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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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Archiv April 2011

29. April 2011

Tornados, so schlimm wie nie zuvor

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 43

Erst dachte ich daran, hier einen Videoclip von dem massiven (und letalen) Tornado einzubetten, der am 27. April die Stadt Tuscaloosa verwüstet hat und Teil einer bis dahin noch nie beobachteten Serie von Tornados war, die praktisch den gesamten Norden des Bundesstaates Alabama überzogen hatten. Doch nicht nur, dass sich spontan kein Clip zum Einbetten anbot (irgendwo wird's sicher welche geben) und dass die Bilder sowieso bestimmt schon überall im Fernsehen zu sehen waren (wer doch noch welche sehen will, einfach diesem Link hier folgen). Ich bin auch davor zurück geschreckt, weil allein dieser Tornado mindestens 36 Menschenleben in Tuscaloosa gefordert hat - und irgendwie kann ich, gerade wegen der sensationsvergessenen Kommentare, nicht die Vorstellung abschütteln, dass ich hier Menschen beim Sterben oder beim verzweifelten Kampf um ihr Leben zuschaue. Und muss mich für diesen Voyerismus schämen ...

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Autor: Jürgen Schönstein· 29.04.11 · 18:47 Uhr· 43 Kommentare

28. April 2011

Wir haben's im Kopf, weil wir's in den Beinen haben

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 1

So etwa könnte man ein altes Sprichwort abwandeln, das ja eher das Gegenteil behauptet. Der Anthopologe John Hoffecker von der University of Colorado in Boulder ist überzeugt, dass erst durch die Zweibeinigkeit jene "Rückkopplung" zwischen Händen, Hirnen und Objekten möglich war, die die Evolution des menschlichen "Superhirns" vorantrieb. Dass die Herstellung von Objekten - vor allem Wekzeugen wie Steinäxten, aber auch Schmuckperlen und ersten Figurinen - wiederum mit einer Fähigkeit zum Abstrakten Denken einher ging, die auch eine unabdingbare Notwendigkeit für die Entwicklung eines Symbolsystems wie der menschlichen Sprache ist, kann man schon mal in diesem Presseartikel der University of Colorado nachlesen; im Mai wird es dann in Hoffeckers neu erscheinendem Buch Landscape of the Mind: Human Evolution and the Archaeology of Thought im Detail erklärt (hoffe ich).


Autor: Jürgen Schönstein· 28.04.11 · 19:57 Uhr· 1 Kommentar

Die "Ästhetik" von Strommasten

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 4

Darüber musste ich heute morgen bei meiner Zeitungslektüre dann doch lachen:
Solar Panels Rise Pole by Pole, Followed by Gasps of 'Eyesore' (New York Times). Wirklich? Die in den USA nur all zu üblichen Strommasten, die in Stadt und Land die Straßen säumen, würden durch ein paar Quadratzentimeter Solarzellen "verschandelt"? Wenn ich bei mir aus dem Haus trete, dann sehe ich folgendes Bild:Strommasten3.jpgWie, bitteschön, könnte man das noch verschandeln?

Foto: Jürgen Schönstein 88x31.png


Autor: Jürgen Schönstein· 28.04.11 · 19:01 Uhr· 4 Kommentare

27. April 2011

Entdeckt Amerika doch das Spritsparen?

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 7

BroxSistersToyCar.jpgScheint so. Und zwar nicht nur die bisher in der Werbung forcierte Idee, seinem Auto bei gleichem Verbrauch einen noch größeren Motor zu spendieren und damit relativ zu sparen (und absolut gesehen weiter zu saufen). Sondern wirklich das, was mir über Jahrzehnte hinweg von Autoindustrie-Experten als eine Unmöglichkeit erklärt wurde: Amerikaner scheinen sich mit kleineren Autos anzufreunden. So jedenfalls wird das bisher beste Quartal des Autoherstellers Ford seit fast eineinhalb Jahrzehnten begründet - die 2,55 Milliarden Dollar, die gerade als Gewinn in der Kasse blieben, seien nicht zuletzt der wachsenden Beliebtheit des nach US-Maßstäben geradezu zwergenhaften Ford Fiesta zuzuschreiben, dessen Absätze im vergangenen Jahr um mehr als 40 Prozent gestiegen waren. Der Trick ist, dass die Margen beim Fiesta offenbar deutlich höher sind als bei den dicken Schlitten - der Gewinn pro Fahrzeug stieg um 59 Prozent, auf durchschnittlich 1.519 Dollar, obwohl der duchschnittliche Verkaufspreis aller Ford-Modelle "nur" um neun Prozent auf 22.096 Dollar gewachsen war.

