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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv November 2010
30. November 2010
Von wegen "graue Zellen"
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Fürs bloße Auge ist unser Hirn tatsächlich nur eine graue Masse, durchzogen von roten Blutgefäßen - aber unter dem hochauflösenden Mikroskop (und dank entsprechender Präparierung) offenbart es sich als ein Ort, den sich ein Künstler ersonnen haben könnte. Die New York Times hat ihren heutigen Science-Aufmacher An Odyssey Through the Brain, Illuminated by a Rainbow für ihre Webseite mit einer Diashow ergänzt, die absolut sehenswert ist.
Autor: Jürgen Schönstein· 30.11.10 · 18:31 Uhr· 2 Kommentare
Die Schlange am Kletterseil
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 4
Dies hier fällt in die Kategorie wissenschaftlicher Fragen, deren Antwort mich weniger überrascht als die Frage selbst. Ich wäre nie auf die Idee gekommen nachzusehen, wie eine Schlange ein Seil hochklettert - aber wie man in dem folgenden Clip sehen kann, ist es eine ganz spannende Angelegenheit:
Autor: Jürgen Schönstein· 30.11.10 · 18:00 Uhr· 4 Kommentare
28. November 2010
"Prima Klima!" Im Ernst?
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 129
Eigentlich endet mein Arbeitsverhältnis mit FOCUS formal erst am 30. November, aber im Impressum stehe ich schon nicht mehr. Und bei solchen Titelstorys (rechts der Ausriss aus dem aktuellen Inhaltsverzeichnis) bin ich darüber eigentlich auch ein bisschen froh ...
Autor: Jürgen Schönstein· 28.11.10 · 16:30 Uhr· 129 Kommentare
27. November 2010
"Land unter" in Norfolk, Virginia
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 1
Bis zum Hals steht den Bewohnern einiger Ecken in Norfolk, Virginia, das Wasser zwar noch nicht, aber nasse Füße (oder abgesoffene Autos) haben sie hier schon mal: Seit Anfang der 30-er Jahre ist der Pegel im Viertel Larchmont um fast 37 Zentimeter gestiegen, und das heißt, dass bei Springfluten einige Straßen unter Wasser stehen. OK, ein Teil dieses Anstiegs ist relativ, denn Larchmont wurde auf trocken gelegtem und aufgefülltem Marschland gebaut, dessen Boden sich seither langsam absenkt; der befürchtete Anstieg des Meeresspiegels durch globale Erwärmung und Gletscher-Schmelze spielt hier vermutlich nur eine untergeordnete Rolle - aber die Bewohner hier können jedenfalls die Ängste der bedrohten Inselstaaten nachempfinden: "Wir sind an der Front des Klimawandels", zitierte die New York Times in einem Artikel am Freitag den Anwohner und freien Wissenschaftsjournalisten Jim Schultz. "Niemand, der hier ein Haus besitzt, ist ein Skeptiker."
Autor: Jürgen Schönstein· 27.11.10 · 22:19 Uhr· 1 Kommentar
Ohne Worte
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
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Cambridge, Massachusetts, 26.11.2010
Autor: Jürgen Schönstein· 27.11.10 · 08:31 Uhr· 1 Kommentar
26. November 2010
... es liegt an verinnerlichten Stereotypen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 18
Falls diese Überschrift kryptisch erscheint - sie bezieht sich auf vorangegangene Posts zur Frage, warum Frauen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern oft stark unterrepräsentiert sind (namentlich die Einträge Frauen und Mathe - eine Frage des Wollens, nicht des Könnens, oder ... sowie ... und am Hirn liegts auch nicht). Ein Artikel über Reducing the Impact of Negative Stereotypes on the Careers of Minority and Women Scientists in der aktuellen Ausgabe von Science zeigt hingegen auf, woran es liegt: An den Stereotypen, die sich - bewusst oder unbewusst, aber das ist letztlich beinahe nebensächlich - in den Hirnen von Mädchen festgesetzt haben und die ihnen suggerieren, dass sie tatsächlich schlechtere Fähigkeiten für Mathematik und Naturwissenschaften haben. (Das dem verlinkten Artikel zu Grund liegende Paper über Reducing the gender achievement gap in college science: A classroom study of values affirmation wurde unter der Federführung des Psychologieprofessors Akira Miyake an der University of Colorado in Boulder verfasst.)
Autor: Jürgen Schönstein· 26.11.10 · 19:28 Uhr· 18 Kommentare
US-Kliniken bekommen Gefahren nicht in den Griff
Kategorie: Medizin · Kommentare: 49
Niemand geht, vermute ich mal, in der Erwartung ins Krankenhaus, dort nicht gesünder, sondern kränker zu werden - aber zumindest in US-Kliniken sollte man sich darauf vorsorglich schon mal einstellen: Je nach Studie erleiden zwischen 13,5 und 25,1 Prozent der Krankenhauspatienten dort eine durch vermeidbare Fehler bedingte Schädigung, und für etwa jeden zehnten dieser Patienten sind diese Schäden sogar tödlich. Eine dieser Studien, mit dem Titel Temporal Trends in Rates of Patient Harm Resulting from Medical Care, stammt nicht etwa von erklärten Gegnern der konventionellen Medizin, wie man meinen möchte, sondern wurde unter der Federführung des Harvard-Medizinprofessors Christopher Landrigan erstellt und in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine publiziert.
Autor: Jürgen Schönstein· 26.11.10 · 05:03 Uhr· 49 Kommentare
Relative texanische Gerechtigkeit?
