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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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15.09.11 · 18:58 Uhr
Namhafte Pseudonyme
Kategorie: Kultur · Kommentare: 31
Wer bei unserer amerikanische Schwestersite, scienceblogs.com, gelegentlich (oder meinetwegen auch regelmäßig) mitliest, der hat schon davon gehört, dass der neue SB-Anteilseigner National Geographic beschlossen hat, künftig nur noch unter Klarnamen schreibende Blogger im SB-Verbund zu dulden. Bei den deutschen ScienceBlogs ist eine solche Regelung (bisher) nicht angekommen, und in der Praxis hätte sie auch keine großen Folgen, da jede(r) deutsche ScienceBlogger(in) hier namentlich bekannt ist. Dennoch ist es mir ein paar Zeilen wert, da es sich hier um eine prinzipielle Frage des Bloggens handelt. Und weil durch den dadurch ausgelösten Abgang einiger erfolgreicher US-Blogger auch die Reputation der ScienceBlogs insgesamt, egal in welcher Sprache, in Mitleidenschaft gezogen werden kann.
Da ist zum einen Mal die notwendige - wenn auch triviale - Klarstellung, dass pseudonym und anonym nicht das Gleiche sind. Ersteres ist durchaus ein Identifikator: Loriot war ebenso pseudonym wie unverwechselbar, Mark Twain, Voltaire, Georg Baselitz, Novalis - die Liste der namhaften Pseudonyme in unserem Kulturkreis lässt sich noch lange fortsetzen. Und selbst wenn dabei die Grenze zum Anonymen manchmal überschritten werden kann - ein Beispiel dafür ist der Schriftsteller B.Traven, dessen wahre Identität bis heute nicht gelüftet wurde - bleibt doch der Wert und die Originalität des Beitrags, der unter diesem "Falschnamen" geschaffen wurde, unbestreitbar. Denn selbst wenn der Name, unter dem das Werk ensteht, in keiner Geburtsurkunde, in keinem Pass* zu finden wäre - so lange AutorIn und Werk eindeutig einander zugeordnet werden können, reduziert sich das alles letztlich auf eine Frage der Nomenklatur.
* In Deutschland wäre die Anti-Pseudonym-Aktion sowieso nicht umsetzbar, da es hier laut Pesonalausweisgesetz ausdrücklich möglich ist, ein solches Pseudonym in den Personalausweis eintragen zu lassen - damit ist es ein echter Name, ebenso eindeutig und individuell wie der Geburtsname.
Natürlich kann es den Leser in die Irre führen, wenn das Pseudonym eine Reihe von falschen Eigenschaften vortäuscht: Wenn ich mich zum Beispiel hier, statt als GeoGraffitico (was ja, de facto, auch ein Pseudonym ist, das allein mich identifiziert - dafür habe ich in Kauf genommen, dass es ein bisschen holperig klingen mag), als Professor Dr. Beate Lithos präsentieren und dann Provokatives über Gender-Diskriminierung an Hochschulen absondern würde, würde ich damit eine Legitimation vortäuschen, die mir in meiner wahren Identität in dieser Form nie zukäme. Oder wenn der amerikanische Altstudent Tom MacMaster sich als Gay Girl in Damascus ausgibt, dann ist die Grenze der Anständigkeit klar und weit überschritten. Doch Dr. Isis beispielsweise ist eine promovierte Wissenschaftlerin, und dass sie einen Decknamen verwendet, ist dabei ebenso offensichtlich wie bei Drugmonkey oder Physioprof (alle drei sind ehemalige ScienceBloggerInnen, die durch die neue Klarnamenregelung zur Abwanderung gezwungen wurden).