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Autor: Jürgen Schönstein· 27.04.11 · 19:58 Uhr· 7 Kommentare

Eine (nicht ganz) private Verschwörungstheorie

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 14

Einen hab' ich noch, einen hab' ich noch ... Eigentlich wollte ich das Thema VT, nachdem ich es zweimal "gemolken" hatte, ja erst mal zu den Akten legen. Aber ich bin ja noch eine Geschichte schuldig, wie der Geheimhaltungsreflex und die Deckung von Kollegen innerhalb der Geheimdienste (beispielsweise) Verschwörungstheorien erst den nötigen Feinschliff gibt. Eine Geschichte aus meinem persönlichen Fundus. Und ich werde die Story wie eine VT aufbauen - wobei ich erst die Fakten schildern will, so weit sie bekannt oder belegbar sind, und dann nach und nach die VT-Komponenten einbaue. Alles klar?

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Autor: Jürgen Schönstein· 27.04.11 · 05:21 Uhr· 14 Kommentare

26. April 2011

Lesetipp: Un-sportliche Geschlechter-Tricksereien

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 3

Die Veröffentlichung der Wikileaks-Guantanamopapiere, zu denen unser zoon politikon Ali hier schon geschrieben hat, waren zwar heute das wichtigere Thema, aber folgenden Artikel aus der Dienstags-New York Times fand ich auch ganz lesenswert, falls man sich mit dem Thema der Geschlechtergleichheit befassen möchte: Der Artikel College Teams, Relying on Deception, Undermine Gender Equity dreht sich um den Artikel IX (Title IX), ein Gesetz aus dem Jahr 1972, durch das die Gleichstellung von Mädchen und Jungen im Bildungssystem garantiert werden wollte und der vor allem im Hinblick auf den Schul- und Hochschulsport noch heute strittig ist. Denn Sport ist eine der wenigen Domänen, wo eine Geschlechterdifferenzierung noch grundsätzlich akzeptiert ist. Aber der Artikel IX treibt hier seltsame Blüten, die nichts mehr mit den Geist und nur wenig mit dem Papier des Gesetzes gemein haben. Denn um ihre staatlichen Fördermittel nicht zu verlieren, müssen Hochschulen (um die geht es hier) nachweisen, dass sie den Frauensport adäquat zum ännersport und vor allem auch adäquat zum Frauenanteil unter der Studentenschaft fördern. Und daran hapert's oft.

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Autor: Jürgen Schönstein· 26.04.11 · 20:33 Uhr· 3 Kommentare

25. April 2011

Glauben nur Spinner an Verschwörungstheorien?

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 51

"Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden ..." hatte ich, Michael Endes "Unendliche Geschichte" zitierend, am Ende meines Eintrags über die Verschwörungstheorie um Obamas Geburtsurkunde auf die implizierte Frage geschrieben, wer wohl an so etwas glauben könnte. Nun, "ein andermal" ist jetzt. Auf die Frage, wer überhaupt an VT (ich kürz' das jetzt mal ab, da ich diesen Begriff in der Folge häufiger benutzen muss und keine Lust habe, dauernd Verschwörungstheorie tippen zu müssen) glaubt, gab es ja hier bei Florian Freistetter schon ein paar Hinweise. Aber jemand, der sich sehr ausführlich mit der Persönlichkeitsstruktur von Verschwörungstheroetikern beschäftigt hat, ist der britisch-malayische Wissenschaftler Viren Swami von der University of Westminster - und ohne dem, was ich hier ja ausführlicher beschreiben will, all zu weit vorweg zu greifen, kann man schon mal sagen, dass der Begriff "Spinner" nicht die treffendste Beschreibung für VTler ist, auch wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag.

