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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv Oktober 2010
29. Oktober 2010
Goodbye, Discovery!
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 1
Zum "Aufwärmen" für den letzten Flug des Space-Shuttle Discovery, der nach bisheriger Planung am 1. November nun voraussichtlich am 2. November starten wird (und als Video zum Wochenende) hier der "Nachruf" der Nasa:
Autor: Jürgen Schönstein· 29.10.10 · 18:59 Uhr· 1 Kommentar
27. Oktober 2010
... und am Hirn liegt's auch nicht
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 78
Der angebliche Unterschied zwischen Mann und Frau ist hier gemeint. Aus Zeitgründen kann ich leider keine ausführliche Fortsetzung meines vorangegangenen Postings über Frauen und Mathe schreiben, sondern heute mal nur auf den Artikel From Scanner to Sound Bite: Issues in Interpreting and Reporting Sex Differences in the Brain verlinken, der ebenfalls in den Current Directions in Psychological Science erschienen ist (wer nicht über den Abstract hinaus kommt, kann sich hier eine ausführlichere Zusammenfassung des Verlages anschauen). Darin erklärt die australische Psychologin und Buchautorin Cordelia Fine, dass den als "Belege" für phyiologische Unterschiede in Männer- und Frauenhirnen zitierten Hirnscan-Studien nicht zu trauen ist, da sie oft auf zu kleinen Stichproben beruhen und die angeblichen Differenzen eher den Forscherbias reflektieren. Vor den Unzuverlässigkeit der Hirn-Scans hatte ja erst kürzlich mein Bloggerkollege Christian Reinboth gewarnt, und zu den nicht auffindbaren Unterschieden im Gehirn hatte ich vor einiger Zeit schon ein längeres Gespräch mit der Sozialmedizinerin Rebecca Jordan-Young geführt, das hier in FOCUS Online nachzulesen ist: Die Suche nach dem kleinen Unterschied.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.10.10 · 22:19 Uhr· 78 Kommentare
Frauen und Mathe: Eine Frage des Wollens, nicht des Könnens, oder ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 16
Moment mal! Gibt's da nicht noch eine dritte Möglichkeit? Etwa so wie "eine Frage des Nicht-Dürfens" oder "Nicht-Gelassenwerdens", zum Beispiel? Da komme ich später noch drauf. Erst mal zum Nicht-Können: Dass dies ausgeschlossen werden kann, muss man eigentlich gar nicht mehr lange diskutieren. Aber es gibt immer noch Verfechter der vom damaligen Harvard-Boss Larry Summers bisher am prominentesten verkündete These, dass Frauen irgendwie biologisch weniger zu mathematischen Leistungen begabt seien (wer die genaue Stelle sucht: 2. Absatz, dritter Satz). Und darum lassen wir gleich mal die Zahlen zu Wort kommen: 46 Prozent, also knapp die Hälfte, aller Studienplätze in Undergraduate-Mathematik sind von Frauen besetzt; bis zum Doktortitel nimmt der Frauenanteil zwar schon auf 30 Prozent ab, aber das liegt immer noch weit über dem Anteil der Frauen auf Lehrstühlen - im Schnitt liegt dieser in stark mathematisch geprägten Fächern an den 100 besten US-Hochschulen unter zehn Prozent, für Mathematik selbst zum Beispiel bei gerade mal 7,1 Prozent. All diese Zahlen stammen aus einem neuen Paper zum Thema Sex Differences in Math-Intensive Fields, das in der aktuellen Ausgabe der Current Directions in Psychological Science erschienen ist.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.10.10 · 05:43 Uhr· 16 Kommentare
25. Oktober 2010
Einstein, der Top-Verdiener
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Das Klischee von materiell anspruchslosen Wissenschaftler ist sicher ebenso falsch wie das Image vom "wahren" Künstler als armem Schlucker (ich erinnere hier nur an die Münchner Malerfürsten). Aber dass man als Akademiker mit Reichtümern überschüttet wird, würde auch niemand ernsthaft behaupten wollen. Klar kann man es durch Wissen(schaft) zum Multimillionär oder -Milliardär bringen - wenn man seine Ideen beispielsweise in einer eigenen Firma vermarktet, wie etwa der ehemalige MIT-Professor Amar Bose, oder noch besser gleich einen Hedgefonds startet, wie der Mathematiker und Multimilliardär James Simons. Mit Forschung und Lehre alleine sind solche Wohlstandsgipfel jedoch nicht zu erstürmen - selbst ein Nobelpreis macht einen Forscher heute nicht mehr über die Maßen wohlhabend: Die rund eine Million Euro entsprächen beim derzeitigen Dollarkurs vielleicht mal dem Siebenfachen eines Harvard-Professorengehalts, und wenn man die dann noch mit zwei weiteren Preisträgern teilen muss, reicht's am Ende kaum noch, um sich wenigstens ein Häuschen davon zu kaufen. Und doch schaffte es der vielleicht urtypischste aller leicht verschrobenen Akademiker auf einen vorderen Platz in der aktuellsten Forbes-Topverdiener-Liste - allerdings nur, weil er tot ist: Albert Einstein steht, mit einem Verdienstpotenzial von zehn Millionen Dollar, auf Platz Acht der Top-Earning Dead Celebrities.
Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.10 · 23:15 Uhr· 3 Kommentare
US-Studie: Briefwahl reduziert Wahlbeteiligung
Kategorie: Politik · Kommentare: 2
Kleine Korrektur zur Überschrift: Es geht in dieser Studie, streng genommen, nicht nur um Briefwahl, sondern um die grundsätzliche Möglichkeit, seine Stimme schon vor dem eigentlichen Wahltag abzugeben, und die wird in 32 US-Bundesstaaten nebst dem hauptstädtischen District of Columbia nicht nur in Briefform, sondern auch in so genannten Early Voting Centers (der Link führt zu einer Liste für die Stadt Chicago) angeboten. Die Idee dahinter ist, das Wählen so leicht wie möglich zu machen (Arizona, California, Colorado, Hawaii, Montana, New Jersey, Utah, Washington und der District of Columbia gestatten sogar, sich permanent als Briefwähler registrieren zu lassen, und in Hawaii, Minnesota, Nevada und West Virginia bezahlt der Staat sogar das Porto) und so die Wahlbeteiligung, die in den USA immer ein Grund zur Sorge ist, zu erhöhen.
Autor: Jürgen Schönstein· 25.10.10 · 17:48 Uhr· 2 Kommentare
22. Oktober 2010
Sprachliche Durchschlagskraft der Wissenschaft
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Die Details in diesem Paper über A Language-based Approach to Measuring Scholarly Impact sind in meinen Augen zwar teuflisch kompliziert (bei Gleichungen die so aussehen
und Begriffen wie "variational Kalman filter" habe ich meine sichere Schwimmtiefe längst verlassen ...) - aber im Prinzip ist es auch wieder ganz einfach, was sich die beiden Princeton-Computerwissenschaftler David M. Blei und Sean Gerrish ausgedacht (und auf der International Conference on Machine Learning im Juni in Haifa, Israel präsentiert) hatten, um den Impact eines Papers über die Zählung von Nennungen in Literaturverzeichnissen hinaus zu messen: Je bahnbrechender eine Arbeit war, desto wahrscheinlicher ist es, dass deren Formulierungen oder Beispiele in nachfolgenden Arbeiten übernommen werden. Oder, um Gerrish zu zitieren
There might be a paper that introduces the laser, for instance, which is then mentioned in subsequent articles. The premise is that one article introduces the language that will be adopted and used in the future.Genau diesen sprachlichen "Impact-Faktor" wollen Gerrish und Blei messen.
Autor: Jürgen Schönstein· 22.10.10 · 06:02 Uhr· 2 Kommentare
21. Oktober 2010
Ein Grund, warum Klimawandel unmöglich ist
· Kommentare: 14
Wobei "Grund" und "unmöglich" bitte in Anführungszeichen zu setzen sind. Aber in dieser Unumwundenheit, wie sie folgendes Zitat aus der heutigen New York Times beschreibt, habe ich die Position eines (politisch aktiven!) "Klimaskeptikers" bisher noch selten gehört:
"It's a flat-out lie," Mr. Dennison said in an interview after the debate, adding that he had based his view on the preaching of Rush Limbaugh and the teaching of Scripture. "I read my Bible," Mr. Dennison said. "He made this earth for us to utilize."
