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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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09.02.12 · 18:45 Uhr
Wissenschaftler und ihr Interesse am Geld
Kategorie: Politik · Kommentare: 29
Wenn's um Klimaforschung - genauer gesagt: den Klimawandel - geht, taucht ja sehr schnell der Vorwurf auf, dies sei alles nur eine Verschwörung (scheint's als ob ich in letzter Zeit nicht ohne dieses Wort auskomme), damit sich die Klimaforscher bereichern können, im Sinne von: klotzig Geld mit der Erforschung eines nicht vorhandenen Phänomens verdienen. Abgesehen davon, dass es nach dieser Logik viel lukrativer wäre, gegen den Klimawandel zu forschen, da erstens die Konkurrenz geringer ist und zweitens die Geldgeber (zum Beispiel das Heartland Institute) vermutlich finanziell viel besser ausgestattet sind: Die Annahme, dass dies nur eine Geldschinderei sei, liegt alleine schon deswegen daneben, weil Wissenschaftler nachweislich nicht vom Geld motiviert sind. Hab' ich eben "nachweislich", im Sinne von "wissenschaftlich belegbar" geschrieben? Jawohl, denn genau das ist es: Scott Stern von der MIT Sloan School of Management hat genau diesen Aspekt der wissenschaftlichen Taetigkeit analysiert. Und kam dabei zu dem Resultat, dass Wissenschaftler sogar bereit sind, für mehr Forschungsmöglichkeiten auf Einkommen zu verzichten. Oder, um es in Sterns Worten überspitzt auszudrücken: Scientists Pay to Be Scientists.
(Muss leider nun zu einer Vorlesung rennen; wer ein bisschen mehr über Scott und seine Forschung erfahren will, kann sich hier schon mal einlesen.)
Autor: Jürgen Schönstein· 29 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (29)
Dr. Webbaer·
09.02.12 · 19:15 Uhr
Der Vorwurf lautet eigentlich, dass in den Räten, bspw. beim IPCC, einerseits Ökologisten sitzen, Greenpeace, WWF etc., und andererseits die i.p. Erdklima tätigen UN-Organisation mit Kräften aus potentiellen Empfängerländern durchsetzt sind, so dass dort neben wissenschaftlicher Arbeit auch knallharte Interessenpolitik geleistet wird. [1]Oder mal in die Vollen gehend und Vahrenholt zitierend:oder auch:Alles Aussagen, die einer journalistischen Recherche nicht unzugänglich sind - und zudem auch eine naheliegende wie spannende Fragestellung: Was haben Ökologisten beim IPCC-Reporting verloren?
[1] Also nüscht mit Verschwörung und so, das politische Element der Veranstaltung wird stattdessen hinterfragt. Das geht doch noch, oder?
HTH
Dr. Webbaer
@Weiser Bär
> Was haben Ökologisten beim IPCC-Reporting verloren?
Was hat denn die journalistische Recherche des Bären ergeben, wie die pösen Ökologisten dahin gekommen sind ?
> Sie vertreten Interessen und üben Einfluss aus !
Boah eh. Das ist ja sowas von abartig. Niemals würde es ein Vertreter der freiesten aller Marktwirtschaften wagen, Interessen zu vertreten oder Einfluß auszuüben.
Da kann ich die Empörung des Bären gut verstehen.
@michael
Naja, der Webbaer hat halt versucht das beste kommentarisch aus dem Artikel herauszuholen und bspw. Überprüfbarkeit hergestellt.
Wer also den Faktencheck machen möchte...
MFG
Dr. Webbaer
[1] Wer Lust hat darf natürlich auch gerne mit einer der folgenden Hypothesen arbeiten: 1.) dass Kritiker der aktuellen Klimaprognosis mit dem Erwärmungstrend grundsätzlich an eine "Klimaverschwörung" glauben - oder 2.) dass es grundsätzlich finanziell attraktiver ist gegen den anthropogenen Klimawandel zu forschen - oder 3.) dass Wissenschaftler eine Idealisten sind und bereit wären zu zahlen, um forschen zu dürfen...
