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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv März 2011
31. März 2011
Bunt und ungesund?
Kategorie: Medizin · Kommentare: 10
Warum die Frühstücksflocken meines Sohnes unbedingt knallbunt - rot, grün, pink, blau, usw. - sein müssen, habe ich nie verstanden. Zum Geschmack trägt die Buntheit - da sie hier primär mit den synthetischen Farbstoffen Rot Nr. 40, Blau Nr. 1 und 2 sowie Gelb Nr. 6 erzeugt wird - absolut nichts bei, und auch ansonsten haben sie keinen Nähr- oder Nutzwert. Warum ich die besagten Flocken doch ab und zu mal kaufe, ist eine andere Frage - es gibt wichtigere Dinge, über die man sich mit Pre-Teenagern manchmal in die Haare geraten muss als eine Packung Zerealien. Und schließlich sind sie, wenn schon nicht nützlich, dann doch wenigstens nicht schädlich. Oder?
Autor: Jürgen Schönstein· 31.03.11 · 13:28 Uhr· 10 Kommentare
30. März 2011
Es ist so kalt, weil's wärmer wird - Ergänzung
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 4
Zu den "warmen Gedanken", die ich mir hier gemacht hatte, gibt's in der aktuellen Ausgabe von Nature auch das passende Paper: Winter cold of eastern continental boundaries induced by warm ocean waters:
Here we show that this anomalous winter cold can result in part from westward radiation of large-scale atmospheric waves--nearly stationary Rossby waves--generated by heating of the atmosphere over warm ocean waters.Ein Lesetipp vor allem für jene, die dachten, ich spinne ...
Autor: Jürgen Schönstein· 30.03.11 · 20:52 Uhr· 4 Kommentare
Kurze Selbstkritik
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 19
Und die lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Während die Medien mit ihrer angeblich so kurzen Aufmerksamkeitsspanne sich immer noch um die Erdbebenfolgen und Nuklearporobleme Japans kümmern (die New York Times bringt auch mehr als zwei Wochen nach dem Ereignis fast täglich eine Titelstory und rund zwei Seiten Berichterstattung), ist's in den Blogs - so weit ich diese überblicken kann - erstaunlich still. Vor allem, was die Erdbebenopfer und -Folgen betrifft. Wir sind, hinsichtlich unserer Aufmerksamkeitsspanne, offenbar auch nicht besser als die Medien ...
Autor: Jürgen Schönstein· 30.03.11 · 20:06 Uhr· 19 Kommentare
Kosten sparen mit EBM
Kategorie: Medizin · Kommentare: 17
Noch ist es nur eine gesetzgeberische Idee, die als Teil von Barack Obamas Gesundheitsreform wahrscheinlich sowieso erst mal im parteipolitischen Morast stecken bleiben wird. Aber die Idee selbst ist - vom Prinzip her, jedenfalls - sehr clever und verdient, deutlicher herausgestellt zu werden:
Ein großer Posten im amerikanischen Gesundheitswesen sind die Prämien für die besondere Haftpflichtversicherung, mit der sich Ärzte im prozessfreudigen Amerika gegen die wirtschaftlichen Folgen von "Kunstfehlern" oder Behandlungsfehlern absichern müssen. Eine Reform des Haftungsrechts (Tort Reform) ist zwar ein politischer Dauerbrenner - aber einer, bei dem seit Jahrzehnten nur heiße Luft produziert wird. (Auch in Deutschland sind die Kosten der ärztlichen Haftpflicht, wie ich hier sehen kann, ein Thema.) Die Idee, mit der diese Kosten gebremst werden sollen, ist geradezu bestechend: Evidenzbasierte Medizin (EBM) soll als Grundlage eines zu fixierenden Regelwerkes niedergelegt werden; alle Ärzte, die sich nachweislich an dieses Regelwerk halten, sind automatisch immun gegen Kunstfehlervorwürfe und brauchen daher keine teure Zusatzversicherung abzuschließen.
Autor: Jürgen Schönstein· 30.03.11 · 05:07 Uhr· 17 Kommentare
29. März 2011
Auch Stigma lässt sich globalisieren
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 33
Übergewicht ist ein Gesundheitsrisiko, und zwar unabhängig davon, welchen kulturellen Stellenwert Korpulenz historisch oder geographisch gesehen einnimt. Insofern ist es also zu begrüßen, wenn sich die Einsicht, dass es ein gesundes - und vergleichsweise niedriges - Verhältnis zwischen Körpergewicht und -Größe (ausgedrückt beispielsweise im Körpermassenindex oder Body Mass Index) gibt, auch global durchsetzt, wie ein neues Paper über Body Norms and Fat Stigma in Global Perspective beschreibt, das in der nächsten Ausgabe von Current Anthropology erscheinen wird. Denn in vielen Kulturen - ich greife jetzt mal als augenfälligstes Beispiel die Polynesier heraus, aber Ähnliches dürfte auch auf den Mittelmeerraum oder auch in Lateinamerika (kein Ansprch auf Vollständigkeit hier) zutreffen - galt körperliche Üppigkeit als ein sichtbarer Ausdruck von Erfolg und damit als als schön.
Autor: Jürgen Schönstein· 29.03.11 · 22:00 Uhr· 33 Kommentare
28. März 2011
Angriff auf Amerikas akademische Freiheit
Kategorie: Politik · Kommentare: 5
Wer sich jetzt fragt, warum sie oder ihn es interessieren sollte, dass die Republikanische Partei in Amerika sich auf einen unbequemen Hochschulprofessor einschießt und - dank eines Offenlegungsgesetzes auch völlig legal - seine E-Mails durchschnüffelt, der sei lediglich daran erinnert, dass die Freiheit der Forschung, aber auch die Freiheit der Forscher, ein übernationales, grundsätzliches Gut sein sollte. Ganz konkret aber: Wenn aus Angst vor politischem (oder gar juristischem) Druck amerikanische Forscher sich aus bestimmten Arbeitsgebieten zurückziehen würden, wäre dies ein Schaden für die Wissenschaft weltweit. Droht das zu passieren? Im konkreten Fall vielleicht (noch) nicht, aber das Potenzial ist definitiv vorhanden. Wehret den Anfängen!
