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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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Archiv September 2011

30. September 2011

Schiefe Bilder - schiefer Blick?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 12

Wie ich hier eben schon mal erwähnt hatte, treffe ich mich in Cambridge ab und zu, ganz formlos, mit Forschern, Künstlern und Autoren (und alle sowohl in männlicher als auch weiblicher Ausführung repräsentiert) zu einer Art Stammtisch - wir nennen's vornehmer Salon. Einfach so, zum Plaudern, ohne Programm und/oder Agenda. Eines dieser Stöckchen, auf die wir neulich vom sprichwörtlichen Höckchen* dabei kamen, waren wissenschaftliche Metaphern im weiteren Sinn. Also jene Sprachbilder, mit denen dem Laien (und manchmal auch dem Wissenschaftler selbst) ein ansonsten ziemlich komplizierter Sachverhalt anschaulich vermittelt werden soll. An sich eine gute Sache - so lange das Bild nicht schief hängt. Denn dann kann es manchmalsogar den Blickwinkel der Wissenschaftler verzerren.

* Keine Ahnung, was das eigentlich ist oder wo diese Redewendung herkommt ...

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Autor: Jürgen Schönstein· 30.09.11 · 05:05 Uhr· 12 Kommentare

29. September 2011

Achtung, Fettnapf - bitte eintreten!

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 15

Das Gefühl der Peinlichkeit, das mich neulich in einer Runde akademischer Größen (darunter ein Nobelpreisträger und ein internationaler Bestsellerautor*) überfiel, als mir - mal wieder - ein unpassender und ans Taktlose grenzender Kalauer rausgerutscht war, wurde noch gesteigert durch die erstaunte Bemerkung eines Kollegen: "Das ist das erste Mal, dass ich sehe, wie Jürgen rot wird." Unter meinen Stuhl hätt' ich kriechen wollen ... Das Empfinden von Peinlichkeit ist oft sein eigener Verstärker - nicht nur der Fauxpas ist uns peinlich, sondern auch, dass wir uns dessen so öffentlich schämen.

* Da dies eine private Runde war, deren Teilnehmer erwarten durften, dass diese auch privat bleibt, muss ich hier leider auf das
name-dropping verzichten.

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Autor: Jürgen Schönstein· 29.09.11 · 05:52 Uhr· 15 Kommentare

28. September 2011

Abgefackelter Umwelt-Unsinn

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 13

Dazu wollte ich eigentlich schon gestern etwas schreiben, wurde aber durch "die Umstände" ("life happens", sagt man bei uns) dann doch davon abgehalten. Aber ich find's auch heute noch ziemlich unfassbar, auch wenn's eine Nachricht vom Vortag (und - streng genommen - sowieso dort, wo es geschieht, ein alter Hut) ist: In einem einzigen Ölfeld in North Dakota werden, letztlich aus Gründen der Bequemlichkeit, täglich fast drei Millionen Kubikmeter Erdgas abgefackelt; das Gas fällt bei der Förderung des Öls im Bakken Shale Field an, doch offenbar ist es den Betreibern zu teuer, es einzufangen; statt dessen lassen sie es abfackeln. Pro Tag genug Erdgas, um eine halbe Million Haushalte zu heizen, und in einem Jahr spucken diese Gasfackeln so viel Kohlendioxid wie "ein mittelgroßes Kohlekraftwerk" in die Luft, wie die New York Times in dem Artikel schreibt, durch den ich auf das Thema aufmerksam wurde.

