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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv Januar 2011
31. Januar 2011
Wikipedia - ein Männervergnügen?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 38
Eigentlich sollte Wikipedia zum Egalitärsten gehören, das wir kennen: Jeder kann mitmachen, unabhängig von Alter, Sprache, Geschlecht - sogar unabhängig von Fachwissen, wie sich immer wieder mal zeigt. Doch in der Realität ist die nun zehn Jahre alte Web-Wissensseite ein ziemlicher Männerverein: Weniger als 15 Prozent der Autoren - und hier ist das Maskulinum als generische Form nun wirklich angebracht - sind Frauen. Und das, wie ich fürchte, hat nichts damit zu tun, dass Frauen in der Wissenschaft nun mal unterrepräsentiert sind. Denn Wikipedia ist nicht nur Wissenschaft; sie hat Platz für Barbie und für Barbiturase, der Themenbogen spannt sich von Abendgarderobe bis Zyklotron, quer durch alles, was Männer und Frauen interessieren kann.
Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.11 · 15:36 Uhr· 38 Kommentare
Evolution unterliegt im Klassenzimmer
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 18
Sie stritten sich beim Wein herum,Was das nun wieder wäre;
Das mit dem Darwin wär gar zu dumm
Und wider die menschliche Ehre.Sie tranken manchen Humpen aus,
Sie stolperten aus den Türen,
Sie grunzten vernehmlich und kamen zu Haus
Gekrochen auf allen vieren.Wilhelm Busch, Kritik des Herzens, 1874
An dieser Abneigung gegen die Evolutionslehre - ich spreche hier für die USA, für Deutschland kann ich nur ein besseres Bild erhoffen - hat sich seit den Tagen von Wilhelm Busch leider wenig geändert: Vier von zehn erwachsenen Amerikanern glauben, laut einer ziemlich neuen Gallup-Umfrage, dass die Menschen in ihrer gegenwärtigen Form von Gott erschaffen wurden. Und dieser Wert ist über die Jahrzehnte hinweg zwar leicht gesunken, aber damit sind die "strengen" Kreationisten noch immer die stärkste Gruppe in den USA. Die Evolutionslehre im Darwinschen Sinne akzeptieren hingegen nur 16 Prozent; 38 Prozent hingegen bevorzugen das, was wir als "Kreationismus light" oder auch als "Intelligentes Design" kennen - für sie hat Gott bei der Evolution die Hand im Spiel. Und da Lehrer auch nur Menschen sind, darf es nicht überraschen, dass sich die Evolutionslehre, wie ein Artikel in der aktuellen Ausgabe von Science zeigt, in den Klassenzimmern nicht durchsetzen kann.
Autor: Jürgen Schönstein· 31.01.11 · 00:52 Uhr· 18 Kommentare
27. Januar 2011
Ausflugstipp Mathematikum
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Ich muss zugeben, dass ich die Begriffe "Reisetipp" und "Gießen" nicht ganz leicht in einem Satz verbinden kann - außer meiner Familie hier wüden mir bisher nicht all zu viele gute Günde einfallen, einen Ausflug in diese hessische Universitätsstadt an der Lahn zu planen. Aber einen gäbe es schon (und da war ich heute mal wieder): das Mathematikum, das sich selbst "das erste mathematische Mitmach-Museum der Welt" nennt. Ob diese Aussage stimmt, will ich jetzt mal ungeprüft lassen (mir fielen allein schon in New York die Hall of Science und in Boston das Museum of Science ein, die beide sehr gute, anfassbare und ältere Dauerausstellungen zur Mathematik haben). Aber dass es in jedem Fall eines der besten mathematischen Mitmach-Museen der Welt ist, das würde ich sofort unterschreiben. Und weil das Mathematikum nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernt ist, braucht man nicht mal ein Auto, um es zu besuchen ...