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Autor: Jürgen Schönstein· 25.04.11 · 06:10 Uhr· 51 Kommentare

24. April 2011

Von wegen "Wie Sand am Meer"

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 3

trucks-on-the-beach.jpgDie in der Überschrift zitierte Redensart beschreibt ja eigentlich etwas, das in solchen Massen vorhanden ist, dass es im wörtlichen Sinn wertlos ist. Doch auf den der echten Sand am Meer trifft diese Einschätzung längst nicht mehr zu: Er ist eine handelbare und dementsprechend kommerziell ausgebeutete Ressource geworden. Und offenbar wird an den Sandstränden der Welt zum Teil dramatischer Raubbau betrieben: Der Sand wird gebraucht als Rohstoff (für Glas und Silizium, beispielsweise), um andere Strände aufzuschütten, die vom Meer weggespült wurden - und vor allem natürlich als ein Zuschlagstoff für Beton. Im Zuge des Abbaus werden Küstenstreifen und vor allem Lebensräume zerstört. Die auf Küstenschutz spezialisierte Umweltschutzorganisation Coastal Care hat auf ihrer Webseite versucht, einen Überblick über den weltweiten Sandabbau zu geben und begonnen, eine Datenbank über den weltweiten Abbau und Handel mit Sand zusammenzustellen. Coastal Care wird vom Santa Aguila Charitable Trust getragen und ist an der Western Carolina University angesiedelt.

Foto: Kommerzieller Sandabbau in Marokko; Lana Wong via Coastalcare.org


Autor: Jürgen Schönstein· 24.04.11 · 06:29 Uhr· 3 Kommentare

23. April 2011

Rätsel um Obamas Geburtsurkunde (oder: Ein Fall von kollektivem Realitätsverlust)

Kategorie: Politik  ·  Kommentare: 54

images.jpgNicht jeder, der an die eine oder andere Verschwörungstheorie glaubt, muss deshalb gleich ein totaler Spinner sein. Dazu später mehr. Aber es gibt Verschwörungstheorien, die in sich selbst schon so absurd sind (unabhängig davon, wie viele Beweise zum Gegenteil es gibt), dass sie nur nach einer partiellen oder totalen Denkparalyse in den Bereich zwischen den Ohren eingedrungen sein können. Das jüngste und in seiner Dimension ebenso wie seiner Abstrusität frappierendste Beispiel ist die Debatte um Barack Obamas Geburt (das Thema hatte ich hier schon mal angeschnitten). Kurz zusammengefasst, behaupten die so genannten "Birther", dass Barak Obama nicht in Hawaii, also den USA, sondern in Wahrheit in Kenia zur Welt gekommen ist.

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Autor: Jürgen Schönstein· 23.04.11 · 07:45 Uhr· 54 Kommentare

Morbides Glücklichsein?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Passt vermutlich zur morbiden Karwochenstimmung: Britische und amerikanische Forscher haben die Suizidraten der 50 US-Staaten (plus der Hauptstadt Washington) mit der generellen Zufriedenheit verglichen - und sind darauf gestoßen, dass in den Staaten, in denen die Menschen sich besonders glücklich wähnen, auch die Selbstmordraten besonders hoch sind. Das Paper über Dark Contrasts: The Paradox of High Rates of Suicide in Happy Places ist zwar, wie die University of Warwick mitteilt, zur Veröffentlichung im Journal of Economic Behavior & Organization angenommen worden, aber eben noch nicht erschienen (daher auch kein Link). Aber zumindest die Rohdaten für die 50 Staaten plus Washington sind bekannt; ein "Klick!" und sie öffenen sich als Word-Dokument.

