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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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Archiv Oktober 2011

28. Oktober 2011

Haie: das schreckliche Missverständnis

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Knowing what I know now, I could never write that book today. Sharks don't target human beings, and they certainly don't hold grudges.
Peter Benchley (†2006), Autor des Bestsellers "Jaws" ("Der Weisse Hai")
Die reuevolle Einsicht, dass das Buch und der Film "Der Weiße Hai" mit dafür verantwortlich waren, dass Haie als gnadenlose Menschenkiller betrachtet und entsprechend schonungslos gejagt werden, hatte den Bestsellerautor Peter Benchley motiviert, sich für den Schutz der Haie stark zu machen: Von den rund 400 Haiarten sind immerhin 100 akut bedroht. Und ganz im Gegensatz zu ihrem Ruf sind Haie eben nicht die kaltblütigen Killermaschinen: Die Zahl der unprovozierten Angriffe von Haien auf Menschen liegt bei weit unter 100 (im Jahr 2010 waren es laut dieser Statistik 79); die durchschnittliche jährliche Zahl der Todesopfer durch Haiangriffe im vergangenen Jahrzehnt liegt weltweit bei 4,3. Im Vergleich dazu: Allein in Deutschland sterben jährlich 23 Menschen durch Pferde (= bei Reitunfällen).

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Autor: Jürgen Schönstein· 28.10.11 · 17:38 Uhr· 10 Kommentare

Förderliche Neugier

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

Neugier ist lästig ("Lass mal sehen, was du da hast"), Neugier ist störend ("Was schreibst du gerade?"), Neugier ist indiskret ("Weißt Du, warum der M. neuerdings immer so früh nach Hause geht?") Kein Wunder also, dass "sei nicht so neugierig" zu den häufigeren erzieherischen Ermahnungen gehört. Pandoras Neugier brachte alles Übel unter die Menschen, und auch in der Bibel wird Neugier generell harsch bestraft, sei es die Neugier Adam und Evas auf die Frucht vom Baum der Erkenntnis, sei es die Neugier von Lots Gemahlin bei der Flucht aus Sodom. 240px-Blaas_Eugen_von_The_Eavesdropper.jpgDoch Neugier ist auch ein wesentlicher Charakterzug der Wissenschaft - und, wie ein Paper in der aktuellen Ausgabe von Perspectives on Psychology noch einmal ausdrücklich nachgewiesen hat, für den akademischen Lernerfolg ebenso essentiell wie Intelligenz und Fleiß. Weshalb der "Hunger des Verstandes" in dieser Studie auch als "die dritte Säule der akademischen Leistungsfähigkeit" bezeichnet wird (The Hungry Mind: Intellectual Curiosity Is the Third Pillar of Academic Performance).

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Autor: Jürgen Schönstein· 28.10.11 · 05:02 Uhr· 5 Kommentare

Eigentor mit Einwanderungs-Gesetzgebung

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 39

Illegale Einwanderer nehmen Einheimischen die Arbeitsplätze weg - auf diese simple Formel lässt so ziemlich jede Verschärfungsbemühung der (sowieso nicht gerade generösen) US-Einwanderungsregelungen bringen. Und auch so mancher deutsche Stammtisch wird sich dieser Denkweise ohne großes Zögern anschließen: Ausländer raus! Staaten wie Alabama, Arizona und Georgia haben zwar keine Hoheit über das Staatsbürgerschafts- und Aufenthaltsrecht (das ist eine Bundesangelegenheit), aber sie versuchen, durch schärfere Kontrollen von Ausweispapieren und Strafandrohung für Arbeitgeber und Vermieter, die illegale Einwanderer beschäftigen oder unterbringen, das Problem zu bekämpfen. Und offenbar zeitigt diese Methode auch einen Erfolg: Die Zahl der illegalen Wander-Erntearbeiter in Alabama und Georgia ist seit Einführung der neuen Gesetzgebung deutlich zurückgegangen. So deutlich, dass nun die Ernte auf den Feldern zu verrotten droht, weil sich keine Amerikaner finden, diese Knochenarbeit unter den gleichen Bedingungen zu erledigen. Der Colbert Report ist zwar nicht unbedingt eine fundierte wissenschaftliche Quelle, aber ich denke, dieser Videoclip illustriert das Problem griffiger als ein akademisches Paper:

The Colbert ReportMon - Thurs 11:30pm / 10:30c
Alabama's Migrant Workers
www.colbertnation.com
Colbert Report Full EpisodesPolitical Humor & Satire BlogVideo Archive

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Autor: Jürgen Schönstein· 28.10.11 · 03:00 Uhr· 39 Kommentare

25. Oktober 2011

Nachdenken über Vorsorgemedizin

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 25

Tja, und da hatte ich immer geglaubt, "Vorbeugeuntersuchung" wäre bildlich gemeint, doch seit ein paar Tagen weiß ich es besser (alle Männer über 50 werden diese Bemerkung vermutlich auch ohne Hilfestellung kapieren - alle anderen LeserInnen bitte ich um ein bisschen Geduld mit der Erklärung). Dass diese sehr persönliche Erfahrung ausgerechnet in die Zeit fällt, in der das bisher auf breiter Ebene in den USA praktizierte PSA-Screening (na, dämmert's jetzt schon?) ob seiner Unzuverlässigkeit nicht mehr generell empfohlen wird und auch der Sinn der Mammografie als Vorsorgeuntersuchung gegen Brustkrebs angezweifelt wird, ergänzt sich zudem mit der Frage zur Präventivmedizin, die unser neuer ScienceBlogger-Kollege Joseph Kuhn in seinem ersten Beitrag aufgegriffen hat. Also: Sind Vorsorgeuntersuchungen - zumindest gegen Brust- und Prostatakrebs - überhaupt sinnvoll und vertretbar?

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Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.11 · 19:13 Uhr· 25 Kommentare

Und noch ein Science-Song

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

Florian hat hier ja schon ein paar musikalische Annäherungen an die Wissenschaft eingesammelt. Aber es gibt auch hochaktuelle Songs zu Science-Themen. Zum Beispiel den Neutrino Song der irischen Band Corrigan Brothers, die sich nach dem OPERA-Neutrino-Experiment nun fragen "Does e still equal mc squared?"


Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.11 · 05:11 Uhr· 1 Kommentar

Lügen - schon auf kurzen Beinen

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 45

Der "pädagogische" Kindesmissbrauch, auch Körperstrafe oder Prügelstrafe genannt, ist ja zumindest in Deutschland vor ein paar Jahrzehnten langsam aus der Mode gekommen und seit dem Jahr 2000 auch gesetzlich abgeschafft. Damit sind die Deutschen (sofern sie sich überhaupt daran halten, wessen ich mir nicht ganz sicher bin) weltweit in der Minderheit; selbst in Europa hat sich die Idee, dass man mit Schlägen in der Kindererziehung nichts erreicht, noch nicht gänzlich durchgesetzt, wie diese Karte (via Wikipedia) zeigt:
Corporal punishment in Europe.jpg
Legende.jpg
Und in den USA ist Prügelstrafe in den Schulen in 19 der 50 Bundesstaaten ausdrücklich erlaubt; in den übrigen 31 Staaten ist es zumindest in Privatschulen durchaus legal - das Verbot gilt nur für staatliche Schulen. Ein gesetzliches Verbot für Eltern, ihre Kinder zu schlagen, gibt es - so weit ich das feststellen konnte - nirgendwo in Amerika.

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Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.11 · 05:00 Uhr· 45 Kommentare

21. Oktober 2011

"Ich bin entweder der erste, der diesem Krebs davonläuft, oder einer der letzten, der daran stirbt": Steve Jobs

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 12

41hLYH52+vL._SL500_AA300_.jpgHier in den ScienceBlogs diskutieren wir ja über die Gründe , warum ein Mensch wie Steven Jobs angesichts einer ernsten, aber mit medizinischen Mitteln behandelbaren Krebserkrankung erst mal auf eine selbst konzipierte "alternative Therapie" mit Akpunktur und vegetarischer Diät setzen würde. Und darum wird es vielleicht interessant sein zu erfahren, was in einer neuen Steven-Jobs-Biografie des Journalisten-Veteranen Walter Isaacson die Familienangehörigen und Freunde zu diesem Thema zu sagen haben: Feunde wie der ehemalige Intel-Chef Andy Grove und der Genentech-Manager Art Levinson, seine Schwester Mona Simpson und seine Frau Laurene Powell - alle versuchten ihn zu überzeugen, dass er sich operieren und chemotherapeutisch behandeln lassen solle. Doch "sein großes Problem war, dass er noch nicht bereit war, seinen Körper aufschneiden zu lassen", erinnert sich Jobs Frau. Das Buch, das am 24. Oktober im US-Buchhandel erscheinen soll und das schlicht Steve Jobs betitelt ist, wurde vorab in der New York Times besprochen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 21.10.11 · 05:16 Uhr· 12 Kommentare