Fotos: Mathematikum
Autor: Jürgen Schönstein· 27.01.11 · 01:14 Uhr· 2 Kommentare
25. Januar 2011
Schutt als Schutz für Gletscher
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 5
Darüber, dass die Warnung des IPCC über ein vergleichsweise schnelles - bis 2035 - Abschmelzen der Himalaya-Gletscher übertrieben war, wurde ja schon geschrieben. Andererseits ist ein teilweise dramatischer Rückzug von Gletschern, nicht nur im Himalaya, sondern beispielsweise auch in Alaska, nicht zu übersehen und geht offensichtlich mit der Klimaentwicklung einher. Andere Gletscher hingegen, zum Beispiel im Karakorum, stagnieren trotz vergleichbarer klimatischer Bedingungen - also was nun?
Autor: Jürgen Schönstein· 25.01.11 · 05:19 Uhr· 5 Kommentare
24. Januar 2011
Eine natürliche Treibhauseffekt-Katastrophe
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 15
Mit dem Wort Katastrophe wird ja leicht Schindluder getrieben - ich kannte Leute, die diesen Begriff schon für eine verpatzte Dauerwelle verwendet haben. Aber für das Aussterben von mehr als 90 Prozent aller aquatischen und 70 Prozent aller Land-Lebewesen ist der Begriff sicher angebracht - und neuen Anzeichen nach ist dieses größte bisher bekannte Massenaussterben an der Grenze zwischen dem Perm und dem Trias vor rund 251 Millionen Jahren auf einen Effekt zurückzuführen, über den wir auch in der Gegenwart viel diskutieren: Stephen Grasby, Benoit Beauchamp und Hamed Sanei, Geowissenschaftler der kanadischen University of Calgary, haben in der aktuellen Ausgabe von Nature Geoscience ein Paper mit dem Titel Catastrophic dispersion of coal fly ash into oceans during the latest Permian extinction veröffentlicht, in dem sie diesen Faunenschnitt durch eine globale Klimaveränderung erklären können, die unter anderem Folge eines erhöhten CO2-Gehalts der Atmosphäre war - und der wiederum enstand durch massive Verbrennung von Steinkohle.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.01.11 · 05:33 Uhr· 15 Kommentare
21. Januar 2011
:Quantumsprache: - oder Verschwörung des Un-Sinns?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 6
Mannomann! Es ist ja eigentlich an Ironie nicht zu überbieten: Judge: David-Wynn: Miller (eigentlich heißt er David Wynn-Miller, aber er bevorzugt die eigenartige Interpunktion seines Namens, weil ihn dies irgendwie von einem Steuersubjekt zu einer dem Steuerrecht nicht mehr unterliegenden "Präpositionalphrase" macht - oder so ähnlich) tritt mit dem Vorwurf an, dass eine Weltverschwörung unsere Sprache vorsätzlich und in unterdrückerischer Absicht unverständlich gemacht habe. Seine Rettung gegen diese sprachliche Gedankenkontrolle ist die "correct sentence structure communication syntax" - ich mach' mir hier nicht mal die Mühe einer Übersetzung, denn es ergibt eh' keinen Sinn - die er in Seminaren und auf seiner Website propagiert. Doch alles, was da steht, ist komplett unverständliches Kauderwelsch, Blibberblubber, Gobbledigook, Hogwash ... leider findet man keinen dieser plötzlich begehrenswert nahe liegenden Begriffe in seinem Quantum-Thesaurus (klar, dass da auch was Quantenmäßiges drin vorkommen muss). Und wem die Website dieses Sprach- und sonstigen Verschwörungstheoretikers noch nicht reicht, der kann hier weitere knapp elf Minuten seiner Lebenszeit damit verschwenden, Miller im O-Ton zuzuhören:
Und wer sich nach dem Anschauen nun plötzlich seiner Englischkenntnisse nicht sicher genug fühlt, sei getröstet: Es ergibt auch mit perfekten Sprachkenntnissen keinen Sinn.