Laut jener "skeptic" Seite sind es 2 Leute die was mit Greenpeace zu tun haben sowie 9, die dem WWF nahe stehen. Macht 11 von 40. 30% ? - großzügig gerundet.
Abgesehen davon das sich WWF und Greenpeace schon fast fundamental unterscheiden, könnte man natürlich Bedenken aüßern. V. macht das ja gerade nicht. Er geht einen Schritt weiter und sagt, dass a) nicht wissenschaftlich gearbeitet wurde, b) Fehler vorhanden sein sollen und c) die Endfassung, weil(!) sie von einem Greenpeace-Autoren abgefertigt wurde, ein "unsinnigs Ergebnis" liefere.
Einen Beleg dafür bleibt er jedoch schuldig (wobei anzumerken ist, dass es ja gerde seine Behauptungen sind, die man für Unsinng hält).
@para
Man muss natürlich Befangenheit annehmen, wenn Kräfte, die Greenpeace und WWF nahestehen, beteiligt sind an den Sachstandsberichten - gibt's da keine Ethikrichtlinien? Gab's schon Selbstkritik?
Also, um das mal klarzustellen, der IPCC und dessen Reporting ist nicht irgendein Karnevalsverein, die IPCC-Sachstandsberichte bewegen Milliarden (Menschen (vs. Bären) und das Monetäre betreffend)!
Äh, i.p. Verurteilung Vahrenholts wäre der Webbaer noch vorsichtig, der Mann soll ja ein Buch geschrieben haben, gibt es schon Rezensionen?
MFG
Dr. Webbaer
Der Titelgeile hat wie immer nix verstanden, lässt aber fröhlich wieder seine braunreaktionären Sabbeleien los.
Was bitte denkt den der senile Petz ist die Absicht von Greenpeace und WWF? So pervertiert wie er schreibt, denkt er sicher, denen gehe es nur darum, seine lieben gottgleichen Global Players niederzumachen?
Und noch abscheulicher: der Schadpetz entblödet sich nicht, den Entwicklungsländern, die DURCH unser Streben nach Reichtum so arm gehalten werden, unterzuschieben, sie starrten nur aufs Geld. Pfui Teufel!
Projektion nennt man sowas. Der WebBArsch projiziert seine Geld-, Titel- und Geltungsgeilheit zu gerne auf Andere.
Verständlich, dass er in immer mehr Blogs gesperrt ist.
Man kann Befangenheit annehmen, keine Frage. Doch dies annehmen und Fehler zu unterstellen, weil "..." sind zwei verschiedene Dinge.
Welche Ethikrichtlinen sollen denn da greifen ? Auf der Skeptikerseite wurde ja auch der Anwalt, die 6 Mitarbeiter des IPPC und das Mitglied der WHO angeprangert. Also auch raus ?
Eine Rezension gibt es nicht direkt, dafür hier aber eine Auswahl verschiedener Kommentare.
Klar ist der verlogene Schadpetz gegen eine "Verurteilung" von Klimaleugner Vahrenholt. Ein Aasgeier hackt dem anderen Aasgeier kein Auge aus.
Außerdem würde der Bradiphrene die Lügen Vahrenholts nicht einmal erkennen, wenn man ihn mit seiner braunen Nase drauf stoßen würde.
@WB
Von all den Unverschämtheiten, die Sie sich hier so geegentlich leisten, ist dies wohl eine der größten. Sie haben nichts kapiert, obwohl da nur ein paar Zeilen stehen, und verkünden dann trotzdem auch noch großspurig, erst ihr Beitrag habe "das beste (sic)" daraus gemacht. Wo steht in meinem Beitrag irgendwas vom IPCC? Es ging um die Vorwürfe, dass sich Klimaforscher durch falsche Prognosen bereichern wollen - googeln Sie doch einfach mal "Klimaforscher Geld", und dann sehen Sie, worauf ich mich beziehe. Ach so, Sie wissen ja besser, was ich denke, genauer gesagt, was ich denken darf? Pech gehabt, dazu reicht ein Bärenhirn nicht aus.Und nur mal ganz am Rande bemerkt, bevor ich Sie hier bitte, auf unabsehbare Zeit Ihren Bärendreck woanders abzusetzen (hatten Sie nicht mal Ihr eigenes Blog? Da wär' doch ein prima Platz dafür): Wie wäre es wohl um die Bären der Welt bestellt wäre, ohne Greenpeace oder vor allem den WWF? Eigentlich sollten Umweltschütze Sie wegen Missbrauchs einer geschützen Artenbezeichung verklagen.