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Autor: Jürgen Schönstein· 28.09.11 · 05:23 Uhr· 13 Kommentare

26. September 2011

Dürfen Ärzte Witze reißen?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 33

Gemeint sind nicht jene humorigen Einlagen, mit denen beispielsweise Patch Adams versucht, seine Patienten bei Laune zu halten. (Okay, Adams ist hier vermutlich nicht das beste Fallbeispiel für einen evidenzbasierten Mediziner; dann muss halt der Narkosearzt herhalten, der mir vor einer Operation erklärte: "Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die Gute: Sie bekommen von mir nur eine Spritze. Die Schlechte: Sie bekommen sie ins linke Auge" - die Ablenkung funktionierte, ich war eine Sekunde später aus wie ein Lichtschalter.) Es geht um den Humor, mit dem Ärzte sich selbst bei Laune - oder zumindest bei Verstand - halten wollen. Galgenhumor, eben. Und mit dem befasst sich ein Artikel, den das auf ethische Fragen in Medizin und Wissenschaft spezialisierte Hastings Center (Registrierung erforderlich) gerade veröffentlicht hat.

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Autor: Jürgen Schönstein· 26.09.11 · 22:27 Uhr· 33 Kommentare

"Akzentuiert" lehren? Nein danke ...

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 17

Ich erzähle heute, also rund 40 Jahre später, noch gerne die Anekdote über einen meiner Deutschlehrer (der im ehemaligen Siebenbürgen, heute Rumänien, aufgewachsen war), der am ersten Schultag vor seine Oberstufenklasse (!) trat und verkündete: "Guten Morgen, meine Kinder! Ab heute wir wollen lernen gutes und modernes Deutsch!" War zwar ein Brüller für uns pubertätsbeschädigte Heranwachsende, aber im Rückblick hat es mir nicht nur nicht geschadet, ihn als Deutschlehrer erlebt zu haben - zu wissen, dass nicht jeder die gleichen Sprachgewohnheiten und -Manierismen hat, hat mein Leben zwischen zwei Sprachwelten enorm erleichtert. Wie ich gerade jetzt darauf komme? Weil ich in der New York Times einen Artikel darüber gelesen habe, wie in Arizona - ausgerechnet Arizona! - jahrelang die "Akzentpolizei" hinter Lehrerinnen und Lehrern her war, die das Englisch, das sie ihren zumeist hispanischen Schülern beibringen sollten, selbst mit einem hispanischen Akzent sprachen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 26.09.11 · 04:30 Uhr· 17 Kommentare

24. September 2011

Sollen Dinos aus Hühnereiern schlüpfen?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 22

Das Magazin Wired hat auf dem Cover seiner Oktober-US-Ausgabe (ist zum Zeitpunkt des Schreibens zwar noch nicht online, aber schon seit gestern auf meinem Schreibtisch) einen Artikel darüber, dass der - spätestens seit Jurassic Park auch außerhalb von Fachkreisen ziemlich populäre - US-Paläontologe John "Jack" Horner davon träumt, sich aus einem Hühnerembryo einen echten, lebenden Dinosaurier zu "basteln".

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Autor: Jürgen Schönstein· 24.09.11 · 06:43 Uhr· 22 Kommentare

23. September 2011

Über den Umgang mit Menschen

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 17

Sorry, Freiherr von Knigge, dass ich mir Ihren Buchtitel hier mal "geborgt" habe. Es geht hier nämlich ganz speziell um den Umgang von Ärzten mit jenen Menschen, die sie als "Patienten" bezeichnen. Das Englische kennt dafür sogar einen eigenen Begriff, die "bedside manners" (wörtlich: das Benehmen am Bett) - aber das heißt nicht, dass Ärzte in den USA oder England ihren Kolleginnen und Kollegen in anderen Sprachräumen darin zwangsläufig überlegen sein müssen. Doch das soll sich ändern: Dank einer Spende von 42 Millionen Dollar wird nun an der University of Chicago ein eigenes Ausbildungszentrum für den Umgang mit Patienten eingerichtet - das Buckbaum Institute for Clinical Excellence.

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Autor: Jürgen Schönstein· 23.09.11 · 04:24 Uhr· 17 Kommentare

21. September 2011

Die unsichtbare Hand und ihr Griff nach den Sternen

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 2

Wir schreiben das Jahr 1978. Es ist Juli. Der Krieg der Sterne ist noch auf einigen Leinwänden der Republik zu sehen, und ein junger Obergefreiter zählt im Countdown die verbleibenden Tage seines Wehrdienstes, in der freudigen Erwartung, sein Studium der Wirtschaftsgeographie beginnen und dabei mehr über so spannende Konzepte wie die Thünenschen Ringe zu erfahren. Gleichzeitig, in einem ganz anderen Teil des Planeten, in einem verträumten Ort namens Princeton hat ein junger, frustrierter Assistenzprofessor eine Idee, die wortwörtlich weit über das in Regionen konzipierte Thünensche Modell hinaus geht: Ist interstellarer Handel aus ökonomischer Sicht möglich, und welche Konsequenzen hätte dabei die aus der Relativitätstheorie abzuleitende Zeitdilatation auf interstellare Preis- und Zinsrelationen?

This article extends interplanetary trade theory to an interstellar setting. It is chiefly concerned with the following question: how should interest charges on goods in transit be computed when the goods travel at close to the speed of light? This is a problem because the time taken in transit will appear less to an observer traveling with the goods than to a stationary observer. A solution is derived from economic theory, and two useless but true theorems are proved.
Dieser Artikel erweitert die interplanetare Handelstheorie auf ein interstellares Umfeld. Er befasst sich vorrangig mit der folgenden Frage: Wie sollen Zinskosten auf Güter im Transit berechnet werden, wenn die Güter sich nahe der Lichtgeschwindigkeit bewegen? Dies ist ein Problem, da die Zeit, die für den Transport anfällt, für einen Beobachter, der mit den Gütern reist, kürzer ist als für einen stationären Beobachter. Eine Lösung wird aus der ökonomischen Theorie entwickelt, und zwei nutzlose, aber wahre Theoreme werden bewiesen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 21.09.11 · 16:27 Uhr· 2 Kommentare

20. September 2011

Lost in Translation

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 66

Wissenschaftler und Menschen sprechen nicht die gleiche Sprache.
Das Zitat ist von mir (eben erfunden), und es soll eigentlich nur ein bisschen Aufmerksamkeit provozieren. Und wenn Sie ab jetzt noch weiter lesen, dann ist mir das auch gelungen. Selbstverständlich sind alle Wissenschaftler Menschen, aber sie denken und reden eben nicht wie gewöhnliche Menschen. Dies wird beispielsweise an dem Prozess, der nach der formalen Eröffnung an diesem Dienstag (20.9.) ab der kommenden Woche (1.10.) in L'Aquila gegen sieben Mitglieder der italienischen Commissione Nazionale dei Grandi Rischi, einer Art Katastrophenfrühwarn-Kommission, geführt wird, auf geradezu tragische Weise deutlich.

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Autor: Jürgen Schönstein· 20.09.11 · 19:24 Uhr· 66 Kommentare

19. September 2011

Das Terrorismus-Dilemma

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 25

Wer ist eigentlich ein Terrorist? So intuitiv, wie uns die Antwort scheint, ist sie leider nicht (ich würde dies den "pornografischen" Definitionsansatz nennen, wie in "Ich erkenne Pornografie sofort, wenn ich sie sehe"). Seit gut einem Jahrzehnt beispielsweise ringen die Vereinten Nationen um eine Definition von Terrorismus; bisher ist die Unterzeichnung der Comprehensive Convention on International Terrorism daran gescheitert, dass sich die Mitgliedsstaaten nicht auf eine einheitliche Definition einigen können.

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Autor: Jürgen Schönstein· 19.09.11 · 19:00 Uhr· 25 Kommentare

Spielend ein Protein entschlüsselt

Kategorie: Naturwissenschaften

Biochemie ist nicht meine Stärke - aber von Online-Spielen verstehe ich noch weniger (ist halt nicht mein Ding, ich spiel lieber Gitarre - auch wenn ich mich in diesem Umfeld vermutlich zur Minderheit mache. Daher muss ich zugeben, dass ich bei diesem Paper, das in der aktuellen Ausgabe von nature structural & molecular biology erschienen ist, gleich doppelte Probleme hatte, den Inhalt zu verstehen: Crystal structure of a monomeric retroviral protease solved by protein folding game players. Aber eigentlich ist das auch nicht so schlimm, denn es geht mir nur darum, auf eben jenes Paper hinzuweisen und die Umstände, unter denen es entstanden ist.