20. Oktober 2011

Zum Tod von Muammar Gaddafi

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 25

Es ist ja eine journalistische Tradition, dass wir Reporter in unseren Erinnerungen persönlicher Begegnungen mit berühmten - oder auch berüchtigten - Persönlichkeiten kramen, wenn selbige ihre Stoffwechselfunktionen endgültg eingebüßt haben. Ich weite diese Tradition mal ein bisschen aus, denn ich bin zwar dem libyschen Diktator Muammar Gaddafi nie wirklich "persönlich" begegnet, aber ich habe ihn aus Anlass der UN-Vollversammlung vor zwei Jahren live und in Farbe erlebt. Und ich muss zugeben, dass damals schon die Frage unausweichlich schein, welche seiner offensichtlichen Persönlichkeitsdefizite schließlich den Fall Gaddafis bewirken werde. Über seinen erratischen Auftritt, der nicht ohne bizarre und unfreiwillige (?) Komik war, hatte ich damals einen kurzen Bericht geschrieben; wer sich hingegen den Auftritt m O-Ton antun will, der kann dies im folgenden YouTube-Video (plus Fortsetzung hier) tun:


Autor: Jürgen Schönstein· 20.10.11 · 18:42 Uhr· 25 Kommentare

Klassischer Fall von Denke

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 38

Nichts kann je aus dem Nichts entstehn durch göttliche Schöpfung.
Denn nur darum beherrschet die Furcht die Sterblichen alle,
Weil sie am Himmel und hier auf Erden gar vieles geschehen
Sehen, von dem sie den Grund durchaus nicht zu fassen vermögen.
Darum schreiben sie solches Geschehn wohl der göttlichen Macht zu.
Haben wir also gesehen, daß nichts aus dem Nichts wild geschaffen,
Dann wird richtiger auch die Folgerung draus sich ergeben,
Woraus füglich ein jegliches Ding zu entstehen im Stand ist
Und wie alles sich bildet auch ohne die Hilfe der Götter.
Diese Zeilen wurden von dem römischen Dichter und Philosophen Titus Lucretius Carus vor mehr als 2000 Jahren gedichtet (naja, der lateinische Originaltext - diese Übersetzung von Hermann Diels stammt aus dem Jahr 1924), und sie - sowie die restlichen ca. 7800 Zeilen seines Werkes de rerum natura (Über die Natur der Dinge) - sind inspiriert vom Werk eines noch älteren griechischen Philosophen, Epikouros oder, eingedeutscht, Epikur.

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Autor: Jürgen Schönstein· 20.10.11 · 05:10 Uhr· 38 Kommentare

Religiöse Rettung für Genforschung?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 17

Klingt überraschend, vor allem vor dem Hintergrund dessen, was Florian Freistetter hier festgestellt hat: Wissenschaft und Religion vertragen sich einfach nicht. Aber falls ein Gericht nicht einem Konsortium unter der Führung der Vatikanischen Bank erlaubt, das - so weit ich es verstehe - renommierte biomedizinische San-Raffaele-Forschungsinstitut in Mailand zu übernehmen, werden dort die Lichter ausgehen. Das Institut, das eines der führenden Genforschungsinstitute der Welt ist - schreibt nature in einem entsprechenden Artikel - ist durch Misswirtschaft mit rund eineinhalb Milliarden Euro verschuldet; eine Ermittlung wegen Korruption ist im Gange, Fördergelder wurden gestrichen und die Lieferanten haben den Nachschub von Materialien eingestellt.

