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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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14.10.10 · 05:40 Uhr
Wer für Forschung ist, hat bessere Chancen bei US-Wahlen
Kategorie: Politik · Kommentare: 6
Das würde ich erst mal für einen Moment so stehen lassen, denn das ist ja fast zu schön, um wahr zu sein. Einen Augenblick also, bitte ...
![]()
Animation: Wikimedia CC
Und nein, damit ist nicht gemeint, mehr Geld in die Rüstungsindustrie - die ja auch gemeinhin unter "Forschung und Technik" rubriziert werden kann - zu stecken.
Fully 91% of Americans think research and development (R&D) is important to their state's economy, and 71% said investing in health research is important for job creation and economic recovery.schreibt die Organisation Research!America über ihre jüngste Umfrage unter 800 Amerikanern.
Ganze 91 Prozent der Amerikaner denken, dass Forschung und Entwicklung wichtig für die Wirtschaft ihres Heimatstaates ist, und 71 Prozent sagten, Investitionen in die Gesundheitsforschung seien wichtig für die Schaffung von Arbeitsplätzen und den wirtschaftlichen Aufschwung.
Wie viele der Befragten dann tatsächlich ihre Stimme bei den Wahlen im November davon abhängig machen werden, welche Einstellung ihr Kandidat oder ihre Kandidatin zur Foschung hat, lässt sich aus Umfragen alleine sicher nicht erkennen. Und wenn schon "nur" 58 Prozent der Aussage zustimmen, dass sie Kandidaten bevorzugen werden, die Bundesmittel für die Schaffung von Arbeitsplätzen (dem wirklich dringendsten Problem der US-Wirtschaft, wie man in dieser Seite-1-Geschichte der New York Times nachlesen kann) einsetzen wollen, dann ist es sicher ein wenig zu optimistisch, der - nachgeordneten - Forschungsförderung wahlentscheidendes Gewicht einzuräumen, wie ich es in der Überschrift getan habe. Aber man darf ja hoffen ...
Und auch wenn die Umfragen einer Organisation, die sich der Forschungsförderung (vor allem auf dem Gebiet Gesundheit) verschrieben hat, gewiss in der Wolle pro Forschung gefärbt sein dürften, so sind sie doch in ihrer Klarheit trotzdem nicht zu ignorieren. Sind sind zum Beispiel
- 88 Prozent überzeugt, dass Grundlagenforschung notwendig ist und von der US-Regierung unterstützt werden sollte
- 87 Prozent halten es für wichtig, dass die USA dem Ziel anderer Länder nacheifern sollten, mindestens drei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung zu stecken
- 74 Prozent der Ansicht, dass Bildung und Ausbildung auf den Gebieten Wissenschaft, Technik (sowohl Technology, also die Forschung und Entwicklung, als auch Engineering, also eher angewandte Technik) und Mathematik einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und dem künftigen Wohlstand ihres Landes leisten.
Und im Gegensatz zu dem, was die Bush-Regierung für den Willen der Öffentlichkeit hielt (und wo Obama immer noch viel Boden gut machen muss), sind ganze 70 Prozent ausdrücklich für die Förderung von emryonaler Stammzellenforschung durch Bundesmittel.
Autor: Jürgen Schönstein· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Naja, zur Glaubwürdigkeit von Meinungsumfragen empfehle ich ja diesen Link (ich hoffe, es ist der richtige, habe keinen Brüllwürfel am Blechkopf):
http://www.youtube.com/watch?v=2yhN1IDLQjo
@MartinB,
Dein Einwand is absolut richtig, deswegen ja auch mein Seitenhieb auf die "gefärbte Wolle" der Auftraggeber. Aber da gerade in der politischen Meinungsbildung fast alles über Umfragen gesteuert wird (zumindest in den USA scheint es mir so), ist es sicher nicht unwichtig, dass auch eine pro-wissenschaftliche Stimmensammlung gehört wird.
... vor allem, weil vor allem die TEA Party - ein Kristallisationskern der Zeitrückwärtsdreher und Weltsicht-Verengten - ausdrücklich gegen mehr Wissenschaftsförderung ist, die Obama ja in seiner Antrittsrede versprochen hatte. Ich hoffe, dieser Link funktioniert: Science could face budget constraints and ideological challenges in a post-midterm Congress
@Jürgen
na klar. Und da die Politiker die Umfragen ja glauben, hilft es vielleicht auch was...
Ich bin halt sehr vorsichtig, seit ich eine tolle Meinungsumfrage in der FAZ vor langer Zeit gelesen hatte:
92% aller Abiturienten stehen moderner technik positiv gegenüber. Befragt wurden Schüler der leistungskurse Mathe, Physik, Chemie, Informatik...
Sarah Palin wetterte während ihres Wahlkampfs gegen die staatliche Förderung an Fruchtfliegen und stellt alles so da, als sei diese Forschung vollkommen sinnlos, aber sie verschwieg, dass diese Forschung zu den Grundlagenforschungen gehört. Jetzt gibt es eine Erklärung, warum sie die Wahl verlor.
http://www.scienceblogs.de/zoonpolitikon/2008/10/wer-will-schon-geld-fur-fruchtfliegen-ausgeben.php
@Martin:
Das ist eine der Grundregeln, die man im ersten Semester gelehrt bekommt: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast...