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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv Juli 2011
26. Juli 2011
Trump und Beck - zwei populistische Brechmittel
Kategorie: Politik · Kommentare: 56
Wie schon Max Beckmann Liebermann wusste: Manchmal kann man gar nicht so viel fressen, wie man kotzen möchte. Da ist einerseits der populistische (er selbst verwechselt das hartnäckig mit populäre) Bauunternehmer und Möchtegern-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, der im Telefoninterview mit Fox News ganz unverblümt zugibt, dass das Ziel politischen Handelns nicht etwa eine Steigerung des Gemeinwohls oder Mehrung des Nutzens des Volkes oder sonst so ein sozialistischer Quatsch ist (davon ist ja auch im Amtseid der US-Politiker mit keiner Silbe die Rede), sondern einzig und allein die Vernichtung des politischen Gegners, egal um welchen Preis (den natürlich sowieso nur das depperte Volk zahlen müsste):
Aber den Kotzbrocken der Woche serviert mal wieder Glenn Beck, der in seiner Radiosendung die jungen Opfer der Schießerei auf der Insel Utoya mit der Hitlerjugend vergleicht (was offenbar seine Lieblingsparabel ist):
Kein Wunder, dass mir schlecht ist ...
Autor: Jürgen Schönstein· 26.07.11 · 23:45 Uhr· 56 Kommentare
Die Macht der kleinen Minderheiten
Kategorie: Politik · Kommentare: 13
You can fool all the people some of the time, and some of the people all the time, but you cannot fool all the people all the time.Die Popularität dieses fälschlicher Weise Abraham Lincoln zugeschriebenen Spruches begründet sich darin, dass er zu unterstellen scheint, es gebe so etwas wie eine kollektive Vernunft, einen gemeinsamen Weg, zur "Wahrheit" zu gelangen. Doch wenn das stimmt - warum gibt es dann so viele gesellschaftliche/politische Irrtümer, die sich hartnäckig halten und auf breiter Basis akzeptiert werden, obwohl sie nachweislich als Trugschlüsse entlarvt sind? Wie beispielsweise der in den USA scheinbar unverrückbare, wenngleich als Irrtum entlarvte Glaube ist, dass Steuersenkungen für Vielverdiener die Einnahmen des Fiskus steigern kann. Oder die auch in Deutschland oft zu hörende Überzeugung, dass unternehmerisches Handeln immer dem politischen Handeln überlegen sein muss - obwohl Generationen von Nieten in Nadelstreifen bereits bewiesen haben, dass auch unter Managern und Unternehmern die Kompetenz dünn gesät sein kann. Eine mögliche Erklärung findet sich in dem Paper Social consensus through the influence of committed minorities, das aktuell in der Physical Review E erschienen ist - demnach genügt eine entschlossene und unbeirrbare Minderheit von zehn Prozent, um bereits in kürzester Zeit die gesamte Population von ihrer Position zu überzeugen: "Once that number grows above 10 percent, the idea spreads like flame", erklärt Boleslaw Szymanski, Professor für Computerwissenschaften und Co-Autor des Papers.
Autor: Jürgen Schönstein· 26.07.11 · 19:24 Uhr· 13 Kommentare
20. Juli 2011
Sexuelle Gewalt als Waffe gegen Männer
Kategorie: Politik · Kommentare: 18
Auf dieses Thema bin ich beim Lesen des neuen Blogs The Internationalist gestoßen, den Stewart Patrick vom Thinktank Council on Foreign Relations gestartet hat: Sexuelle Gewalt gegen Männer in bewaffneten Konflikten ist nicht nur eine bizarre Randerscheinung, die im großen Bild neben der bekannten sexuellen Gewalt gegen Frauen kaum ins Gewicht fällt. In seinem Eintrag Stopping Wartime Sexual Abuse--of Men schreibt Patrick:
Today, the Internationalist would like to draw your attention to a disturbing phenomenon ignored by the foreign policy community but all too common in global conflict zones: The pervasive sexual abuse of men in war.
Autor: Jürgen Schönstein· 20.07.11 · 18:04 Uhr· 18 Kommentare
Lesetipp: Helden im Wetterstudio
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 1
Früher war der Job, das Wetter in den Fernsehnachrichten anzusagen, ein Job für die Anfänger (ehe sie sich mit "richtigen" Nachrichten beschäftigen durften). Mehr als das Ablesen eines eingekauften - und meist ebenso knappen wie unzuverlässigen - Wetterberichts und ein bisschen Pseudoaerobics vor der Wetterwand gab's eh nicht zu tun. Doch dieser Artikel in der New York Times schildert, wie sich nicht nur die wissenschaftliche Qualität der Wetteranalyse und -Vorhersage verbessert hat (US-Wettermoderatoren sind heute in aller Regel studierte Meteorologen, und sie hantieren mit Millionen Dollar teurem Gerät), sondern auch die Rolle der Wettermoderatorinnen und -Moderatoren gewandelt hat: Sie sind heute die Stars, um derentwillen man die Nachrichten einschaltet. Und wenn sie rechtzeitig vor gefährlichen Ereignissen, allen voran tödlichen Tornados, warnen können, dann werden sie sogar zu echten Helden.
Autor: Jürgen Schönstein· 20.07.11 · 06:51 Uhr· 1 Kommentar
18. Juli 2011
Besser auf Rang Zwei
Kategorie: Politik · Kommentare: 28
Darüber hätte ich eigentlich schon in der vergangenen Woche etwas schreiben wollen - aber passend zum Thema, dass es gar nicht gesund ist, immer an der Spitze sein zu wollen, begnüge ich mich nun damit, unter "ferner liefen" mit meinem Beitrag zu landen. Worum geht's? Darum, dass - zumindest bei Pavianen - der Beta-Platz in der Gruppe wesentlich gesünder zu sein scheint als der Platz des Alphatieres.
Autor: Jürgen Schönstein· 18.07.11 · 20:43 Uhr· 28 Kommentare
14. Juli 2011
Bekenntnisse eines "Plagiators"
Kategorie: Politik · Kommentare: 16
Und damit meine ich mich. Und nein, dies ist keines dieser vorauseilenden, händeringenden Mea-culpa-Geständnisse, sondern lediglich meine persönliche Reflexion zum Thema "Abschreiben", in die ein Vierteljahrhundert journalistischer Tätigkeit einfließen - eine lange Zeit, in der auch ich zumindest einmal öffentlich als Plagiator bezeichnet wurde.
Autor: Jürgen Schönstein· 14.07.11 · 19:24 Uhr· 16 Kommentare
13. Juli 2011
Einsichten des Automechanikers
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
"Your crank sensor is broken", erklärte mir mein Automechaniker heute morgen, ehe mir 300 Dollar für die Reparatur desselben abknöpfen wollte. Tja, dass mein Crank-Sensor manchmal nicht gut funktioniert, habe ich leider auch schon öfter befürchtet ...
Autor: Jürgen Schönstein· 13.07.11 · 16:39 Uhr· 8 Kommentare
12. Juli 2011
Eintauchen in die virtuelle Geographie
Kategorie: Technik · Kommentare: 2
Da lacht mein Geographenherz*: Geo-Immersion verknüpft Landkarten wie Google-Maps mit Echtzeit-Daten, von Verkehrsvolumen bis hin zu Überwachungskameras:
* mein Bürgerhirn ist jedoch, vor allem bei den Echtzeit-Überwachungsmöglichkeiten, ziemlich beunruhigt
Autor: Jürgen Schönstein· 12.07.11 · 16:11 Uhr· 2 Kommentare
09. Juli 2011
WTF: Rauchen ist gut für die Gelenke?
Kategorie: Medizin · Kommentare: 21
Ja, das ist so ein Fall von WTF-Wissenschaft: Das Paper Smoking, body weight, physical exercise and risk of lower limb total joint replacement in a population-based cohort of men, das im Journal Arthritis & Rheumatism erscheint, stellt fest, dass Übergewicht und intensive körperliche Aktivität das Risiko, ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk zu benötigen, bei über 65 Jahre alten Männern erhöht, während selbiges durch Rauchen verringert wird.
Autor: Jürgen Schönstein· 09.07.11 · 18:49 Uhr· 21 Kommentare
08. Juli 2011
Zerrbild der Wissenschaftler?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Noch'n Clip, und dazu einer, der im Prinzip eigentlich nichts weiter ist als eine Promotion für den Film Prinzip Zufall von Romeo Grünfelder ist. Aber der Clip, in dem es um das Image von Wissenschaftlern in Film und Fernsehen - das sich im Prinzip in drei Kategorien einordnen lässt: 1. der edle Retter der Welt; 2. der tolpatschige/verblendete Forscher, der ungewollt das Übel in die Welt bringt; 3. der größenwahnsinnige Weltbeherrscher oder -Zerstörer - geht, hat mir gefallen. Darum verlinke ich hier auch gleich auf den ganzen YouTube-Kanal, in dem es noch mehr Material dazu gibt:
Dazu fällt mir, ganz am Rande, eine Anekdote ein, die Neil deGrasse Tyson gerne zum Besten gibt: Bei der Premiere von Steven Spielbergs Film Der Soldat James Ryan war ihm aufgefallen, dass der Sternenhimmel über der Normandie für die Jahreszeit total falsch dargestellt war. Als er Spielberg auf diesen Sachfehler aufmerksam machte, sei dieser so bestürzt gewesen, dass er seitdem jede Himmelsaufnahme in seinen Filmen von Tyson gegenchecken lässt. Meine Nachbarn - beides Astrophysiker an der Harvard-Universität und mit Tyson bekannt - würden da wohl mal wieder mit den Augen rollen, denn sie wissen, dass er gerne auch mal ein Garn spinnt. Aber die Idee, dass ein Regisseur seine Arbeit so ernst nimmt, dass er auch die faktischen Aspekte korrekt wiedergeben will, finde ich doch ganz charmant.
Autor: Jürgen Schönstein· 08.07.11 · 04:08 Uhr· 4 Kommentare
07. Juli 2011
Komischer Wissenschaftler ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9
Akademisch mag dem Doktor der Biologie Tim Lee ja mal das Lachen vergangen sein: Nach seinem Studium an der University of California in San Diego, einem ersten Job an der Scripps Institution of Oceanography und der Promotion an der University of California in Davis stellte er fest: "Ich hatte keine Lust mehr, Paper zu lesen." Doch was er dann draus gemacht hat, ist wirklich zum Lachen: Dr. Lee - der bei einer Amateurnacht in einem Waschsalon entdeckt wurde - macht nun seine Karriere als Stand-up Comedian (in meiner altmodischen Weltsicht übersetze ich das immer noch hartnäckig mit "Kabarettist"). Wobei er natürlich seine Wurzeln nicht verleugnen kann - Wissenschaft ist die Quelle seines Humors:
Autor: Jürgen Schönstein· 07.07.11 · 03:26 Uhr· 9 Kommentare
05. Juli 2011
Bitte mehr Evidenz für Medizin
Kategorie: Medizin · Kommentare: 12
Wobei "Medizin" hier im eher umgangssprachlichen Sinn gemeint ist - wie die Medizin, die man schluckt, und nicht die ganze Heilwissenschaft und -Praxis an sich. Denn letztere ist ja schon ganz gut auf wissenschaftliche Beine gestellt (auch wenn's immer noch besser gehen kann), was die Nachweise = Evidenzen ihrer (Er-)Kenntnisse angeht. Aber bei dem, was dann für den Patienten rauskommt, sprich: den Pillen/Tröpfchen/Salben etc., die er dann verschrieben bekommt, ist die Evidenz alles andere als erkennbar. Finden jedenfalls die Medizinwissenschaftlerin Lisa M. Schwartz und ihr Kollege Steven Woloshin von der Dartmouth Medical School in einem Meinungsbeitrag für die heutige New York Times.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.07.11 · 17:35 Uhr· 12 Kommentare
Preis für gut schreibende Wissenschaftler
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Es ist vielleicht etwas ungewöhnlich, wenn ich eine Presseaussendung hier im Original-Wortlaut einstelle. Doch diesen Hinweis auf einen Preis, der für junge Wissenschaftler ausgelobt wird, die nicht nur interessante Dissertationen schreiben, sondern diese Dissertationen auch noch interessant schreiben können, will ich dann doch mal weitergeben - quasi als Gegenmittel zu plagiierten und dazu noch stinklangweiligen Doktorarbeiten. Hier nun - in Blog-Zitierweise (die selbstverständlich von Harvard-, Oxford- oder Ichweißnichtsonstwo-Zitierweise abweicht) - die PM der Klaus Tschira Stiftung:
Autor: Jürgen Schönstein· 05.07.11 · 12:07 Uhr· 5 Kommentare
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