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Autor: Jürgen Schönstein· 20.10.11 · 05:08 Uhr· 17 Kommentare

19. Oktober 2011

Herrn Turturs Raumenergie

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 31

Heute morgen hat mich eine Nachricht per email erreicht, die mich - als alten Jim-Knopf-Fan - erst mal an einen Scherz glauben ließ: Absender war turtur, und die Betreffzeile verkündete "Freie Energie", womit ich spontan schon die Vision jenes charmanten, aber naiv-unmöglichen und von abstellbaren Magneten angetriebenen "Perpetumobils" verband. Und tatsächlich ist in der Mail die Rede von "Freie Energie, ohne Umweltverschmutzung, ohne Gesundheitsrisiken, kostenlos für alle Menschen, unbegrenzt verfügbar." Und turtur ist kein literarisches Pseudonym, sondern der Name des Absenders, der sich als Physik-Professor vorstellt und den Nachweis der "Nutzbarkeit dieser freien Energie auf Universitätsniveau" verspricht. In der Tat: Claus W. Turtur ist auf der Website der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel als Fakultätsmitglied ausgewiesen ...

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Autor: Jürgen Schönstein· 19.10.11 · 19:35 Uhr· 31 Kommentare

17. Oktober 2011

Wissen ist Macht - und Nicht-Wissen noch mächtiger?

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 12

Das wär' doch ein prima Diskussions-Anstoß: Am St. John's College (das einen Campus in Annapolis, Maryland, hat und einen zweiten in Santa Fe, New Mexico) unterrichten die Lehrer in Fächer, von denen sie - zumindest, was ihre akademische Ausbildung angeht, keine Ahnung haben. Weil in St. John's halt jeder alles unterrichtet, also auch die Musiklehrerin eine Biologiekurs leitet, oder eine Literatur- und Kunstgeschichtlerin Euklids Mathematik. (Mehr dazu im Artikel Seeing Value in Ignorance, College Expects Its Physicists to Teach Poetry, in der aktuellen New York Times.)

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Autor: Jürgen Schönstein· 17.10.11 · 05:46 Uhr· 12 Kommentare

15. Oktober 2011

"My Blackberry is not working"

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 10

Und jetzt versteh' ich endlich auch, warum:


Autor: Jürgen Schönstein· 15.10.11 · 02:57 Uhr· 10 Kommentare

13. Oktober 2011

Missbrauchte Gummibärchen?

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 13

Süß sind sie, und irgendwie knuddelig. Und ich hab' sie zum Fressen gern - Gummibärchen. So eine Packung (und damit meine ich PACKUNG, nicht irgend ein Minitütchen) hat bei mir eine Halbwertszeit von etwa fünf Minuten. In gewisser Weise könnte ich von mir behaupten, dass ich ein Gummibärchen-Experte bin. Und als solcher bin ich heute morgen - via Huffington Post - über diesen Videoclip aus dem Mittleren Westen der USA gestolpert:

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Autor: Jürgen Schönstein· 13.10.11 · 20:46 Uhr· 13 Kommentare

12. Oktober 2011

"Ungleichheit untergräbt die Demokratie"

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 44

Die Überschrift ist ein Schlusswort, und dieser Beitrag selbst primär ein Lesetipp: In seinem Artikel The Broken Contract, der in der Zeitschrift Foreign Affairs erschienen ist, analysiert der Journalist George Packer, der sonst für den New Yorker schreibt, die Ursachen und Folgen der seit mehr als drei Jahrzehnten stetig verschärften sozialen Ungleichheit in Amerika. Ob es ein brilliante Analyse oder eine neiderfüllte Klageschrift ist, mag ja von den politischen Überzeugen des/der Lesenden abhängen - aber unbestreitbar ist, dass diese Ungleichheit existiert, und dass sie zum Kernproblem der amerikanischen und (man erinnere sich an die Finanzkrise ab 2008) der globalen Politik geworden ist.

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Autor: Jürgen Schönstein· 12.10.11 · 18:30 Uhr· 44 Kommentare