Autor: Jürgen Schönstein· 21.01.11 · 04:29 Uhr· 6 Kommentare
19. Januar 2011
Schnäppchenjagd von A (weniger) bis Z (lieber)
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 30
Wenn mir jemand erzählen würde, dass die Schuhgröße eines Mannes etwas darüber sagen kann, ob er lieber Zartbitter- oder Vollmilchschokolade mag, oder dass die Augenfarbe einer Frau darüber entscheidet, ob sie trockenes oder feuchtes Klopapier bevorzugt, würde ich erst mal an einen (schlechten?) Scherz denken. Und genau so dachte ich erst mal, "das kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein!", als ich ein Paper las, das in einer der kommenden Ausgaben des Journal of Consumer Research erscheinen wird: The Last Name Effect: How Last Name Influences Acquisition Timing. Darin geht es in der Tat darum, dass der Anfangsbuchstabe des Nachnamens eine Rolle dabei spielt, ob und wie schnell Personen auf Sonderangebote und sonstige "günstige Gelegenheiten" reagieren. Untersucht wurde dieser Zusammenhang von Kurt A. Carlson, McDonough School of Business der Georgetown University in Washington, und Jacqueline M. Conard von der Massey Graduate School of Business (Belmont University, Nashville).
Autor: Jürgen Schönstein· 19.01.11 · 04:30 Uhr· 30 Kommentare
18. Januar 2011
Bastel' Dir einen Planeten!
Kategorie: Naturwissenschaften
Ich geh' mal wieder im Revier unserer Planetenexpertin Ludmila wildern: Ich bin gerade auf der Nasa-Website auf diese kleine Spielerei gestoßen, wo man sich "seinen" Planeten selbstr basteln kann. Sprich: Man kann modulieren, wie groß er ist, und wie weit von welcher Klasse Zentralgestirn und wie alt dieser fiktive Planet - ausgehend von drei Grundmodulen: Erde, Mars und Gliese 581d - ist. All dies wirkt sich dann darauf aus, wie die Oberfläche des Planeten sich gestaltet. Hier nun "mein" schnell gebautes Beispiel:
![]()
Autor: Jürgen Schönstein· 18.01.11 · 21:58 Uhr· 0 Kommentare
16. Januar 2011
Bestimmt auch nur wieder ein "Alarmist" ...
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 186
Zugegeben, ich wäre in der Tat sogar mehr als erleichtert, wenn sich Jeff Kiehl vom National Center for Atmospheric Research nur als ein Klima-Alarmist herausstellen würde. Denn das Bild, das er zeichnet, falls wir unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen unverändert fortsetzen, ist düster: die CO2-Konzentration der Luft wird um 2100 bei etwa 1000 ppm liegen, also so hoch wie zuletzt vor mindestens 35 Millionen Jahren - und es wird Jahrtausende dauern, bis sich dieser Effekt wieder auf das heutige Niveau reduzieren lässt:
Wer nachlesen will, das Kiehl zu sagen hat, der kann hier klicken, wer ein Abo hat, kann es auch hier im Magazin Science versuchen ...
Autor: Jürgen Schönstein· 16.01.11 · 06:25 Uhr· 186 Kommentare
13. Januar 2011
Kennedy-Archiv: Zeitgeschichte zum Online-Stöbern
Kategorie: Politik · Kommentare: 1
Ahh, eigentlich sollte dieser Eintrag schon vor mehr als einer Stunde fertig sein, aber ich bin leider durch interessante Dokumente aufgehalten worden ...
Ich wohne zwar schon seit einigen Monaten im Großraum Boston, hatte aber bisher noch keine Zeit gefunden, die John F. Kennedy Presidential Library & Museum zu besuchen. Und vermutlich wird das auch so schnell nicht geschehen, obwohl sie nur zehn U-Bahnstops, also etwa 20 Minuten, von meiner Wohnung entfernt liegt. Warum? Weil ein Cumputer in Armlänge von mir entfernt steht, und dies nun der schnellere Weg ist, die Dokumente der Sammlung zu sehen: Die JFK Library ist nun digitalisiert und online zu erforschen.
Autor: Jürgen Schönstein· 13.01.11 · 17:21 Uhr· 1 Kommentar
2010: Warm, wenn auch nicht rekordreif
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 3
Auch wenn ich damit meinem Mit-Scienceblogger Georg Hoffmann garantiert vorgreife, wollte ich doch aus einer Chronistenpflicht heraus den Hinweis nicht versäumen: Laut der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration war das Jahr 2010 kein Temperatur-Rekordjahr, sondern "nur" gleichauf mit dem bisher wärmsten Jahr seit systematischer Messung, dem Jahr 2005. Und nein, das heißt nicht, dass damit die Befürchtungen einer globalen Erwärmung entkräftet sind, im Gegenteil ... aber hierzu wird hat Georg auf Primaklima gewiss bald mehr und Fundierteres zu sagen haben. Ich begnüge mich hier mit einer NOAA-Illustration, die zeigt, wie sich in so einem globalen Bild die Anomalien verteilen:![]()
Autor: Jürgen Schönstein· 13.01.11 · 17:00 Uhr· 3 Kommentare
12. Januar 2011
Digitales Rom - in weniger als einem Tag erbaut
Kategorie: Technik · Kommentare: 2
Da ich zurzeit "auf Achse" bin (gemeint sind die sechs drei Achsen des Reisebusses, in dem ich gerade die verschneite Ostküste hochfahre - wenigstens das W-Lan klappt ab und zu), begnüge ich mich mit diesem Science-Nation-Videoclip über die Arbeit von Steve Seitz und Kollegen an der University of Washington in Seattle, die dank des schier unerschöpflichen Foto-Fundus von Flickr, der Rechnerleistung von 500 Computern und einem Program, das diese zahllosen Flickr-Fotos in dreidimensionale Modelle von Objekten und ganzen Städten umrechnen kann, ein digitales Rom in weniger als einem Tag (in 21 Stunden, um genau zu sein) erbaut haben. Als Geograph, der während seines Studiums in tagelanger Kleinarbeit auch die ein oder andere Karte zeichnen musste, kann ich da nur sagen: GEIELL!!!
Autor: Jürgen Schönstein· 12.01.11 · 19:02 Uhr· 2 Kommentare
Die tödliche Logik des Waffenbesitzes
Kategorie: Politik · Kommentare: 134
Über die möglichen politischen Konsequenzen des Attentats von Tuscon (Arizona), bei dem die demokratische US-Abgeordnete Gabrielle Gifford durch einen Kopfschuss schwer verletzt und sechs Personen (darunter ein neunjähriges Mädchen) getötet wurden, hatte Ali bereits auf seinem Blog Zoon Politikon nachgedacht. Ich will hier das Thema aus einem etwas anderen Winkel noch aufgreifen und mich zur (Un-)Möglichkeit äußern, dass der Anschlag vielleicht zu einer strengeren Waffengesetzgebung in den USA führen könnte. Diese Diskussion, die nach jedem Schusswaffenmassaker - Littleton (Columbine) und Blacksburg (Virginia Tech) fallen mir spontan ein - angestrengt wird, hat auch sofort nach den Schüssen von Tucson begonnen. Um meine Meinung gleich vorweg zu sagen: Weder Columbine noch Virginia Tech haben zu einer Verschärfung der Waffengesetzgebung geführt, und auch nach Tuscon wird sich hier nichts ändern.