"Es ist eine glatte Lüge", sagte Dennison in einem Interview nach der Debatte und fügte hinzu, dass er seine Sicht auf die Predigten von Rush Limbaugh und die Lehren der Bibel gestützt habe. "Ich habe meine Bibel gelesen", sagte Dennison. "ER hat die Welt geschaffen, damit wir sie uns nützlich machen."
Norman Dennison ist ein Mitbegründer der Corydon Tea Party in Indiana; die "Lüge" von der er spricht, ist das Statement des demokratischen Kongressabgeordneten Baron P. Hill, der Klimawandel sei "real, und der Mensch verursacht ihn. Das ist unbestreitbar. Und wir müssen etwas dagegen tun."
Autor: Jürgen Schönstein· 21.10.10 · 15:14 Uhr· 14 Kommentare
20. Oktober 2010
Marilyn und Sarah ...
Kategorie: Politik · Kommentare: 4
Auf den ersten Blick scheint ein Hinweis auf den Vergleich, den die Kolumnistin Maureen Dowd in der heutigen New York Times zwischen Marilyn Monroe und Sarah Palin zieht, ein bisschen off-topic hier in den Scienceblogs zu sein. Palin und Monroe - zwei Frauen, die ihre Popularität ihrem Aussehen verdanken ... Aber da wir das Thema Sexismus hier, hier und hier schon gerne und lange diskutieren, fing der Satz
The false choice between intellectualism and sexuality in women has persisted through the ages. There was no more poignant victim of it than Marilyn Monroe.gleich mal meine Aufmerksamkeit ein.
Autor: Jürgen Schönstein· 20.10.10 · 21:29 Uhr· 4 Kommentare
Dürre Aussichten für Mitteleuropa
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 28
Im Jahr 2090 wird mein Sohn 90 Jahre alt sein und sich hoffentlich, dank voraussichtlich besserer medizinischer Versorgung, bei bester Gesundheit finden. Und dann könnte er seinen Enkeln vielleicht von den guten alten Zeiten erzählen, als Deutschland noch keine Wüste war ... Denn wenn sich die bisherigen Erwärmungstrends fortsetzen, dann wird das, was wir bisher "gemäßigte Breiten" nannten und wo wir uns, abgesehen von ein paar verregneten Sommern oder schneematschigen Wintern, bisher noch ganz wohl fühlen, zu einem Streifen der Dürre. Dies berichtet ein Paper, das der Klimaforscher Aiguo Dai vom National Center of Atmospheric Research (NCAR) in der aktuellen Ausgabe der Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change (die Ausgabe ist, während ich dies schreibe, leider noch nicht Online, wird's wohl aber für die Leser schon sein) veröffentlicht hat. Seine Prognose für das Jahrzehnt 2090 bis 2099 im Bild:![]()
Autor: Jürgen Schönstein· 20.10.10 · 20:20 Uhr· 28 Kommentare
19. Oktober 2010
Kansas kann's
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 24
Nehmen wir - nur mal als Gedankenexperiment,bitte! - nehmen wir mal an, die Prognose einer durch menschliches Handeln verursachten weltweiten Erwärmung sei ein Irrtum. Nehmen wir mal an, unser Kohlendioxidausstoß im Allgmeinen und unser Verbrauch an fossilen Brennstoffen im Besonderen hätten keinerlei Auswirkung darauf, ob sich unsere Erdatmosphäre aufheizt. Das in etwa ist doch die Position der Anti-Klimaalarmisten (wie ich sie mal nennen will). Okay, was also, wenn sie recht hätten? Sollten wir dann einfach weiter machen wie bisher?