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Autor: Jürgen Schönstein· 23.04.11 · 07:01 Uhr· 4 Kommentare

22. April 2011

Fukushima, zur Gedächnisauffrischung

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 11

Ich meckere ja selbst darüber, wie schnell selbst so eine dramatisch-tragische Ereigniskette wie das japanische Erdbeben, der nachfolgende Tsunami und die wiederum daraus resultierende Reaktorkrise nur all zu schnell in Vergessenheit gerät. Um also unsere Erinnerung nicht völlig verblassen zu lassen, hier ein Video, das von nature zusammengestellt wurde und das noch einmal rekapituliert, was mit den Fukushima-Reaktoren passiert ist:


Autor: Jürgen Schönstein· 22.04.11 · 03:57 Uhr· 11 Kommentare

21. April 2011

Wandernde Mörderzellen

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 19

Das größte Problem bei der Krebsbehandlung ist nicht das Aufspüren des Tumors - verfeinerte Diagnosemethoden, zum Beispiel das Erkennen erhöhter Vorkommen des prostatatspezifischen Antigens (PSA) durch ein simples Screening-Verfahren, erlauben es bei vielen Krebsarten, Tumore bereits in sehr frühen Stadien zu erkennen. Es ist auch nicht die Behandlung des Tumors an sich, gegen den mit chirurgischen, aber auch chemotherapeutischen und radiologischen Methoden immer gezielter vorgegangen werden kann. Es ist, um hier mal Tyler Jacks, den Leiter des David H. Koch Instititue for Integrative Cancer Research, zu paraphrasieren, die Fähigkeit der Krebszellen, sich - heimlich und unerkannt - an andere Orte des Körpers zu wandern und dort gänzlich neue Tumore, so genannte Metastasen zu bilden, die Krebs zu einer chronischen im Sinn von nie wirklich heilbaren Krankheit macht. Etwa 90 Prozent aller Krebstoten fallen nicht dem ursprünglichen Tumor, sondern den mörderischen Tochtergeschwüren zum Opfer.

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Autor: Jürgen Schönstein· 21.04.11 · 18:30 Uhr· 19 Kommentare

20. April 2011

Periodisch-systematischer Tanz

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Ich vermute mal, die Idee der nachstehend zu bewundernden Show war zu zeigen, dass nicht nur Chemie selbst, sondern auch Chemikerinnen und Chemiker cool sein können. Um das Internationale Jahr der Chemie zu würdigen, hatten sich mehr als 150 ChemikerInnen, jede(r) als ein Element des Periodensystems gekennzeichnet, anlässlich der 241. Jahrestagung der American Chemical Society, im Anaheim Convention Center in der Form des Periodensystems aufgestellt, um zu einem eigens dafür geschriebenen Chemie-Rap zu tanzen (der Text findet sich hier):
Soll ich ehrlich sein? Cool geht anders ...


Autor: Jürgen Schönstein· 20.04.11 · 18:35 Uhr· 11 Kommentare

Abend- und Abschiedsstimmung

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 4

Und wie dieser Tag, so geht auch der kurze Aufenthalt am Strand zu Ende ...
DSCN0300.JPG
DSCN0317.JPGBrewster, Cape Cod, Massachusetts


Autor: Jürgen Schönstein· 20.04.11 · 03:55 Uhr· 4 Kommentare

19. April 2011

Da bläst er!

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 10


Finnwal vor der Küste von Provincetown, Cape Cod (Massachusetts)

Ein bisschen wackelig und kurz, zugegeben - es ist gar nicht so leicht, mit einer Flipcam den richtigen Moment zu erwischen. Und die ca. 20 Atlantischen Nordkaper, die wir auf diesem Ausflug sahen, mussten aus Artenschutzgründen in größerer Distanz (ca. 400 bis 500 Meter) gehalten werden. Nix mit Video bei solchen Entfernungen (und die Fotos brauchen ein paar Tage - da bin ich noch ganz altmodisch, mit 35-mm-Film). Aber es ist schon merkwürdig zu wissen, dass man innerhalb einer Stunde, auf vielleicht einer Quadratseemeile, runde fünf Prozent der gesamten überlebenden Population von Eubalaena glacialis gesehen hat ...


Autor: Jürgen Schönstein· 19.04.11 · 04:50 Uhr· 10 Kommentare

17. April 2011

Scienceblogs am Strand ...

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 4

ScienceblogsamStrand.jpg
Cape Cod, Massachusetts


Autor: Jürgen Schönstein· 17.04.11 · 23:48 Uhr· 4 Kommentare

15. April 2011

Über den Umgang mit den eigenen Fehlern

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 13

Vor einigen Tagen saß ich mal wieder in einem Symposium des Massachusetts Institute of Technology, in dem es unter anderem um die transformatorischen Effekte von Computern in der Biologie ging. Leider konnte ich nur kurz reinhören (drum schreibe ich auch nichts weiter darüber), aber ein Moment blieb mir doch im Gedächtnis: Im Laufe seiner Vortrages, in dem Eric S. Lander anschaulich schilderte, mit welchem Tempo - und welcher Tiefe - sich die Genforschung dank der Fortschritte in der Computertechnik entwickeln konnte, kam er darauf zu sprechen, dass er noch heute ein schlechtes Gewissen hat, weil er Generationen von Studenten beigebracht hatte, dass das menschliche Genom aus etwa 100.000 Genen bestehe. Bis das Humangenomprojekt ab etwa dem Jahr 2000 dann wirklich erlaubte, die Gene nachzuzählen, war dies auch der Stand der Wissenschaft - obwohl es, wie wir heute wissen, nur gerade mal 21.000 Gene sind, die unser Menschsein steuern. Daran musste ich gestern wieder denken, als ich lernen musste, dass es eben nicht die Kreiselstabilität ist, die Fahrräder vor dem Umkippen bewahrt - und dass ich genau das meinem Sohn erst kurz davor ausführlich als Antwort auf seine Frage erzählt hatte.

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Autor: Jürgen Schönstein· 15.04.11 · 19:55 Uhr· 13 Kommentare

Warum kippt das Fahrrad nicht um?

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 19

"Klar doch, wegen der Kreiselstabilität", hatte ich meinem Sohn erst vor drei Tagen erklärt. Und wegen des Nachlaufs (das ist die Differenz zwischen der Steuerachse und dem Bodenberührungspunkt des Rades) würden die Fachleute, spätestens seit dem von David Jones 1970 in Physics Today veröffentlichten Paper ergänzen (den Gleichgewichtssinn des Fahrers lassen wir her mal aus dem Spiel - ein angeschubstes Fahrrad bleibt ja auch ohne eine Person im Sattel erstaunlich lange stabil). Klingt beides plausibel - und beides ist, wenn auch nicht unbedingt falsch (beide Effekte spielen bestimmt bei unseren Fahrrädern eine Rolle), dann doch zumindest unvollständig: Ein Team von Experten um Arend L. Schwab von der Technischen Universität Delft hat ein Versuchs-Fahrrad konstruiert, das auch ohne Kreiselstabilität und ohne den Nachlauf nicht nur unbemannt geradeaus rollen kann, sondern sich auch - wie ein richtiges Fahrrad - selbst wieder in eine stabile Position einpendelt, wenn es beim Rollen aus dem Gleichgewicht gebracht wird:
Bicycle.jpg

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Autor: Jürgen Schönstein· 15.04.11 · 03:02 Uhr· 19 Kommentare

14. April 2011

Im Geflecht der Sprachwurzeln verheddert

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 20

Schon komisch: Da finde ich endlich mal einen Anlass, über das zu schreiben, wovon ich am meisten zu verstehen glaube - die Sprache nämlich. Ist ja mein berufliches Werkzeug, und zudem eines, das ich mit ausgesprochenem (!) Vergnügen benutze. Und ausgerechnet hier muss ich nun einsehen, dass ich komplett außerhalb meiner Komfortzone gelandet bin, dass ich mich, um es mal bildlich auszudrücken, im Geflecht der Sprachwurzeln hilflos verfangen habe.

