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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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01.03.11 · 18:15 Uhr
Hollywoodstars: Ganz schön gescheit ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Prämabel: Ich räume ein, dass allein schon der Ausdruck von Überraschung darüber, dass attraktive Frauen - wie sie durch den Typus des Hollywoodstars verkörpert werden - sich wissenschaftliche Lorbeeren verdienen können, als ein Zeichen des veralteten, antifeministischen Vorurteils gewertet werden könnte, das weibliche Schönheit als antithetisch zur weiblichen Intelligenz sieht. Dass dies nicht stimmt, weiß ich zwar aus eigener Erfahrung: Ich habe im Laufe meines Berufslebens viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler getroffen und interviewt, und nie auch nur einen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Aussehen und der Qualifikation finden können. Aber Anekdoten sind, wie wir immer betonen, keine Daten ... Darum also nochmal zur Vorsicht: Alles, was jetzt kommt, hat nichts damit zu tun, dass ich attraktiven Frauen keine Intelligenz zutraue, sondern bezieht sich nur auf meine Überraschung, dass einige Frauen, die eine erfolgreiche Hollywood-Karriere vorzuweisen haben, daneben auch noch ein respektables akademisches Portfolio zusammentragen konnten.
Und wenn auch das als Rechtfertigung für diesen Blogeintrag nicht akezptabel ist, dann schieb' ich die Schuld einfach auf die New York Times, die in ihrer heutigen Science-Beilage mit From the Lab to the Red Carpet das Thema in die Diskussion eingebracht hat. Der Artikel findet sein raison d'être im Oscar® für Natalie Portman, die als Schülerin eher für eine wissenschaftliche Karriere prädestiniert schien (sie schaffte es mit einem Umweltschutz-Projekt in die Endrunde der Intel Science Talent Search). Später studierte sie Neurowissenschaften an der Harvard-Universität.
Sie ist in guter Gesellschaft: Mayim Bialik, die in der TV-Erfolgsserie The Big Bang Theory Amy Farrah Fowler, die Neurobiologin und Freundin (?) von Sheldon Cooper (Jim Parsons) spielt, ist im richtigen Leben ... ein promovierte Neurologin, mit Abschluss (2007) am Intellectual and Developmental Disabilities Research Center der University of California in Los Angeles. Danica McKellar, die ebenfalls eine Nebenrolle in der Big Bang Theory hatte, aber einem deutschen Publikum ansonsten vermutlich wenig bekannt sei dürfte (vielleicht allenfalls noch durch eine Rolle in The West Wing), hat nicht nur einen Summa-cum-laude-Abschluss in Mathematik (BS), sondern auch die Ko-Autorenschaft eines Paper über Percolation and Gibbs states multiplicity for ferromagnetic Ashkin-Teller models on Z2 vorzuweisen, veröffentlicht 1998 im Journal of Physics A: Mathematical and General; ihr Name ist im darin beschreibenen 'Chayes-McKellar-Winn-Theorem' verewigt. Und ganz nebenbei ist sie Autorin zweier Jugendbücher über Mathematik (Math Doesn't Suck, Kiss My Math) und hat - wie auch hier bei Jörg Rings schon erwähnt - eine Erdös-Zahl von 4.
Nicht unerwähnt bleiben durfte hier natürlich die aus Österreich ausgewanderte Hedwig Eva Maria Kiesler, die unter dem Namen Hedy Lamarr zur Hollywood-Sexgöttin aufgestiegen war. In einschlägigen Fachkreisen ist sie allerdings besser bekannt als die Mitinhaberin des US-Patents 2.292.387 für ein Signalverschlüsselungsverfahren, das bei der Torpedosteuerung eingesetzt wurde.
Ein Name, der in der New York Times nicht auftaucht, muss hier aber unbedingt noch ergänzt werden: Lisa Kudrow, die leicht dusselige New-Age-Blondine Phoebe Buffay aus der TV-Serie Friends, hat nicht nur Biologie studiert, sondern acht Jahre lang an der Seite ihres Vaters Dr. Lee N. Kudrow, einem Kopfschmerz-Spezialisten aus Encino (Kalifornien) gearbeitet und sogar im Journal Cephalalgia ein Paper mit ihm veröffentlicht, das belegt, dass es keinen Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Migräne gibt.
Wenn das den Machos mal keine Kopfschmerzen breiten wird ...
Autor: Jürgen Schönstein· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Die schöne intelligente Portman hat sich intelligenterweise auch von einem anderen schönen Mann abgesetzt: http://www.bild.de/BILD/lifestyle/mode-beauty/mode/2011/03/01/natalie-portman-galliano/natalie-portman-distanziert-sich-von-galliano.html
Tja, Schönheit und Intelligenz können zusammengehen, loge!
Hakuna matata!
Dr. Webbaer
@ Jürgen:
Danica McKellar, die ebenfalls eine Nebenrolle in der Big Bang Theory hatte, aber einem deutschen Publikum ansonsten vermutlich wenig bekannt sei dürfte (vielleicht allenfalls noch durch eine Rolle in The West Wing) ...
Ich weiß ja nicht, wie das in Deutschland ist, aber hier im ORF lief jahrelang die Serie "Wunderbare Jahre", in der McKellar als Winnie Cooper sowas wie eine Haupt-Nebendarstellerin war!
@ Ulrich:
Yep, daher kannte ich sie auch.
sehr schön! und um im sinne der präambel dieses eintrags den verdacht des machismo noch etwas zu entkräften, könnte man ja mal eine ähnliche recherche für männliche hollywoodstars anstellen. kennt jemand ein beispiel?
@kasaba
Da musste ich schon länger suchen. Der erste Name, auf den ich stieß, ist nicht exakt das, was man einen "Star" nennt: Kevin Grevioux, der einen Abschluss in Mikrobiologie von der Howard University hat, und heute sein Geld als Horrordarsteller (u.a. in der Serie "Underworld" verdient). Nicht Hollywood, aber dafür Star ist natürlich Brian May, der Gitarrist/Vordenker der Band Queen - der hat nicht nur einen Doktor in Astrophysik, sondern ist auch derzeit Kanzler der Liverpool John Moores University. James Cameron (der Regisseur von "Terminator", "Avatar", "Titanic") hat einen Bachelor in Physik.
Here are some excerpts from “Julie” by J-J Rousseau (Second part, letter 21) which was written during the eighteenth century :
About the women from Paris : “They have seen that an uncovered throat is a scandal in public ; they have widely low-cut their body…This charming modesty which, honors and makes more attractive the feminine persons like you, did seem vile and not noble to them ; they have animated their gesture and their words by a noble impudence ; and there is not any honest man to who their confident look do not make the eyes go down. This is thus that stopping to be women, by fear to be confused with the other women they prefer their rank to their femininity, and imitate prostitutes, in order not to be imitated.”
“The natural happiness to the nation, nor the desire to imitate the great airs, are not the only causes of this liberty of words and of carriage that it is possible to remark here with the women. It seems to have a deeper cause in morals, by the indiscreet and continual mixing of males and females, which makes acquire to both the air, the language and the manners of the other.”
“Adultery is not revolting here, one do not find anything against decency about it : the most decent novels, those that everybody reads in order to learn are full of it ; and disorder cannot be blamed any more as soon as it is joined to infidelity… It looks like that wedding is not at Paris of the same nature as anywhere else. This is a sacrament, they pretend, and this sacrament does not have the strength of the lesser civil contracts ; it seems to be only the agreement of two free persons who agree to stay together, to have the same surname, to recognize the same children, but who have, moreover not any kind of right one about the other ; and a husband who takes it into his head to control here the behavior of his wife should not excite less murmurs than the one who could stand the disorder of his one where we live. The women, on their side, do not use any rigor toward their husbands and one cannot still see that they ask to punish them because they imitate their infidelity.”
“A quite common remark, which seems to be dependent on the women, is that they do everything in this country, and then more harm than good ; but what justifies them is that they do the harm pushed by the men, and the good by their own action.”
“They are less indiscreet, causing less worries than in our country, less perhaps than anywhere else. They are more learned, and their judgment profits in a better way from their instruction.”
But I am not sure that we can make more remarks to the Parisian women than to some others currently, on the top of that Rousseau did write that this did seem to spread at this time. Anyway what seems clear is that we cannot blame the USA for what appears in this text.
A bit more :
Here are some excerpts of “Emile” by J.-J. Rousseau :
“ All the faculties common to men and women are not equally shared among them, but taken as a whole they do compensate ; woman is better as woman and worse as man ; any time that she asserts her rights she has the advantage ; any time she wants to usurp ours she stays below us. One can answer to this general truth only by some exceptions ; constant way to argue of the gallant supporters of women.” (See book 5)
Women did not have the liberty to be intelligent ?
“Also Miss de l’Enclos did pass as a prodigy.” (See book 5)
We can find in the commentaries by Pierre Burgelin of the French “Folio essais” 2002 edition :
Ninon de Lenclos (or de l’Enclos) (1620-1705) is staying an exception in the fact that the liberty of her morals and her absence of modesty do not deprive her of some other virtues, which are rather male ones. “The famous Ninon de Lenclos, loose lover, sure friend, honest man and philosopher (as so-called), …” (Duclos, Confessions du comte de ***)
Also it is possible to read that the role of the women in literature is an important feature of morals (they were some important referees for censorship, see book 4). They did have a great place, particularly in the novel style, for example Mrs de Tencin, Mrs de Grafigny, Mrs Riccoboni, in order to quote the most famous.
But there was also Mrs Lambert or Emilie du Châtelet (on the scientific side).