Autor: Jürgen Schönstein· 12.01.11 · 04:43 Uhr· 134 Kommentare
11. Januar 2011
Intelligenz macht Männer nicht sexy
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 66
Was sicher bei all dem IQ-Potenzial, das in einem Wissenschaftsumfeld wie den Scienceblogs zu erwarten ist, wie ein Schlag unter die maskuline Gürtellinie wirken muss. Aber so steht's ellenlang und in wortreicher Ausführlichkeit über einem Paper, das im Journal Evolution and Human Biology erschienen ist: Men's facial masculinity predicts changes in their female partners' sexual interests across the ovulatory cycle, whereas men's intelligence does not. Das Paper selbst muss ich mir erst noch andertweitig besorgen (wie's halt so ist, wenn man sich keinen Abo-Zugang leisten kann), aber ich gehe davon aus, dass zumindest die Fakten, wie sie dieser Pressemitteilung aufgeführt sind, stimmen werden; hierfür wurde ausdrücklich eine Co-Autorin der Studie, Christine Garver-Apgar vom Institute for Behavioral Genetics and der University of Colorado in Boulder, als Quelle genannt.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.01.11 · 05:22 Uhr· 66 Kommentare
10. Januar 2011
Wie kommt der Ball ins Glas?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Nicht, dass dies wirklich eine schwere Frage wäre (ich vermute, dass noch nicht mal Mittelstufenschüler daran lange knabbern müssten). Aber beim Surfen durchs Web bin ich auf dieser Videoclip-Webseite des MIT gelandet - und die hat mich daran erinnert, warum ich die naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule so gemocht habe: Weil sie Spaß machen können. Und es war schön, für einen Moment diesen beinahe kindlichen Spaß noch einmal zu verspüren:
Autor: Jürgen Schönstein· 10.01.11 · 03:19 Uhr· 7 Kommentare
08. Januar 2011
Wissenschaft zum Heulen (Forts.)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 15
Ursprünglich wollte ich dies als Kommentar zu meinem Eintrag Wissenschaft zum Heulen ... schreiben, aber es ist mir doch zu wichtig, als dass ich es im 21. PPS oder so verstecken würde.
Es gibt noch einen Grund, warum ich mich so über die Studie geärgert habe, die in Science publiziert wurde und den Titel trägt Human Tears Contain a Chemosignal : Weil sie impliziert, dass Frauen in der Lage sind, einen biochemischen Signalstoff zu produzieren, der nicht nur unmissverständlich ihre sexuelle Verfügbarkeit (bzw. Nicht-Verfügbarkeit) anzeigt, sondern darüber hinaus auch noch in der Lage ist, direkt den sexuellen Erregungszustand des Mannes zu kontrollieren, indem er die Libido und das ausführende Organ abschaltet. Wenn ich Jörg Kachelmanns Anwalt wäre, hätte ich mir diese Studie schon eingerahmt ...
Autor: Jürgen Schönstein· 08.01.11 · 20:20 Uhr· 15 Kommentare
Forschungsgeschichte als Zeitgeschichte (Kommentare?)
· Kommentare: 1
Da im Eintrag über Forschungsgeschichte als Zeitgeschichte die Kommentarfunktion gestört war, bitte ich alle, die eine Anmerkung schreiben wollten, dies hier zu tun. Und ich entschuldige mich für die technische Panne, die ich im Moment nicht anders beheben kann.
Autor: Jürgen Schönstein· 08.01.11 · 15:53 Uhr· 1 Kommentar
Forschungsgeschichte als Zeitgeschichte
Kategorie: Naturwissenschaften
150 Jahre in eineinhalb Stunden - so etwa könnte mein Tagebucheintrag für den Vormittag des 7. Januar ausgesehen haben. 150 Jahre ist es her (genauer gesagt: wird es am 10. April 2011 her sein), dass die Charta des Massachusetts Insitute of Technology unterzeichnet wurde (siehe Abbildung)
, und diese eineinhalb Jahrhunderte werden in einer Sonderausstellung des MIT-Museums* durch 150 Exponate gewürdigt, die alle von MIT-Absolventen oder -Forschern geschaffen wurden. Und eigentlich waren die eineinhalb Stunden, die ich als einer der ersten Ausstellungsbesucher am Freitag vormittag dort verbracht habe, noch viel zu wenig, um auch nur einen Bruchteil der Ausstellungsstücke angemessen zu würdigen.
* Das MIT-Museum ist ein Wissenschaftsmuseum der besonderen Art, in dem es um aktuelle Forschung geht - also nicht primär um die Konservierung des Erreichten, sondern um die Präsentation des künftig Möglichen, wenn ich mal den Leiter des Museums, John Durant, paraphrasieren darf. Und anders als viele Museumskuratoren andernorts können Durant und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus dem Vollen schöpfen, dank der großen Bereitschaft der MIT-Akademiker, ihre Arbeit zu präsentieren. "Das ist wie Trinken aus einem Feuerwehrschlauch"; erklärt Durant - eine am MIT oft verwendete Metapher (die sich auch in Form einer funktionsfähigen Skulptur auf im Stata Center der Uni manifestiert).