Ich will hier gar nicht groß in die Diskussion einsteigen, warum manche Bloggerinnen und Blogger lieber unter Pseudonym schreiben, denn das würde eigentlich nur den Klarnamenzwang durch die berechtigte und begründete Ausnahmeregelung im Prinzip bestätigen. Blogger schreiben, was sie bewegt - und wie es sie bewegt. Wenn dies unter einem Pseudonym ist, dann tut das der Sache keinen Abbruch - entscheidend ist die Qualität ihres Schreibens, nicht das Etikett.
Und selbst die Annahme, dass dies nun mal ein Standard des Printjournalismus sei (was definitiv nicht stimmt - sehr viele Artikel in unseren alltäglichen Publikationen erscheinen unter Pseudonym, wie ich aus langjähriger Praxis weiß), oder zumindest bei National Geographic gänzlich undenkbar wäre, ist weit von der Realität entfernt: Es ist zwar schon etwa hundert Jahre her, aber einige Artikel in der damals noch jungen Zeitschrift trugen den Verfassernamen H.A. Largelamb - und dahinter verbarg sich niemand anderer als Alexander Graham Bell, amerikanischer Erfinder des Telefons und Mitbegründer der National Geographic Society (das Pseudonym ist ein Anagramm von A. Graham Bell).
Autor: Jürgen Schönstein· 31 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (31)
Wie im letzten Absatz erwähnt: das Absurde daran ist ja, daß in den Printmedien kaum jemand seine Artikel mit vollem Namen kennzeichnet - und dort stört das niemanden.
Ausnahmeregelung würde bedeuten, dass diejenigen die privilegiert genug sind, keinen Grund zu haben unter Pseudonym schreiben/gplusen zu müssen/wollen, darüber befinden wem eine Ausnahme gewährt wird und diejenigen die ein Pseudonym brauchen dies begründen und bittstellen müssen, und zwar unter ihrem echten Namen. Das kanns also nicht sein.
Es geht ja nicht nur um Printmedien - ist es denn eigentlich möglich herauszufinden, wer z.B. die Texte verfasst, die in Nachrichtensendungen gesprochen werden? Das werden die Sprecher ja nicht alles selbst texten...
Ein Grauen, dieser Sicherheitswahn. Führt nur Aktionismus, zur Effektivitätsvortäuschung.
Das Schlimme daran ist, daß nun zumindest auf Scienceblogs die Organisation, Geldvergabe und Struktur des Wissenschaftsbetriebes nicht mehr diskutiert werden kann. Wer wäre so wahnwitzig unter seinem wahren Namen die Objektivität der monetären Verteilung oder die strategische Ausrichtung der Wissenschaftszweige öffentlich anzuzweifeln? Wer Fehler im System beim Namen nennen würde, wäre automatisch aus dem Rennen.
@tschill:
hast du eigentlich "pseudonym ungleich anonym" verstanden?
Gruß an alle Sockenpuppenspieler.
Eine kleine Geschichte dazu:
Vor gut einem Jahr kursierte ein potentieller Beweis für das P/NP-Problem im Netz, der ziemlichen Wirbel verursachte (für nicht-Mathematiker/Informatiker: das P/NP-Problem ist eines der großen ungelösten Probleme der Mathematik und theoretischen Informatik).
In ziemlich rasanter Geschwindigkeit wurde damals in Blogs und einem dafür geschaffenen Wiki über den Beweis diskutiert und Fehler aufgetan. Bei der Fehlersuche hatte sich in einem Blog ein pseudonymer Kommentator (oder eine Kommentatorin?) unter dem Namen "vloodin" eingemischt und wichtige Beiträge dazu geleistet, dass man relativ schnell zu dem Schluss kam, dass der Beweis nicht standhält.
Insofern: Ein wichtiger wissenschaftlicher Beitrag durch ano-/pseudonyme Blogkommentare. Und das ist doch dann richtig idealtypische Wissenschaft: Es ist völlig egal, wer "vloodin" ist, solange ein Beitrag zum Erkenntnisgewinn dasteht.
„Es existiert keine einheitliche Definition des Begriffs Erkenntnis. In einer ersten Annäherung kann man Erkenntnis als den Prozess und das Ergebnis eines durch Einsicht oder Erfahrung gewonnenen Wissens bezeichnen.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis am 15. September 2011
Da Bloggen mit "RL-Name" bekanntlich der Karriere schadet, und zwar nicht nur im Wissenschaftlichen, stellt sich noch die Frage nach dem Gründen für diese Maßnahme, die ja erkennbar nicht das Blogwesen fördern wird.
MFG
Dr. Webbaer (der jetzt auf die Schnelle keine Begründung gefunden hat und der zudem die sich abzeichnende "RL-Name"-Pflicht für Kommentatoren befürchtet :)
@WB
Um dieses sich abzeichnende Gerücht gleich im Embryonalzustand abzutreiben: Es wird auch in Zukunft bei ScienceBlogs.de keine Klarnamenspflicht für Kommentatoren geben. Aber es wäre schön, wenn man die (oben schon mal erwähnten) Spammer und Sockenpuppenspieler ein wenig unter Kontrolle bekäme. Letzteres ist jedoch nur ein Wunschtraum, kein Planspiel ...
Quantität vor Qualität?
@Hannes Bongard
Dass ausgerechnet Sie hier den Begriff "Qualität" im Zusammenhang mit Kommentaren verwenden, ist schon wieder amüsant ...
„Bis heute ist keine umfassende Theorie des Humors entwickelt worden.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Humor am 15. September 2011
Sorry, aber Ihr Lieben widersprecht Euch krass. Sowohl Geograffi als auch einige Kommentatoren. Weils signifikant für die hiesige Titelgeilheit und Großkopfgläubigkeit ist, auch und gerade bei SB, möchte ich das ein wenig ausführen und kräftig kritisieren:
1. Einerseits betont Meister Schönstein in seinem Posting, wie EGAL der Urheber einer Äußerung/eines Arguments sei (Zitat: "entscheidend ist die Qualität (des) Schreibens, nicht das Etikett"). - Vollste Zustimmung meinerseits übrigens.
Im gleichen obigen Posting schreibt Schönstein jedoch: "Wenn ich mich (...) hier, statt als GeoGraffitico (...), als Professor Dr. Beate Lithos präsentieren und dann Provokatives über Gender-Diskriminierung an Hochschulen absondern würde, würde ich damit eine Legitimation vortäuschen, die mir in meiner wahren Identität in dieser Form nie zukäme."
Ja, wieee jetzt?!? Und wieso denn? Was nu? Ist nun das Argument entscheidend, oder dessen Absonderer? Ist es entscheidend, ob jemand Uni-Professor ist - oder vielleicht nicht eher, WAS er/sie zu sagen hat? Und bitte keine billigen ausflüchte a la "ich schau auf Beides" - das nehm ich Euch nicht so ganz ab...
2. Dieser Widerspruch zieht sich übrigens durch die Kommentare nicht nur dieses Blogs: Einerseits immer behaupten, wie wahnsinnig wichtig der wissenschaftliche Diskurs und die Argumentation sei - andererseits aber dauernd über "Sockenpuppen" jammern und ablästern
(oben z.B. von der Redaktion höchstselbst: "Aber es wäre schön, wenn man die (oben schon mal erwähnten) Spammer und Sockenpuppenspieler ein wenig unter Kontrolle bekäme.")
Ein Argument wird doch durch Wiederholung nicht stichhaltiger! Egal, ob einer allein oder 20 "Sockenpuppen" es 20fach redundant äußern.
Also, Leute..... das passt leider gar nicht zusammen! Wieso, ja wieso nur seid Ihr so titelgeil und glaubt einem Nobelpreisträger mehr als einem Doktoranden, auch wenn beide exakt das Gleiche behaupten. Warum schaut ihr immer erst aufs Etikett und dann erst auf den Inhalt? Irgendwie schon arg schizophren...
„Sockenpuppen im missbräuchlichen Sinne werden angelegt, um zu stören, andere Benutzer oder deren Argumente zu diskreditieren oder ganz allgemein illegitime Zwecke zu verfolgen.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Sockenpuppe_(Netzkultur) am 16. September 2011
Lake monsters make traffic!
@Einspruch 99
Zu 1: Es zwar formal das Gleiche, wenn ich mir einenen "Künstlernamen" zulege (man könnte GeoGraffitico als einen solchen betrachten) und wenn ich mir einen Falschnamen zulege - aber es ist halt ein Unterschied, ob ich eine Identität schütze, oder mir eine ganz andere anmaße, um bewusst in die Irre zu führen. Ist vermutlich für Ihre Begriffswelt zu feinsinnig, aber ich denke, dass die meisten Leser diesen Unterschied erkennen können.
Zu 2: Sockenpuppen sind im Prinzip egal - aber wenn Sockenpuppen anfangen zu "spammen", dann wird's einfach lästig. Wenn 20 Mal der gleiche Quatsch die Kommentarliste zumüllt, dann ist das eben nicht egal. Weil's andere vom Lesen abschreckt.
Und bitteschön: Wer glaubt hier einem Doktoranden mehr als dem Nobelpreisträger? Die meisten ScienceBloggerInnen fallen eher in die Kategorie Doktorand als Nobepreisträger. Belegen Sie doch mal diese Behauptung.
Renommee ist eben immer auch wichtig und gibt dem Text einen Rahmen, btw: Pseudonyme können durchaus problematisch sein, wenn andere unwissentlich von einer real existierenden Person ausgehen. Insofern rät Dr. Webbaer zu erkennbaren Pseudonymen.
MFG
Dr. Webbaer
PS: Sockenpuppen - das sind die Namenwechsler und diejenigen, die sich gelegentlich auch selbst antworten, lol - sind idT "egal", solange sie quantitativ Grenzen kennen, korrekt! Solche Patienten sind aber selten.
Offensichtlich ist das Markenmanagement anderer Ansicht oder hält diesen Umstand für irrelevant. So ist das Leben: kaum einer ist so wichtig, wie er sich nimmt. Machen wir uns nichts vor, es geht hier nur um ein paar Blogs, die ein Medienunternehmen gemäß einer Werbezielgruppendefinition aggregiert hat. Das Geschäftsmodell besteht darin, den Freunden des Edutainments Werbebanner zu zeigen. Auf Reputation kommt es dabei nur am Rande an, denn der Erfolg ist objektiv mess- und nachweisbar.
Das ist bedeutungslos. Blogs sind eine praktisch unbeschränkt verfügbare Ressource, die durch ihre Nutzung nicht verbraucht wird. Was für eine endliche Zahl von Blogs nicht funktioniert, ist in der Gesamtsicht zu vernachlässigen.
Hat diese Vermutung mal jemand überprüft oder handelt es sich nur um ein Verschwörungstheorietemplate?
Nein, eigentlich nicht. Viel schädlicher für die Karriere sind Angst und Verzagtheit und vorbeugende Unterwerfungsgesten.
@Türpe
Kommt drauf an wo Sie sitzen, was Sie leisten und wie scharf andere darauf sind Ihnen zu schaden. Und es hängt natürlich auch von den vertretenen Sicht ab. - Klar, Dr. W hat pauschalisiert, Ihre Sicht ist aber zu optimistisch. Hat man noch nicht versucht Sie zu hängen?
@Jürgen
Da hast du dich aber mal mit deiner Funktion als SB Redakteur gemeldet. Habe ich noch nicht gesehen. Wie bezeichnet man denn eigentlich diese Form der Verbergung der Identität?
Klar, im Impressum kam man es nachlesen, dass du es bist, aber es ist halt auch nicht gleich jedem Bewusst.
Bullet·
16.09.11 · 10:18 Uhr
Was beim Türpe ja bekanntermaßen der Deadshot ist.@pippen
Ich habe keine Identität "verborgen", im Gegenteil: Damit jedem klar ist, dass dies nicht die private Meinung des Bloggers Jürgen Schönstein ist, sondern eine offizielle Position der ScienceBlogs-Redaktion (darüber, warum das ein relevanter Unterschied ist, wirst Du allerdings selbst kurz naachdenken müssen), habe ich den obigen Kommentar als Redakteur gepostet. Und wie Du selbst gemerkt hast - wer sich dahinter "verbirgt", ist kein Geheimnis.
Bislang nur auf derart unbeholfene Weise, dass ich geneigt war, einen Affront nicht in der Tatsache des Versuchs, sondern ausschließlich in der Art und Weise der Ausführung zu sehen.
@JSchönstein:
Hm, irgendwie hatte schon geahnt, dass man
a) wieder mehr oder weniger subtil mit Beleidigungen antwortet ("...Ist vermutlich für Ihre Begriffswelt zu feinsinnig")
und
b) nicht konsequent auf meine Argumentation eingeht, sondern nur Scheinantworten bringt.
Mensch, Leute, seid doch einfach mal konstruktiver und weniger "beleidigt". Oder ist das hier tatsächlich nur eine boulevardeske Privatveranstaltung von Selbstdarstellern mit dem alleinigen Ziel, das Ego zu befriedigen und Geld mit Werbebannern zu verdienen? Mag ich nicht glauben.
@Einspruch99
Wie man in den Wald ruft ... "die hiesige Titelgeilheit und Großkopfgläubigkeit", "titelgeil", "schizophren" sind beleidigender gemeint als meine Zweifel an der begrifflichen Feinsinnigkeit (die sich ja lediglich auf die Wortwahl, aber nicht auf die Person bezieht). Und was wäre, Ihrer Ansicht nach, meine "Scheinantwort" gewesen? Dass es eine Sache ist, sich ein deutlich erkennbares Pseudonym zuzulegen, das der Leserin oder dem Leser auch klar als solches erkennbar ist, aber eine ganz andere, wenn man sich eine falsche persona zulegt, um damit eine Kompetenz und Legitimität vorzutäuschen, die man in Wahrheit gar nicht besitzt. Aber nur mal ganz nebenbei: Ich poste hier mit Klarnamen, Sie unter einem Tarnnamen, Sie pöbeln und meckern - ich antworte höflich. Ich muss zugeben, dass mich so etwas tatsächlich an meinem Plädoyer für Pseudonyme zweifeln lassen könnte ...
Gemach, Gemach - ich will mich nicht über scheinbare oder tatsächliche Beleidigungen streiten. Tut mir leid, wenn Sie sich beleidigt fühlen. War nicht so gemeint, ehrlich.
- Trotzdem: meine zugegebenermaßen harschen Begriffe Titelgeilheit und Großkopfgläubigkeit geben nur das wieder, was ich hier und anderswo erlebe, wie immer Sie diese bedauernswerten Eigenschaften auch euphemisieren möchten. Sie können es gerne anders, sprich: netter benennen - in jedem Fall ist's eine reale Beobachtung und keine Erfindung meinerseits: Der Professor gilt mehr als der Doktor gilt mehr als der Doktorand gilt mehr als der Student gilt mehr als der Laie. Das nenne ich ein - nicht nur deutsches - Obrigkeitsgläubigkeitsproblem (gefällt Ihnen der Begriff besser?)
Ihre Worte mir gegenüber hingegen sind haltlos und eben beleidigend, schlicht weil Sie mich eben NICHT persönlich kennen (ob ich kreuzdoof bin oder nicht, dass mögen bitte doch die beurteilen, die mit mit täglich auskommen müssen).
