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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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Archiv Dezember 2011

29. Dezember 2011

Yeti-Krabben und Schnecken mit schuppigen Füßen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Wie wär's mit einem kurzen Ausflug in die Tiefe? Der Meeresbiologe Jon Copley und seine KollegInnen vom National Oceanographic Centre der University of Southampton haben mit ferngesteuerten Tiefseekameras die Umgebung eines Tiefseeschlots im Indischen Ozean erforscht, der Dragon Vent genannt wird und der Heimat für ziemlich exotische (und bisher unbekannte oder zumindest im Indischen Ozean nicht bekannte) Arten ist:

Detailliertere Aufnahmen der Tiefseebewohner, darunter eine neue, kurzbeinige Art von Yeti-Krabben und Schnecken mit einer "Rüstung" aus Eisensulfiden (beispielsweise Pyrit) gibt es hier, auf der Website des britischen Guardian.

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Autor: Jürgen Schönstein· 29.12.11 · 06:17 Uhr· 4 Kommentare

28. Dezember 2011

Na, dann schon mal Prost!

Kategorie: Naturwissenschaften

Manchen genügt ein knackiges "Plopp" - andere wollen's genauer wissen, worauf es beim Champagner ankommt, mit dem sie an Silvester anstoßen wollen. Für letztere hat die American Chemical Society das folgende, kurze Video produziert:


Autor: Jürgen Schönstein· 28.12.11 · 05:39 Uhr· 0 Kommentare

26. Dezember 2011

Freundschaft in Zeiten der Social Media

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Vielleicht ist es der Umstand, dass bald wieder ein Jahr vorbei ist, der mich "altmodisch" fühlen lässt. Vielleicht bin ich wirklich schon, im sozialen Sinn, alt. Vielleicht ist es auch nur mein kutureller Hintergrund, der mir eine andere Grundvorstellung von sozialen Beziehungen mitgegeben hat. Was immer es ist: Als ich das Paper über Social selection and peer influence in an online social network las, das in den aktuellen Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, kam ich über die Aversion nicht hinweg, dass darin die Auswahl unserer Freundschaften am Beispiel der Social Media, namentlich Facebook, analysiert wurde.

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Autor: Jürgen Schönstein· 26.12.11 · 23:47 Uhr· 6 Kommentare

24. Dezember 2011

Der Weihnachtsmann unter NORAD-Beobachtung

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 2

Was den US-Zeitungen der alljährlich veröffentlichte Briefwechsel zwischen Virginia und der längst eingestellten New York Sun ist, wird in meinem Blog dieser Artikel über den Weihnachtsmann und dem North American Aerospace Defense Command NORAD sein - getreu dem Motto "Alle Jahre wieder":

Angeblich durch einen Zufall wurde mehr als einem halben Jahrhundert das US-Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando NORAD dazu inspiriert, den Weihnachtsmann auf seinem Schlittenflug zu orten*. Und wenn das Militär schon mal einen Sinn von Humor (oder sogar Sensilbilität gegenüber kindlichen Gefühlen) zeigt, dann sollte man das auch honorieren. Zum Beispiel mit dem Hinweis auf die entsprechende NORAD-Seite, die "das schnellste Ding auf der Erde" verfolgt und die es sogar in deutscher Sprache gibt (die Computerspiele, mit denen sich die Kinder oder Erwachsenen die Wartezeit verkürzen sollen, sind allerdings in englischer Sprache).

Und dort wird sogar eine - natürlich nicht ernst gemeinte, aber auch nicht ganz unseriöse - Antwort darauf gegeben, wie es dieser Weihnachtsmann schafft, alle Kinder der Welt in einer einzigen Nacht zu beliefern:

die Tatsache, dass der Weihnachtsmann schon seit mindestens 16 Jahrhunderten lebt, ohne zu altern, ist unser deutlichster Hinweis darauf, dass für ihn nicht dieselbe Zeitrechnung gilt wie für uns. Seine Reise scheint für uns nur 24 Stunden zu dauern, aber in der Zeitrechnung des Weihnachtsmanns dauert sie vermutlich mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate, wenn wir das in unsere normale Zeit umrechnen.

Der Weihnachtsmann möchte sich für seine wichtige Aufgabe Zeit nehmen und sich beim Verteilen der Geschenke und dem Verbreiten der Weihnachtsstimmung nicht so abhetzen. Daher ist die einzige logische Erklärung die, dass für den Weihnachtsmann ein anderes Raum-Zeit-Kontinuum existiert als für uns.

*Was kein Versuch sein soll, hier die Existenz des Weihnachtsmannes in irgend einer Form wissenschaftlich zu begründen. Wer Kinder hat, wird das verstehen. Wer nicht, dem sei eingangs erwähnter, klassisch gewordener Zeitungsartikel als Lektüre zu empfehlen: "Yes, Virginia, there is a Santa Claus". Frohe Weihnachten, oder was auch immer man als Jahresend-Festlichkeit begehen möchte!


Autor: Jürgen Schönstein· 24.12.11 · 05:10 Uhr· 2 Kommentare

22. Dezember 2011

nature und die Traditionelle Chinesische Medizin

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 26

cover.jpgNachdem ich mit meinen eigenen Beiträgen (hier und hier) über das Verhältnis von Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) und evidenzbasierter Medizin - genauer gesagt, über eine Grauzone, in der eine Annäherung zwischen beiden gesucht wird - eine ans Wütende grenzende Kommentarschlacht entfacht hatte, war ich erst zögerlich, als ich sah, dass die aktuelle Ausgabe von nature eine Sonderbeilage zu genau diesem Thema hat. Aber nun stellt sich mir doch die Frage (die natürlich auch im einleitenden nature-Editorial angeschnitten wird): Ist das akzeptabel bei einer der führenden Wissenschaftspubliaktionen der Welt? Wird nicht allein schon durch die Würdigung in nature, unabhängig von der begreiflichen wissenschaftlichen Intention, der Eindruck erweckt, dass TCM bereits die Schwelle dessen, was wir als Medizin bezeichnen (und was eben nicht die alternativen, weil nicht wissenschaftlich belegbaren Behandlungsmethoden aller Art und Herkunft einschließt), erreichen konnte?

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Autor: Jürgen Schönstein· 22.12.11 · 18:22 Uhr· 26 Kommentare

20. Dezember 2011

Schrödingers Katze im "Schilf"

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 6

Als Buchautor habe ich mich bisher nicht besonders hervor getan. Eine Idee, die ich seit ein paar Jahren schon mit mir rumschleppe ist ein Krimi mit Schrödingers Katze als Hauptfigur - aber dann denke ich, das will sowieso keiner lesen und verliere den Schwung. Um so erstaunter war ich, als mir nun die Ankündigung zu einem Kinothriller mit dem mysteriösen Titel "Schilf" auf den Desktop flatterte. Hier erst mal der Trailer:

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Autor: Jürgen Schönstein· 20.12.11 · 19:03 Uhr· 6 Kommentare

19. Dezember 2011

Ahnungslosigkeit fördert "demokratische" Entscheidungen

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 24

Auf diesen knappen Nenner lassen sich die Ergenisse des Papers Uninformed Individuals Promote Democratic Consensus in Animal Groups bringen, das in der aktuellen Ausgabe von Science erschienen ist. Ich gestehe, dass ich mich an der Formulierung "demokratischer Konsens in Tiergruppen" erst mal ziemlich gerieben habe, denn Demokratie ist ein politisches Phänomen, und der Begriff des zoon politikon (sorry, hier ist nicht nur mein Blogger-Kollege Ali Arbia gemeint), also des "politischen Lebeswesens", ist nun mal für den Menschen reserviert. Aber dann habe ich doch ins Paper geschaut, und das Resultat ist zumindest verblüffend.