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Autor: Jürgen Schönstein· 14.04.11 · 04:21 Uhr· 20 Kommentare

13. April 2011

Lomborg und Letterman

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 48

Am Klimawandel ist nichts komisch - ob man ihn nun für real hält oder nicht, in jedem Fall ist er, wie ich allein schon aus den Kommentaren hier bei den ScienceBlogs regelmäßig schließen kann, eine ernste Angelegenheit. Was hatte also der selbst ernannte "Skeptical Environmentalist" (dies ist der englische Titel seines Buches, das auf Deutsch als "Apocalypse No!' erschienen ist), der dänische Wirtschaftswissenschaftler Bjørn Lomborg, an diesem Dienstagabend (12.4.2011) in der US-Comedytalkshow von David Letterman zu suchen? Als alter Late-Show-Fan kann ich die Antwort gleich selbst geben: Letterman ist nur vordergründig ein Spaßvogel - politisch ist seine Sendung aber, bei allem Humor, vermutlich relevanter als alle Nachrichtenprogramme zusammen. (Und ich wage zu behaupten, dass er der eigentliche Erfinder des Konzepts der satirischen Nachrichten ist, mit dem Jon Stewart und Stephen Colbert Erfolge feiern.)

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Autor: Jürgen Schönstein· 13.04.11 · 07:30 Uhr· 48 Kommentare

11. April 2011

Augen erkennen nicht, was die Hände "sehen"

Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 38

20110408155540-1.jpgAus Zeitmangel hier nur kurz angesrissen: Wenn Blinde nur mit den Händen "sehen" können - entsteht dann in ihrem Gehirn das gleiche Bild, das bei Sehenden die Augen liefern? Oder, mit anderen Worten: Wenn jemand blind zur Welt kam und seine Umwelt nur mit den Händen egrefen kann - wird er/sie diese Objekte wieder erkennen, wenn er/sie plötzlich sehen kann? Die Frage, die beinahe philosophisch anmutet - was daran liegen kann, dass vor 300 Jahren, als sie von dem irischen Naturforscher William Molyneux gestellt wurde, lediglich philosphische Lösungsmöglichkeiten bestanden - ließ sich nun wissenschaftlich beantworten. Und die Antwort ist: Nein. Die ehemalig Blinden erkennen nicht auf Anhieb, welche visuelle Erscheinungsform ein Objekt haben muss, mit dem sie durch ihren Tastsinn bereits vertraut waren.

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Autor: Jürgen Schönstein· 11.04.11 · 19:32 Uhr· 38 Kommentare

09. April 2011

Quantensprünge der unendlichen Ichs

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 17

Auf den Quantenunfug, über den Florian hier berichtet hat, kann ich noch eins draufsetzen: Hier wird eine "Technik" (im Eso-Sinn, hat nicht wirklich mit Technik zu tun) angepriesen, mit der man zwischen den - sich in der Quantenphysik begründeten, hier aber angeblich durch unsere eigenen Entscheidungen geschaffenen - Paralleluniversen so lange hin und her springen kann, bis man eines findet, wo alles am besten gelaufen ist. Und ich dachte, der 1. April war vergangene Woche - aber in diesem Multiversum scheint alle Tage 1. April zu sein ...
Gefunden Aufgedrängt via Google Ads ...


Autor: Jürgen Schönstein· 09.04.11 · 06:37 Uhr· 17 Kommentare

08. April 2011

Wenn plötzlich der Stuhl vor der Tür steht

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 19

Achtung: Wer meint, dass auf ScienceBlogs nur über Wissenschaft geschrieben werden darf, sollte am besten gleich weiter klicken (hier, zum Beispiel). Dies ist eine subjektive und ausgiebige Betrachtung, auf eigener Erfahrung basierend, wenn auch durch eine aktuelle Studie über die lebensverkürzenden Nebenwirkungen von Arbeitslosigkeit angeregt.

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Autor: Jürgen Schönstein· 08.04.11 · 05:04 Uhr· 19 Kommentare

07. April 2011

Wie der Durst der Autos andere hungern lässt

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 8

COLLECTIE_TROPENMUSEUM_Verpakking_van_de_geoogste_cassave_in_jute_zakken_TMnr_20018435.jpgSo lobenswert gesetzliche Bemühungen um eine Senkung des CO2-Ausstoßes sein mögen - dass der Einsatz von Biosprit (Ethanol) mehr Probleme verursacht als er löst, habe nicht nur ich hier schon früher geschrieben. Aber das Ausmaß, in dem der Durst unserer Kraftfahrzeuge anderen Menschen und Ländern das Essen wegschluckt, hat sich seitdem nur noch verschärft und droht, dramatische Dimensionen anzunehmen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 07.04.11 · 16:47 Uhr· 8 Kommentare