Über Vahrenholt wurde eigentlich schon genug geschrieben.
http://www.klimaretter.info/forschung/hintergrund/10506-qnatuerlich-haben-wir-sachen-weggelassenq/Interessant aber auch, was sein Mitautor Sebastian Lüning so zu sagen hat.
Aha. Na gut, dieses Argument sticht natürlich alles.
Ein RWE-Manager, der seiner Firma, die für ein Fünftel aller deutschen CO2-Emissionen verantwortlich ist, bescheinigt, dass sie in den nächsten Jahrzehnten gefahrlos und kostengünstig genau so weiter machen kann und dass ein teurer Umstieg unnötig ist, schreibt sein Buch selbstverständlich aus reinem Forschergeist.
Aber "wenn Kräfte, die Greenpeace und WWF nahestehen, beteiligt sind muss man natürlich Befangenheit annehmen".
Wenns nicht vom Webbär käme, würde ich dem Autor zur gelungenen Selbstironie gratulieren.
@BreitSide
Gemeint war bradyphren, oder?
@Niels
Vahrenholt ist ein eisenharter Ökologist [1] gewesen, der dann synergetisch zu einem Energieversorger gewechselt hat und jetzt - Trara! - die aktuelle Klimaprognosis mit dem Erwärmungstrend angeht, dabei auch merkwürdige eigene oder übernommene Theorien pflegt => keinesfalls hat sich der Webbaer hier gemein gemacht! - Abär, V. kennt die Szene, weiß wie es läuft, und darum sind die Milieuschilderungen schon sehr interessant. - Man muss natürlich zumindest mal sein Buch gescannt haben, loge! Hat der Webbaer auch noch nicht.
MFG
Dr. Webbaer
[1] der Schreiber dieser Zeilen war bei Vahrenholts Aufstieg vglw. nahe dabei, V. galt mal als großes pol. Talent, schrieb schon in jungen Jahren mit "Soveso ist überall" (oder so ähnlich) ein viel beachtetes Werk
@WB
>3.) dass Wissenschaftler eine Idealisten sind und bereit wären zu zahlen, um forschen zu dürfen...
WB haben 4.) vergessen!
4.) Dass es mindesten ein neoliberales A.l.h gibt, der gerne den einen oder andereren Blogger provoziert.
NWO-Agent·
10.02.12 · 02:44 Uhr
Das ist nun wirklich mit das Amüsanteste, was ich seit langem lesen durfte (ja, mein Leben ist ganz offensichtlich freudlos). Soso, WWF und Greenpeace sind also befangen, weil sie ihr grundlegendes Anliegen, nämlich den Schutz der Umwelt vor anthropogenen Einflüssen, vertreten. Schockschwerenot! Wo gibts denn so was? Gott, bin ich froh, dass mir die Braunkohleindustrie ab und zu mit 2-seitigen Anzeigen im "Spiegel" den rechten Weg weist. Oder sich die größten Industrienationen der Welt (Bestehende wie Werdende) im Grunde einen feuchten Dreck darum scheren, was irgenwelche Organisationen und Wissenschaftler so daherreden. Warum halten diese Konsumspaßverderber nicht einfach die Fresse?BTW: Goldig auch der Subtext (wenn man das so nennen darf) dieses Geschreibsels: Alle, die was anderes sagen als Greenpeace und WWF sind im Umkehrschluss also total selbstkritisch und orientieren sich an himmelhochjauchzenden moralischen Maßstäben.