Kategorie: Politik · Kommentare: 3
Dass Tom DeLay, der ehemalige republikanische Mehrheitsfraktionsführer im US-Abgeordnetenhaus, von einem Schwurgericht in Texas wegen Geldwäsche und Beihilfe zur Geldwäsche schuldig gesprochen wurde und nun zwischen fünf und 99 Jahren Haft erwarten darf (dass Strafmaß wird erst noch festgelegt), hat mit Wissenschaft direkt gar nichts zu tun, und auch indirekt wäre ein Bezug über die generelle antiwissenschaftliche (DeLay war ein erklärter Gegner des Lufreinhaltungsgesetzes Clean Air Act, weil er dessen wissenschaftliche Basis nicht anerkannte) und pro-kreationistische Haltung der amerikanischen Republikanischen Partei ein bisschen arg strapaziert. Trotzdem kann ich mir hier eine - völlig unwissenschaftliche, versteht sich - Frage nicht verkneifen: Welches Rechtsverständnis kommt zum Ausdruck, wenn De Lay sich nach der Urteilsfindung - durch eine Jury "von Seinesgleichen" (a jury of his peers) aus sechs Männern und sechs Frauen - hinstellt und erklärt, dies sei ja alles nur eine politische Vendetta und ansonsten ein massiver Justizirrtum? Wo gleichzeitig seine Partei und die Mehrheit der Texaner, wie es scheint, generell der Meinung sind, dass ein solches per Schwurgericht gefundenes Urteil stets wahr und unvoreingenommen sein muss - wahr und unvoreingenommen genug, um einen (nee: genau 447, seit dem Jahr 1974) Menschen hinzurichten?
Autor: Jürgen Schönstein· 26.11.10 · 00:24 Uhr· 3 Kommentare
25. November 2010
Heißkaltes für die Notaufnahme
Kategorie: Medizin·Umwelt · Kommentare: 8
Wenn ich noch für die eher unterhaltende Tagespresse schreiben würde, hätte ich mir aus so einer Pressemitteilung sicher en amüsantes kleines Stückchen basteln können: Für jede fünf Celsiusgrade, die es wärmer wird (gemeint sind offenbar aktuelle Temperaturen, keine langfristigen Mittelwerte), steigt das Verletzungsrisiko von Kindern um zehn Prozent. Dies geht offenbar aus einer Analyse hervor, die in der aktuellen Online-Ausgabe des britischen Fachjournals Emergency Medicine Journal erscheint (leider enthält der Pressetext weder den Titel der Studie noch die Namen der Verfasser, was es mir bisher nicht möglich gemacht hat, den Text zu finden - vielleicht war er ja zum Zeitpunkt dieses Posts noch nicht freigeschaltet). Wenn's hingegen kälter wird, tauchen drei Prozent mehr Erwachsene in den Notaufnahmestationen auf; bei Neuschnee sogar acht Prozent mehr. Da hätt' man sich schon was mit dem Tenor "Klimawandel erhöht das Unfallrisiko für Kinder" - oder so ähnlich - stricken können.
Autor: Jürgen Schönstein· 25.11.10 · 06:58 Uhr· 8 Kommentare
24. November 2010
Aids, Kondome, der Papst - und ein neues "Schutzmittel"?
Kategorie: Medizin · Kommentare: 10
Erst mal die gute (?) Nachricht vorweg; Auch im aktuellen UN-Report zur globalen Aids-Epidemie wird der bereits bekannte Trend bestätigt, dass sich zwar die Zahl der HIV-Infizierten weltweit stetig erhöht (auf derzeit etwa 33,3 Millionen Menschen), aber zumindest die Wachstumsrate der Neuinfektionen weiterhin schrumpft - aber eben nur die Wachstumsrate. Denn allein 2009 kamen weltweit immerhin noch 2,6 Millionen neu Infizierte hinzu. Die wirklich gute Nachricht wäre natürlich, dass die Neuinfektionen gestoppt werden konnten. Aber auch dafür gibt es ganz unerwartet plötzlich wenigstens so etwas wie einen Hoffnungsschimmer.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.11.10 · 19:55 Uhr· 10 Kommentare
22. November 2010
Im Kampf gegen Polio wäre der Sieg ein Gewinn
Kategorie: Medizin · Kommentare: 4
Und zwar im ökonomischen Sinn: Der wirtschaftliche Gesamtnutzen der Globalen Initiative zur Ausrottung von Polio (GPEI) (die sich nicht nur auf die vorsorgliche Schutzimpfung beschränkt, sondern eine vollständige Ausrottung des Erregers zum Ziel) wird von der Initiative, an der neben der Bill and Melinda Gates Foundation unter anderem auch die Centers for Disease Control and Prevention beteiligt sind, auf 40 bis 50 Milliarden Dollar - netto! - geschätzt. Und das, obwohl die Krankheit heute fast ausschließlich in medizinisch unterversorgten Drittweltländern grassiert und daher die Kosten insgesamt relativ hoch sind. Der Nutzen errechnet sich dabei allerdings nicht nur aus den eingesparten Behandlungskosten und der erhaltenen Produktivität in den Ursprungsländern, sondern auch aus dem vermiedenen Einschleppungsrisiko (nebst allen Folgeproblemen und -Kosten) in den generell poliofreien Ländern der übrigen Welt. Die Ergebnisse der Studie Economic Analysis of the Global Polio Eradication Initiative, die federführend von der Nonprofit-Organisation Kid Risk durchgeführt wurde, sind in der aktuellen Ausgabe von Vaccine publiziert.
Autor: Jürgen Schönstein· 22.11.10 · 22:13 Uhr· 4 Kommentare
Junge Hirne, fest zur Sprunghaftigkeit "verdrahtet"
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin · Kommentare: 11
Das Folgende könnte wie das klassische Lamento der älteren Generationen klingen: "Die heutige Jugend ist auch nicht mehr das, was wir mal waren"; und als angehender Mittfünfziger passe ich vermutlich in die Kategorie "ältere Generation". Aber offenbar gibt es ernsthaften Grund zu der besorgten Annahme, dass eine Sozialisation in einer digitalen Welt mit Facebook, Twitter und YouTube die Gehirne von Jugendlichen für einen schnellen Aufmerskamkeitswechsel "verdrahten" könnte - mit anderen Worten: Die "instant gratification" (sofortige Belohnung), die sie durch diese sozialen Medien (und die schnelle, aber auch schnell zu wechselnde Verfügbarkeit digitaler "Welten" erfahren, macht sie unfähig, sich einer längeren Aufgabe - zum Beispiel dem Lesen von Büchern - zu widmen. Die New York Times spendiert dem Thema eine längere Story, in der sie den Harvard-Jugendexperten Michael Rich zu warnenden Worten kommen lässt:
"Their brains are rewarded not for staying on task but for jumping to the next thing. (...) The worry is we're raising a generation of kids in front of screens whose brains are going to be wired differently."
Ihre Gehirne werden nicht dafür belohnt, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, sondern dafür, gleich zum nächsten Ding zu springen. (...) Die Sorge ist, dass wir vor Bildschirmen eine Generation von Kindern großziehen, deren Gehirne anders verdrahtet sein werden.
Vielleicht ist da ja was dran (obwohl ich selbst eine ausgesprochene Leseratte - fast elf Jahre alt - zu Hause habe, die trotz Verfügbarkeit eines Computers Bücher liebt und derzeit mit viel Genuss, gemeinsam mit mir, den Moby Dick von Herman Melville in der Originalfassung liest). Aber ich hatte leider keine Geduld, den Artikel bis zum Ende durchzulesen ...
Autor: Jürgen Schönstein· 22.11.10 · 05:15 Uhr· 11 Kommentare
19. November 2010
Eine Kamera, die um die Ecke schauen kann
Kategorie: Technik
Nur ganz kurz: Ramesh Raskar vom MIT Media Lab arbeitet an einer Kamera, die dank eines Lasers (und unter Ausnutzung vorhandener Reflexionen) um die Ecke schauen kann. Wie das geht, eklärt Rashkar in diesem Videobeitrag der BBC:
Autor: Jürgen Schönstein· 19.11.10 · 21:58 Uhr· 0 Kommentare
Lass Dir Zeit, mein Kind!
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Das sag' ich in Gedanken oft zu meinem Sohn, dessen Kindheit mir viel zu schnell vorbei zu gehen scheint. Je länger die Kindheit, so scheint mir, desto besser. Dass dies ein Ur-Instinkt menschlicher Eltern sein könnte, will ich zwar nicht behaupten - aber mit ein bisschen Anstrengung könnte ich die Aussagen des Paper über Dental evidence for ontogenetic differences between modern humans and Neanderthals, auf das die Harvard-Pressestelle gerade hinweist und das in den aktuellen Proceedings of the National Academy of Science erschien, schon so hinbiegen. Die Harvard-Humanbiologin Tanya Smith hatte die "Jahresringe" von fossilen Kinderzähnen sowohl des Neandertalers als auch des modernen Menschen verglichen und dabei festgestellt, dass die Kindheit und Jugend unseres urzeitlichen Vetters deutlich kürzer gewesen sein muss als die des modernen Homo sapiens.
Autor: Jürgen Schönstein· 19.11.10 · 00:25 Uhr· 8 Kommentare
18. November 2010
Vielleicht waren Mikro-Bürgschaften doch keine so blöde Idee ...
Kategorie: Politik · Kommentare: 121
Zum ersten Mal hatte ich von Mikrokrediten im Oktober 2006 gehört: Mohammed Yunus, dem ein paar Wochen später der Friedensnobelpreis verliehen wurde, war Gast der Clinton Global Initiative und erzählte voller mitreißendem Enthusiasmus von den Mikrofinanzierungs-Projekten seiner Grameen Bank, die Menschen in Bangladesh mit umgerechnet ein paar Dollar Kredit einen Weg aus der Armut ermöglichte. Die Kredite gingen zumeist an Frauen, die sich vielleicht eine Kuh für 20 Dollar oder, wenn sie etwas ehrgeiziger waren, eine Nähmaschine zulegten und ihr eigenes kleines Business starteten. Besser als ihnen das Geld einfach zu schenken, wie Yunus glaubhaft versicherte - er sprach von Rückzahlungsquoten um die 90 Prozent (besser als die meisten kommerziellen Kredite bei uns - und zwar noch vor der Hypothekenkrise), die ja nur dadurch zu schaffen waren, dass sich die Frauen tatsächlich etwas aufgebaut hatten. Genial!
Autor: Jürgen Schönstein· 18.11.10 · 16:50 Uhr· 121 Kommentare
Von Geizhälsen und Verschwendern
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften
... handelt das Carnegie-Mellon-Paper Tightwads and Spendthrifts (Link führt zu einer pdf-Version), auf das die National Science Foundation (deren Förderung dieser Arbeit zu verdanken war) aus aktuellem Anlass noch einmal hinweist: Der Co-Autor Scott Rick, inzwischen Marketingprofessor an der University of Michigan befasst sich hier mit dem Problem der Weihnachtseinkäufe, die ja nun, wie alle Jahre wieder, ins Haus stehen:
(Achtung, dieser Webcast ist über 37 Minuten lang)
Autor: Jürgen Schönstein· 18.11.10 · 04:49 Uhr· 0 Kommentare
Hightech für die Kulturgeschichte
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Politik · Kommentare: 1
Ist eigentlich eher ein Lesetipp, denn andernfalls müsste ich hier den ganzen Artikel Digital Keys for Unlocking the Humanities' Riches darüber (aus der New York Times vom Mittwoch) nacherzählen. Es geht darin um quantitative Methoden in der kulturgeschichtlichen Forschung - und die reichen von digitalen Karten der Schlachtfelder im amerikanischen Bürgerkrieg (um die Bedeutung des Terrains über Sieg und Niederlage herauszufinden) bis hin zu kartografischen Analysen der Ausbreitung von Ideen der Aufklärung. Letztere hatte Dan Edelstein, Professor für Französisch an der Stanford-University, entwickelt - dazu mehr hier und im folgenden Video:
Autor: Jürgen Schönstein· 18.11.10 · 04:48 Uhr· 1 Kommentar
Wo kommen nur die guten Ideen her?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Jedenfalls nicht aus den Köpfen isoliert denkender Genies, die plötzlich und unerwartet von solchen Geistesblitzen wie dem Buchdruck mit beweglichen Lettern oder dem World Wide Web getroffen werden - auch wenn uns das die "Folklore" der Innovation so zu übermitteln scheint. Durch einen Lesetipp bin ich auf das neue Buch des Wissenschaftsautors Steven Johnson- Where Good Ideas Come From - gestoßen, in dem er, so weit ich es verstehe, die These vertritt, dass selbst der spontanste Geistesblitz nur dann einschlägt, wenn das Umfeld dies begünstigt. Genies wären dann gewissermaßen Katalysatoren des Wissens einer Zeit, einer Gesellschaft, und die Idee, dass man "intellektuelles Eigentum" dadurch mehren kann, dass man es einzäunt, scheint ihm abwegig: "We are often better served by connecting ideas than we are by protecting them." Aber was soll ich groß über Johnson und sein Buch (das ich erst noch lesen muss) daher reden, wenn ich ihn doch einfach selbst zu Wort kommen lassen kann:
Autor: Jürgen Schönstein· 18.11.10 · 00:01 Uhr· 3 Kommentare
17. November 2010
... und nochmal die Handystrahlung
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9
Ich muss mir ein Trollfutter-Virus eingefangen haben. Nach Rauchverboten und Homöopathiestudien komme ich nun mit einer Neuauflage der Diskussion um die Handystrahlung daher, über die ich mich zuletzt hier ausgelassen hatte. Den aktuellen Anlass dafür liefert (auch das fällt unter die Kategorie "déja vu") die New York Times, wo der Digital-Kolumnist und Wirtschaftsprofessor Randall Stross (von der San José State University einen der derzeit am meisten weitergeschickten Beiträge veröffentlicht hat: Should You Be Snuggling With Your Cellphone?
Autor: Jürgen Schönstein· 17.11.10 · 05:45 Uhr· 9 Kommentare
16. November 2010
Lesetipp: Interview mit Jane Goodall
Kategorie: Naturwissenschaften
Noch ein Link zur heutigen Science-Times: Zum Anlass des 50-jährigen Bestehens ihrer Schimpansen-Forschungsstation in Gombe (das eigentliche Jubiläum war bereits im Juli, ein schöner Bericht dazu stand in National Geographic) führte die New York Times ein Gespräch mit Jane Goodall. Sehr lesenswert, wie ich finde - vor allem ihre Erfahrungen als junge Feldforscherin mit dem "Establishment" in Cambridge.
Autor: Jürgen Schönstein· 16.11.10 · 17:12 Uhr· 0 Kommentare
Animiert und animierend: Großes Kino aus dem Mikrokosmos
Kategorie: Naturwissenschaften
Die aktuelle New York Times bringt in ihrem Science-Teil eine Story darüber, wie Computeranimation in Kinoqualität - sonst eher mit den Produktionen von Pixar und DreamWorks assoziiert - die Arbeit der Zellbiologen und Biochemiker informieren kann. Leider Jetzt kann ich das begleitende Video hier nicht einbetten:
Und hier noch einmal das inzwischen als Platzhalter eingebettete Video The Inner Life of the Cell, das 2007 für die Harvard-Universität erstellt wurde (dank YouTube zwar verfügbar, aber leider nicht in hoher Qualität - die obigen Links liefern bessere Bilder):
Autor: Jürgen Schönstein· 16.11.10 · 16:50 Uhr· 0 Kommentare
15. November 2010
Studie: Homöopathie hilft - aber sie wirkt nicht
Kategorie: Medizin · Kommentare: 315
Wo ist der wilde Affe, der mich eben gebissen hat? Hab' ich denn aus vergangenen Kommentarschlachten nichts dazu gelernt? Um ehrlich zu sein: nö. Und wenn in der aktuellen Ausgabe von Rheumatology ein Artikel erscheint, der den sehr ausführlichen Titel trägt Homeopathy has clinical benefits in rheumatoid arthritis patients that are attributable to the consultation process but not the homeopathic remedy: a randomized controlled clinical trial , dann muss ich dazu einfach ein paar Worte verlieren. Obwohl der Titel des Beitrags eigentlich schon alles sagt: Homöopathie wirkt zwar nicht, aber durch die Tatsache, dass den Patienten - die sowieso schon eine konventionelle Arthritis-Therapie erhalten - jemand (in diesem Fall der Homöopath) zuhört, verbessert sich deren Zustand. Trotzdem würde ich alle Hüte, die ich besitze, darauf verwetten (kein großer Einsatz, zugegeben - es sind nur zwei Baseballkappen), dass just dieses Paper schnell zum Kanon der Homöopathie-Rechtfertiger zählen wird - es ist peer-reviewed, doppelt verblindet, in einem angesehenen Fachjournal, kurz: alles, was bisherigen H-Papern immer fehlte.
Autor: Jürgen Schönstein· 15.11.10 · 21:40 Uhr· 315 Kommentare
Der rasende Rex
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Dinosaurier haben mich - und Millionen andere, versteht sich - schon immer (naja, zumindest so lange ich mich erinnern kann) fasziniert. Und diese Faszination hält auch in meinem 5. Lebensjahrzehnt noch an. Aber inzwischen sind es nicht mehr die schiere Größe oder auch die furchterregenden Zähne (oder welches anatomische Merkmal man als Kind halt gerade schrecklich-schön fand), sondern die Tatsache, dass diese Gruppe auch noch mehr als 65 Millionen Jahre nach ihrem weitgehenden Abgang von der Weltbühne die Wissenschaft zu absolut modernen Neuentdeckungen motivieren kann. Wie etwa jene über The Tail of Tyrannosaurus: Reassessing the Size and Locomotive Importance of the M. caudofemoralis in Non-Avian Theropods, die in der aktuellen Ausgabe von Anatomical Record publiziert ist und in der aufgezeigt wird, dass der angeblich zum Jagen zu träge Tyrannosaurus Rex dank seiner Skelettstruktur, namentlich des massiven Schwanzes, vermutlich der Usain Bolt seiner geologischen Ära war.![]()
Autor: Jürgen Schönstein· 15.11.10 · 20:09 Uhr· 3 Kommentare
Investment in Kunstfehler-Prozesse
Kategorie: Medizin · Kommentare: 4
Dass Arznei- und Kunstfehlerprozesse erstens teuer und zweitens weitreichend für Forschung und Praxis der Medizin in den USA sein können, hatte ich im Zusammenhang mit dem Fall Hanna Bruesewitz hier schon mal angesprochen. Wie naiv es wäre, in solchen Prozessen auch nur im Ansatz einen Versuch des gerechten Ausgleichs zwischen den Interessen der Patienten und der Medizin zu finden, merke ich spätestens jetzt, nach der Lektüre dieses Artikels in der New York Times: Findige Investoren und Hedgefonds haben entdeckt, dass sich mit solchen Prozessen vor allem Profit machen lässt - und für eine Beteiligung an den "Erlösen" (= gerichtlich oder außergerichtlich festgelegten Schadenersatz- und Schmerzensgeldbeträgen) strecken sie das Geld für die zunehmend teuerer werdenden Prozesse vor.
Autor: Jürgen Schönstein· 15.11.10 · 05:37 Uhr· 4 Kommentare
13. November 2010
Ich denke, also bin ich ... unglücklich
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Mit dem Denken ist das halt so eine Sache: Ich dachte, dass ich es gelegentlich genieße, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen - "die Seele mit den Beinen baumeln lassen", wie man so sagt. Ein neues Paper, das der Harvard-Doktorand Matthew Killinsgworth gemeinsam mt dem Psychologieprofessor Daniel Gilbert in der aktuellen Ausgabe von Science untergebracht hat, stellte nicht nur fest, dass dieser freie Lauf der Gedanken (will heißen, dass unser Hirn mit irgend etwas anderes beschäftigt ist alos das, was wir gerade tun), quasi der Normallfall, die "Leerlaufstellung" unseres Denkpuddings ist: 46,9 Prozent der wachen Zeit verbringt es mit dieser unspezifischen Tätigkeit. Aber kamen auch, mit Hilfe einer eigens dafür konzipierten iPhone-App - herunterladbar auf www.trackyourhappiness.org - dahinter, dass diese freie Hirnaktivität uns nur in 4,6 Prozent unserer Zeit glücklich macht; durch ihre Analysen (die ich mangels Zugriff auf das Originalpaper und fehlender Spezifizität in dieser Pressemitteilung nicht nachvollziehen kann) kamen sie zu dem Schluss, dass der Gedankenleerlauf die Ursache für dieses mangelnde Glücklichsein ist, und nicht etwa die Folge. Sich auf das zu konzentrieren, was man gerade tut, sei keineswegs ein Dämpfer für einen "freien Geist", sondern sein Weg zum Glück:
"Many philosophical and religious traditions teach that happiness is to be found by living in the moment, and practitioners are trained to resist mind wandering and to 'be here now'. These traditions suggest that a wandering mind is an unhappy mind."
Na, da muss ich aber erst mal eine Zeitlang angestrengt drüber nachdenken - was mich ja dann ein bisschen glücklicher machen dürfte ...
Autor: Jürgen Schönstein· 13.11.10 · 15:45 Uhr· 8 Kommentare
12. November 2010
Video: So trinken Katzen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Bisher glaubte man, dass Katzen ebenso wie Hunde trinken - indem sie ihre Zunge zu einem "Löffel" formen und damit dann die Flüssigkeit anheben. Aber beim genaueren Hinschauen mit Hochgeschwindgkeitsvideo haben Forscher am MIT, Virginia Tech und der Princeton University nun festgestellt, dass Katzen - egal, ob der heimische Stubentiger oder wilde Großkatzen - keineswegs ihre Getränke löffeln, sondern lediglich mit der Oberfläche ihrer Zunge eine kleine Flüssigkeitssäule hochziehen, die dann - dank der Trägheit - lange genug "stehen" bleibt, dass die Katze sie "aufessen" kann. Das klappt, da die Katzenzunge schneller lecken als die Schwerkraft die Flüssigkeitssäule kollabieren kann. Wer mehr dazu wissen will, kann es hier in der aktuellen Ausgabe von Science nachlesen und das folgende Video ansehen:
Autor: Jürgen Schönstein· 12.11.10 · 16:55 Uhr· 5 Kommentare
Warum große Menschen sparsamer laufen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 11
... ist eine Frage, die man sich vielleicht wirklich mal stellen kann. Denn spätestens seit Max Kleibers Gesetz über den Zusammenhang zwischen Stoffwechselrate und Körpermasse gibt es ja eine wissenschaftliche Erklärung dafür, dass große Lebewesen weniger Energie, relativ zu ihrer Körpermasse verbrauchen als kleine. Also muss das doch auch die Erklärung für die - Eltern sehr vertraute - Beobachtung sein, dass Kinder beim Laufen schneller müde werden als Erwachsene, oder? Die Antwort, die der Physiologe und Biomechaniker Peter G. Weyand von der Southern Methodist University in Dallas gefunden und in der aktuellen Ausgabe des Journal of Experimental Biology veröffentlicht hat, ist eigentlich so un-überraschend, dass ich mich hier gar nicht lange mit der methodischen Beschreibung aufhalten will: Nein, große Menschen sind in ihrer inneren Funktionsweise nicht wirklich energiesparender als kleine - für jeden Schritt verwenden beide ziemlich genau die gleiche Energiemenge. Aber weil große Menschen eben groß sind, das heißt, längere Beine haben, brauchen sie für die gleiche Strecke weniger Schritte, ergo weniger Energie. Und das ist das ganze Geheimnis ...
Autor: Jürgen Schönstein· 12.11.10 · 14:59 Uhr· 11 Kommentare
11. November 2010
"Natural Hazards, UnNatural Disasters"
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 3
Unter diesem Titel (zu Deutsch etwa: Natürliche Risiken, un-natürliche Katastrophen) hat die Weltbank, gemeinsam mit den Vereinten Nationen, einen Bericht über die "Wirtschaftlichkeit der effektiven Vorbeugung" vorgelegt (eine offizielle Zusammenfassung des Berichts kann man sich hier anschauen). Wenn ich die Zeit finde, werde ich gerne etwas ausführlicher über den Bericht schreiben; an dieser Stelle will ich mich mit ein paar An- oder Bemerkungen begnügen: Erstens konstatiert der Bericht ganz zu Recht, dass das, was wir oft als Naturkatastrophen bezeichnen, im Kern die Folgen politischer oder sozialer Phänomene sind - Erdrutsche als Folge massiver Abholzungen, die wiederum durch Armut und mangelnde ökonomische Alternativen bedingt sein können, etc. Zweitens lassen sich diese Risiken oft kostenneutral oder sogar mit Einsparungspotenzialen bekämpfen:
The report examines government expenditures on prevention and finds that it is generally lower than relief spending, which rises after a disaster and remains high for several subsequent years. But effective prevention depends not just on the amount but on what funds are spent on.Und letztlich ein Wort zu den Kosten selbst: In den Jahren 1970 bis 2008 addierten sich die materiellen Schäden aus sochen "Natur"-Katastrophen auf 2.300 Milliarden US-Dollar (was einem jährlichen Durchschnitt von 127,8 Milliarden Dollar entspricht); bis zum Ende des laufenden Jahrhunderts schätzt der Bericht die zusätzlichen jährlichen Kosten, die allein durch Surmschäden als Folge der Klimaveränderung entstehen werden, irgendwo zwischen 28 und 68 Milliarden Dollar.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.11.10 · 17:35 Uhr· 3 Kommentare
Was wollen Wähler in Alaska?
Kategorie: Politik · Kommentare: 1
Dies ist keine Fortsetzung/Replik/Erweiterung der Frage nach dem Wählerwillen und -Nutzen, die Ali nebenan gestellt hat, sondern eine sehr konkrete, vor der die Wahlbehörde - und auch die Gerichte - in Alaska stehen. Denn die Entscheidung darüber, ob nun der rapublikanische Tea-Party-Kandidat Jim Miller oder seine (ebenfalls republikanische, aber von der Partei nicht nominierte) Komkurrentin und aktuelle Amtsinhaberin Lisa Murkowski als Senator nach Washington gehen wird, hängt von der Frage ab, ob der Wählerwille nur dann zum Ausdruck kommt, wenn er orthographisch korrekt geschrieben wurde. Was letztlich die Wahlentscheidung zu einer Funktion des Bildungssystems machen würde - wer nicht schreiben kann, dessen Stimme zählt auch nicht.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.11.10 · 14:33 Uhr· 1 Kommentar
Studie: Rauchverbot schützt vor Frühgeburten
Kategorie: Medizin · Kommentare: 10
Na, wenn das mal kein Trollfutter ist: Ein Vergleich der Frühgeburtenraten zweier Kommunen in Colorado - Pueblo, wo im Juli 2003 ein Rauchverbot in Büros und Gaststätten eingeführt wurde, und El Paso County, wo erst drei Jahre später durch ein landesweites Gesetz das Rauchen entsprechend beschränkt wurde - fand eine Verringerung des Frühgeburten-Risikos durch dieses Rauchverbot um 23 Prozent. Durchgeführt wurde diese Studie, unter der Leitung von Robert Lee Page, an der School of Pharmacy der University of Colorado in Denver; präsentiert wurde sie auf der am Dienstag beendeten138. Jahrestagung der American Public Health Association in Denver.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.11.10 · 05:27 Uhr· 10 Kommentare
10. November 2010
Rechnen macht reich
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 5
In ihrer Schlichtheit ist diese Erkenntnis, die man aus dem Paper über Financial Decision Making and Cognition in a Family Context ableiten kann, das James P. Smith von der RAND Corporation gemeinsam mit den Professoren John McArdle (University of Southern California) und Robert Willis (University of Michigan) in der November-Ausgabe des Economic Journal beinahe trivial. Ein bisschen mehr steckt da aber - soweit ich dies aus der RAND-Pressemitteilung lesen kann - schon drin: Ehepaare, bei denen beide Partner über gute Rechenfähigkeiten ("Numeracy" im Englischen, parallel formuliert zur Lesefähigkeit, der "Literacy") verfügen, sind im Schnitt, wenn sie in die "mittleren Jahre" kommen, deutlich wohlhabender als Paare, in denen beide schon bei einem angeblich simplen Rechentest mit drei Fragen (konkreter finde ich es leider nicht) daneben hauen - 1,7 Millionen Dollar Familienvermögen bei denen, die Rechnen können, nur 200.000 bei denen, die es nicht können. Und falls jetzt jemand vermutet, dass hier halt eine besondere Zahlenbegabung gefordert sei: Die Autoren definieren "Numeracy" als die Rechenfähigkeit, die man normaler Weise in der Schule erworben haben sollte:
Numeracy is the ability to reason with numbers and other mathematical concepts, and are skills typically learned during school.
Autor: Jürgen Schönstein· 10.11.10 · 15:03 Uhr· 5 Kommentare
09. November 2010
Wissenschaft ohne Wissenschaftler
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 14
Das, so schreibt der Mathematikprofessor Steven Strogatz von der Cornell University in der heutigen Science-Beilage der New York Times (die sich mit wissenschaftlichen Prognosen und Einschätzungen für das Jahr 2011 beschäftigt), könne schon sehr bald die Zukunft sein:
"We're going to see scientific results that are correct, that are predictive, but are without explanation. We may be able to do science without insight, and we may have to learn to live without it. Science will still progress, but computers will tell us things that are true, and we won't understand them."
Wir werden wissenschaftliche Resultate sehen, die korrekt sind, die vorhersagbar sind, aber die unerklärt sind. Wir könnten in der Lage sein, Wissenschaft ohne Erkenntnis zu betreiben, und wir werden lernen müssen, ohne diese zu leben. Wissenschaft wird weiterhin voranschreiten, aber Computer werden uns Dinge lehren, die wahr sind, und wir werden sie nicht verstehen.
Autor: Jürgen Schönstein· 09.11.10 · 17:56 Uhr· 14 Kommentare
Brennende Verzweiflung in Afghanistan
Kategorie: Politik · Kommentare: 6
Was treibt einen Menschen dazu, sich selbst in Flammen zu setzen? Wie verzweifelt und ausweglos muss eine Frau sein, die ihrem Mann neun Monate altes Kind in den Arm drückt, sich selbst mit billigem Speiseöl übergießt und anzündet? Ich musste manchmal mit den Tränen kämpfen, als ich den Artikel For Afghan Wives, a Desperate, Fiery Way Out in der New York Times gelesen habe. Ich weiß nicht, ob sich dadurch irgend etwas an der Situation der Frauen dort ändern wird, aber ich empfehle jedem, diese Geschichte zu lesen - auch wenn es manchmal quälend ist. Und nein, mit Wissenschaft hat dieser Beitrag nichts zu tun, nur mit Menschlichkeit.
Autor: Jürgen Schönstein· 09.11.10 · 02:28 Uhr· 6 Kommentare
07. November 2010
Andere Sprache - anderes Denken
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 29
Darüber, dass Sprache ein Vehikel der Vorurteile ist, will ich hier gar nicht erst streiten - das setze ich jetzt einfach mal als akzeptabel voraus. Die entscheidende Frage - über die wir hier und hier auch schon intensivst aneinander vorbei diskutiert haben - dabei ist nur: Ist die Sprache der Passagier in einem von Vorurteilen gesteuerten Vehikel, oder hat umgekehrt die Sprache das Steuer in der Hand und fährt die Vorurteile dahin, wo es ihr passt? (Wiederum keine Frage sollte sein, dass diese Metapher ziemlich scharf am stilistischen Straßengraben entlang schrammt - dafür bitte ich um Nachsicht.) Laut einem neuen Paper, das im Journal of Experimental Social Psychology sitzt die Sprache am Steuer - sie transportiert nicht nur die Vorurteile, sie bestimmt sie auch.
Autor: Jürgen Schönstein· 07.11.10 · 17:46 Uhr· 29 Kommentare
06. November 2010
Lesetipp: "Cancer World" (The New Yorker)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 2
Der Untertitel "The Making of a Modern Disease" - wie eine moderne Krankheit gemacht wird - hatte meine Aufmerksamkeit für diesen Artikel im aktuellen New Yorker gefangen. Krebs, eine Krankheit, die wir uns gemacht haben? Vielleicht nicht die Krankheit selbst, obwohl Umweltgifte und karzinogene Konsum-Sünden gewiss eine große Rolle spielen. Aber vor allem ist die Verbreitung von Krebs heute auch eine Funktion davon, wie viele andere (und für frühere Menschheitsgenerationen viel bedrohlichere) tödliche Krankheiten wir so weit zurück gedrängt haben, und um wie viel wir heute älter werden als beispielsweise unsere Vorfahren noch vor hundert Jahren - beides scheint die Wahrnehmung (und Wahrscheinlichkeit) zu begünstigen, dass Krebs eine moderne Zivilisationskrankheit ist. Der Artikel ist im Wesentlichen eine Rezension des Buches The Emperor of all Maladies: A Biography of Cancer des Krebsspezialisten Siddharta Mukherjee, das am 16. November in den USA erscheinen wird; geschrieben wurde der Artikel vom Harvard-Wissenschaftshistoriker Stephen Shapin. Und es geht ihm nicht nur darum, dass Krebs unser Leben verändern kann, sondern auch das Leben ohne Krebs heute ganz anders wahrgenommen wird:
This is the world of the cancer "risk factor": of the Pap smear; the annual mammogram; the prostate-specific antigen test; the colonoscopy; the wait for the results of biopsies of polyps removed in the colonoscopy; the daily dose of Prilosec taken because frequent heartburn is thought to be a risk factor for esophageal cancer; even the world of knowing one's personal genome and the world of the prophylactic mastectomy.Und dieser Zustand einer permanent vom Krebs terrorisierten Gesellschaft, so fürchtet Shapin, sei eine sehr ernst zu nehmende Gefahr:
The risk-factor world holds out hope for avoiding cancer while recruiting masses of us into the anxious state of the "precancerous."
A world in which cancer is normalized as a manageable chronic condition would be a wonderful thing, but a risk-factor world in which we all think of ourselves as precancerous would not. It might decrease the incidence of some forms of malignancy while hugely increasing the numbers of healthy people under medical treatment. It would be a strange victory in which the price to be paid for checking the spread of cancer through the body is its uncontrolled spread through the culture.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.11.10 · 05:56 Uhr· 2 Kommentare
05. November 2010
Und wenn Gott ein Wissenschaftler wäre ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 145
Diese nicht ganz wörtlich gemeinte Frage schoss mir schon manchmal durch den Kopf, zuletzt bei meinen Anmerkungen zum neuen Stephen-Hawking-Buch "The Grand Design", in dem eine göttliche Ursache des Universums als nicht nötig befunden wird. Sind "Gott" und "Wissenschaft" auch nur irgendwie vereinbar? Ich bin kein Historiker und kein Philosoph, schätze aber, dass sich die Kluft, die zwischen einer religiösen und einer wissenschaftlichen Weltsicht zu bestehen scheint, im frühen 17. Jahrhundert aufgetan und seither stetig erweitert hat. Dass ausgerechnet ein Domherr und Doktor des Kirchenrechts, Nikolaus Kopernikus, und ein päpstlicher Protegé namens Galileo Galilei im Zentrum dieses scheinbar antireligiösen Konflikts standen, verleiht dem Ganzen eine besondere Pointe.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.11.10 · 16:37 Uhr· 145 Kommentare
Hart verdientes Brot schmeckt besser
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 5
Na, das klingt doch wie die moralischen Belehrungen zahlreicher Eltern- und Großelternegenerationen an ihre vom allzu leichten Leben verwöhnten Sprösslinge. Wer hätte gedacht, dass sich so etwas tatsächlich mit einem wissenschaftlichen Paper belegen lässt, das sogar in den Proceedings of the Royal Society B publiziert wurde: Greater effort boosts the affective taste properties of food, oder in eben jenen schlichten Worten, die ich für die Überschrift gewählt habe: Hart verdientes Brot schmeckt besser.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.11.10 · 06:00 Uhr· 5 Kommentare
04. November 2010
Gute Bluffer haben's im Hirn
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 12
"I like to play poker with politicians. They're easy to beat. Sometimes in poker it's smarter to lose with a winning hand so that you can win later with a losing hand. Politicians can't accept that."Ob Politiker wirklich schlechte Bluffer sind, weil sie lieber sofort einen kleinen Vorteil einstreichen als langfristig auf größere Resultate zu setzen - wie nebenstehendes Zitat, des Profi-Pokerspielers Jack Weil (Robert Redford) aus dem Film "Havanna" behauptet - ließe sich, zumindest theroretisch, durch ein paar simple Messungen überprüfen: Ein Paper über Neural signatures of strategic types in a two-person bargaining game, das unter der Federführung des Neurowissenschaftlers Read Montague vom Baylor College of Medicine in Houston (Texas) verfasst und in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist, konnte nachweisen, dass einige Regionen in den Gehirnen erfolgreicher Bluffer ganz anders reagieren als in den Hirnen jener, die sich leicht über den Tisch ziehen lassen. Namentlich handelt es sich dabei um den dorsolateralen präfrontalen Cortex, der auf problemlösendes Denken und Vorausplanung spezialisiert ist, und das Brodmann-Areal Nr. 10 (auch als rostraler präfrontaler Cortex bekannt), wo unter anderem Vorstellunsgvermögen und Ziellerreichung verankert sind.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.11.10 · 05:59 Uhr· 12 Kommentare
03. November 2010
Video: Autogenes Origami
Kategorie: Technik
Auch auf die Gefahr hin, dass es schon anderswo zu sehen war, finde ich dieses Video über programmierbares Selbst-Origami unterhaltsam genug, um es hier zu posten (ich war auf der Suche nach anderem Stoff auf der Seite der Proceedings of the National Academy of Sciences zufällig darüber gestolpert):
Autor: Jürgen Schönstein· 03.11.10 · 20:05 Uhr· 0 Kommentare
Wahlnachlese USA: Ein Sieg für Obama?