Autor: Jürgen Schönstein· 28.03.11 · 21:11 Uhr· 5 Kommentare
Strahlender Umrechner
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Rem, Sievert, Becquerel, Curie - die Maßeinheiten, die im Zusammenhang mit Radioaktivität (und deren Problemen) verwendet werden, sind für Nicht-Fachleute manchmal verwirrend. Umso verwirrender, als amerikanische Berichte oft andere Einheiten verwenden als europäische und manche (wie das Curie) veraltet, aber dennoch gebräuchlich sind. Das MIT (andere Institutionen sicher auch, aber diese ist mir physisch am nächsten) hat daher mal zusammengestellt, wie sich diese Messeinheiten zueinander verhalten. Wobei man hier vielleicht erst mal nachlesen kann, was sie überhaupt messen sollen. Eine einfache Grundregel: Curie und Becquerel werden als Maßeinheiten für Strahlungsemissionen verwendet (also für die Menge an Strahlung, die von einem Objekt ausgeht), Rem, Gray oder Sievert messen die Strahlungsdosis (Immission), die ein Körper empfängt. Hier nun die Umrechnungstabelle:
1 Gray (Gy) = 100 Rad
1 Rad = 10 Milligray (mGy)
1 Sievert (Sv) = 1.000 Millisievert (mSv) = 1.000.000 Microsievert (μSv)
1 Sievert = 100 Rem
1 Becquerel (Bq) = 1 count per second (cps)
1 Curie = 37.000.000.000 Becquerel = 37 Gigabecquerel (GBq)
Röntgenstrahlung (x-rays) und Gammastrahlung: 1 Rad = 1 Rem = 10 mSv
Neutronenstrahlung: 1 Rad = 5 bis 20 Rem (abhängig vom Energielevel) = 50-200 mSv
Alphastrahlung (Helium-4-Kerne): 1 Rad = 20 Rem = 200 mSv
Autor: Jürgen Schönstein· 28.03.11 · 15:34 Uhr· 8 Kommentare
26. März 2011
(K)Eingang
Kategorie: Politik · Kommentare: 12
Ja, was denn nun?![]()
Gesehen in Cambridge, Massachusetts, 25.3.2011
Autor: Jürgen Schönstein· 26.03.11 · 07:27 Uhr· 12 Kommentare
25. März 2011
Pieksen hilft, aber Akupuntur nicht
Kategorie: Medizin · Kommentare: 25
Hab' ich zwar schon mehr als einmal hier geschrieben (und bin damit nicht der Einzige), aber da gerade eine neue Untersuchung aus Schweden dazu in PLoS ONE erschienen ist, die gewiss sehr schnell wieder als "Nachweis" der Wirksamkeit von Akupunktur missbraucht wird, sag' ich's lieber noch einmal: Wenn eine Studie zwar zeigen kann, dass Akupunktur und Placebo-Akupunktur (mit nicht-penetrierenden Nadeln und an Nicht-Akupunkturpunkten) gleichermaßen Krebspatienten begleitend zur Bestrahlungstherapie besser helfen, die damit typischer Weise verbundene Übelkeit besser zu bewältigen, als dies mit herkömmlicher Therapie gelingt, dann beweist dies NICHT die Wirksamkeit der Akupunktur, sondern nur die Mängel der herkömmlichen Behandlung.
Autor: Jürgen Schönstein· 25.03.11 · 18:20 Uhr· 25 Kommentare
Stammen wir vom Mars?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Hab' ich mich manchmal auch schon gefragt, wenn mir einige Mitmenschen mal wieder ganz besonders auf die Nerven gehen. Aber die Frage ist hier, in dieser Pressemitteilung des Massachusetts Institute of Technology, ernster gemeint, als ich auf Anhieb glauben wollte. Dass es ernsthafte Projekte gibt, auf dem Mars nach Spuren von Leben zu suchen, und dass forschende Ingenieure wie Christopher Carr und Wissenschaftler wie Clarissa Lui, beide vom Department for Earth, Atmosheric and Planetary Sciences (EAPS) nicht nur theoretisch an der Suche nach extraterrestrischen Genomen (SETG) arbeiten, sondern auch, gemeinsam mit Gary Ruvkun, einem Molekularbiologen am Massachusetts General Hospital (das der Harvard-Universität angegliedert ist) am Konzept eines Detektors arbeiten, der voraussichtlich schon in diesem Herbst per Rover-Sonde den Marsboden auf entsprechende Spuren analysieren soll - das ist genau das, was ich von Wissenschaftlern erhoffen und erwarten würde.
Autor: Jürgen Schönstein· 25.03.11 · 05:17 Uhr· 7 Kommentare
24. März 2011
Untote ...?
Kategorie: Kultur
Manchmal gibt es schon merkwürdige Zufälle: Erst kommt mir eine Ankündgung für einen Kongress in Hamburg auf den Tisch, der den Titel "Die Untoten" trägt (eine genauere - und durchaus ernst zu nehmende - Beschreibung des Projekts, das von der Kulturstiftung des Bundes mitgetragen wird, findet sich hier) - und dann schaue ich auf die Titelseite der heutigen New York Times und sehe, dass der dort groß aufgemachte Nachruf auf Elizabeth Taylor von Mel Gussow geschrieben wurde - der seinerseits aber schon seit fast genau sechs Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilt (wer den Times-Links nicht folgen kann und will: Hier eine kurze Zusammenfassung auf DRWissen). Die Untoten sind tatsächlich unter uns!