Das wollte der Webbär aber wahrscheinlich gar nicht behaupten, sowas tut er ja nie. Meister Petz hat ja bekanntlich irgenwie immer recht, so viel bleibt nach fast 3 Jahren als überwiegend stiller Mitleser bei den SB jedenfalls bei mir hängen.
BTW2: Im Grunde kotzt mich ja auch an, dass ich mich hier dank des Webbären als Verteidiger von Greenpeace und WWF wiederfinde, owohl ich beide Organisationen eigentlich aufgrund ihrer des Öfteren durchscheinenden Selbstgerechtigkeit und des mitunter salbungsvollen Duktus nicht wirklich leiden mag.
Aber leider kann man sich ja nicht immer aussuchen, wer die eigenen Überzeugungen (= die von mir als wichtig erachteten Themen) am lautstärksten vertritt...
Dr. Webbaer·
10.02.12 · 02:53 Uhr
Sie können sich dann ja auch denken, was das für das IPCC-Reporting bedeuten könnte. Insofern kann der Webbaer hier nicht ganz folgen. - Um das noch einmal klarzustellen, auch bspw. ein jahrzehntelanger Interessenvertreter wie Vahrenholt soll wg. Befangenheit nicht am IPCC-Reporting mitwirken dürfen! BTW: V. war schon im Nachbarblog 'Primaklima' ein Thema, jedenfalls im Kommentarbereich, der wurde da vor 2 Tagen schon recht gut durchleuchtet. Im SPIEGEL-Archiv findet sich auch etliches...@ Jürgen Schönstein
so, ja die Damen und Herren Wissenschaftler verzichten auf mehr oder weniger Salär für einen interessanteren Arbeitsplatz. Das ehrt sie.
Aber warum verzichten auch Kfz-Mechaniker, Tischler, Dachdecker und Krankenschwestern auf ein mögliches höheres Gehalt? Eben. Auch diese Arbeitnehmer fühlen sich in einem interessanteren beruflichen Umfeld wohler und verzichten dafür auf den einen oder anderen Hunni.
Mag sein, dass so mancher Wissenschaftler dafür auf mehr verzichtet, aber dafür spielt er auch in einer anderen Liga.
Fazit: viele Menschen verzichten aus bestimmten Gründen auf maximale Einkommensmöglichkeiten für einen bestimmten "Wohlfühlfaktor" oder auch für einen Wissensvorsprung im Berufsleben. Das geht vielen Menschen so, auch Wissenschaftlern.
@miesepeter3
ein Wissenschaftler spielt mitnichten in einer anderen Liga als ein z.B.KfZ-Meister, Vollzeit-Sekretärin etc., im Gegenteil. Ein befreundeter KfZ-Meister verdient deutlich mehr als ich Monat, und ich bin PostDoc in einem Labor. Ich ernte immer mitleidiges Lächeln wenn meine besten Freunde (Prokurist, IT´ler und KfZ-meister) und ich auf das Thema Geld kommen, da steh ich nämlich als "schletester" da.
@Biologe
siehe"Mag sein, dass so m a n c h e r Wissenschaftler dafür auf mehr verzichtet,.."
Ich meinte nicht alle. Die schlechte Bezahlung vieler Wissenschaftler und deren unsichere berufliche Lage ist mir durchaus bekannt.
Wissenschaftler, die in Konstruktions- und Forschungsabteilungen von großen Firmen arbeiten spielen aber durchaus in einer anderen Liga, als der dazugehörige Werkstattmeister oder die Sekretärin.
Wenn jemand auf eine solche Position verzichtet, um aus reinem Wissendurst als Postdoc zu arbeiten, hat er meine Hochachtung. Aber Krokodilsstränen vergiessen werd ich deshalb nicht.