Autor: Jürgen Schönstein· 08.01.11 · 03:26 Uhr· 0 Kommentare
07. Januar 2011
Wissenschaft zum Heulen ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 26
Dies ist, was man im Englischen ein "Rant" (wohl am ehesten mit "Tirade" übersetzbar) nennen würde - nicht über die Wissenschaft an sich, sondern - mal wieder über deren Vermittlung. Human Tears Contain a Chemosignal verkündet ein Paper in der aktuellen Ausgabe von Science - und das ist vergleichsweise zurückhaltend formuliert, obwohl der Begriff "Signal" bereits eine Zweckrichtung von Wasauchimmer in menschlichen Tränen impliziert, die vermutlich durch die Versuchsanordnung eben nicht gestützt ist. Diese Vermutung stützt sich, mangels eines "Science"-Abos, allein auf das publizierte Begleitmaterial und das, was ich zum Beispiel hier und vor allem in der Seite-1-Story der New York Times gelesen habe. Die Schlagzeile der Times hingegen - "In Women's Tears, A Chemical That Says, 'Not Tonight, Dear'" (zu Deutsch: Frauentränen enthalten Chemikalie die sagt "Nicht heute Nacht, mein Schatz") - ist meiner Ansicht nach (jawohl, ich drücke hier nur, ich wiederhole: nur meine Ansicht aus) pure Spekulation.
Autor: Jürgen Schönstein· 07.01.11 · 19:16 Uhr· 26 Kommentare
06. Januar 2011
Graphen gibt Solarzellen neuen Aus- und Durchblick
Kategorie: Technik · Kommentare: 6
"Sicher, es werden Anwendungen kommen aber ob Graphen das große Material wird ist nicht sicher", hatte mein ScienceBlogger-Kollege Jörg Rings hier in seinem Eintrag zum Nobelpreis für das zweidimensionale Kohlenstoffmaterial (genauer gesagt: Der Preis ging an Andre Geim und an Konstantin Novoselov) geschrieben. Und praktischer Weise kann ich mir hier deshalb auch die detaillierte Erklärung ersparen, was Graphen ist (das kann Jörg sowieso viel besser) und mich gleich auf eine erste mögliche Anwendung konzentrieren: Vladimir Bulovic und seine Kollegin Jing Kong, beide vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), haben einen Weg gefunden, Graphen als flexibles und lichtdurchlässiges Material für Elektroden in auf Kohlenstoff basierenden Solarzellen einzusetzen.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.01.11 · 19:40 Uhr· 6 Kommentare
Kann ESP wissenschaftlich sein?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 35
Die Antwort ist für die meisten - alle? - Wissenschaftler eigentlich klar: Übersinnliche Kräfte Fähigkeiten (Extra-Sensory Powers Perception, kurz ESP) sind mit Wissenschaft unvereinbar. Und doch wird oder soll noch in diesem Jahr ein Paper in einem angesehenen wissenschaftlichen Journal - dem Journal of Personality and Social Psychology - und von einem angesehenen Wissenschaftler, namentlich Daryl J. Bem, emeritierter Professor der Cornell University (der es auf immerhin 1930 Einträge in Google Scholar bringt), veröffentlicht werden, das angeblich gleich neun Labortests schildern wird, mit denen just solche außersinnlichen Phänomene beobachtet wurden. Eine Story über diesen Aufreger in Wissenschaftskreisen kann man hier in der New York Times nachlesen.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.01.11 · 06:24 Uhr· 35 Kommentare
05. Januar 2011
Spike-Reifen schädigen Ihre Gesundheit
Kategorie: Technik · Kommentare: 11
Da genagelte Winterreifen in Deutschland schon seit Mitte der 70-er Jahre verboten sind, wird man sich hier für diese Nachricht vermutlich kaum noch interessieren, aber die Nachbarn in der Schweiz und in Österreich, wo diese Spikes mit entsprechenden Tempoauflagen in den Wintermonaten zugelassen sind, wird es schon stärker betreffen: Schwedische Forscher haben herausgefunden, dass diese Metallspitzen auf Winterreifen nicht nur die Fahrbahnbeschädigen und ein höheres Fahrgeräusch zur Folge haben (dies waren die Gründe für das Verbot in Deutschland), sondern auch durch den Abrieb von Granitschotter-Bestandteilen des Straßenbelags feine Staubpartikel erzeugen, die toxisch für Autofahrer und Anwohner sein können:
Proteins associated with inflammatory response were increased and proteins involved in cellular functions such as redox balance, anti-inflammatory response, and glycolysis were decreased.Das Paper Wear Particles from Studded Tires and Granite Pavement Induce Pro-inflammatory Alterations in Human Monocyte-Derived Macrophages: A Proteomic Study ist in der aktuellen Ausgabe von Chemical Research in Toxicology erschienen.