Autor: Jürgen Schönstein· 24.03.11 · 18:25 Uhr· 0 Kommentare
Experimentierende Philosophen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 28
Dass Lesen bildet, ist zwar eine Binsenwahrheit (womit nichts gegen die Nützlichkeit der Juncaceae gesagt sein soll). Aber eben dennoch wahr. Wenn ich zum Beispiel nicht diesen Artikel von John Tierney in der Science-Beilage der New York Times gelesen hätte, in dem es darum geht, dass uns keine andere Wahl bleibt, als die Willensfreiheit zu akzeptieren, dann hätte ich vermutlich nie erfahren, dass es eine experimentelle Philosophie (im Fachjargon kurz X-Phi genannt) gibt.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.03.11 · 05:54 Uhr· 28 Kommentare
23. März 2011
Gastbeitrag: Schweizer Eigentor
Kategorie: Medizin · Kommentare: 37
Der in der Schweiz praktizierende Mediziners Florian Albrecht, der hier bereits über den Einsatz von Placebos schrieb, hat einen weiteren Gastbeitrag verfasst, in dem es darum geht, wie sich die Schweizer "Alternativmediziner" selbst ein Bein gestellt haben:
Autor: Jürgen Schönstein· 23.03.11 · 05:16 Uhr· 37 Kommentare
22. März 2011
Wahrscheinlich ist es unwahrscheinlich
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 26
Schon verwirrt durch den Titel? Dann wird's vermutlich noch schlimmer, wenn ich nun verrate, dass indirekt mein Kater - den ich hier schon mal kurz vorgestellt habe - daran eine Mitschuld trägt. Denn als Katzenhalter hatte sich mein Blick bei der Lektüre der gestrigen New York Times an diesem Artikel (wegen des Katzenfotos) gefangen, in dem auf der Basis eines Papers im Journal of Ornithology noch einmal die grundsätzlich schon bekannte Tatsache referiert wurde, dass Katzen - und zwar auch jene domestizierten und gepflegten Haustiere, die im Garten spielen dürfen - mit weitem Abstand die größten Schäden an einheimischen Vogelbeständen verursachen; in den USA beispielsweise wird die Zahl der durch Katzen getöteten Vögel auf 500 Millionen im Jahr geschätzt - Windräder hingegegn, über die in der Folge des japanischen Reaktorunglücks wieder heftiger diskutiert wird, hingegen haben hier "nur" 440.000 Vogelleben auf dem elektrischen Gewissen.
Autor: Jürgen Schönstein· 22.03.11 · 19:40 Uhr· 26 Kommentare
"Frauen haben verhaltenen Grund zum Feiern"
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 15
Darüber, dass Frauen trotz aller Lippenbekenntnisse im wissenschaftlichen und technischen Hochschulbetrieb längst nicht die Gleichstellung erreicht haben, die sie nach allen Prinzipien unserer modernen Gesellschaft(en) haben sollten, war hier auf den ScienceBlogs schon mehrfach zu lesen (zum Beispiel hier und hier). Dass sich ausgerechnet das Massachusetts Institute nun auch noch enmal in einem Report mit der Frage befasst, wie sich diese Disparität wenn schon nicht beseitigen, dann wenigstens verringern lässt, mag zwei Gründe haben: Erstens steht seit Dezember 2004 eine Frau, die Neurwissenschaftlerin Susan Hockfield als Präsidentin an der Spitze dieses akademischen Technoshops, und zweitens - das ist viel entscheidender - waren Mitte der 90-er Jahre die Frauen am MIT auf die (nicht ganz wörtlich zu nehmenden) Barrikaden gegangen: Ihre Beschwerde über Benachteiligung bei der Verteilung von Mitteln und Ressourcen führte zu den ersten offiziellen Berichten zur Situation der Frauen an den Fakultäten für Naturwissenschaften (1999) und Ingeniuerswesen (2002). Aktuell liegt nun der dritte MIT Report on the Status of Women Faculty in Science and Engineering vor.
Autor: Jürgen Schönstein· 22.03.11 · 03:32 Uhr· 15 Kommentare
20. März 2011
Kein Platz für Eisbären
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Niemand wird sich darüber freuen, dass Eisbär Knut gestorben ist. Jetzt auf die PeTA-Webseite zu verlinken, in der bereits 2008 das Leid der Eisbären in Zoos angeprangert wurde, mag einem jetzt pietätlos - oder angesichts der noch ungeklärten Frage, woran der Berliner Eisbär, der vor vier Jahren eine kleine Weltsensation wurde, tatsächlich gestorben ist, auch voreilig anklagend - erscheinen. Aber dennoch sollte man die Augen nicht davor verschließen, dass selbst im größten Zoo im wörtlichen Sinn kein Platz für Eisbären ist:
Autor: Jürgen Schönstein· 20.03.11 · 03:15 Uhr· 12 Kommentare
18. März 2011
Rache fürs Recycling?
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 20
Dass sich viele Leute in der Praxis damit schwertun, ihren Müll zu sortieren oder gleich von vornherein darauf zu achten, ob sie Sachen kaufen, die nach Gebrauch wiederverwertbar sind, ist mir klar. Ich hätte aber geglaubt, dass die Idee an sich, seinen Dreck nicht einfach der Nachwelt zu hinterlassen, auf breiterer Basis akzeptabel wäre. Weit gefehlt: Eine der ersten Maßnahmen, die von den Republikanern gleich nach der Kontrollübernahme im Abgeordnetenhaus im Januar beschlossen wurde, war die Beendigung des "grünen" Programms in den Cafeterias des Capitol. Mit der Folge, dass die kompostierbaren Teller, Becher und Bestecke abgeschafft und seit einigen Tagen dort nun wieder Styroporbecher etc. ausgeteilt werden. Das wird zwar keine Arbeitsplätze sichern oder sonstige politische Probleme - deren es ja massenhaft gibt - lösen, aber wenigstens hat man es den Demokraten, die diese Idee einst umgesetzt hatten, mal wieder zeigen können.
Und dass dies, trotz aller vorgeschobenen wirtschaftlichen Argumente (die kompostierbaren Utensilien waren teurer) vor allem ein Problem der Grundaufassung ist, verrät ganz unverblümt - und dennoch unbeabsichtigt - der Vordenker der Republikaner, Rush Limbaugh: In seiner Radiosendung machte er sich darüber lustig, dass japanische Erdbebenopfer selbst in ihren Notunterkünften noch Mülltrennung praktizieren und dass überhaupt das ganze Umweltbewusstsein ja nicht geholfe habe, die Verwüstung durch Erdbeben zu verhindern. Der Planet, den sie so zu schützen bemüht seien, habe es ihnen heimgezahlt. Und er findet das offenbar auch noch witzig.
Da Limbaughs Clip nicht eingebettet werden kann (man findet es unter obigem Link), stelle ich stattdessen Cenk Uygurs Antwort auf MSNBC hier ein, in der auch ein Stück Limbaugh im O-Ton vorkommt:
Autor: Jürgen Schönstein· 18.03.11 · 18:25 Uhr· 20 Kommentare
17. März 2011
Nach-Lese zur Katastrophe in Japan
Kategorie: Politik · Kommentare: 55
Die Wucht des Erdbebens und des Tsunami werden uns vermutlich (und auch hoffentlich) immer unvorstellbar bleiben, aber nach der Lektüre dieses Berichts in der Mittwochausgabe der New York Times hat man vielleicht ein Gefühl für die menschlichen Tragödien. Vielleicht ist dies nur meine sentimentale Vaterseele, aber ich war sehr erschüttert zu lesen, wie die Schulkinder des Ortes Miniamisanriku von der zerstörerischen Welle gar nichts mitbekamen, weil ihre Schule auf einem Hügel liegt, und sich der Katastrophe erst bewusst wurden, als viele vergeblich auf ihre Eltern warten mussten - vermutlich 10.000 der 17.000 Einwohner des Ortes sind der Flutwelle zum Opfer gefallen.