Das Wissen und der Wille

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 65

Manchmal bleiben mir ein paar aufgeschnappte Worte oder Sätze im Gedächtnis haften. Fast wie Kaugummi unter der Schuhsohle: ungewollt, eher lästig, und ständig bleiben dann auch noch irgendwelche anderen Gedanken daran hängen. Manchmal fallen sie dann doch wieder ab - aber manchmal fängt dieser "Gedankenkleber" an, sich zu etwas zu verdichten, was dann schon fast so etwas wie eine Idee sein könnte. In diesen Tagen waren der Hirnkaugummis gleich zweie: zum einen die Information, die ich bei Ulrich Bergers Kritisch gedacht gelesen hatte, dass Steve Jobs statt einer sofortigen (und möglicher Weise erfolgreichen) Operation nach seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Diagnose erst mal ein Dreivierteljahr lang versucht habe, seinen Krebs mit einer "Heildiät" unter Kontrolle zu bekommen. Zum zweiten die Debatte um das so genannte PSA-Screening, das nun nicht mehr von der Vorsorge-Taskforce des US-Gesundheitsministeriums empfohlen wird. Die Debatte darum hatte ich hier schon mal aufgegriffen (und sie wird mir später sicher einen weiteren Beitrag wert sein), doch der Gedanke, der sich in meinem Kopf festklebte, entstammt diesem Beitrag in der New York Times vom vergangenen Freitag:

Not knowing what is going on with one's prostate may be the best course, since few men live happily with the knowledge that one of their organs is cancerous. Autopsy studies show that a third of men ages 40 to 60 have prostate cancer, a share that grows to three-fourths after age 85.

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Autor: Jürgen Schönstein· 12.10.11 · 04:29 Uhr· 65 Kommentare

10. Oktober 2011

Hat das Hirn eine Vorliebe für gute Nachrichten?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Nicht nur das Gehirn - wer hört nicht lieber etwas Positives als etwas Niederschmetterndes? Insofern ist das Resultat eines Forschungsprojekts am Neurologischen Institut des University College London nicht wirklich überraschend: Durch Hirnscan-Untersuchungen konnten die Londoner Neurologin Tali Sharot sowie ihr Kollege Ray Dolan, gemeinsam mit dem Berliner Hirnforscher Christoph Korn, eine "Asymmetrie" bei der Verarbeitung guter beziehungsweise schlechter Nachrichten beobachten. Die Resultate sind unter dem Titel How unrealistic optimism is maintained in the face of reality im aktuellen nature neuroscience veröffentlicht.

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Autor: Jürgen Schönstein· 10.10.11 · 06:33 Uhr· 10 Kommentare

06. Oktober 2011

"Er war ein Wirbelsturm" - zum Tod von Steve Jobs

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 5

240px-Steve_Jobs.jpgIch hatte in all den Jahren, in denen ich als Journalist auch über das Unternehmen Apple zu berichten hatte, leider nie auch nur den Hauch eine Chance, Steve Jobs persönlich zu treffen (Apple ist, soweit es das Unternehmen selbst betrifft, nicht sehr medien-affin), und näher als bis zu seiner Haustür in Palo Alto, wohin ich für eine FOCUS-Reportage entsandt worden war, bin ich ihm auch nie gekommen. Jobs war definitiv ein Genie; auch wenn er "nur" Gebrauchsgüter entwickelt hat (oder entwickeln ließ - was oft vergessen wird), hat er unsere von Computern geprägte Welt enorm mit (um)gestaltet. Auch wenn er manchen - vielen? -Apple-Fans als ein Guru, als eine Leuchtgestalt gedient hat: Er war kein Heiliger, sondern ein Mensch. Ein Mensch mit Fehlern, ein Mensch mit Ecken und Kanten (davon wohl reichlich) - aber auch ein Mensch mit Charisma, mit der Fähigkeit, selbst jene zu faszinieren, die eigentlich einen Groll gegen ihn hegen sollten. Dies konnte ich zum Beispiel im Gespräch mit seinem alten Weggefährten Ronald G. Wayne feststellen, den ich - als den dritten und weitgehend unbekannten Apple-Mitbegründer, im März 2006 aus Anlass des 30-jährigen Firmenjubiläums gesprochen hatte:

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Autor: Jürgen Schönstein· 06.10.11 · 15:57 Uhr· 5 Kommentare