Foto: Kantor.JH via Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 05.01.11 · 20:37 Uhr· 11 Kommentare
Der Müllteppich im Ozean ist kleiner als befürchtet
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 61
Daran, dass in den Ozeanen zu viel Müll schwimmt, ist leider nicht zu zweifeln. Wer's nicht glaubt, kann ja mal nach einem mittleren Sturm einen Strandspaziergang unternehmen und das Treibgut anschauen, das da so angespült wird. Doch die Story vom großen Müllteppich im Pazifischen Ozean, der durch den Nordpazifikwirbel zusammengetrieben wurde, ist offenbar doch - zum Glück - stark übertrieben. Auf der englischsprachigen Wikipedia ist von einer "area the size of the state of Texas to one larger than the continental United States" die Rede (die deutsche Wikipedia ist da schon erheblich zurückhaltender), und angeblich soll die Menge an Plastik bereits die Menge an Plankton überschreiten. Doch die Meeresbiologin Angel White von der Oregon State University kam zum Ergebnis, dass die Ausdehnung des Müllteppichs - und dessen angebliche Verdopplung alle zehn Jahre - krasse Überschätzungen sind:
"The amount of plastic out there isn't trivial. But using the highest concentrations ever reported by scientists produces a patch that is a small fraction of the state of Texas, not twice the size."erklärt sie in einer Mitteilung der Universität. Was, wie gesagt, nicht heißen soll, dass das Problem nicht existiert: Selbst ein Bruchteil von 695.621 Quadratkilometern (die Fläche von Texas) ergibt noch einen ziemlich großen Müllteppich.
Die Plastikmenge da draußen ist zwar nicht trivial. Aber selbst wenn man die höchste bisher von Wissenschaftlern festgestellte Konzentration zugrunde legt, kommt man auf einen Teppich, der nur einen Bruchteil der Fläche von Texas ausmacht, nicht die doppelte Fläche.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.01.11 · 04:28 Uhr· 61 Kommentare
04. Januar 2011
Anschluss gefunden
Kategorie: Technik · Kommentare: 9
Ein Navi, drei Mp3-Spieler, ein Handy - das sind allein in meinem Lowtech-Haushalt schon fünf Geräte, die sich ihren Ladestrom via USB aus meinem Computer holen wollen, der aber nur drei freie Ports hat. Da wäre so eine neue, jetzt zumindest in den USA erhältliche Wandsteckdose einfach genial: Neben den zwei Standard-Anschlüssen für - hier übliche - 110 Volt bietet sie noch Platz für zwei USB-Ladestöpsel. Kostet zwar runde 20 Dollar, aber das könnte es wert sein, nicht immer den Computer anlassen zu müssen, nur weil die iPod- oder Zune-Batterie mal wieder im roten Bereich ist. Und vom eingesparten Kabelsalat auf oder unter meinem Schreibtisch ganz zu schweigen.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.01.11 · 16:10 Uhr· 9 Kommentare
03. Januar 2011
Urzeitliche Voraus-Blicker ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Wenn die Sauropoden - Apatosaurus, Barosaurus, Diplodocus, Camarosaurus und wie sie alle heißen - wirklich die dumpfen Schwachköpfe gewesen wären, als die sie lange Jahre (und praktisch durch meine ganze Schulzeit hindurch) galten, dann hätten sie vermutlich nicht ein Bein vor das andere gekriegt - ich stelle es mir nämlich ziemlich schwierig vor, nicht zu stolpern, wenn der Kopf nebst Augen stolze zehn Meter (= mehrere Schritte) vor den Vorderbeinen schwebt, wie etwa im Falle des Mamenchisaurus (Abbildung), dessen Hals die Hälfte seiner Gesamtkörperlänge ausmachte. Allein schon die Balance dürfte einiges an Prozessor-Kapazitäten in den Saurierhirnen erfordert haben.