Kategorie: Politik · Kommentare: 10
Nee, nun wirklich nicht. Das wäre eine zu große Überdosis an Spin-Doctoring. Der Mehrheitsverlust der Demokraten im Abgeordnetenhaus ist definitv eine Folge der Geschehnisse (beziehungsweise Nicht-Geschehnisse, wie zum Beispiel politischer Führung oder einer spürbaren Erholung auf dem Arbeitsmarkt) in den ersten beiden Obama-Amtsjahren. Aber in gewisser Weise kann Obama für diesen Denkzettel dankbar sein - und damit hätte das Wahlergebnis doch etwas Positives für ihn.
Autor: Jürgen Schönstein· 03.11.10 · 13:42 Uhr· 10 Kommentare
02. November 2010
Wahltag in den USA: irr- oder rational?
Kategorie: Politik
Heute wird in den USA gewählt, und obwohl Obamas Name auf keinem Stimmzettel, keiner Wählerliste steht, wird diese Wahl als eine Art Volksentscheid für seine Politik bewertet. Wie ich das einschätze, kann man hier nachlesen, und dass diesen Wahlen ein gewisser Irrsinn anhaftet, hier (sorry für die Eigenwerbung, aber als neuerdings freier Journalist muss ich halt ab und zu mal für mich selbst trommeln - wird aber nicht oft vorkommen). Doch da ich einerseits auf meinem Routineweg durch die Stadt erstens gleich an drei Wahllokalen vorbei kam und etwa ein Fünffaches dessen, was so ein Wahlvorgang an Zeit fordern würde, allein an roten Ampeln gestanden habe (was meine potenziellen Opportunitätskosten auf praktisch Null reduziert hätte), ich andererseits hier als Nicht-Staatsbürger auch nicht wählen kann, was ich durchaus als einen Verlust empfinde (ich muss noch mindestens fünf Jahre warten, bis ich überhaupt an eine Doppelstaatsbürgerschaft denken kann), kann ich es mir nicht verkneifen, einfach noch mal auf eine alte, lange und eigentlich immer noch offene Diskussion über die (Irr-)Rationaltät des wählen Gehens zu verlinken: Wählen gehen ist irrational, Wählen gehen ist rational und Der Strohmann in der Wahlkabine.
Und nein, ich habe keine neuen Argumente, will auch keine Fortsetzung der Diskussion anregen, sondern nur durch Nachlesen (inklusive aller Kommentare, wer Zeit hat) zum Nachdenken animieren.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.11.10 · 17:16 Uhr· 0 Kommentare
Ei, Robot: Ein blecherner Mann im Mond
Kategorie: Technik · Kommentare: 4
Wenn die "Discovery" endlich zur 133. Shuttle-Mission abhebt (der Start ist nun für 15:52 Ortszeit am Mittwoch, dem 3. November, geplant), wird auch ein"Astronaut" zur Internationalen Raumstation mitfliegen, der direkt aus der Comicserie "Die Jetsons" stammen könnte, mit seinem kräftigen Oberkörper, aber ohne Beine, gut für die Hausarbeit und ansonsten anspruchlos: Der Robonaut 2 - kurz R2 (ha, ein Sieg für die StarWars-Fans!) - wird von jetzt an zur Dauerbesatzung der Raumstation gehören. Der "Android" (menschenähnlicher Roboter), der von der Nasa gemeinsam mit General Motors entwickelt wurde, könnte der Mondfahrer der Zukunft sein: Nach eigenen Angaben bräuchten die Ingenieure weniger als drei Jahre, um den Blechmann so aufzurüsten, dass er (dann natürlich mit Beinen) den Mond betreten könnte. Und die Kosten einer solchen "künstlich bemannten" Mission lägen bei einem Bruchteil dessen, was es kostet, Menschen zum Mond und zurück zu schicken - vielleicht eine halbe Milliarde Dollar (gute 200 Millionen für den Robonaut, und noch einmal runde 250 Millionen für die Rakete), statt der erwarteten 150 Milliarden Dollar für bemannte Missionen. ![]()
Der Robonaut2 (links); Foto: Nasa
Autor: Jürgen Schönstein· 02.11.10 · 14:03 Uhr· 4 Kommentare
01. November 2010
Kaninchenfutter bremst Östrogen
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 6
Ich bin bestimmt nicht der einzige, den die Verwendung der Begriffe "Kaninchen" und "Östrogen" in einem Satz eher an Fruchtbarkeit als an Umweltschutz denken lässt. Um so überraschter war ich, als ich hier lesen konnte, dass es einer Forschergruppe der University of Cincinnati gelungen ist, durch den Zusatz von Kaninchenfutter in Kläranlagen den Östrogengehalt im Abwasser deutlich (= zu rund 80 Prozent) zu reduzieren. Wer einen Abo-Zugang oder genug Kleingeld hat, kann das Paper in Environmental Pollution hier anfordern. Wobei mich weniger die Lösung überrascht hat, als erst mal überhaupt das Problem (das Biologen sicher längst bekannt ist): Nicht nur synthetischen Östrogene (durch "entsorgte" Pillen und Medikamente, beispielsweise), sondern auch das natürlich vorkommende Hormon belastet, bedingt allein schon durch die Masse an selbiges ausscheidenden Menschen, die Gewässer derart, dass es zu Missbildungen bei Fischen kommt. Wenn sich das durch ein paar Schaufeln voll Kaninchenfutter im Klärtank beheben ließe, dann wäre dies eine sehr patente Lösung.
Autor: Jürgen Schönstein· 01.11.10 · 16:05 Uhr· 6 Kommentare
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