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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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13.12.10 · 18:46 Uhr
Einkommensschere beschneidet Internetzugang
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Technik · Kommentare: 3
Diese Daten des Pew Research Center sind zwar schon ein paar Wochen alt, aber ich bin halt erst jetzt drauf gestoßen - und finde sie trotzdem noch bemerkenswert: Die amerikanische "Einkommensschere" - will heißen, die sich vergrößernde Differenz zwischen oberen und unteren Einkommen - hat auch deutliche Auswirkungen auf den Zugang zum Internet (das ja oft als ein großer Gleichmacher angesehen wird, in dem auch scheinbar sozial Schwächere gegen die Mächtigen antreten können, zum Beispiel der einzelne Blogger gegen ein großes Verlagshaus - den Link, an den ich gerade denke, findet Ihr bestimmt auch selber, Ihr seid doch gewiss gut genug im BILD): 87 Prozent aller US-Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 75.000 Dollar haben einen Breitband-Internetanschluss zu Hause, in den Haushalten mit maximal 30.000 jährlich sind es nur 40 Prozent. Dass es eine Diskrepanz gibt, war gewiss zu erwarten, denn immerhin muss man für den Breitband-Internetanschluss irgendwo zwischen 300 und 400 Dollar jährlich bezahlen - was überrascht, ist die Tiefe dieser Kluft.

Natürlich kann man auch ins Internet kommen, ohne einen eigenen Provider zu haben - in vielen Parks und öffentlichen Einrichtungen (Bibliotheken und Museen, zum Beispiel) findet man kostenlosen Internet-Anschluss. Vielleicht schließt dies die Lücke? Nicht wirlich: Zwar nutzen in der Tat mehr, nämlich 57 Prozent der unteren Einkommensstufe, das Internet - am anderen Ende des Spektrums sind es jedoch 95 Prozent - die Kluft verringert sich also nur wenig. Und selbst bei denen, die über einen Internetzugang verfügen, sind dramatische - einkommensabhängige - Unterschiede zu beobachten: Die einkommensstarken Internet-User nutzen es fast doppelt so intensiv wie die einkommensschwachen.
Was nichts anderes bedeutet, als dass es die Kluft also noch zusätzlich vergrößert. Wenn das Internet tatsächlich eine Ressource ist (nicht jeder würde dieser Aussage zustimmen), dann ist es definitiv eine, die ungleich zu Gunsten der Habenden verteilt ist ...
Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
ja, die daten des pew sind da schon immer spannend. allerdings ist es auch in deutschland nicht anders. dazu empfehlenswert ist die dazu die sog. wissenskluft-forschung.
zwar legen die daten der JIM-Studie des MPFS erst einmal eine gute grundausstattung dar, aber die art und weise unterscheidet sich stark anhand der "typischen" ungleichheitsfaktoren (class, race, gender).
sehr interessant ist dazu übrigens auch die studie von alexandra klein in der sie sich den digital divide für formen von unterstützung im netz anschaut
http://bieson.ub.uni-bielefeld.de/volltexte/2008/1260/pdf/Klein_Alexandra_Dissertation.pdf
...
Welche Güter, insbesondere welche Wohlstandsgüter sind denn nicht ungleich entsprechend den Einkommen und Vermögen verteilt? Und welche Trends verbergen sich hinter den zitierten Momentaufnahmen?