@Inhaltemeister
Diese Vorwürfe scheinen dem Schreiber dieser Zeilen aber mit Interessenverflechtungen eng verknüpft zu sein - die er denn auch kommentarisch versucht hat zu bearbeiten.Helfen Sie dem Webbaeren ansonsten bitte verweisend aus, bedenken Sie dabei bitte dass dieser weder Nachrichten aus der sog. Klimaleugner- wie auch aus der Verschwörungstheoretikerszene nur sehr nachrangig scannt. - Der Webbaer ist beiden Szenen nicht zuzurechnen und vertritt zweifelnde und agnostische Positionen, die klimatologisches Bemühen nicht aus sich heraus in Frage stellen; helfen Sie einfach wie erbeten, sofern Sie das für hilfreich halten.
MFG
Dr. Webbaer
[1] wurde gemacht, aber die meisten Positionen schienen sich auf Interessenlagen & Überzeugungen zu beziehen, nicht auf eine grundsätzliche Money-Drivenheit bezogen auf die Klimatologie bzw. deren Vertreter...
* 'weder' bitte streichen
Soso... Wissenschaftler verzichten auf Gehalt gegen Bekanntmachen ihrer Ergebnisse. Schön blöd. Vor allem geht es ja hier nicht um Wissenschaftler in der Wissenschaft vs. Wissenschaftler in der Industrie, sondern um Wissenschaftler in der Industrie mit vs. ohne Maulkorb! Wissenschaftler in der Wissenschaft können oft nicht aus, da gibts Angestelltentarife im öffentlichen Dienst (je nach Land ist das unterschiedlich streng gehandhabt) und die können manchmal richtig besch... sein (bei uns ist das noch schlimmer, CSIC zahlt einem nämlich 1. nur den geringstmöglichen Satz und 2. verbietet es uns auch noch, unser Gehalt aufzustocken selbst wenn man eigenhändig Geld einwirbt, leider hab ich die EU Gelder nicht bekommen, sonst hätt ich die mal ordentlich verklagt).
Ich finde dass eine Firma, die jemandem ein Viertel weniger zahlt, nur damit er Ergebnisse auf Kongressen präsentieren darf gelinde gesagt eine Frechheit. Diejenigen, die in solchen Firmen das Sagen haben, haben nämlich keine Ahnung von Forschung. Sonst würden sie nämlich wissen, dass das Wissen um ein Ergebnis noch lange nicht gleichwertig ist mit "die können damit morgen gleich auch ein marktreifes Produkt haben"!
Bzgl. des Vergleichs zwischen Wissenschaftler in der Forschung und in der Industrie: Es ist ja nicht so, dass jeder von uns Forschern mal irgendwann die Wahl hatte zwischen "verdien' ich viel Geld und geh in die Wirtschaft, wo ich vielleicht einen Maulkorb bekomme" und "akzeptiere ich weniger Geld und forsche frei", abgesehen von wenigen Disziplinen hat die Arbeit in der Industrie - selbst in einer Forschungsabteilung - wenig mit der Arbeit in der Forschung zu tun! Es hat halt nicht jeder Bock auf irgendwelche Produkte hinzuforschen oder immer den Faktor Geld und Wirtschaftlichkeit im Nacken zu haben. Ganz abgesehen von Gebieten wo es überhaupt keine Forschung in der Industrie gibt (Astronomie z.B. sieht da sehr alt aus). Es gibt oder gab ein paar wenige Ausnahmen (z.B. Bell Labs, gibts die noch??), aber die meiste Industrieforschung ist doch sehr angewandt.
Ausserdem rechtfertigt das keineswegs, Leute in der Grundlagenforschung schlechter zu zahlen als die Putzfrauen in demselben Institut. Jeder regt sich immer sofort auf dass Forscher ja Steuergelder verbraten, bevor ihr das nächste Mal schreit, schaut euch mal die Tortendiagramme der Staatsausgaben an! Das meiste geht dafür drauf arbeitsunwillige Mitbürger durchzufüttern (ich rede jetzt nicht von den Hartz IV Leuten, die dummerweise oder schicksalsbedingt da reingerutscht sind, sondern die wo sich mehrere Generationen in einer Familie darauf ausruhen!). Ist das besser als ein bisschen Geld in Dinge zu investieren, die die Menschheit vorwärtsbringen?