Aber noch erschütterter - nein, eigentlich entsetzter - war ich, als ich in der gleichen Ausgabe den Artikel über die längst bekannten Sicherheitsmänge dieser Mark-1-Kernkraftwerke gelesen habe, die auch in den Fukushima-Anlagen stehen:
The warnings were stark and issued repeatedly as far back as 1972: If the cooling systems ever failed at a "Mark 1" nuclear reactor, the primary containment vessel surrounding the reactor would probably burst as the fuel rods inside overheated. Dangerous radiation would spew into the environment.Dieser Satz bezieht sich auf die damalige Empfehlung von Stephen Hammer, einem Mitarbeiter der Atomaufsichtsbehörde, diese Mark-1-Reaktoren wegen ihrer Sicherheitsmängel aus dem Verkehr zu ziehen. Aber warum wurden die Reaktoren, eine Entwicklung des Konzerns General Electric, dann doch zahlreich gebaut (32 weltweit; allein in den USA sind es 23 Reaktoren in 16 Kraftwerken)? Weil sie dank ihrer leichter gebauten Druckbehälter billiger waren:
G.E. began making the Mark 1 boiling-water reactors in the 1960s, marketing them as cheaper and easier to build -- in part because they used a comparatively smaller and less expensive containment structure.Doch endgültig fassungslos war ich angesichts der Begründung, mit der Michael Tetuan, ein Sprecher von GE, gegenüber der Times diesen Reaktortyp nachdrücklich verteidigt: Er sei
the industry's workhorse with a proven track record of safety and reliability for more than 40 years.Seit 40 Jahren unfallfrei - und das sei ein "proven track record of safety", ein Nachweis der Sicherheit für eine Technologie, die doch mit einer Wahrscheinlichkeit von einmal alle Millionen Jahre praktisch "risikofrei" sein soll?
Doch länger als 40 Jahre hat es eben nicht gehalten. Und nein, es sind nicht die Konstrukteure und die GE-Manager, oder wenigstens die Bosse der Tokyo Electric Power Company (Tepco), die unter Einsatz ihres Lebens und ihrer Gesundheit die verstrahlten Kastanien aus dem nuklearen Feuer holen. Sondern 50 anonyme Männer und vielleicht (aber wohl eher nicht) Frauen, die mit großer Wahrscheinlichkeit ihr Leben, mit Gewissheit aber ihre Gesundheit riskiert haben, um die havarierten Reaktoren der Fukushima-Nuklearanlagen doch noch irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Und so ganz freiwillig mag diese Entscheidung, wenn ich diese Stelle in der Mittwochs-Titelstory der New York Times korrekt interpretiere, nicht immer gefallen sein:
They are the faceless 50, the unnamed operators who stayed behind. They have volunteered, or been assigned, to pump seawater on dangerously exposed nuclear fuel, already thought to be partly melting and spewing radioactive material, to prevent full meltdowns that could throw thousands of tons of radioactive dust high into the air and imperil millions of their compatriots. (Hervorhebung von mir)Und was tun, wenn sie dabei ein Vielfaches der zulässigen Strahlenbelastung abkriegen? Ganz einfach: man erhöht die Grenzwerte:
Japan's Health Ministry said Tuesday it was raising the legal limit on the amount of radiation to which each worker could be exposed, to 250 millisieverts from 100 millisieverts, five times the maximum exposure permitted for American nuclear plant workers.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.03.11 · 06:07 Uhr· 55 Kommentare
Es gibt keine unnütze Wissenschaft!
Kategorie: Medizin · Kommentare: 16
Ich habe den halben Mittwoch auf einem Symposium des Massachusetts Institute of Technology verbracht, in dem es um den "Sieg über den Krebs" ging: Conquering Cancer through the Convergence of Science and Engineering. Neben dem 150. Geburtstag des MIT sollte das Symposium übrigens auch den Neubau des David H. Koch Institute for Integrative Cancer Research* würdigen. Einerseits muss ich zugeben, dass ich nach den Vorträgen deutlich weniger Angst vor Krebs habe - nicht etwa, weil hier schon das baldige Heilmittel gegen Krebs gefunden wird, sondern weil ich erstens sehen konnte, wie vielfältig an allem geforscht wird, was mit Krebs zusammen hängt und es zweitens eine realistische Chance gibt, dass viele Krebsformen wenn auch nicht heilbar, dann doch wenigstens so behandelbar werden, dass man Krebs von einer einst tödlichen zu einer zumeist chronischen Krankheit wird. Aber ein weiterer Eindruck scheint mit fast ebenso wichtig: Es gibt keine unnütze Wissenschaft!
Autor: Jürgen Schönstein· 17.03.11 · 04:43 Uhr· 16 Kommentare
15. März 2011
Diskutieren wir doch mal über Kernkraft!
Kategorie: Politik · Kommentare: 375
Ich verstehe (und befürworte eigentlich) die Haltung, dass Diskussionen in einer akuten Krise wenig helfen und daher, im strengen Sinn, unangebracht sind. Aber andererseits teile ich im Hinblick auf die Bewertung des nuklearen Desasters in Japan die Position, dass hier vor allem die Metadiskussion - also die Diskussion darüber, ob man das nun diskutieren darf oder ob das "Wahlkampf" oder "Instrumentalisierung" oder ... (beliebiges negativ besetztes Wort hier einfügen) ist und damit unstatthaft/unangebracht/unethisch/unnütz/zumkotzen ... - das Überflüssige ist. Dass angesichts der technischen Mängel, zum Beispiel hinsichtlich der Notstromversorgung, die Stromerzeugung aus Kernenergie auf den Prüfstand muss, sollte für keinen der Beteiligten eine zu schluckende Kröte sein, sondern eine schlichte Selbstverständlichkeit. Beim Verdacht auf Konstruktionsfehlern an Fahrzeugen macht man das ja nicht anders ...
Aber in jedem Fall zeigt sich, dass es unmöglich scheint, nicht darüber diskutieren zu wollen. Und darum mache ich hier ein "offenes" Forum auf, nach dem Vorbild von Florian Freistetters Verschwörungen und Plaudereien, in dem sich jeder nach Herzenslust pro oder contra Kernenergie austoben darf. Natürlich gilt auch hier die Spielregel, dass nichts strafrechtlich Relevantes toleriert wird, keine Links zu extremistischen Seiten geduldet werden und dass sich der Ton möglichst in den Grenzen dessen halten soll, was man als "anständig" bezeichnen würde. Allerdings sei jeder gewarnt, der sich hier einklinkt, dass es erfahrungsgemäß mit dem guten Ton nicht immer klappen wird - wer in so ein emotional geladenes Thema mit einsteigt, wird gelegentlich auch etwas einstecken müssen, fürchte ich.
So, und um gleich eine Zielscheibe zu bieten, denke ich Nicht-Ingenieur und Dilettant, quasi als "Kanonenfutter", gleich mal laut über eine Frage nach, die mich schon eine Zeitlang beschäftigt: Warum braucht man eigentlich Notstromaggregate, um so einen Riesen-Stromerzeuger wie ein Kernkraftwerk im Notfall zu kühlen? Wäre es nicht möglich, ein System zu designen, das diese verflixte Restwärme (die ja sowieso anfällt - genau das ist ja das Problem) wenigstens so weit nutzt, dass sie beim Netzabschalten die Turbine für den Eigenbedarf antreibt?
Autor: Jürgen Schönstein· 15.03.11 · 20:30 Uhr· 375 Kommentare
Missweisung
Kategorie: Politik · Kommentare: 3
Ich weiß nicht, wie geläufig dieser Begriff im Zeitalter von GPS noch ist, aber bei der Geländeausbildung als Bundeswehrrekrut wurde ich mit dem Begriff der "Missweisung" (der Fachterminus wäre wohl Deklination) vertraut gemacht: Gemeint ist die Abweichung der Kompassnadel (die auf den magetischen Nordpol ausgerichtet ist) vom geografischen Nordpol. Im Prinzip ist es eine Form der Kalibrierung, die uns hilft, unsere beobachteten Werte in "objektive" Größen zu übertragen. Und genau so eine Kalibrierung, eine Korrektur der Missweisung, scheint angebracht zu sein, wenn man die Ereignisse in Japan verfolgt und sich dabei auf die offiziellen Mitteilungen verlassen muss - oder besser: sollte - alles andere wäre ja, Ihr bösen, bösen Medien, ganz unverantwortliche Spekulation. Jawohl, es geht um hier die Reaktorunfälle in Japan, und darum, dass man eben als Journalist (aber auch als fachlicher Beobachter, nehme ich an) sehr schnell lernen muss, die offiziellen Auskünfte zu "kalibrieren", ihre Missweisung zu korrigieren. Offenbar heißt "alles unter Kontrolle" eher: Wir kämpfen verzeifelt darum, alles unter Kontrolle zu kriegen, und wenn es keine Schäden an der Reaktorhülle gibt, dann heißt dass, dass es (mindestens) kleine Schäden gibt und so weiter.
Okay, dies ist jetzt auch nicht objektiv meinerseits argumentiert, aber da ich, als Medienvertreter, mir schnell den galligen Vorwurf der Spekulation um die Ohren hauen lassen muss, wenn ich nicht ganz "objektiv" (= ohne nachzudenken, offenbar) die vorgekauten Statements wiedergebe - egal, ob sie sich hinterher als vertuschende Lügen entpuppen oder nicht - musste ich mir das mal von der Seele schreiben ...
Autor: Jürgen Schönstein· 15.03.11 · 13:58 Uhr· 3 Kommentare
14. März 2011
Woher wissen wir, was "der schlimmste anzunehmende Fall" ist?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 26
Antwort: Eigentlich nie wirklich - wir können immer von dem ausgehen, was wir in und aus der Vergangenheit lernen konnten, und dies in die Zukunft extrapolieren. Gewiss mit einem "Sicherheitszuschlag" - aber ob der nun fünf, zehn oder auch zehntausend Prozent sein sollte, wer vermag das zu sagen? Denn der Haken ist, dass wir oft gar nicht wissen, wie "typisch" unsere vergangenen Erfahrungen sind. Dass ich hier auf die Einschätzungen von Erdbeben und -Folgerisiken abhebe, dürfte sowieso jedem klar sein, also ohne Umschweife: Seismographen gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert, die heute üblichen Breitband-Messgeräte, die eine genauere wissenschaftliche Analyse der Beben erst möglich machen, kamen in den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts auf. Ein paar Jahrzehnte - geologisch gesehen noch nicht mal ein Augenblick. Nur weil wir uns an den stärksten Beben unserer Zeit orientieren, heißt das nicht, dass wir irgend etwas darüber wissen, welche seismischen Maxima über einen längeren Zeitraum wirklich zu erwarten sind. Selbst unsere schlimmsten Annahmen können, wie die Ereignisse in Japan (das Beben sowohl, als auch der Tsnumai) gezeigt haben, zu optimistisch gewesen sein.
Ehe ich nun zum Punkt dieses Eintrags komme, in dem es um fossile Erdbebenspuren gehen wird, hier noch mal eine visuelle Erinnerung daran, welche Folgen solche Fehleinschätzungen haben können: Die Flutmauern, die in Japan nicht zuletzt als Arbeitsbeschaffungs- und Wirtschaftsförderungsmaßnahmen sehr großzügig - nach Ansicht der Anwohner, denen damit der Blick aufs Meer verbaut wurde, sogar zu großzügig - geplant wurden, hatten gegen solche Wassermassen keine Chance.
Ton abdrehen und nach vier Minuten abschalten, wäre mein Tipp.
Autor: Jürgen Schönstein· 14.03.11 · 22:48 Uhr· 26 Kommentare
13. März 2011
Wie soll man sich ein 9.0-Erdbeben vorstellen?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 13
Ich jedenfalls kann es nicht. Aber da, wie es heißt, ein Bild mehr sagt als tausend Worte, versuch' ich's mal mit dieser Animation, die von der amerikanischen National Oceanographic and Atmospheric Administration erstellt wurde und die, wie ich finde, allein anhand der Wellengewalt des Tsunamis schon einen Eindruck erzeugen kann, wie im wörtlichen Sinn welterschütternd das Beben war.
Autor: Jürgen Schönstein· 13.03.11 · 16:54 Uhr· 13 Kommentare
10. März 2011
Deutschland im Mittelfeld
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 2
Wer an Rankings glaubt, ist selbst schuld. (Darüber, dass solche Ranglisten fast nur davon abhängen, wer sie zusammenstellt und nur wenig mit den "echten" Qualitäten des zu Sortierenden zu tun haben, hat Malcolm Gladwell vor einigen Wochen einen Artikel im New Yorker veröffentlicht.) Andererseits schaffen sie dadurch, dass sie veröffentlicht werden, auch Realitäten - weil viele Menschen sich, mangels besserer Informationen, an solchen Ranglisten orientieren. Dies vorausgeschickt, will ich hier eigentlich nur kurz darauf hinweisen, dass Times Higher Education eine Rangliste der am besten beurteilten Universitäten weltweit zusammengestellt hat. Und wer darin nach deutschen Unis sucht, der muss lange scrollen: Auf Platz 48 steht als erste deutsche Uni die Münchner Ludwig-Maximilian-Universität; die Technische Universität München folgt ihr irgendwo in den Sechzigern (ist in dieser Liste nicht detaillierter ausgewiesen).
Immerhin habe ich also die beiden "besten" deutschen Unis in meinem Lebenslauf vorzuweisen (Vordiplom LMU, Diplom TU). Aber wenn ich schon prahlen wollte, dann würde ich vermutlich eher meinen MIT-Hausausweis zücken, der mir als Ehegatten einer MIT-Dozentin zusteht: Das Massachusetts Institute of Technology rangiert in dieser Liste auf Platz Zwei, gleich hinter ihrer (und meiner) Nachbarin, der Harvard University.
Autor: Jürgen Schönstein· 10.03.11 · 20:44 Uhr· 2 Kommentare
Die Hoffung auf ruhmvolle Ansteckung
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 5
Sieht ja ganz süß aus, diese kleine Gitarre, die 1979 von dem amerikanischen Instrumentenbauer Danny Ferrington gefertigt wurde. Süß, aber auch schon arg verschrammt. Mehr als 300 bis 500 Dollar sollte sie nicht Wert sein, fanden die Schätzer des US-Auktionshauses Bonhams. Doch am Mittwoch (9.3.2011) fand sie im Rahmen einer großen Auktion erst bei 42.700 Dollar (einschließlich Auktionscourtage) den Zuschlag. Warum würde jemand das Hundertfache des Schätzwertes für so einen Gegenstand hinblättern? Nun, weil diese kleine Gitarre nicht irgend jemandem, sondern der Gitarren-Legende Eric Clapton gehört hatte, von dem sie auch beim ständigen Spielen so verschrammt wurde.
Autor: Jürgen Schönstein· 10.03.11 · 20:04 Uhr· 5 Kommentare
Höflichkeit spart Energie
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 17
Etiquette ... is not just a symbol for respect; it is also a means of reducing physical effort for the group.Diesen Satz aus dem Paper Etiquette and Effort: Holding Doors for Others, das in der kommenden Ausgabe von Psychological Science erscheinen wird, fand ich einfach zu umwerfend, um ihn nicht an den Anfang dieses Beitrags zu setzen. Höfliche Rücksicht, wie sie sich im Aufhalten einer Tür für Nachfolgende ausdrückt, ist nicht nur eine Geste des Respekts, sondern spart, aus der Sicht der Gruppe, physischen Aufwand ...
Autor: Jürgen Schönstein· 10.03.11 · 05:47 Uhr· 17 Kommentare
09. März 2011
Kochen (wie) im Labor
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Wenn's ums Essen geht, bin ich zwar auch mal abenteuerlustig - aber letztlich bin ich doch dem verhaftet, was man traditionell "Kochen" nannte: Diverse botanisch und zoologisch definierbare Rohmaterialien werden präpariert und dann zumeist bei signifikanter Hitze gegart. Was mit anderen Worten heißt: Ich habe keine Ahnung, was Köche heute so alles tun. Ihre Küchen sehen jedenfalls eher aus wie Labors. Und nachdem ich nur mal via Webseite in das neue, sechsteilige "Kochbuch" Modernist Cuisine angeschaut habe, das der ehemalige Microsoft-Cheftechologe Nathan Myhrvohld gemeinsam mit den Küchenchefs Chris Young und Maxime Bilet verfasst hat, bin ich mir auch gar nicht sicher, ob mir diese technologische Kochkunst wirklich Appetit macht.
Autor: Jürgen Schönstein· 09.03.11 · 06:55 Uhr· 3 Kommentare
08. März 2011
Gastbeitrag: Zum Einsatz von Placebos
Kategorie: Medizin · Kommentare: 23
Der nachfolgene Beitrag war in seiner ursprünglichen Form als Kommentar zum Eintrag Placebo erklärt erschienen. Auf meine Anregung hin hat der Autor Florian Albrecht, praktizierender Mediziner in der Schweiz, ihn hier noch einmal - in überarbeiteter und ergänzter Form - als Gastbeitrag eingestellt.
Autor: Jürgen Schönstein· 08.03.11 · 19:47 Uhr· 23 Kommentare
07. März 2011
Lachhafte Zukunfts-Vorhersagen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 11
Ist zwar schon ein wirklich alter Hut (mehr als vier Jahrzehnte), aber als ich gerade im US-Fernsehen eine Wiederholung dieses Sketches aus der Comedyshow "Laugh-In" (sie lief von 1968 bis 1973 und war das Vorbild der deutschen Show "Klimbim") sah, fiel mir doch der Unterkiefer runter (für alle, die diesen Clip tatsächlich sehen können - YouTube ist da offenbar ein wenig unberechenbar - die Pointen, auf die ich hier abziele, kommen ab Minute 1:08):
Autor: Jürgen Schönstein· 07.03.11 · 16:25 Uhr· 11 Kommentare
Supraleiter statt Suff
Kategorie: Technik · Kommentare: 1
Bei diesem Forschungsprojekt ging es bestimmt hoch her: Mitarbeiter des Japanischen Instituts für Materialwissenschaften (NIMS) ist es gelungen, Eisen-Tellur-Selenkügelchen durch Erhitzen in alkoholischen Getränken - namentlich Rotwein, Weißwein, Bier, Sake, Shochu (ein japanischer Schnaps) und Whisky - zu Supraleitern zu machen. Dazu wurden die Pellets 24 Stunden lang in die auf 70 Grad Celsius erwärmten Drinks gelegt; mit Rotwein klappte dies angeblich am besten. Viel mehr habe ich jetzt gar nicht zu bieten; dazu soll zwar an diesem (Rosen???-)Montag vom britischen Institute of Physics ein Paper auf IOP Science (gratis bei Anmeldung) veröffentlicht werden, aber bei mir ist der Link jedenfalls bisher nicht aktiv. Doch auf der NIMS-Website gibt es dazu wenigstens eine schon etwas ältere Mitteilung, die zumindest meine Bedenken beschwichtigt, ich könne hier einer Faschingsmeldung aufgesessen sein. Denn es hat mich schon ein wenig stutzig gemacht, dass die japanischen Forscher nicht wirklich anbieten Hypothese anbieten können, warum das mit dem erhitzten Alkohol und der Supraleitfähigkeit der Eisen-Tellur-Selen-Materialien klappt. Einlagerungen von Ionen, ist eine Vermutung - eine andere schreibt dem durch Alkohol zugeführten Sauerstoff diese supraleitende Nebenwirkung zu. Mein Verdacht: Die Wissenschaftler wissen es längst, wollen aber das Forschungsprojekt - und damit den Alkoholnachschub - so lange wie möglich am Laufen halten. Alaaf und Helau!
Foto: Quinn Dombrowski (originally posted to Flickr) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 07.03.11 · 04:40 Uhr· 1 Kommentar
06. März 2011
ISS und Shuttle im Blick
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Und zwar von der Erde aus. Leider kann ich das Video hier nicht einbetten, aber auf der DLR-Blogseite kann man einen 45-Sekunden-Clip sehen, den Dirk Ewers aus 2000 Einzelaufnahmen, die er am 1. März mit einem Takahashi FS 128-Linsenfernrohr und einer Skynyx-CCD-Videokamera 2-0 C (maximale Brennweite: 4200mm) aufgenommen hat. Rechts an der Raumstation kann man ziemlich deutlich das angedockte Spaceshuttle Discovery erkennen. Hier ein "Standfoto" vom DLR-Blog; den Video selbst sieht man, wie schon erwähnt, hier :
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Autor: Jürgen Schönstein· 06.03.11 · 07:30 Uhr· 2 Kommentare
05. März 2011
Lücken-Liste
Kategorie: Naturwissenschaften
In ganz eigener Sache: Da aus bisher nicht zu klärenden Gründen einige jüngere Einträge sowohl aus meiner Geograffitico-Übersichtsliste als auch aus dem RSS-Feed verschwunden sind, hier - zumindest vorläufig, bis zur Lösung des technischen Problems - die entsprechenden Links:
Ein halbes Jahrhundert mit dem Schmetterlingseffekt
Wenn plötzlich die Zigarette nicht mehr schmeckt
Hollywoodstars: Ganz schön gescheit ...
Wer dringend "muss", trifft bessere Entscheidungen
Grüne Studenten-Initiative mobilisiert Brasiliens Müllsammler
Autor: Jürgen Schönstein· 05.03.11 · 00:14 Uhr· 0 Kommentare
04. März 2011
"Stimmlage verrät, wer fremdgeht"
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 10
So etwa hätte ich wahrscheinlich, wenn ich noch für ein bestimmtes, großvierbuchstabiges Tagesmedium arbeiten würde, das Resultat des Papers Voice pitch influences perceptions of sexual infidelity zusammengefasst, das in der aktuellen Ausgabe von Evolutionary Psychology veröffentlicht wurde. Der Zusammenhang zwischen Stimmlage und sexueller Attraktivität - je tiefer die Männerstimme und je höher die Frauenstimme, um so erotischer werden sie wahrgenommen - ist ja beinahe intuitiv plausibel, und den Kurzschluss von der Attraktivitat zur Aktivität könnte man auch leicht verkaufen. Das steht zwar so nicht da, denn das Paper sagt nichts darüber aus, wie treu oder untreu die Stimmen-Inhaber tatsächlich sind, sondern nur, was andere, die diese Stimmen hören, ihnen zutrauen.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.03.11 · 17:26 Uhr· 10 Kommentare
Es ist so kalt, weil's wärmer wird
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 25
Hier in Cambridge jedenfalls ist es dafür, dass der meteorologische Winter seit dem 1. März bereits vorüber ist, noch saukalt - das Thermometer steht gerade auf irgendwas unter minus zehn Grad Celsius. Ich verstehe ja, wenn es in derart eingefrorene Köpfe nur schwer eindringen kann, dass dies tatsächlich mit der generellen Tendenz zur globalen Erwärmung vereinbar ist - hey, vor lauter Zähneklappern kann ich mich selbst sogar nicht mehr denken hören. Hier habe ich das ja schon mal versucht zu erklären. Aber erstens kann man's nicht oft genug wiederholen, und da zweitens ein Bild schon mehr als tausend Worte sagt, ein Video aber Bilder mit Tausenden von Worten verknüpfen kann, übergeb' ich das Wort (und Bild) an den Videoblogger Peter Sinclair. Der Beitrag ist stammt zwar schon aus dem vergangenen Winter, ist aber noch genauso zutreffend wie vor einem Jahr:
via Treehugger
Autor: Jürgen Schönstein· 04.03.11 · 04:27 Uhr· 25 Kommentare
03. März 2011
Ein halbes Jahrhundert mit dem Schmetterlingseffekt
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Was, wirklich schon ein halbes Jahrhundert? Zugegeben, ich hatte zum ersten Mal von diesem Effekt sowie der Chaostheorie generell vor rund 20 Jahren, bei der Lektüre des Michael-Crichton-Bestsellers Jurassic Park (zu Deutsch: DinoPark), gelesen. Und so sehr mich die Figur des skeptisch-sarkastischen Mathematikers Dr. Ian Malcolm fasziniert hat - irgendwie kamen mir all die Worte, die Crichton ihn sagen ließ, eher wie wichtigtuerisches Partygeschwätz vor. Außerdem fand ich die Sache mit der Dino-DNA viel spannender.