Globle Dampfkühlung

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 2

Moment mal - Dampf? Wasserdampf? Der ist doch eines der maßgeblichsten Treibhausgase auf unserer Erde - und soll doch zu einer Senkung der globalen Temperatur beitragen? Die Antwort auf alle Fragen lautet, wenn man den Geowissenschaftlern der Carnegie Institution for Science vertrauen darf: Ja! Es ist richtig, dass Wasserdampf als Treibhausgas die Wärmeaufnahme in den unteren Atmosphärenschichten steigern kann. Aber Verdunstung - genauer gesagt, die Evapotranspiration - hat, lokal begrenzt, auch einen bekanntermaßen kühlenden Effekt (wer's nicht glaubt, der stelle sich mal mit nassen Haaren vor einen Ventilator). Doch es gibt auch einen globalen Kühleffekt durch Verdunstung aus der Vegetation, den die Geoökologin Julia Pongratz und ihre Kollegen in einem Paper für die Environmental Research Letters beschrieben haben:

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Autor: Jürgen Schönstein· 06.10.11 · 05:20 Uhr· 2 Kommentare

04. Oktober 2011

Verhütung und Aids - zwei konkurrierende Risiken?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 14

Afrika hat zwei große Probleme: Eine dramatische Bevölkerunsgzunahme, kombiniert mit enormen Schwierigkeiten, schwangere Frauen adäquat medizinisch zu versorgen; und zweitens die geradezu rasante Ausbreitung von Aids. Gegen ersteres wird vor allem eine Hormoninjektion - quasi die Pille in der Spritze - gegeben, die im Subsahara-Afrika, laut diesem Artikel in der New York Times, von etwa 12 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter genommen wird - etwa sechs Prozent aller Frauen dieser Altersgruppe setzt auf diese Empfängnisverhütung, die typischer Weise drei Monate lang vorhält. Doch nun haben ForscherInnen der University of Washington in Seattle, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Südafrika, Uganda und Kenia in einer Langzeitstudie feststelen müssen, dass durch diese Verhütungsspritzen das Risiko einer HIV-Infektion sich praktisch verdoppelt.

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Autor: Jürgen Schönstein· 04.10.11 · 22:28 Uhr· 14 Kommentare

03. Oktober 2011

Geldsorgen machen klinisch krank

Kategorie: Medizin

Klar doch. Und bei Einbruch der Dämmerung ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen. Aber der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Geldmangel ist mehr als eine Binsenweisheit. Eine Studie, die vom National Bureau of Economic Research in Cambridge (Massachusetts) erstellt wurde, hat konkret die Folgen von Zwangsvollstreckungen - gewiss ein Zeichen individueller finanzieller Engpässe - auf die Gesundheit anhand von Notaufnahme-Daten in vier US-Bundesstaaten analysiert. Und der Zusammenhang wird deutlich: Für jeweils 100 zusätzliche Zwangsvollstreckungen in einem Postleitzahlenbezirk (die kleinste Gebietseinheit, in der amerikanische Census-Daten erfasst werden) erhöht sich die Zahl der - durch bessere ärztliche Versorgung - vermeidbaren Krankenhausaufenthalte um 4,9 Prozent in der Altersgruppe der 20- bis 49-Jährigen, und um 6,7 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen. Dies erklärt auch, warum beispielsweise die Zahl der vermeidbaren Klinikaufenthalte in der "Rentnergruppe" nur um 1,2 Prozent je 100 Zwangsvollstreckungen steigt - wer sich altersbedingt für Medicare qualifiziert, verliert nicht die ärztliche Versorgung, nur weil er/sie sich keine Krankenversicherung mehr leisten kann.

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Autor: Jürgen Schönstein· 03.10.11 · 19:09 Uhr· 0 Kommentare

Ein "arabischer Frühling" im amerikanischen Herbst?

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 179

Aus der Sicht der Organisatoren der Aktion Occupy Wall Street wäre das Fragezeichen gewiss unberechtigt: Inspiriert von den Geschehnissen auf dem Kairoer Tahrir-Platz, hatten sie zu ähnlichen Massendemonstrationen - anfangs nur in New York, aber auch in Boston, Los Angeles und anderen US-Großstädten wurde die Idee aufgegriffen - aufgerufen, um gegen sozialen Ungerechtigkeiten und die Gier der Finanzwirtschaft zu demonstrieren. Da eine Besetzung der Wall Street (Start: 17. September) mit Zeltlagern durch die Polizei verhindert wurde, verlagerte sich das Geschehen auf den benachbarten Zucotti Park. Und ein paar Tausend Demonstranten tauchten tatsächlich auf.

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Autor: Jürgen Schönstein· 03.10.11 · 05:10 Uhr· 179 Kommentare

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