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Autor: Jürgen Schönstein· 19.09.11 · 02:21 Uhr· 0 Kommentare

17. September 2011

Keine Angst vor Apfelsaft!

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 9

Wie? Noch nicht gehört, dass Apfelsaft hochgiftig ist, voll mit Arsen? Na, es wird nicht lange dauern, bis diese "Warnung" auch aus dem US-Fernsehen rüberschwappt - weil einfach nichts, was im US-Fernsehen läuft, sehr lange braucht, bis es auch den deutschen Medienkonsumenten serviert wird. Worum geht's? Der amerikanische TV-Doktor Mehmet Oz hat in seiner Sendung vor Apfelsaft gewarnt, da ein von ihm beauftragtes Labor in zehn von 36 Apfelsaftproben namhafter Hersteller einen deutlich höheren Arsengehalt als im Trinkwasser erlaubt gefunden hat.

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Autor: Jürgen Schönstein· 17.09.11 · 03:33 Uhr· 9 Kommentare

15. September 2011

Namhafte Pseudonyme

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 31

Wer bei unserer amerikanische Schwestersite, scienceblogs.com, gelegentlich (oder meinetwegen auch regelmäßig) mitliest, der hat schon davon gehört, dass der neue SB-Anteilseigner National Geographic beschlossen hat, künftig nur noch unter Klarnamen schreibende Blogger im SB-Verbund zu dulden. Bei den deutschen ScienceBlogs ist eine solche Regelung (bisher) nicht angekommen, und in der Praxis hätte sie auch keine großen Folgen, da jede(r) deutsche ScienceBlogger(in) hier namentlich bekannt ist. Dennoch ist es mir ein paar Zeilen wert, da es sich hier um eine prinzipielle Frage des Bloggens handelt. Und weil durch den dadurch ausgelösten Abgang einiger erfolgreicher US-Blogger auch die Reputation der ScienceBlogs insgesamt, egal in welcher Sprache, in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

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Autor: Jürgen Schönstein· 15.09.11 · 18:58 Uhr· 31 Kommentare

Klage gegen italienische Geowissenschaftler: Was ist hier schief gelaufen?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 9

In den kommenden Tagen wird in Italien der Prozess gegen sieben führende Geophysiker beginnen, die im Zusammenhang mit dem verheerenden Erdbeben vom 6. April 2009 wegen Totschlags angeklagt wurden. Vor allem in der wissenschaftlichen Gemeinde ist die Empörung groß, dass hier sieben renommierte Forscher dafür belangt werden sollen, weil sie ein Erdbeben nicht korrekt vorher gesagt hatten - was, nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, schlichtweg nicht möglich wäre. Doch so, wie ich in dem Artikel At fault gelesen habe, der in Nature erscheint, sieht der Sachverhalt doch ein kleines bisschen anders aus: Den Wissenschaftlern wird nicht (zumindest nicht direkt) vorgeworfen, das Erdbeben nicht korrekt vorher gesagt zu haben, sondern das Risiko so weit herunter gespielt zu haben, dass sich die Betroffenen in falscher Sicherheit wähnten; mit der Folge, dass sie auf ihre traditionellen Vorsorgemaßnahmen (die Region um L'Aquila ist ein bekanntes Erdbebengebiet) verzichteten.

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Autor: Jürgen Schönstein· 15.09.11 · 13:18 Uhr· 9 Kommentare

Das isst peinlich ...

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 15

Da hätte wohl mal jemand vor dem Versand besser mal das Etikett überprüfen sollen. Aber es könnte schlimmer sein - beispielsweise, wenn statt mit Kohlensäure versetztem Müller-Thurgau - igitt, gibt's das wirklich? Thurgau-Soda? - ein guter Silvaner (hey, ich komme aus Franken, das erkärt meine Vorlieben) in der Flasche wäre:
Vorschaubild für Müller-Thurgau.jpg

Gesehen in einer Weinhandlung in Cambridge, Massachusetts


Autor: Jürgen Schönstein· 15.09.11 · 03:17 Uhr· 15 Kommentare

14. September 2011

Trolle, schon zu Schopenhauers Zeiten?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 47

Scheint so, wenn man Arthur Schopenhauers sarkastische Beobachtungen* zur Diskussionskultur seiner Zeit liest:

Zeigt etwan in einer Diskussion, oder sonst im Gespräch ein andere richtige Sachkenntniß, strengere Wahrheitsliebe, gesünderes Urtheil, mehr Verstand, als wir, oder überhaupt, läßt er geistige Vorzüge blicken, die uns in den Schatten stellen; so können wir alle dergleichen Überlegenheiten und unsere eigene durch sie aufgedeckter Dürftigkeit sogleich aufheben und nun umgekehrt selbst überlegen seyn, indem wir beleidigend und grob werden. Denn eine Grobheit besiegt jedes Argument und eklipcirt allen Geist: wenn daher nicht etwan der Gegner sich darauf einläßt und sie mit einer größeren erwidert, wodurch wir in den edelen Wettkampf der Avantage gerathen; so bleiben wir Sieger und die Ehre auf unserer Seite: Wahrheit, Kenntniß, Verstand, Geist, Witz müssen einpacken und sind aus dem Felde geschlagen von der göttlichen Grobheit.

* aus: Aphorismen zur Lebensweisheit, Kapitel IV: Von dem, was Einer vorstellt; erschienen 1851, zitiert aus Reclams Universal-Bibliothek, Stuttgart 1953


Autor: Jürgen Schönstein· 14.09.11 · 02:55 Uhr· 47 Kommentare

13. September 2011

Verstörendes und Verschwörendes

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 24

Ich breche hiermit mein eigenes Gelöbnis, nicht länger auf die so genannten "Verschwörungstheorien" einzugehen, die sich speziell um die Ereignisse des 11. September 2001 ranken. Aber wenn ich sehe, wie unerbittlich bei Florian die VT-Ritter ihre Windmühlenkämpfe austragen, dann kann ich mir ein paar Gedanken zum Thema "Verschwörungstheorien" doch nicht verkneifen. Ich hatte diese Gedanken in einem Kommentar zu einem wenig gelesenen Beitrag hier schon einmal angedeutet, will sie hier aber mal ein bisschen auswalzen. Meine Arbeitsthese: Die Erklärung muss in einem proportionalen Verhältnis zum Ereignis stehen, um unser Denken zu befriedigen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 13.09.11 · 04:50 Uhr· 24 Kommentare

12. September 2011

Ziemlich ansteckend ...

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Übers Wochenende ist in den USA der neue Steven-Soderbergh-Film Contagion angelaufen - zwar nicht mit sensationellem Erfolg, aber doch immerhin der meist besuchte Film des Wochenendes (in Deutschlands Kinos wird er am 20. Oktober kommen). Trotz des enormen Staraufwands - die Besetzungsliste wird angeführt von Matt Damon, Gwyneth Paltrow, Lawrence Fisbourne und Kate Winslet - hatte ich keine Lust, mir den Film anzuschauen; noch so ein Katastrophenfilm um eine selbstverständlich die Welt bedrohende Seuche, wie einst Wolfgang Petersens Outbreak, dachte ich. Nichts gegen diesen Film, aber warum soll man sich eine aufgewärmte Neuauflage anschauen - dachte ich. Bis ich heute in der New York Times diesen Leitartikel von W. Ian Lipkin las, der als wissenschaftlicher Berater an dem Film mitgewirkt hat. Okay, das macht ihn natürlich parteiisch, aber es ist doch erhellend zu lesen, dass bei diesem Film das Szenario so wissenschaftlich korrekt wie möglich gestaltet wurde. Und das kann offenbar ganz schön erschreckend sein ...


Autor: Jürgen Schönstein· 12.09.11 · 19:32 Uhr· 1 Kommentar

11. September 2011

Heute ist der Elfte ...

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 5

National_Guard_at_WTC.jpgSelbst wenn nicht ich an diesem Wochenende - auch für mich überraschend - wieder mal in meiner Wahlheimat New York City wäre, könnte ich es doch nicht übersehen, dass es heute genau zehn Jahre her ist, dass eine Gruppe religiöser Fanatiker vier Flugzeuge entführt und in selbst- und massenmörderische Marschflugkörper verwandelt hatte, und danach eine andere Gruppe, scheinbar nicht minder fanatisch, beschlossen hatte, dass dies nun die richtige Zeit für Kriege wäre und dafür, jeden Bürger als potenziellen Terroristen einzustufen. Vor allem, wenn sein Name oder seine Physiognomie irgend eine Verbindung zur Levante oder nach Nordafrika anzudeuten schien ... Zehn Jahre. Sollte ja für einen ehrgeizigen Journalisten ein Anlass sein, sich mit einem besonderen Jubiläumsstück zu profilieren. Oder?

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Autor: Jürgen Schönstein· 11.09.11 · 06:26 Uhr· 5 Kommentare

08. September 2011

Klimawandel in der Wetterforschung

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 17

Komische Klimaforscher: Da sagen sie einerseits voraus, dass der beobachtete und prognistizierte Klimawandel unter anderem zu schwereren Stürmen führen wird - und wenn dann ein schwerer Sturm verwüstend durchs Land zieht, wie beispielsweise Hurrikan Irene, dann tun sie das als ein Wetterereignis ab, für das man nicht den Klimawandel verantwortlich machen kann. Also was nun?

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Autor: Jürgen Schönstein· 08.09.11 · 05:43 Uhr· 17 Kommentare

07. September 2011

Zivilcourage oder Respektlosigkeit?

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 7

Bisher habe ich die langen Gänge des Massachusetts Institute of Technology ja nur als Besucher durchschritten. Aber seit gestern - Semesterbeginn in den USA - gehöre ich, wenn man so sagen will, dazu: Als Lecturer im Programm Writing across the Curriculum soll ich Studenten das Schreiben beibringen. Diese Information hat so gut wie nichts mit dem zu tun, worum es hier gehen wird - aber ich wollt's einfach mal erwähnt haben. Danke. Zurück zu den langen Gängen des MIT - hier liegt, an allen Ecken und Enden, die Studentenzeitung The Tech aus. Und um die soll's gehen ...

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Autor: Jürgen Schönstein· 07.09.11 · 06:18 Uhr· 7 Kommentare

06. September 2011

Jocks und Quacks: Ist Sportmedizin noch Medizin?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 5

Die Frage taucht in diesem Artikel der New York Times tatsächlich ganz wörtlich auf:

"Is sports medicine a science, something that really pays attention to evidence? Or is it a boutique industry where you have a product and sell it?"
Gestellt wird sie von Andrew Green, einem Orthopäden an der Brown University in Providence, Rhode Island. Hintergrund der Frage und des Artikels generell ist ein Modetrend in der Sportmedizin: Profiathleten - für die Verletzungen nicht nur ein physisches Handicap darstellen, sondern auch nachteilige Folgen für ihren künftigen Marktwert nach sich ziehen können - lassen sich mit spektakulär klingenden, bestenfalls aber zweifelhaften (und schlimmstenfalls wirkungslosen, wenn nicht sogar schädlichen) "experimentellen" Therapien behandeln, rühmen dann deren Erfolge ... und Scharen ähnlich verletzter Freizeitathleten rennen dann zu ihren Orthopäden und verlangen, in gleicher Weise behandelt zu werden. Ärztliche Einwände, dass diese Therapien nicht durch empirische Forschung belegt (oder sogar durch Forschung widerlegt) sind, stoßen auf taube Ohren: Was gut für Tiger Woods ist, soll auch gut sein für Leo Hölzchen. Und da sich damit gutes Geld verdienen lässt, hält der WIderstand der Mediziner nicht lange an ... Hier geht's zum Originalartikel, der immerhin einen Platz auf der Titelseite der Montagausgabe fand: As Sports Medicine Surges, Hope and Hype Outpace Proven Treatments


Autor: Jürgen Schönstein· 06.09.11 · 04:09 Uhr· 5 Kommentare

Synekdoche 9/11, New York

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 42

Schnell vorweg: Mit dem ähnlich betitelten Charlie-Kaufman-Film hat dieser Eintrag nichts zu tun. Aber irreführend ist der Titel trotzdem nicht: Erstens geht es hier um New York, und zweitens habe ich hier den grammatischen Begriff der Synekdoche bewusst gewählt, weil es mir im Folgenden darum geht, pars pro toto mal einen einzelnen Aspekt der September-11-Verschwörungstheorien herauszugreifen, um daran stellvertretend für alle 9/11-VT zu zeigen, wie vordergründig und ahnungslos flach sie gestrickt sind.

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Autor: Jürgen Schönstein· 06.09.11 · 01:17 Uhr· 42 Kommentare

02. September 2011

Wenn Roboter plaudern ...

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 9

Manches ist Blech, manches klingt vernünftig - und vieles erinnert mich auf beinahe gruselige Weise an den ein oder anderen "Austausch" in Blogkommentaren. Um auszuprobieren was rauskommt, wenn sich zwei künstliche Intelligenzen unterhalten, hat das Creative Machines Lab der Cornell University zwei Chatbots miteinander verkuppelt:


Autor: Jürgen Schönstein· 02.09.11 · 16:02 Uhr· 9 Kommentare

... Händewaschen nicht vergessen?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 15

Cuci_tangan_pakai_sabun.jpgAlter Hut: Händewaschen vermindert das Risiko, ansteckende Krankheiten zu verbreiten. Das bringen wir schon unseren Kindern bei. Aber welche Gruppe ignoriert dies mehrheitlich, obwohl gerade sie ein besonders hohes Infektions- und Übertragungsrisiko haben? Ärzte und Krankenschwestern. Zugegeben, diese entsprechende CDC-Studie ist zwar schon mehr als ein Jahrzehnt alt (und ebenso zugegeben, wenn ich's nicht hier in der New York Times gelesen hätte, wäre mir das Problem gar nicht klar gewesen), und selbst wenn die Unlust der Gesundheitsprofis, sich die Flossen zu spülen, nachdem - und bevor - sie mit ansteckenden Patienten in Kontakt kommen, scheint seit damals gewachsen ist: Die Mehrheit der Ärzte und Krankenschwestern scheint es nicht für nötig zu halten.

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Autor: Jürgen Schönstein· 02.09.11 · 03:53 Uhr· 15 Kommentare

01. September 2011

Science Horror Picture Show

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 5

Im US-Fernsehen startet heute (Mittwochabend) eine neue Serie, die sich mit der "dunklen Seite" der Wissenschaft befasst: Dark Matter lautet der ominöse Titel der Serie, die sich mit (angeblich) realen, ansonsten aber surreal anmutenden wissenschaftlichen Experimenten befasst. Produziert wurde sie von der britischen Firma Wide-Eyed Entertainment, ausgestrahlt wird sie auf dem Science Channel. Normaler Weise würde ich für eine neue Wissenschaftssendung schon mal den Kampf um die Kontrolle über die TV-Fernbedienung wagen, aber nach diesem Trailer bin ich mir nicht sicher, ob sich's lohnt:

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Autor: Jürgen Schönstein· 01.09.11 · 00:14 Uhr· 5 Kommentare

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