@Topic
Mein erster Gedanke war der unwissenschaftliche Satz: "Jetzt wurde das offensichtliche bestätigt". Wenn man sich anschaut, dass Doktoranden weniger verdienen als so mancher Azubi, danach auch nicht die Gehaltsleiter rauf purzeln und viele Jahre mit Zeitverträgen abgespeist werden, dann käme einen nichts anderes in dem Sinn als zu sagen: das müssen Idealisten sein. Insbesondere in Deutschland.
Der Wissenschaftler in mir sagt dann aber: Aber ein statistisch belastbares Ergebnis ist auch sinnvoll. Hoffen wir, dass die Politiker sich das Ergebnis nicht zu Herzen nehmen und einfach nochmal den Rotstift beim Gehalt ansetzen. Kann man ja mit mehr Schreibmaterial vergüten. Das fördert das Forschungsumfeld auch ;)
@Alice
"Das meiste geht dafür drauf arbeitsunwillige Mitbürger durchzufüttern (ich rede jetzt nicht von den Hartz IV Leuten, die dummerweise oder schicksalsbedingt da reingerutscht sind, sondern die wo sich mehrere Generationen in einer Familie darauf ausruhen!)"
Dieser Einwand rettet sie nicht. Zum einen ist in den Tortendiagramm kein Unterpunkt "arbeitsunwillige Mitbürger durchfüttern" und zum anderen ist dies nicht "das Meiste". Es ist nicht mal das Meiste im Unterpunkt des Tortendiagramms "Hartz IV". Es ist ein geringe Prozentsatz. Ich muss daher schließen, dass sie hier ihren eigenen Vorurteilen gegenüber HartzIV-Beziehern aufgesessen sind.
@Ulfi:
Der Wissenschaftler in mir sagt dann aber: Aber ein statistisch belastbares Ergebnis ist auch sinnvoll. Hoffen wir, dass die Politiker sich das Ergebnis nicht zu Herzen nehmen und einfach nochmal den Rotstift beim Gehalt ansetzen.
Das meinst du wohl nicht ernst, oder?
Übrigens, wenn du mich mit Sie anreden willst, dann schreib das auch so. Ich bin normalerweise niemand der Rechtschreibfehler bekrittelt, aber das ist ein sinnverwirrender Fehler.
So, der Herr glaubt mir also nicht, also lassen wir mal Zahlen sprechen.
Hier gibts die aktuellen Zahlen, frisch von der Bundesregierung selbst:
http://bund.offenerhaushalt.de/
Arbeit und Soziales: 37% Wenn man weiterklickt kommt raus, dass Arbeitslosengeld II (also Hartz IV) 20 Milliarden ausmacht (Verwaltung und andere Sachen nicht mitgerechnet, das sind also tatsächlich die Zahlungen an die Hartz IV Empfänger, die Arbeitslosengeld I Leute sind hier auch nicht dabei, wo die sind, hab ich allerdings nicht gefunden)
Bildung und Forschung: 3.36% (ganz passabel im europäischen Durchschnitt!), oder 11 Millarden, der gesamte Haushalt. Also die Hälfte von Hartz IV. Wieviel davon jetzt genau für Wissenschaftlerlöhne draufgeht wird sich schwer feststellen lassen, da ja einige auch von Drittmitteln gezahlt werden (ich nehme mal an höchsten so 30%, eher weniger). Wenn jemand da genaue Zahlen weiss, bitte melden!
Der Verteidigungshaushalt ist übrigens 3x so gross wie die Ausgaben für Bildung und Forschung, nur mal so am Rande.
Hab mich grade gefragt wo die Ausgaben für Schulen und Universitäten sind, aber die sind ja Sache der Bundesländer. Bayern alleine gibt übrigens 10 Mrd für Personalkosten in der Bildung aus (da sind bestimmt auch ein paar Professoren dabei, aber ansonsten sind das wohl hauptsächlich die Lehrer und Erzieher).