US-Wahlen sind schlecht fürs Klima

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 10

Indirekt und um die Ecke betrachtet, jedenfalls. Ein aktuelles Paper mit dem Titel Local Warming - Daily Temperature Change Influences Belief in Global Warming, das in Psychological Science erschienen ist, belegt den anekdotisch sowieso schon beobachtbaren Zusammenhang zwischen dem aktuellen, lokalen Wetter und der Bereitschaft, einen globalen Erwärmungstrend (= Klimawandel) zu akzeptieren: Wenn's kalt ist, dann neigen die Menschen eher dazu, den Klimawandel abzulehnen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 07.04.11 · 06:48 Uhr· 10 Kommentare

06. April 2011

Heiße Ware, die vom Himmel fiel

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Davon, dass in Naturschutzgebieten das Einsammeln von Fossilien oder Mineralien aller Art, also auch von Meteoriten, untersagt ist, hatte ich schon gehört - davon, dass es dennoch, oder vermutlich sogar eher: gerade deswegen einen ebenso florierenden wie zerstörerischen Schwarzhandel mit Meteoriten gibt, weiß ich erst seit diesem Artikel in der aktuellen Science-Beilage der New York Times. Die Rechtslage scheint, obwohl sie in dem Artikel als ziemlich eindeutig (und der Meteoritenexport ohne staatliche Genehmigung international als illegal) beschrieben wird, jedenfalls eher grau als schwarz auf weiß zu sein: In den USA gehört alles erst mal dem Grundeigentümer - also auch Fossilien und Meteoriten (der berühmte Meteor Crater in Arizona beispielsweise ist im Privatbesitz der Familie Barringer).

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Autor: Jürgen Schönstein· 06.04.11 · 05:36 Uhr· 2 Kommentare

05. April 2011

Hand aufs (Patienten-)Herz

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 15

Aus Zeitgründen heute nur ein Link auf eine 3sat-Sendung über das Handauflegen als Therapie im St. Joseph Krankenhaus in Berlin-Tempelhof. (Warnung: Bei mir ist die Bildqualität leider lausig und holperig; einbetten lässt sich der Beitrag offenbar auch nicht.) Ich muss zugeben, dass ich nicht sicher bin, ob diese Sendung nun ausgewogen = "objektiv" ist, da ja gegen Ende vor den Gefahren eine Therapieverschleppung gewarnt wird, oder ob sie - wie sich's bei mir halt anfühlt - eher pro-Alternativbehandlungen ist und den Placeboeffekt praktisch als eine Errungenschaft dieser Methoden beschreibt. Außerdem stoße ich mich am exzessiven Gebrauch des (abwertend gemeinten) Begriffs Schulmedizin...

Mit Dank an gloriagates


Autor: Jürgen Schönstein· 05.04.11 · 19:45 Uhr· 15 Kommentare

Arbeitslose sterben früher

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 15

Mit sowas macht man keine Witze (falls jemand dachte, dies sei ein verspäteter Aprilscherz). Aber eine internationale Meta-Studie, für die 42 Arbeiten mit Daten von mehr als 20 Millionen Personen ausgewertet wurden, kam tatsächlich zu dem Resultat, dass das Risiko, einen vorzeitigen Tod zu sterben, bei Arbeitslosen im Schnitt um 63 Prozent höher ist als bei Beschäftigten. Und Männer trifft dieser Effekt deutlich härter als Frauen: Ihr Risiko, mit dem Lebensunterhalt auch das Leben zu verlieren, liegt sogar bei 78 Prozent; für Frauen hingegen "nur" bei 37 Prozent. Und nein, dies hat nichts damit zu tun, dass ja viele Personen möglicher Weise aus Gesundheitsgründen ihre Arbeit verloren haben:

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Autor: Jürgen Schönstein· 05.04.11 · 06:39 Uhr· 15 Kommentare

04. April 2011

Klimawandel: Der "Haha"-Effekt

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 27

Muller-best-photo.jpgVon einem, der auszog, das Fürchten zu lehren: Professor Richard A. Muller (siehe Abbildung), Physiker an der University of California at Berkeley, zählt zu den wissenschaftlich "härtesten" Zweiflern am Klimawandel. Dank großzügiger Finanzierung u.a. durch die (auch hinter der Tea Party stehende) Charles G. Koch Foundation sollte sein Berkeley Earth Surface Temperature Project beweisen, dass der globale Klimawandel ein Mythos ist. Dank seiner wissenschaftlichen Statur war er zudem der "Kronzeuge" einer Kongressanhörung, mit der das nun von Republikanern dominierte Abgeordnetenhaus "beweisen" wollte, dass das Gerede von globaler Erwärmung nur ein (pseudo-)wissenschaftlicher Schwindel sei. Doch der erhoffte Aha-Effekt wurde zum "Haha"-Effekt. Wenn's nicht so ernst wäre, gäbe es eine prima Lachnummer ab.

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Autor: Jürgen Schönstein· 04.04.11 · 16:00 Uhr· 27 Kommentare

Mutterglück = Kinderglück

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 7

Mit ein bisschen Feilen könnte man aus der Überschrift einen Spruch für Muttertagskarten basteln (oder ihn wenigstens in ein sprachlich passendes Format für Glückskekse pressen). Aber es gibt tatsächlich wissenschaftliche Indizien, die das Glücksgefühl von Kindern in Großbritannien - was vermutlich übertragbar ist auf alle westlichen Länder (meine Vermutung!) - damit korrelieren, ob sich ihre Mütter mit ihrem Lebenspartner glücklich fühlen. Diese Aussage stützt sich auf die ersten Ergebnisse einer britischen Langzeitstudie mit 40.000 Haushalten; für die spezifischen Aussagen zum Glück und den familiären Beziehungen wurden die Antworten 6.441 Frauen, 5.384 Männer und 1.268 von einem Forscherteam des britischen Institute for Social & Economic Research (University of Essex) ausgewertet. Publiziert wurden die Resultate von John Ermisch, Maria Iacovou und Alexandra Shaw als pdf-Paper auf der Website der Langzeitstudie Understanding Society; ergänzend dazu findet man hier eine Pressemitteilung des Economic and Social Research Council.

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Autor: Jürgen Schönstein· 04.04.11 · 04:07 Uhr· 7 Kommentare

01. April 2011

FBI sucht freiwillige Codeknacker

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 18

cyphered-note.jpgAn einem ersten April sollte man solchen Meldungen zwar mit Skepsis begegnen, doch die nachfolgende Story ist real: Am 30. Juni 1999 wurde in einem Acker, westlich von West Alston (Missouri) die Leiche des 41-jährigen Ricky McCormick gefunden. Obwohl die Leiche keinen Wunden aufwies, bei der Autopsie keine toxikologischen Auffälligkeiten feststellbar waren, keine verdächtige Tatwaffe gefunden wurde und auch keine Zeugen irgend etwas Verdächtiges gesehen hatten, sind die Ermittlungsbehörden fest überzeugt, dass McCormick ermordet wurde. Auch wie die Leiche an diesen abgelegenen Ort kam, ist ungeklärt. Doch das größte Rätsel, von dessen Lösung sich die Polizei auch die lösung des Falles erhofft, sind zwei geheimnisvolle Briefe, die McCormick in der Tasche trug. Und geheimnisvoll ist hier wörtlich zu verstehen: Sie sind in einem Geheimcode verfasst, an dem sich bisher selbst die Kryptoanalytiker des FBI die Zähne ausgebissen haben. Und darum bitten sie nun die Öffentlichkeit um Hilfe: "Wir sind wirklich gut in dem, was wir tun," gesteht Dan Olson, Chef der Abteilung Cryptanalysis and Racketeering Records (CRRU), in einem offenen Brief ein , "aber mit dem hier könnten wir ein bisschen Hilfe gebrauchen."


Autor: Jürgen Schönstein· 01.04.11 · 20:47 Uhr· 18 Kommentare

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