Äh, ich schweife ab ... zurück zum Schmetterlingseffekt: Dass dieser sein 50. Jubiläum feiern kann, entnehme ich einem Artikel in der Technology Review des Massachusetts Institute of Technology: When the Butterfly Effect Took Flight
von Peter Dizikes (dessen Inhalt ich hier im Wesentlichen nacherzählen werde). Und laut dem begann alles wirklich vor 5 Jahrzehnten, an einem Wintertag 1961. Der MIT-Meteorologe Edward Lorenz (Foto) arbeitete mit einem Computer-Simulationsprogramm für Wetterlagen; er hatte gerade Daten für zwölf Variablen (Temperatur, Windgeschwindigkeiten etc.) in den Rechner gefüttert, und ging sich die obligatorische Tasse Kaffee holen (was 1. angesichts der deutlich langsameren Rechner-Geschwindigkeiten jener Tage durchaus plausibel ist und 2. leider sehr nach der alten Labor-Zufalls-Entdeckungs-Legende® klingt). Und als er zurück kam, da erlebte er eine Überraschung ...
Autor: Jürgen Schönstein· 03.03.11 · 05:45 Uhr· 4 Kommentare
02. März 2011
Wenn plötzlich die Zigarette nicht mehr schmeckt
Kategorie: Medizin · Kommentare: 4
... dann könnte dies ein erstes Warnsignal für Lungenkrebs sein. Eine klinische Studie über Spontaneous Smoking Cessation Before Lung Cancer Diagnosis, deren Resultate im Journal of Thoracic Oncology veröffentlicht wurden, konnte feststellen, dass nahezu ein Drittel der 115 untersuchten Lungenkrebspatientinnen und -Patienten (ausnahmlos Raucher) kurz vor der Diagnose nahezu spontan und ohne große Entzugsschwierigkeiten das Rauchen aufgegeben hatten. Und zwar noch bevor sie erste Krankheitssymptome verspürten. Doch obwohl dies eigentlich ein hilfreiches Früherkennungssignal sein könnte, steht zu befürchten, dass diese Information - sofern sie sich denn in weiteren Studien bestätigen lässt - zum genauen Gegenteil führt: nämlich dass sie als ein Beleg gegen den Zusammenhang von Lungenkrebs und Rauchen ausgelegt wird - nach der Logik "Hätte er/sie weiter geraucht, wäre er/sie vielleicht nie an Lungenkrebs erkrankt..." Barbara Campling, Okologin am Jefferson Medical College in Philadelhpia und Co-Autorin des Paper, warnt daher ausdrücklich:
There is a danger that this study could be misinterpreted as suggesting that heavy smokers should continue smoking. We emphasize that all smokers must be strongly encouraged to stop.
Es besteht die Gefahr, dass die Studie so fehlinterpretiert wird, als ob sie starken Rauchern empfehle, weiter zu rauchen. Wir betonen, dass alle Raucher nachdrücklich zum Aufhören ermutigt werden müssen.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.03.11 · 05:11 Uhr· 4 Kommentare
Video: Evolution in Aktion
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Falls man mal wieder jemandem erklären muss, dass Evolution 1. nicht "der Kampf ums Überleben" oder das "Überleben des Stärkeren" oder so ähnlich ist, sondern in erster Linie der Prozess der Artbildung (Speziation) und 2. kein abgeschlossener Vorgang ist, sondern auch heute noch permanent abläuft. Und manchmal, wie im Falle dieser Heliconiinae, können wir dabei sogar ein bisschen zuschauen.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.03.11 · 00:11 Uhr· 4 Kommentare
01. März 2011
Hollywoodstars: Ganz schön gescheit ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Prämabel: Ich räume ein, dass allein schon der Ausdruck von Überraschung darüber, dass attraktive Frauen - wie sie durch den Typus des Hollywoodstars verkörpert werden - sich wissenschaftliche Lorbeeren verdienen können, als ein Zeichen des veralteten, antifeministischen Vorurteils gewertet werden könnte, das weibliche Schönheit als antithetisch zur weiblichen Intelligenz sieht. Dass dies nicht stimmt, weiß ich zwar aus eigener Erfahrung: Ich habe im Laufe meines Berufslebens viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler getroffen und interviewt, und nie auch nur einen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Aussehen und der Qualifikation finden können. Aber Anekdoten sind, wie wir immer betonen, keine Daten ... Darum also nochmal zur Vorsicht: Alles, was jetzt kommt, hat nichts damit zu tun, dass ich attraktiven Frauen keine Intelligenz zutraue, sondern bezieht sich nur auf meine Überraschung, dass einige Frauen, die eine erfolgreiche Hollywood-Karriere vorzuweisen haben, daneben auch noch ein respektables akademisches Portfolio zusammentragen konnten.
Autor: Jürgen Schönstein· 01.03.11 · 18:15 Uhr· 7 Kommentare
Wer dringend "muss", trifft bessere Entscheidungen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 10
Das nenn' ich Wissenschaft mit Nutzwert: Wer Druck auf der Blase hat, trifft die besseren - im Sinn von: langfristig nutzbringenderen - Entscheidungen. Sagt ein Paper, das von der holländischen Verhaltensforscherin Mirjam Tuk (Universität Twente), gemeinsam mit ihrer Kollegin Debra Trampe (Universität Groningen) und dem Marketingforscher Luk Warlop (Katholische Universität Leuven) erstellt wurde und das in der kommenden Ausgabe von Psychological Science (derzeit noch nicht online, dafür ersatzweise hier der Link zur Verlags-Pressemitteilung) erscheinen soll.* Die Frage, wie sich eine volle Blase (zum Beispiel am Ende einer langen, mit viel Kaffee durchstandenen Sitzung) auf die Entscheidungsfähigkeit auswirkt, war Mirjam Tuk aus beinahe qualvoller eigener Erfahrung (lange Sitzung - viel Kaffee!) gekommen; die erste Annahme beruhte eigentlich auf dem Konzept der Ego-Depletion, die in simplen Worten nichts anderes bedeutet, als dass die Willenskraft und damit die Fähigkeit zur Selbskontrolle begrenzt ist - und die verzweifeltre Blasenkontrolle dabei so viel davon aufzehrt, dass für weitere kontrollierte Entscheidungen nicht mehr viel übrig bleibt.
Autor: Jürgen Schönstein· 01.03.11 · 05:51 Uhr· 10 Kommentare
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