Noch ein paar Zahlen am Rande: Ausgaben für Schulden: 37Mrd. Zuschüsse an die Krankenkassen: 15 Mrd! (was zum Teufel machen die mit 20% vom Bruttoeinkommen und den Zuschüssen, in anderen Ländern wird das über die Steuern finanziert und die sind niedriger als in D!)
Auch nett, ein Artikel, den kürzlich eine Freundin auf FB gepostet hat: Ein Heimchen am Herd mit einem passabel verdienenden Mann kostet den Steuerzahler über ein paar Jahrzehnte ungefähr ein Einfamilienhaus, wegen gemeinsamer Steuerveranlagung (diesen Mist gibts auch wirklich nur noch in Deutschland!), kostenloser Krankenmitversicherung etc. Wie wärs damit, stattdessen ein paar Wissenschaftlern ein Einfamilienhaus zu finanzieren?
Das klingt jetzt natürlich provokativ und ist auch nicht Thema des Threads. War nur als Beispiel gedacht.
> Ein Heimchen am Herd mit einem passabel verdienenden Mann kostet den Steuerzahler über ein paar Jahrzehnte ungefähr ein Einfamilienhaus, wegen gemeinsamer Steuerveranlagung (diesen Mist gibts auch wirklich nur noch in Deutschland!), kostenloser Krankenmitversicherung etc. Wie wärs damit, stattdessen ein paar Wissenschaftlern ein Einfamilienhaus zu finanzieren?
Soll dass hier eine NeidDebatte werden.
> Das meiste geht dafür drauf arbeitsunwillige Mitbürger durchzufüttern
Den Nachweis, dass mehr als die Häfte der Hartz 4 Empfänger arbeitsunwillig sind, möchte ich mal sehen.
@michael:
Soll dass hier eine NeidDebatte werden.
Neid? Auf wen? Auf zu Hause sitzende Mütter?? Ja ganz bestimmt nicht, da kennst du mich schlecht.
Mir geht es nur im Prinzip darum, dass ich es leid bin dass wir Wissenschaftler uns ständig und täglich für unser karges Einkommen praktisch auch noch entschuldigen müssen. Millionen anderer Mitbürger, die auch vom Staat unterstützt und durchgefüttert werden, dabei so gut wie nichts tun, müssen dies nicht und niemand sagt was dagegen. Da wird verlangt, dass wir Öffentlichkeitsarbeit machen (und uns dann ständig dämliche Fragen von esoterikaffinen Leuten anhören müssen statt über was ordentliches diskutieren zu können, frag mal FF nebenan!), dass wir bloggen und was weiss ich nicht noch alles. Verlangt vielleicht jemand von einer Mutter in Elternzeit dass sie täglich über ihr Leben bloggt? Oder ein Arbeitsloser?? Oder die ganzen Beamten in irgendwelchen Verwaltungen, die nie offen haben wenn man sie braucht, und wo man sich fragt wie lange die überhaupt arbeiten (und die übrigen alle besser bezahlt werden als die Wissenschaftler)? Oder die Lehrer, die werden auch vom Staat bezahlt. Warum immer auf den Wissenschaftlern rumhacken?
Ausserdem ging es bei dem Artikel 1. darum dass FIRMEN Forschern, die ihre Ergebnisse präsentieren dürfen weniger zahlen als solchen, die es nicht dürfen. Ich würde bei einer solchen Firma ja nicht anfangen, aber jedem das seine... und 2. um die Behauptung, Klimaforscher würden nur den Klimawandel herbeibeschwören weil ihnen das mehr Forschungsgelder bringen würde was dann wiederum durch die genannte Untersuchung entkräftet wurde.
Ich finde, wir Wissenschaftler sollten ein bisschen von dem übertriebenen Idealismus aufgeben und uns einen "Marktwert" schaffen. Sonst macht der Staat oder wer auch immer über die Gelder bestimmt mit uns was er will.
> ...dass wir bloggen und was weiss ich nicht noch alles.