Abschließend sei bemerkt: Mir ist's natürlich sowas von egal, ob Sie mich für genial oder blöd wie Otto halten. Im Ernst. Ich bin hier anonym, was soll's also. Mir wäre es aber halt lieber, wenn Sie wenigstens auf die Punkte eingehen, die ich im ersten Posting bekrittelt hatte - und nicht auf Äußerlichkeiten und Etikette.
Bitte beachten: bzgl. des von mir dargestellten Widerspruchs Ihrer Argumentation kam bisher weder eine nachvollziehbare Widerlegung noch ein "ok, da haben Sie vielleicht teilweise recht, liegt aber daran, dass... etc.". Schwupp - und schön wäre ein Diskurs im Gange.
Das kann mir natürlich alles egal sein. Klar. Finde es halt bloß schade, dass ich mal wieder auf SB reingefallen bin in der vergeblichen Hoffnung, hier ginge es um argumentativen Austausch (in welcher Lautstärke und in welcher Freundlichkeit auch immer) - und nicht um Nebenkriegsschauplatzscharmützel.
(schon klar: in erster Linie geht's hier um Anzeigenkunden, deren Banner-Zahlungen und einen Verlag, der sich mit einer schicken Blogger-Plattform schmücken möchte)
@Einspruch99
Jetzt kapiere ich: Es stört Sie, dass Wissenschaft ein System ist, in dem Legitimation durch erworbenes Wissen entsteht. Nur so kann ich "Der Professor gilt mehr als der Doktor gilt mehr als der Doktorand gilt mehr als der Student gilt mehr als der Laie" verstehen - und ja, in gewisser Weise ist das richtig. Wer länger und intensiver zu einem Thema geforscht hat (und damit ist Forschung gemeint, nicht googeln und bei Wikipedia nachlesen), gilt in aller Regel auf diesem Gebiet als kompetenter. Was stört Sie daran, oder besser: Wie definieren Sie Wissen, wenn nicht durch erworbene Sachkompetenz?
Was den "Austausch" angeht: Wir sind kein Stammtisch, wo der als "Sieger" gilt, der am lautesten und ausdauerndsten schwadroniert. Falls Sie das erwartet hatten, sind Sie hier wirklich auf der falschen Veranstaltung. Da gibt es bestimmt andere Foren, die Ihren Bedürfnissen besser entsprechen.
Was war an meinen Antworten "haltlos oder eben beleidigend"? Bitte mit Zitaten belegen, damit ich daraus lernen kann.
Bei uns in der Grundschule befolgen wir drei Regeln:
1. Wir antworten auf das, was der andere gesagt hat.
2. Wir antworten nicht auf das, was der andere nicht gesagt hat.
3. Wir halten uns selber nicht für schlauer als die anderen. Sondern umgekehrt.
An der Grundschule klappt's damit super. Keine zeitverschwendenden, nervigen Dispute über Dinge, die eh keiner behauptet hat.
Dass diese drei Regeln jedoch nur was für Grundschüler sind, lernen wir erst an der Universität (Geografie/Grundstudium). Soweit bin ich aber noch nicht. Deshalb muss ich jetzt mein Engagement hier bei SB beenden, und weiter Geografie büffeln. Bis in ein paar Jahren & liebe Grüße.
Bleiben Sie ruhig noch ein bisschen in dieser Grundschule, denn weder 1. noch 2. noch 3. haben Sie umzusetzen gelernt. Ansonsten: Tschüss, passen Sie nur auf, dass Ihnen die Tür beim Rausgehen nicht ins Kreuz haut.
@E99
Wobei Dr. W, wenn ihm hier die Wahl angetragen wäre zu tippen auf einen ca. 12jährigen Hochbegabten, der sich bei den doitschsprachigen scienceblogs zu Wort meldet, oder auf einen irgendwo in rosa Klamotten und von Weißkitteln Betreuten, eine leichte Entscheidung hätte. - BTW, wer mit dem Kampfbegriff "Titelgeilheit" in die hiesige Minidebatte einsteigt, kann sachliche Erörterung eher nicht erwarten.