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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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13.11.10 · 15:45 Uhr
Ich denke, also bin ich ... unglücklich
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Mit dem Denken ist das halt so eine Sache: Ich dachte, dass ich es gelegentlich genieße, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen - "die Seele mit den Beinen baumeln lassen", wie man so sagt. Ein neues Paper, das der Harvard-Doktorand Matthew Killinsgworth gemeinsam mt dem Psychologieprofessor Daniel Gilbert in der aktuellen Ausgabe von Science untergebracht hat, stellte nicht nur fest, dass dieser freie Lauf der Gedanken (will heißen, dass unser Hirn mit irgend etwas anderes beschäftigt ist alos das, was wir gerade tun), quasi der Normallfall, die "Leerlaufstellung" unseres Denkpuddings ist: 46,9 Prozent der wachen Zeit verbringt es mit dieser unspezifischen Tätigkeit. Aber kamen auch, mit Hilfe einer eigens dafür konzipierten iPhone-App - herunterladbar auf www.trackyourhappiness.org - dahinter, dass diese freie Hirnaktivität uns nur in 4,6 Prozent unserer Zeit glücklich macht; durch ihre Analysen (die ich mangels Zugriff auf das Originalpaper und fehlender Spezifizität in dieser Pressemitteilung nicht nachvollziehen kann) kamen sie zu dem Schluss, dass der Gedankenleerlauf die Ursache für dieses mangelnde Glücklichsein ist, und nicht etwa die Folge. Sich auf das zu konzentrieren, was man gerade tut, sei keineswegs ein Dämpfer für einen "freien Geist", sondern sein Weg zum Glück:
"Many philosophical and religious traditions teach that happiness is to be found by living in the moment, and practitioners are trained to resist mind wandering and to 'be here now'. These traditions suggest that a wandering mind is an unhappy mind."
Na, da muss ich aber erst mal eine Zeitlang angestrengt drüber nachdenken - was mich ja dann ein bisschen glücklicher machen dürfte ...
Autor: Jürgen Schönstein· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
Nun es ist wohl beides möglich.
Wer sich von sogenannten schweren Gedanken ins wenig-denken retten kann wird einen Glücksanstieg vermerken.
Im Gegenzug wer sich nach einen schönen Erlebnis in eine niedrig-aktiv Phase begibt kann leicht die schwere des Lebens finden.
Ergo kommt es darauf an was man daraus macht... denke ich.
„Na, da muss ich aber erst mal eine Zeitlang angestrengt drüber nachdenken - was mich ja dann ein bisschen glücklicher machen dürfte ...“
Tai Chi?
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,728606,00.html
Aus dem Spiegel: "Die einzige Ausnahme: Beim Sex war die Mehrheit voll bei der Sache." Es fällt mir schwer, das zu glauben. Wenn ich das richtig verstehe, sollten die Leute in der App angeben, ob sie gerade voll bei der Sache sind oder an was anderes denken. Wie man beim Sex auf die Idee kommt, jetzt mal eben das Handy zu zücken und die App zu starten, entzieht sich meiner Vorstellung. Was Partner/in dazu zu sagen hätte, kann ich mir eher vorstellen. Aber "voll bei der Sache" sein stelle ich mir schon anders vor...
@ Pan Narrans: Man kann bestimmt auch hinterher eintragen, wie konzentriert man war. Sowas wie die Zigarette danach nur mit einem App.
Müsste die Überschrift, um zum Inhalt des Textes zu passen, nicht lauten "Ich denke also bin ich ...glücklich"?
Eigenartige These. Natürlich macht es nicht immer glücklich, die Gedanken schweifen zu lassen. Nicht selten kommt man dabei schließlich auf Dinge, die durchaus auch negative Auswirkungen auf das momentane Glücksempfinden haben können. Allein die Tatsache aber, dass jeder einzelne von uns theoretisch zum Denken befähigt ist, sollte uns glücklich stimmen. Viel trauriger ist, dass es so viele Menschen gibt, die diese wundervolle Fähigkeit nicht nutzen und diese "Leerlaufzeiten" stattdessen mit allerlei nutzlosen Tätigkeiten füllen.
Wb·
15.11.10 · 11:26 Uhr
Wenn man die Gedanken schweifen lässt, sozusagen träumt, dann entstehen also seltener Glücksgefühle als beim fixierten Nachdenken über eine Sache? Hmm, kann sein, why not?!"Ich denke, also bin ich glücklich." wäre die bessere Überschrift gewesen, ansonsten gilt natürlich auch:
Zudem ist Glück geringdosig anzustreben.
Last but not least ist Glück eine biochemische Geschichte, die den einen begünstigt und den anderen mies drauf sein lässt - unabhängig von der tatsächlichen persönlichen Lage. Der Wb kennt sehr erfolgreiche Menschen, die unglücklich sind. Vermutlich wirkt das subjektiv empfundene Unglück hier der Motivation stark förderlich, höhö. diese Dummbatzen. Oder können die nichts dafür, können sich nicht selbst therapieren?
MFG
Wb (Der Sanguiniker!)
Kaum hat man sich daran gewöhnt, wärend langweiliger Tätigkeiten an etwas Schönes zu denken, damit man glücklich wird (Studie 1), folgt gleich darauf die Ansage, dass wärend irgendeiner Tätigkeit an etwas anderes zu denken unglücklich macht (Studie 2).
Wissenschaft ist ja soooo schwer zu verstehen.
Streicht denen mal die Forschungsgelder und macht damit andere Forscher glücklich.