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Autor: Jürgen Schönstein· 19.12.11 · 05:52 Uhr· 24 Kommentare

17. Dezember 2011

Orson Welles über hellseherischen (Selbst-)Betrug

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 9

Falls sich jemand wundert, warum Hellseher und andere Spökenkieker offenbar selbst an ihre "übersinnlichen" Kräfte glauben: Der großartige Orson Welles (Der Dritte Mann ist meiner Meinung nach einer der besten Filme aller Zeiten) erklärt hier aus eigener Erfahrung und sehr eloquent, woher das kommt:


Autor: Jürgen Schönstein· 17.12.11 · 14:48 Uhr· 9 Kommentare

16. Dezember 2011

Marihuana-Konsum bei US-Jugendlichen steigt

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 13

240px-Joint_and_smoke.jpgAah, jetzt weiß ich, warum sie "High Schools" besuchen: Die Zahl der US-Jugendlichen, die nach eigenen Angaben regelmäßig Cannabis (auch Marihuana genannt) konsumieren, ist auf ihren höchsten Stand seit 30 Jahren gestiegen. 25 Prozent aller Mittel- und Oberstufenschüler hat im vergangenen Jahr mindestens einen Joint geraucht (vor einem Jahr waren es noch "nur" 21 Prozent); jede/r 15. Schüler/in konsumiert das Kraut sogar täglich. So weit die schlechte Nachricht ... okay: In meinen Augen schechte Nachricht (dazu gleich noch ein paar Worte). Die gute Nachricht, und das meine ich sehr ernst, ist die Tatsache, dass parallel zum Anstieg des Marihuanakonsums die Popularität harter Drogen, wie Crack, Kokain oder Schmerzmitteln ebenso zurück geht wie der exzessive Alkoholkonsum (so erklärt's jedenfalls das von den staatlichen Gesundheitsinstituten gesponsorte Projekt Monitoring the Future).

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Autor: Jürgen Schönstein· 16.12.11 · 05:10 Uhr· 13 Kommentare

14. Dezember 2011

Paul Allens Plan: Aus der Luft ins All

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 10

Milliardäre erobern das Weltall: Jeff Bezos finanziert mit seinen Amazon-Milliarden ein neues Trägersystem, Elon Musk (ehemals PayPal) hat mit seiner Firma SpaceX bereits erfolgreich seine Falcon-Raketen eingesetzt, Richard Branson plant den Weltraumtourismus. Und auch Paul Allen, Mitbegründer von Microsoft und der Geldgeber des ersten privaten Raumflugzeugs, Spaceship One, will nun ernsthaft seine Milliarden in die private Raumfahrt investieren. Sein Stratolaunch-Konzept ähnelt nicht ganz zufällig Bransons Virgin-Galactic-Trägersystem Eve (beide Systeme werden von Burt Rutans Firma Scaled Composites gebaut): Ein gigantisches Mutterschiff, das mit sechs Boeing-747-Triebwerken motorisiert ist, wird eine Falcon-Rakete bis in etwa 10.000 Meter Höhe befördern; dort wird die Rakete ausgeklinkt und gezündet. Wie das gehen soll, zeigt das folgende Video:


Autor: Jürgen Schönstein· 14.12.11 · 21:36 Uhr· 10 Kommentare

Amundsen und Higgs - oder warum Wissenschaft kein Wettrennen sein sollte

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Von Genf bis zum Südpol sind es genau 15.124 Kilometer - aber durch zwei Ereignisse, die (wenn auch mit 100 Jahren Zeitabstand) aktuell bemerkenswert sind, verkürzt sich diese Distanz für mich heute auf einen Gedankensprung. Was könnte also die Verbindung zwischen der an die Geduld appelierende Verkündung, dass man am CERN in Genf dem lange gesuchten Higgs-Boson zwar ein bisschen näher gekommen sei, und dem heutigen 100. Jahrestag des Eintreffens von Roald Amundsen am Südpol sein? Nun, da kann ich nur einladen, meinem Gedankensprung zu folgen: Amundsen und seinem Rivalen Robert F. Scott ging es primär darum, der Erste zu sein - das Erreichen des Südpols wurde somit zu einem tödlichen Wettrennen, bei dem in gewisser Weise auch die Wissenschaftlichkeit des Unterfangens auf der Strecke blieb. Auch das Higgs-Teilchen ist ein wissenschaftlicher "Pol" (oder meinetwegen auch ein bisher unbestiegener Gipfel); wenn noch derselbe Konkurrenzgedanke wie zu Scotts und Amundsens Zeiten die Leistungen der "Entdecker" beflügelt hatte, wäre am Dienstag vermutlich statt vorsichtig abwartender Geduld und der Aussicht auf ein spätes, aber dafür stichfestes Resultat eine voreilige wissenschaftliche Siegeserklärung abgegeben worden.

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Autor: Jürgen Schönstein· 14.12.11 · 04:58 Uhr· 4 Kommentare

13. Dezember 2011

"Zeitlupe" schaut dem Licht beim Laufen zu

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 10

Ist schon faszinierend: Wissenschaftler am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (meinTeilzeit-Arbeitgeber - falls jemand daraus einen Interessenkonflikt ablesen sollte) haben eine Kamera entwickelt, die mit einer Belichtungszeit von 1,71 Pikosekunden (1 Pikosekunde = 10-12 Sekunden, also eine Tausendstel Nanosekunde oder Billionstel Sekunde) so schnell ist, dass sie einen ultrakurzen Lichtimpuls auf seinem Weg durch, beispielsweise, eine Colaflasche einfangen kann:


Autor: Jürgen Schönstein· 13.12.11 · 17:30 Uhr· 10 Kommentare

12. Dezember 2011

Lesetipp: NYT-Interview zum Higgs-Boson

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

In Ergänzung zu dem, was Florian bereits über die gespannte Erwartung auf die für morgen angekündigten CERN-Resultat hinsichtlich des lange gesuchten Higgs-Bosons geschrieben hat, hier ein NYTimes-Interview mit der Harvard-Teilchenphysikerin Lisa Randall zum gleichen Thema. Sie rechnet nicht damit, dass die Daten schon einen schlüssigen Nachweis für das Higgs-Boson liefern können:

I suspect they will have enough evidence not to exclude the Higgs, but too little to fully pin it down without next year's data.
Ansonsten sei auch der fehlende Nachweis keineswegs ein Flop:
The great irony is that not finding a Higgs boson would be spectacular from the point of view of particle physics, pointing to something more interesting than the simple Higgs model. Future investigations could reveal that the particle playing the role of the Higgs has interactions aside from the ones we know have to be there for particles to acquire mass.

The other possibility is that the answer is not the simple, fundamental particle that the Large Hadron Collider currently is looking for. It could be a more complicated object or part of a more complex sector that would take longer to find.


Autor: Jürgen Schönstein· 12.12.11 · 15:49 Uhr· 1 Kommentar

Blue Origin: Raketenflug wie bei James Bond

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 5

Dieser Eintrag ist gewissermaßen ein Abfallprodukt des aktuellen SciencePicture, das die Raketenpläne des Amazon-Gründers Jeff Bezos zum Inhalt hat. Blue Origin und Blofeld, der notorischen James-Bond-Bösewicht, haben zwar außer der Position im Alphabet wenig Gemeinsamkeiten - aber ich kann mir nicht helfen, das Design und die Technik (vor allem die Landung auf dem heißen Raketenstrahl) der Bezos- und der Blofeld-Raketetypen sind schon verblüffend ähnlich. Hier ein Videoclip des Blue-Origin-Fahrzeug bei einem Start- und Landetest, das vor einem Monat freigegeben wurde:

Und hier eine Landeszene des aus - fiktiven - Privatmitteln entwickelten Raumschiffs, mit dem Blofelds Geheimagentur des Bösen, SPECTRE, im James-Bond-Film Man lebt nur zweimal (1967) die Raumfahrtprograme sowohl der Russen als auch der Amerikaner austrickst:


Autor: Jürgen Schönstein· 12.12.11 · 05:38 Uhr· 5 Kommentare

08. Dezember 2011

Da steckt der Wurm drin (c.elegans)

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 3

Manchmal stolpert man ja ueber merkwürdige Dinge, wenn man in YouTube herumsucht. Ohne weitere Worte: Bohemian Rhapditid

Mehr zum Hintergrund hier


Autor: Jürgen Schönstein· 08.12.11 · 19:11 Uhr· 3 Kommentare

07. Dezember 2011

Gingrich: Kinderarbeit in Schulen

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 20

Ich werde mir hier erlauben, immer wieder mal ein paar Highlights aus dem, US-Vorwahlkampf ums Weiße Haus zu posten - vor allem, wenn dabei Themen angesprochen werden, die auch aus deutscher Sicht relevant sein können. Hier nun ein Aufreger vom aktuellen republikanischen Spitzenkandidaten New Gingrich, der vorschlägt, Kinder aus armen Familien als Hilfshausmeister zum Bodenschrubben in Schulen einzustellen - damit sie mal lernen, was richtige Arbeit ist (weil sie das ja von zuhause nicht kennen, logisch [/sarkasmus off]):

Um Missverständnisse zu vermeiden: Gingrich zitiert hier zwar ausgiebig aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, Kinder für jedes Buch, das sie lesen, mit zwei Dollar zu entlöhnen (Stichwort: Learn & Earn) - aber darum geht es in seinem aktuellen Vorschlag eben nicht. Die Kinder sollen nicht fürs Lernen, sondern als billige Hilfskräfte entlohnt werden. Und welche Botschaft das vermittelt, ist nicht schwer vorstellbar ...


Autor: Jürgen Schönstein· 07.12.11 · 15:14 Uhr· 20 Kommentare

06. Dezember 2011

Autos sind die besseren Fahrer

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 38

Über Sebastian Thrun und seine selbst fahrenden Autos hatte ich hier ja schon mal geschrieben. Aber weil er heute einen Artikel über seine Arbeit im Science-Teil der New York Times veröffentlicht hat, und weil ich seit meinem Umzug nach Cambridge (wo das öffentliche Verkehrsnetz längst nicht so gut ist wie in New York City) unfreiwillig wieder Autofahrer geworden bin und mich viel zu häufig über all die unnötigen Verzögerungen und Fahrfehler (auch meine eigenen!) ärgern muss, wollte ich ihn mal selbst hier - via TED-Vortrag - zu Wort kommen lassen:

Autos, die selbst einparken können, gibt's ja schon. Viel mehr als das braucht's dann fast gar nicht mehr, denn Steuerung und Abstandsmesser sind damit schon vorhanden - der Rest ist vor allem Software. Und schnelle Informationsverarbeitung. Wobei ich hier in Cambridge - ich nehme an, auch in Deutschland gibt es viele Städte, wo es ähnlich ist - schon erleichtert wäre, wenn das Verkehrsleitsystem (sprich: die Ampeln) etwas intelligenter und adaptiver wäre.