Ja und? Woher sollen andere sonst wissen, wie die Lebenssituation an den Hochschulen ist, und eine Vertretung so wie eine Gewerkschaft habt ihr ja nicht. Also werdet ihr zerrieben. Denn alleine hat man keine Chance.
Und wenn Du schon propagierst, dass man den Arbeitsunwiligen die Unterstützung streichen sollst, dann musst Du auch sagen, wie und wovon die leben sollen. Nach Amerika oder Australien verschicken, geht ja nun nicht mehr.
> Sonst macht der Staat oder wer auch immer über die Gelder bestimmt mit uns was er will.
Ja, so ist das. "Marktwert" würde ich aber nicht sagen, dann seid ihr nur Spielball der Märkte. Mitspieler müßt ihr werden, sonst kommt ihr gegen die global agierenden Unternehmen nicht an.
Und wenn Du schon propagierst, dass man den Arbeitsunwiligen die Unterstützung streichen sollst, dann musst Du auch sagen, wie und wovon die leben sollen.
Hab ich irgendwo behauptet, man solle den Leuten die Unterstützung streichen und sie ausweisen o.ä.?? Jetzt bleib mal auf dem Teppich! Ich habe lediglich angemerkt dass wir ungerechtfertigterweise ständig kritisiert werden (und das jetzt schon zum 3. Mal, ich wiederhole mich nicht mehr!) zumal wir bei weitem weniger Geld brauchen als so viele andere Dinge in diesem (und anderen) Staat(en). Und wenn du mal lesen würdest was in welchen Blogs, Postings, Pressekommentare o.ä. IMMER irgendwann als Beleidigung gegen Wissenschaftler kommt, dann würdest du die Wissenschaftler vielleicht auch verstehen (kommt dem vorgeschlagenen Ausweisen von Arbeitlosen praktisch gleich).
Das Problem muss von beiden Seiten angegangen werden. Zum einen müssen Wissenschaftler aufhören alle (un-)beliebigen Arbeitsbedigungen zu akzeptieren. Andererseits muss aber auch die Gesellschaft erkennen dass Wissenschaftler nicht nur "Schmarotzer" sind. Irgendwo hat jemand mal den Mist in die Welt gesetzt dass Wissenschaft ja "so viel Geld" verbrät und seitdem wird es weiterverbreitet.
Besonders toll fand ich einen Kommentar zu Christians (von Frischer Wind) Vorschlag auf der Bürgerplattform zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, wo jemand meinte, diese ganzen Wissenschaftler braucht ja niemand. Genau. Und wie könnte dieser Herr jetzt ohne Wissenschaftler mit seinem Computer (!) auf einer Plattform im Internet (!) einen dämlichen Kommentar posten..?
> Zum einen müssen Wissenschaftler aufhören alle (un-)beliebigen Arbeitsbedigungen zu akzeptieren.
Ja
> Andererseits muss aber auch die Gesellschaft erkennen dass Wissenschaftler nicht nur "Schmarotzer" sind.
Nein. Wenn ihr bessere Arbeitsbedingungen und besseres Ansehen wollt, müßt ihr das aktiv einfordern.
> Und wie könnte dieser Herr jetzt ohne Wissenschaftler mit seinem Computer (!) auf einer Plattform im Internet (!) einen dämlichen Kommentar posten..?
Und? Wenn es keine Computer gäbe und kein Internet, würde dieser Herr etwas vermissen?
Dr. Webbaer·
13.02.12 · 13:42 Uhr
Diese Argumentation allein ist i.p. Schönheit, Stringenz & Logik durchaus geeignet diesen Jemand zu bestätigen! - zumindest in der Ansicht, dass viele Wissenschaftler am Marktbedarf vorbei von den deutschen Bildungssystemen produziert werden. Was ja auch kein Geheimnis ist!MFG
Dr. Webbaer (der nicht dieser Jemand war)
@WB
Könnten Weisheitsbärchen mal erläutern, was sein Kommentar mit
zu tun hat ?
> (der nicht dieser Jemand war)
Bitte Beweise vorlegen!