europe.jpg
Legende.jpg
Und in den USA ist Prügelstrafe in den Schulen in 19 der 50 Bundesstaaten ausdrücklich erlaubt; in den übrigen 31 Staaten ist es zumindest in Privatschulen durchaus legal - das Verbot gilt nur für staatliche Schulen. Ein gesetzliches Verbot für Eltern, ihre Kinder zu schlagen, gibt es - so weit ich das feststellen konnte - nirgendwo in Amerika.

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Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.11 · 05:00 Uhr· 45 Kommentare

20. Oktober 2011

Klassischer Fall von Denke

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 38

Nichts kann je aus dem Nichts entstehn durch göttliche Schöpfung.
Denn nur darum beherrschet die Furcht die Sterblichen alle,
Weil sie am Himmel und hier auf Erden gar vieles geschehen
Sehen, von dem sie den Grund durchaus nicht zu fassen vermögen.
Darum schreiben sie solches Geschehn wohl der göttlichen Macht zu.
Haben wir also gesehen, daß nichts aus dem Nichts wild geschaffen,
Dann wird richtiger auch die Folgerung draus sich ergeben,
Woraus füglich ein jegliches Ding zu entstehen im Stand ist
Und wie alles sich bildet auch ohne die Hilfe der Götter.
Diese Zeilen wurden von dem römischen Dichter und Philosophen Titus Lucretius Carus vor mehr als 2000 Jahren gedichtet (naja, der lateinische Originaltext - diese Übersetzung von Hermann Diels stammt aus dem Jahr 1924), und sie - sowie die restlichen ca. 7800 Zeilen seines Werkes de rerum natura (Über die Natur der Dinge) - sind inspiriert vom Werk eines noch älteren griechischen Philosophen, Epikouros oder, eingedeutscht, Epikur.

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Autor: Jürgen Schönstein· 20.10.11 · 05:10 Uhr· 38 Kommentare

12. Oktober 2011

Das Wissen und der Wille

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 63

Manchmal bleiben mir ein paar aufgeschnappte Worte oder Sätze im Gedächtnis haften. Fast wie Kaugummi unter der Schuhsohle: ungewollt, eher lästig, und ständig bleiben dann auch noch irgendwelche anderen Gedanken daran hängen. Manchmal fallen sie dann doch wieder ab - aber manchmal fängt dieser "Gedankenkleber" an, sich zu etwas zu verdichten, was dann schon fast so etwas wie eine Idee sein könnte. In diesen Tagen waren der Hirnkaugummis gleich zweie: zum einen die Information, die ich bei Ulrich Bergers Kritisch gedacht gelesen hatte, dass Steve Jobs statt einer sofortigen (und möglicher Weise erfolgreichen) Operation nach seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose erst mal ein Dreivierteljahr lang versucht habe, seinen Krebs mit einer "Heildiät" unter Kontrolle zu bekommen. Zum zweiten die Debatte um das so genannte PSA-Screening, das nun nicht mehr von der Vorsorge-Taskforce des US-Gesundheitsministeriums empfohlen wird. Die Debatte darum hatte ich hier schon mal aufgegriffen (und sie wird mir später sicher einen weiteren Beitrag wert sein), doch der Gedanke, der sich in meinem Kopf festklebte, entstammt diesem Beitrag in der New York Times vom vergangenen Freitag:

Not knowing what is going on with one's prostate may be the best course, since few men live happily with the knowledge that one of their organs is cancerous. Autopsy studies show that a third of men ages 40 to 60 have prostate cancer, a share that grows to three-fourths after age 85.

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Autor: Jürgen Schönstein· 12.10.11 · 04:29 Uhr· 63 Kommentare

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