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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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09.03.11 · 06:55 Uhr
Kochen (wie) im Labor
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Wenn's ums Essen geht, bin ich zwar auch mal abenteuerlustig - aber letztlich bin ich doch dem verhaftet, was man traditionell "Kochen" nannte: Diverse botanisch und zoologisch definierbare Rohmaterialien werden präpariert und dann zumeist bei signifikanter Hitze gegart. Was mit anderen Worten heißt: Ich habe keine Ahnung, was Köche heute so alles tun. Ihre Küchen sehen jedenfalls eher aus wie Labors. Und nachdem ich nur mal via Webseite in das neue, sechsteilige "Kochbuch" Modernist Cuisine angeschaut habe, das der ehemalige Microsoft-Cheftechologe Nathan Myhrvohld gemeinsam mit den Küchenchefs Chris Young und Maxime Bilet verfasst hat, bin ich mir auch gar nicht sicher, ob mir diese technologische Kochkunst wirklich Appetit macht.
Aber das ist vermutlich auch gar nicht der Sinn dieses sechsbändigen Vierzigpfünders, der vom Verlag und den Autoren so beschrieben wird:
Modernist Cuisine is a six-volume, 2,438-page set that is destined to reinvent cooking. The lavishly illustrated books use thousands of original images to make the science and technology clear and engaging.Es geht also weniger um die Befriedigung von Hunger und Appetit, als um die Wissenschaft und Technik des Kochens. Mit Fotos, die von Anmutung und Aufwand her eher zu National Geographic passen würden. Und darum wollte ich das Buch - eigentlich eher die Webseite, denn bei einem Preis von über 460 Dollar wird es sicher nur wenige geben, die sich die Bände im Original besorgen wollen - hier auf den Scienceblogs nicht unerwähnt lassen. Und wer weiß, vielleicht macht beispielsweise so ein Spiegelei, das im ersten Moent einer geologischen Formation ähnelt, doch der Einen oder dem Anderen Appetit und Lust aufs Kochen:
Alle Abbildungen via modernistcuisine.com
Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Jürgen Schönstein schrieb (09.03.11 · 06:55 Uhr):
> Es geht also weniger um die Befriedigung von Hunger und Appetit, als um die Wissenschaft und Technik des Kochens [...] vielleicht macht beispielsweise so ein Spiegelei, das im ersten Mo[m]ent einer geologischen Formation ähnelt, doch der Einen oder dem Anderen Appetit und Lust aufs Kochen
Um Spiegelei sowohl im Sinne von http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegelei als
"gegarte Eier, deren Eiweiß geronnen, das Eigelb aber noch glänzend ist",
als auch gemäß http://en.wikipedia.org/wiki/Fried_egg#Sunny_side_up
"cooked only on one side; yolk is liquid" zuzubereiten,
kann man nicht nur wie dort angegeben verfahren: "Gently splashing the hot cooking oil or fat on the sunny side uncooked white, i.e., basting, may be done to thoroughly cook the white.",
sondern stattdessen auch die im Bild erkennbare ungegarte ringförmige Eiweiß-Formation nahe dem Eigelb mit dem Pfannenwender einschneiden und zum schnelleren Garen in der Pfanne verteilen (ohne dabei garende Stücke ganz abzutrennen).
(Dass man einen Pfannenwender auf Englisch auch "egg slicer" nennt, bezieht sich allerdings wohl nicht auf diese Technik.)
Frank Wappler schrieb (09.03.11 · 11:21 Uhr):
> Dass man einen Pfannenwender auf Englisch auch "egg slicer" nennt
Oops -- nein: dieses Küchengerät heißt stattdessen
egg slice.
Ach wie schön. Eine Diskussion ums Eierkochen :-)
Der englische Wikipedia-Artikel ist großartig. Ich werde am Wochenende gleich einmal "Spiegeleier im Körbchen" machen.
http://en.wikipedia.org/wiki/File:Making_eggs_in_basket.jpg