Autor: Jürgen Schönstein· 03.01.11 · 20:45 Uhr· 1 Kommentar
Manchmal ist knapp daneben dennoch nahe genug
Kategorie: Technik · Kommentare: 26
Auf die Idee, einen Computer zu bauen, der nicht gut rechnen kann, muss man erst mal kommen. Aber warum sollte man? Wäre so eine Kiste denn nicht völlig nutzlos (vor allem, wenn man bedenkt, dass selbst korrekt funktionierende Rechner nicht unbedingt immer den Nutzen der Menschheit mehren)? Im Gegenteil, findet Deb Roy, Professor am Media Lab des Massachusetts Institute of Technology, der - wie ich in dieser MIT-Pressemitteilung lesen konnte - gemeinsam mit seinem Kollegen Joseph Bates an genau so einem Chip bastelt.
Autor: Jürgen Schönstein· 03.01.11 · 17:35 Uhr· 26 Kommentare
01. Januar 2011
Sonnenuntergang in Blau
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Und zwar auf dem "roten Planeten". Dieses kurze Nasa-Video wurde aus Panorama-Aufnahmen zusammengesetzt, die der Mars-Rover Opportunity am 4. und 5. November 2010 gemacht hatte.
Autor: Jürgen Schönstein· 01.01.11 · 16:43 Uhr· 3 Kommentare
Tödliche Tornados im Dezember
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 6
Ich hätte diese Meldung auch in einem Kommentar hier oder hier oder hier unterbringen können:
Tornadoes fueled by unusually warm air pummeled the South and Midwest on Friday, killing at least six people and injuring dozens more across Arkansas, Missouri and Illinois.Für alle, die kein Englisch können, hier die Übersetzung: "Tornados, die von ungewöhnlich warmer Luft angeheizt waren, haben am Freitag den Süden und Mittelwesten (der USA ist hier hier gemeint) gebeutelt und mindestens in Arkansas, Missouri und Illinois sechs Menschen getötet und Dutzende mehr verletzt." (Und die, die Englisch beherrschen, können die Story hier in der New York Times weiterlesen.) Aber es wäre zu schade, diesen Hinweis auf ungewöhnlich warmes Wetter im hundertundixten Kommentar irgenwo zu vergraben. Nichts weiter - das ist halt Wetter. Aber nur damit allen klar wird, die diesen Dezember auf der Nordhalbkugel als ungewöhnlich kalt (und damit als einen Gegenbeweis zum Klimawandel) bezeichnen wollen - nichts weiter. Denn wie ich hier schon geschrieben hatte:
Aber egal, ob's aktuell kalt oder heiß ist, an den Klima-Tatsachen ändert diese kurzfristige Wetterlage sowieso nichts.- das, was wir derzeit erleben, ob zu kalt oder zu warm, ist Wetter - nicht mehr und nicht weniger. (Und auch hier rechne ich damit, dass die Usual Suspects der "Klimaskeptiker" wieder aufschlagen werden - aber dennoch muss es halt immer wieder gesagt werden).
Ach ja, und ehe ich es vergesse: Ein frohes Neues Jahr!

Autor: Jürgen Schönstein· 01.01.11 · 03:05 Uhr· 6 Kommentare
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