Autor: Jürgen Schönstein· 06.12.11 · 22:13 Uhr· 38 Kommentare

Kermit, der Kommunist

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 19

Kann jemand diesen Leuten mal im Wörterbuch zeigen, wo der Begriff "Paranoia" steht? Der Medienkritiker Dan Gainor vom rechtskonservativen Media Research Center wird vom Fox Business Channel bemüht zu erklären, dass die Muppets Teil einer linken Verschwörung in Hollywood sind. Wie er darauf kommt? Weil es im neuen Muppetfilm darum geht, dass ein texanischer Ölbaron namens Tex Richman das alte Muppets-Theater abreißen lassen will. Und da fliegen den Fox-Fachleuten offenbar sämtliche Drähte aus den Mützen:

Kleiner Tipp an die Anti-Hollywoodneurotiker: Die Muppets sind Eigentum der Walt Disney Company, und so weit ich das sehen kann, ist Disney ein sehr amerikanisches und sehr (erfolg)reiches Unternehmen, mit einem Jahresumsatz von 38 Milliarden Dollar und einem Profit von 6,6 Milliarden (2010). Der Mickey-Mouse-Konzern ist eines der größten Unternehmen der Welt (und rangiert noch vor Coca-Cola, ganz nebenbei bemerkt) - wer hier Kommunisten am Werk vermutet, hat vermutlich nicht kapiert, was Kommunismus ist. Wenn Disney Milliarden mit Muppets &Co. scheffelt, dann ist das purer Kapitalismus.


Autor: Jürgen Schönstein· 06.12.11 · 21:35 Uhr· 19 Kommentare

05. Dezember 2011

Kapitalismus und Evolution

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 21

When businesspeople take credit for creating jobs, it is like squirrels taking credit for creating evolution. In fact, it's the other way around.
Diesen Satz aus einem Artikel, den der US-Milliardär Nick Hanauer zum Thema Steuern und die Schaffung von Arbeitsplätzen" für BusinessWeek geschrieben hat, fand ich einfach zu knackig, um ihn nicht gleich an den Anfang dieses Postings zu stellen (und außerdem kommt darin das Stichwort "Evolution" vor, womit die Präsenz dieses Themas in einem wissenschaftsorientierten Blog gleich doppelt begründet ist). Hanauer, der im Prinzip in das gleiche Horn stößt wie Warren Buffett und höhere Steuern für Superreiche wie ihn selbst fordert, demontiert in seinem Beitrag das Mantra der kapitalistischen Marktwirtschaft, dass die hoch entlohnten Unternehmer dafür verantwortlich sind, dass Märkte generell und Arbeitsmärkte im Besonderen florieren.

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Autor: Jürgen Schönstein· 05.12.11 · 19:17 Uhr· 21 Kommentare

04. Dezember 2011

Abgestandener Kamellen-Tee

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 5

Herman Cain, der kurzzeitige Star des Tea-infusionierten republikanischen Rennens um die Chance, gegen Barack Obama zu kandidieren, hat aufgegeben. Gescheitert ist er allerdings nicht an seiner politischen Schwachbrüstigkeit, sondern an seinen privaten "Schwächen" (sprich: außerehelichen Affären), wie diese New-York-Times-Grafik zeigt:
Cain-Poll.jpg

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Autor: Jürgen Schönstein· 04.12.11 · 04:53 Uhr· 5 Kommentare

02. Dezember 2011

Impfen gegen Fremdenhass und Vorurteile

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 33

Jawohl, Impfen ist hier nicht metaphorisch gemeint: Laut dem Paper Immunizing Against Prejudice Effects of Disease Protection on Attitudes Toward Out-Groups, das in der kommenden Ausgabe (derzeit leider noch nicht online, darum der Link zur Pressemitteilung) von Psychological Science erscheinen soll, kann durch Impfung tatsächlich die Aversion gegen Fremde - im Psychologensprech "outgroup" (auf Deutsch: Fremdgruppe) genannt - reduziert werden. Und da dies einerseits spannend genug klingt, dass mein journalistischer Instinkt darauf anspringt, andererseits die Sache per Pressemitteilung schon so vorab rausgeblasen wurde, reite ich jetzt mal mit dem bisschen, was ich habe, über den Acker. Und wenn das Paper raus ist, schau ich's mir noch einmal genauer an. Versprochen!

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Autor: Jürgen Schönstein· 02.12.11 · 04:29 Uhr· 33 Kommentare

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