Autor: Jürgen Schönstein· 19.10.10 · 20:17 Uhr· 24 Kommentare
"Power Paper"
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik·Umwelt
Da geht man zu einer Pressekonferenz am MIT, wo zwei neue Paper vorgestellt werden sollen, und was gibt's zu sehen? "Paper" ... Okay, im Englischen hätte das Wortspiel mit Paper (akademische Publikation) und "Paper" (= Papier) besser geklappt, aber dem ein oder anderen gefällt's vielleicht auch so. Doch es war in der Tat so, dass es bei einer Präsentation an diesem Montag, in Anwesenheit der MIT-Präsidentin Susan Hockfield und von Paolo Scaroni, Vorstandsvorsitzender des italienischen Ölkonzerns Eni, im Prinzip "nur" um Papier ging: Karen Gleason, Professorin für Chemical Engineering, führte superdünne Photovoltaik-Zellen vor, die ihre Arbeitsgruppe durch ein chemisches Verfahren auf normales Transparentpapier "gedruckt" hatte (ist eigentlich kein Druckvorgang, sondern eine fünflagige Beschichtung, aber so dünn, dass das Transparentpapier durch die Photozelle nur etwa ein halbes Prozent an Dicke zunimmt). Für Anwendungen im Freien sicher kaum geeignet, aber die Idee, die Verpackung oder das Gehäuse eines Geräts per Beschichtung zur Energiequelle zu machen, ist schon ganz witzig ... (Ich mach' es mir hier leicht und stelle einfach ein Demonstrationsvideo ein, in dem die Faltbarkeit etc. des Materials anschaulich gemacht wird):
Karen Gleasons Kollege Phil Gschwend hatte in einem Plastikbeutelchen ein geradezu unscheinbares, an Nori (für kulinarisch Unerfahrene: das ist das grünliche, aus Algen hergestellte "Papier", in das japanische Köche ihr Sushi einrollen) erinnerndes Fetzchen mitgebracht, das aus Nanomaterialien hergestellt wurde, die so hochgradig wasserabweisend sind, dass sich dieses "Papier" als idealer Filter für ölverpestetes Seewasser entpuppen könnte (das Öl dringt durch, doch das Wasser bleibt draußen).
Autor: Jürgen Schönstein· 19.10.10 · 05:56 Uhr· 0 Kommentare
"Gutartiger Neid kauft ein iPhone"
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 1
Tja, und ich hatte noch nicht einmal geahnt, dass man Neid nach gut- und bösartig unterscheiden kann. Aber aus dieser Pressemitteilung, die das Journal of Consumer Research verbreitet hat, lerne ich nicht nur, dass es neben der gutartigen Variante - die zumindest anerkennt, dass sich der Beneidete unsere Missgunst verdient hat - auch eine bösartige gibt, die dem Beneideten am liebsten den Spaß verderben würde (um ehrlich zu sein, hätte ich die gutartige Version bisher immer unter "Bewunderung" eingeordnet ...) Und das alles schlägt sich, so die Autoren des Papers über "The Envy Premium in Product Evaluation" im Konsumverhalten nieder: Wer einem anderen "gutartig" das iPhone neidet, der will selbst eins und ist dafür sogar bereit, im Schnitt 80 Euro mehr hinzublättern. Der giftige Neid hingegen veranlasst, dem anderen den Spaß zu vergällen und daher eher zum BlackBerry (= garstige iPhone-Konkurrenz) zu greifen, Schau einer an ...
Autor: Jürgen Schönstein· 19.10.10 · 03:36 Uhr· 1 Kommentar
16. Oktober 2010
Was uns nicht umbringt, das macht uns stärker
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin · Kommentare: 4
Dieser Spruch, der auf einen Satz in Friedrick Nietzsche's Erinnerungsbuch Ecce Homo zurück geht (dort steht er allerdings in der dritten Person: "Was ihn nicht umbringt, macht ihn stärker"), wird oft zitiert - aber stimmt das auch? Wenn man dem Paper Whatever does not kill us: Cumulative lifetime adversity, vulnerability, and resilience glauben darf, das im aktuellen Journal of Personality and Social Psychology erschienen ist, dann hat diese zum Klischee degenerierte Einsicht eine wissenschaftliche Substanz:
Exposure to adverse life events typically predicts subsequent negative effects on mental health and well-being, such that more adversity predicts worse outcomes. However, adverse experiences may also foster subsequent resilience, with resulting advantages for mental health and well-being.schreiben Mark Seery (Psychologie-Professor an der University at Buffalo), Alison Holman und Roxane Cohen Silver (beide von der University of California in Irvine).
Autor: Jürgen Schönstein· 16.10.10 · 07:39 Uhr· 4 Kommentare
14. Oktober 2010
Subtile Zeichen-Sprache
Kategorie: Kultur · Kommentare: 3
Ich komme mir in Cambridge zwar immer noch vor wie ein New Yorker im Exil, aber hier zu leben hat definitiv auch Vorteile. Zum Beispiel habe ich mich heute seit Jahren wieder zum ersten Mal auf dem Fahrrad in den Stadtverkehr getraut. In Manhattan muss man schon sehr wenig Interesse an einer zweistelligen Rest-Lebenserwartung haben, wenn man seinen Drahtesel außerhalb der (dafür allerdings bestens geeigneten) städtischen Parks, allen voran dem Central Park, besteigt. Cambridge hat praktisch auf jeder Straße eine Radfahrspur ausgewiesen. Und auch die Radlerinnen und Radler scheinen - all dies sind subjektive Eindrücke, die mir während des Strampelns durch den behelmten Kopf schossen - sich hier eher an die Verkehrsregeln zu halten. Manche bleiben bei Rot doch tatsächlich stehen! Doch eine nicht ganz legale Straßennutzung wird auch hier oft und gerne praktiziert: das Radeln gegen die Einbahnstraße.
Autor: Jürgen Schönstein· 14.10.10 · 20:20 Uhr· 3 Kommentare
Wer für Forschung ist, hat bessere Chancen bei US-Wahlen
Kategorie: Politik · Kommentare: 6
Das würde ich erst mal für einen Moment so stehen lassen, denn das ist ja fast zu schön, um wahr zu sein. Einen Augenblick also, bitte ...
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Animation: Wikimedia CC
Und nein, damit ist nicht gemeint, mehr Geld in die Rüstungsindustrie - die ja auch gemeinhin unter "Forschung und Technik" rubriziert werden kann - zu stecken.
Fully 91% of Americans think research and development (R&D) is important to their state's economy, and 71% said investing in health research is important for job creation and economic recovery.schreibt die Organisation Research!America über ihre jüngste Umfrage unter 800 Amerikanern.
Ganze 91 Prozent der Amerikaner denken, dass Forschung und Entwicklung wichtig für die Wirtschaft ihres Heimatstaates ist, und 71 Prozent sagten, Investitionen in die Gesundheitsforschung seien wichtig für die Schaffung von Arbeitsplätzen und den wirtschaftlichen Aufschwung.
Autor: Jürgen Schönstein· 14.10.10 · 05:40 Uhr· 6 Kommentare
13. Oktober 2010
Impf-Rechtsprechung vor US Supreme Court
Kategorie: Medizin · Kommentare: 27
Der Fall Hannah Bruesewitz, über den der United States Supreme Court derzeit berät, hat nichts mit den - als unbegründet erwiesenen - Vorwürfen zu tun, dass Masernimpfungen (genauer gesagt, eine Substanz im Impfstoff) die Ursache für Autismus bei Kindern sei. Und doch könnte eine entsprechende Entscheidung der amerikanischen Verfassungsrichter unter Umständen dazu führen, dass die US-Gerichte mit solchen Autismus-Klagen überflutet werden. Ich habe mich zwar in meinem Studium mit Jura befasst - aber nur dem fränkischen und schwäbischen Jura. Wenn es um Rechtsprechung geht, komme ich mit meinem Alltags-Laienwissen schnell an meine Grenzen. Aber wenn ich den Artikel in der New York Times vom Dienstag richtig verstanden habe, dann geht es um Folgendes:
Autor: Jürgen Schönstein· 13.10.10 · 02:55 Uhr· 27 Kommentare
12. Oktober 2010
Menschliches und Tierisches
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 5
War'n langer Tag heute. Und vielleicht ist es mein müdes Hirn, dessen Gedanken nicht mehr jede Kurve kriegen, vielleicht bin ich generell zu empfindlich bei Verniedlichungen in der Wissenschaft - oder vielleicht (und diese Möglichkeit sehe ich genau so reell wie alle vorher genannten) habe ich nur was nicht mitgekriegt. Aber wenn ich an einem Tag gleich nacheinander die Überschriften lese "Dogs may be pessimistic too" (der dazu gehörende Artikel erscheint an diesem Dienstag im Journal Current Biology) und "The monarch butterfly's medicine kit" (der dazu gehörende Fachartikel "Evidence for trans-generational medication in nature" erschien in den aktuellen Ecology Letters) - tja, dann scheint es mir, als ob irgendwo ein Damm gebrochen (oder wenigstens ein spürbares Leck aufgetreten) ist, und Anthropomorphismen sind plötzlich in der Wissenschaft akzeptabel geworden.
Autor: Jürgen Schönstein· 12.10.10 · 05:26 Uhr· 5 Kommentare
11. Oktober 2010
Roboter sind unter uns
Kategorie: Technik
Schade, dass ich's nur via Google-Blog erfahren habe: Sebastian Thrun, Robotik-Professor an der Stanford-Universität und ein Spezialist für selbstfahrende Autos (über den ich bereits zwei Storys geschrieben hatte) und sein Team haben, ohne dies groß anzukündigen, mit finanzieller Unterstützung ihres - geografischen - Nachbarn Google bereits mehrere selbstfahrende Toyota Prius in den Straßenverkehr geschickt. Und zwar nicht nur auf kleine Land- und Nebenstraßen, sondern quer durch San Francisco, über die Golden-Gate-Brücke, den Pacific Coast Highway runter und über den Hollywood Boulevard in Los Angeles. Mehr als 220.000 Kilometer bisher ... Ok, sie werden nicht ganz ohne Aufpasser auf die Straßen geschickt: Hinterm Lenkrad sitzen "geschulte Operatoren" (aus Sicherheitsgründen, außerdem wäre es wohl ziemlich heikel, wenn ein unbemannter Roboter von einer Polizeistreife angehalten würde). Aber mehr als zweihunderttausend Kilometer, ohne dass es jemandem aufgefallen ist - das ist schon eine Leistung. Chapeau!
Foto: Google
Autor: Jürgen Schönstein· 11.10.10 · 03:31 Uhr· 0 Kommentare
07. Oktober 2010
Stereotype - verinnerlicht, und schwer auszudrücken
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur · Kommentare: 13
Das Thema "Stereotype" beschäftigt Blogger und Leser ja schon seit einigen Tagen (hier, hier und hier nachzulesen); im Folgenden geht es aber nicht um Geschlecht, sondern um Ethnie (Amerikaner verwenden hier ja ganz unbekümmert das Wort "Race", das mit "Rasse" nicht ganz eindeutig übersetzt wird, denn unser Wort "Rasse" bezieht sich ausdrücklich NICHT mehr auf Menschen; der Begriff, den wir verwenden, entspricht dem englischen "breed"). Und zwar nicht, wie meistens, um die "Fremdwahrnehmung", sprich Vorurteile gegenüber anderen ethnischen Gruppen, sondern darum, wie man seine eigene Gruppe wahrnimmt. Und da gibt es eine messbaren Diskrepanz zwischen dem, was man darüber sagt und dem, was man empfindet.
Autor: Jürgen Schönstein· 07.10.10 · 18:32 Uhr· 13 Kommentare
06. Oktober 2010
Die Kosten eines Mordes: 17,25 Millionen Dollar
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 11
Klar, erst mal kostet Mord mindestens ein Menschenleben, und das sollte eigentlich von unermesslichem Wert sein. Doch abgesehen davon lassen sich natürlich auch monetäre Folgen berechnen: Die polizeilichen Ermittlungen, das Strafverfahren, die Inhaftierung, aber auch der volkswirtschaftliche Verdienstausfall (Tote arbeiten nun mal nicht) - all das lässt sich in Geld ausdrücken. Eine Gruppe von Studenten der Iowa State University hat sich mal die Daten von 654 Mordfällen mit anschließender Inhaftierung, die ihr Professor Matthew DeLisi bereits im Jahr 2003 für eine frühere Studie in acht US-Bundesstaaten erhoben hatte, genauer vorgenommen und dabei errechnet: Im statistischen Mittel kostete jeder dieser Morde die Gesellschaft 17.252.656 US-Dollar. Im Extremfall können die Folgekosten dieser blutigen Straftat sogar bis 150 Millionen Dollar gehen. Das Paper Murder by numbers: monetary costs imposed by a sample of homicide offenders ist in der aktuellen Ausgabe des britischen Journal of Forensic Psychiatry & Psychology veröffentlich (wer, wie ich, mangels Abo nur den Abstract lesen kann, muss sich mit dieser Uni-Pressemitteilung behelfen).
Autor: Jürgen Schönstein· 06.10.10 · 20:02 Uhr· 11 Kommentare
Mathematische Wettprognosen ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Nein, ich habe mich nicht vertippt, es geht nicht um Wetterprognosen, sondern um Sportergebnisse. Im amerikanischen Major League Baseball, der obersten Profiliga, um genau zu sein. Und eigentlich will ich hier gar keine großen Worte verlieren, sondern jedem Leser selbst überlassen, ob es mathematisch - im wissenschaftlichen Sinn - haltbar ist, bereits zu Beginn der Saison den Tabellen-Endstand (zumindest den Platz 1 der Tabelle) prognostizieren zu wollen. Dazu muss man wissen, dass es selbst für die besten Profis eher ein Glücksfall ist, wenn sie den mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Metern pro Sekunde anfliegenden Ball, der gerade mal einen Durchmesser von knapp 75 Millimetern hat, überhaupt treffen - selbst der beste Hitter aller Zeiten haute in sechs von zehn Fällen daneben. Was aber Bruce Bukiet, Mathematikprofessor am New Jersey Institute of Technology, nicht daran hindert, seit Jahren schon seine mathematisch basierten Saisonvorhersagen zu publizieren. Und dies offenbar mit einem signifikanten Erfolg: In der vergangenen Saison hatte er sechs der acht Teams, die es in die Playoffs schafften, korrekt prognostiziert.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.10.10 · 06:51 Uhr· 1 Kommentar
05. Oktober 2010
Von büffelnden Computern und sprachlichen Missverständnissen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Dies soll nun wirklich kein Sprachblog werden, denn das kann Anatol Stefanowitsch sowieso viel besser. Aber auch ohne dass wir uns hier und nebenan um die Ursachen und Folgen sprachlicher Ambiguitäten behakeln, hätte ich folgende Story aus der New York Times am Dienstag sehr spannend gefunden: Selbst eine der gescheitesten Maschinen, ein Supercomputer namens Nell (für Never-Ending Language Learner), kämpft vergeblich mit Zweideutigkeiten der Sprache. Und scheitert manchmal an Formulierungen, die selbst einem alltagsgebildeten Menschen spontan eindeutig erscheinen.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.10.10 · 20:31 Uhr· 3 Kommentare
Nochmal Sprach-Sexismus: Maskulina = Distanz?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 159
In gewisser Weise ist dies eine Replik auf Martin Bäkers Experiment zum Sexismus in der deutschen Sprache, das seinerseits wiederum einen Gedanken aufgriff, der Martin bei der Lektüre von Ali Arbias Posting zur politischen Korrektheit gekommen war (mal sehen, wer dann wiederum den Faden von meinem Beitrag aufgreift*). Ich war durch eine Pressemitteilung der Göteburg-Universität (für die es hier auch eine deutsche Version gibt) aufmerksam gemacht worden , die auf die Dissertation von Magnus Pettersson über "Geschlechtsübergreifende Personenbezeichnungen. Eine Referenz- und Relevanzanalyse an Texten" hinweist. Pettersson behandelt genau die gleiche Problemstellung wie Martins Experiment: Wenn die deutsche Sprache sowohl weibliche als auch männliche Substantivformen kennt (die Lehrerin/der Lehrer), warum wird dann manchmal eine gesplittete Anredeform ("Liebe Kolleginnen und Kollegen") verwendet, und manchmal die männliche Form ("Proletarier aller Länder ... - dieses Beispiel stammt von mir!) als generischer, scheinbar geschlechtsneutraler Überbegriff?
* Nachtrag: Jörg Rings, und zwar hier: Der Effekt geschlechtsneutraler Sprache
Autor: Jürgen Schönstein· 05.10.10 · 05:00 Uhr· 159 Kommentare
04. Oktober 2010
Kollektive Intelligenz: Cherchez les Femmes!
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 19
Dass die kognitiven und intellektuellen Leistungen einer Gruppe größer sein können (genauer gesagt: zumeist größer sind) als die eines Individuums, ist uns schon lange bekannt. Mit lange meine ich dabei fast zweieinhalb Jahrtausende:
Denn die Menge, von der der einzelne kein tüchtiger Mann ist, scheint doch in ihrer Gesamtheit besser sein zu können als jene Besten; nicht jeder Einzelne für sich, sondern die Gesamtheit, so wie die Speisungen, zu denen viele beigetragen haben, besser sein können als jene, die ein Einzelner veranstaltet.schrieb Aristoteles schon in seinem Werk Politik (zitiert hier aus Staatsdenker der Vormoderne von Rudolf Weber-Fas). Warum also noch mal daruf eingehen? Nur weil in der aktuellen Ausgabe von Science ein neues Paper über "Evidence for a Collective Intelligence Factor in the Performance of Human Groups" erschienen ist?
Autor: Jürgen Schönstein· 04.10.10 · 19:03 Uhr· 19 Kommentare
03. Oktober 2010
NY Times: Menschenversuche mit Syphilis in Guatemala
Kategorie: Medizin · Kommentare: 13
Die Sache geschah zwar schon vor mehr als 60 Jahren, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass nicht schon auch damals - in den 40-ern - diese Art von Menschenversuchen gegen dass allgemeine Anstandsempfinden (und auch gegen das allgemeine Rechtsbewusstsein) verstießen: U.S. Infected Guatemalans With Syphilis in 40's, berichtet die New York Times in ihrer Samstagausgabe. Es geht darum, dass amerikanische Ärzte herausfinden wollte, ob sich Penicillin nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Vorbeugung von Syphilis-Infektionen einsetzen ließe. Und zu diesem Zweck
the National Institutes of Health, even paid for syphilis-infected prostitutes to sleep with prisoners, since Guatemalan prisons allowed such visits. When the prostitutes did not succeed in infecting the men, some prisoners had the bacteria poured onto scrapes made on their penises, faces or arms, and in some cases it was injected by spinal puncture.- jawohl, nicht etwa ein paar durchgeknallte und an akutem Ethikdefizit leidende Forscher, sondern die staatlichen Gesundheitinstitute NIH steckten dahinter. Den Einsatz von als infiziert bekannten Prostituierten finde ich dabei schon doppelt perfide ....
Autor: Jürgen Schönstein· 03.10.10 · 01:41 Uhr· 13 Kommentare
01. Oktober 2010
Video: Achtarmige Verwandlungskünstler
Kategorie: Naturwissenschaften
Oktopoden sind einfach faszinierend. Sie können Fußballergebnisse vorhersagen oder Werkzeuge benutzen, und sie sind, wenn man so will, die Verwandlungskünstler der Meere, wie folgendes Video zeigt:
Autor: Jürgen Schönstein· 01.10.10 · 13:27 Uhr· 0 Kommentare
Klatsch als - irre? - Kommunikationsstrategie
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 4
Ich treibe mich ja neuerdings öfter im Umfeld des Massachusetts Institute of Technology herum (die Gründe dafür hatte ich ja hier schon etwas näher beschrieben), und durch Zufall stieß ich dort auf eine Vortragsankündigung: How Fast is Robust Gossip? Geschwindigkeitsmessung für Klatsch, dazu noch einen, der sich als robust erweist? Das klang schräg genug, um Spaß zu machen, und da ich an diesem Mittwoch mangels größerer Aufträge ein paar freie Stunden hatte (ob daher wohl die Bezeichung "freier Journalist" stammt?), erlaubte ich mir - nein, natürlich holte ich mir beim Veranstalter die Erlaubnis - mal in die Präsentation reinzuhören, die der Doktorand Dan Alisthar von der École Polytechnique Fédérale de Lausanne hier am Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) des MIT gab. Natürlich hatte ich mich vorher schlau gemacht und gelernt, dass es hier nicht um Klatsch und Tratsch beim Frisör geht, sondern dass "Gossip" ein Datenübertragungsprotokoll ist, das auch als "Randomized Information Exchange" bezeichnet wird. Und natürlich hatte ich mich mit dem Thema überhoben - spätestens bei n log n oder O(n log3 n) ließ mich meine Oberstufenmathematik im Stich. Wer mehr über das Thema erfahren will, muss sich also das dem Vortrag zu Grunde liegende - und gewiss grundsolide - Paper hier als pdf anschauen ...
Autor: Jürgen Schönstein· 01.10.10 · 05:00 Uhr· 4 Kommentare
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