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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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05.05.11 · 05:59 Uhr
Europäische Richtlinien für Peer Review
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Gemeint ist hier nicht die peer review für wissenschaftliche Publikationen, sondern für Forschungsanträge und Projekte, die ja von den Fördermittelgebern ebenfalls begutachtet und bewertet werden müssen. Und das ist (nicht nur) in Europa zwar immer noch ein primär national strukturiertes Aufgabenfeld - die Deutsche Forschungsgemeinschaft beispielsweise fördert, wie schon der Name sagt, Forschung in Deutschland, aber erstens gehört der internationale Austausch ganz selbstverständlich zur Wissenschaft, und zweitens kann es nicht schaden, wenn es bei der Vergabe der Fördermittel, genauer gesagt: bei der Beurteilung von förderwürdigen Projekten, einigermaßen konsistente und einheitliche Kriterien zur Anwendung kommen. Und just zu diesem Behufe hat die European Science Foundation vor einigen Tagen ihren European Peer Review Guide - Integrating Policies and Practices into Coherent Procedures vorgelegt.
Da ich selbst bisher nie Fördermittelanträge schreiben oder gar begutachten musste, kann ich nicht beurteilen, was an dieser Empfehlung nun fundamental - oder auch nur marginal - neu ist. Und so weit ich bisher durchgeschaut habe, ist sie immer noch abstrakt genug, dass ich den Übergang vom Allgemeinplatz zur konkreten handlungsvorgabe einfach nicht erkennen kann ("Projects selected for funding must demonstrate high quality in the context of the topics and criteria set out in the calls. The excellence of the proposals should be based on an assessment performed by experts. These experts, panel members and expert peer reviewers should be selected according to clear criteria and operate on procedures that avoid bias and manage conflicts of interest.") Aber falls es nicht sowieso schon immer gang und gäbe war, fand ich die Empfehlung ganz erfrischend, dass Antragsteller eine Chance haben sollen, ablehnende Bescheide anzufechten: ![]()
Autor: Jürgen Schönstein· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Daran ist nichts ungewöhnlich. Bei der DFG kann man abgelehnte Anträge neu einreichen und dabei die Gutachterkritik entkräften oder Missverständnisse ausräumen. Hab ich selbst schon erfolgreich gemacht.
Wie das Verfahren im Einzelnen geht, habe ich ja letztes Jahr im Detail beschrieben:
http://www.scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2010/11/forschungsgelder.php
Jürgen Schönstein schrieb (05.05.11 · 05:59 Uhr):
> [...] genauer gesagt: bei der Beurteilung von förderwürdigen Projekten
Falls das so genau gesagt (bzw. geschrieben) ist, wie es sich den Anschein gibt, dann geht es dabei offenbar um etwas anderes als die Beurteilung der Förderwürdigkeit von Projekten.
> [...] Projects selected for funding must [...]
Interessant wären sicher auch Richtlinien der Art: "Projects not selected for funding must ...".
Jürgen Schönstein schrieb (05.05.11 · 05:59 Uhr):
> European Peer Review Guide - Integrating Policies and Practices into Coherent Procedures [...]
>
Während ich in § 4.7.4 des genannten Dokumentes ziemlich vergebens nach konkreten Details zu Umsetzung oder Ablauf des "Rechtes auf Erwiderung" gesucht habe (das kann schon mal passieren, insbesondere wenn Worte in Dokumenten nicht sorgfältig zu entsprechenden Begriffs-Artikeln verwikilink wurden), findet sich dort zumindest das Folgende:
(Das hat, scheint mir, ein peer geschrieben, der vorrangig mit peers zu tun hatte.)
Hier in UK kriegt man die Stellungnahmen der Gutachter zugeschickt und kann auf deren Fragen reagieren, bevor es zur Panelsitzung kommt. Finde ich ganz clever angesichts der Tatsache, daß nicht jeder Gutachter gleichermaßen zur Beurteilung eines Projektes qualifiziert ist.
@ alle
Ich habe vor einiger Zeit einen Artickel bei S.B. gelesen. Es ging darum, was beim peer review (für wissenschaftliche Publikationen) geprueft wird. Leider kann ich den Artickel nicht wiederfinden.
Kann mir jemand sagen, wo ich mehr ueber dieses Thema finde?
naseweiss schrieb (23.06.11 · 12:40 Uhr):
> Ich habe vor einiger Zeit einen Artickel bei S.B. gelesen. Es ging darum, was beim peer review (für wissenschaftliche Publikationen) geprueft wird. Leider kann ich den Artickel nicht wiederfinden.
Kannst du den entsprechenden Artikel nicht unter diesen Suchergebnissen
http://www.scienceblogs.de/mt/suche.cgi?IncludeBlogs=1%2C3%2C5%2C7%2C8%2C13%2C16%2C18%2C25%2C28%2C29%2C30%2C32%2C34%2C35%2C36%2C38%2C39%2C40%2C41%2C42%2C43%2C45%2C46%2C52%2C55%2C56%2C57%2C58%2C59%2C60%2C61%2C68%2C69%2C70%2C72%2C73%2C74%2C75%2C76%2C77%2C79%2C84%2C86%2C90%2C93%2C96&search=peer&go=GO
?
Oder war im besagten Artikel das Wort "peer" möglicherweise gar nicht enthalten??
> Kann mir jemand sagen, wo ich mehr ueber dieses Thema finde?
Neben den gezeigten Suchergebnissen bei ScienceBlogs (einschl. dem im obigen Beitrag verlinkten "European Peer Review Guide") oder z.B. Wikipedia im Allgemeinen, sicher auch bei den meisten Suchergebnissen für
http://www.google.de/#hl=en&q=%22manuscript+for+review
Die Frage, ob jeweils bestimmte, nachvollziehbare Kriterien für die Beurteilung von (Manuskripten für) wissenschaftliche Publikationen bestehen, und ggf. welche Kriterien von Fall zu Fall angewandt würden, ist natürlich eine ganz andere ...
@ Frank Wappler: Vielen Dank :)
Hast du eigentlich meinen frechen Spruch gelesen ???
Damit wollte ich eigentlich nur M.T. aergern.
Du spielst nicht in der gleichen Liga, das war ein sehr voreiliger Ausrutscher.
Sorry.
Bei Markus entschuldige ich mich allerdings nicht!!!
Sobald ich die Zeit gefunden habe mich etwas schlauer zu machen, wuerde ich darauf gerne nochmal zurueckkommen.
Du scheinst der Meinung zu sein, die Kriterien seien nicht nachvollziehbar und von Fall zu Fall ganz andere. Kannst du das genauer und auch fuer Laien gut verstaendlich erklaeren?