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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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28.09.10 · 17:10 Uhr
8000 Tote, weil Flugzeuge FLIEGEN ...
Kategorie: Technik·Umwelt · Kommentare: 11
Genau! Nicht die Todesopfer durch Abstürze sind hier gemeint, denn das sind erheblich weniger - 685 im Jahr 2009, um genau zu sein. Hier geht es um die Todesopfer, die jährlich indirekt durch den Flugverkehr, genauer gesagt: durch die daraus resultierende Luftverschmutzung verursacht werden. Die Zahl stammt aus dem Paper Global Mortality Attributable to Aircraft Cruise Emissions, das von dem MIT-Aeronautiker Steven Barrett und Kollegen, u.a. von der University of Cambridge, verfasst und in der aktuellen Ausgabe von Environmental Science & Technology publiziert wurde.
Bei den Emissionen, die Barrett und seine Kollegen analysiert haben, handelt es sich übrigens nicht um jene, die bei Start und Landung entstehen, sondern ausgerechnet um die Schadstoffe, die in der Reiseflughöhe von 35.000 Fuß (ca. 10.700 Metern) ausgestoßen werden. Also jene Emissionen, die biser als unbedenklich oder zumindest nicht regulierungsbedürftig angesehen wurden. Aber allein schon aus der Tatsache, dass Starts und Landungen nur einen Bruchteil der jeweiligen Betriebszeit eines Flugzeuges ausmachen und 90 Prozent des Sprits in den unregulierten Luftschichten über 1000 Meter verbrannt werden, ergibt sich, dass der Langstrecken-Ausstoß rund 80 Prozent aller Flugzeug-Schadstoffemissionen ausmacht.
Der Haken ist nur, dass sich diese Emissionen an der Tropopause über den Globus "verschmieren", also nicht unbedingt dort messbar werden, wo sie abgegeben wurden. Barrett und seine Kollegen fanden durch Messungen und Computersimulationen heraus, dass diese Schadstoffe (primär Schwefel- und Stickoxide) 1. in der Tat bodennahe Schichten erreichen und 2. vor allem in den dicht besiedelten Regionen Asiens, namentlich in Indien und China, den größten Schaden anrichten: Hier schreiben sie den Flugzeug-Abgasen rund 3500 Tote (womit Personen gemeint sind, deren Leben durch die Gesundheitsschäden als Folge der Immissionen frühzeitig beendet wurde) jährlich zu. Denn diese Stick- und Schwefeloxide haben, wie die Forscher berichten, die Eigenschaft, sich mit dem in der dortigen Landwirtschaft besonders intensiv eingesetzten Ammoniak zu einem letzlich tödlichen Feinstaub zu verbinden.
Autor: Jürgen Schönstein· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (11)
mmmhh, ja, verstehe. und mit wie vielen Toten muß man rechnen, weil wir hier im Norden so gerne den Joghurt von Weih... ähh aus Bayern essen? Die LKW-Abgase müssen doch auch irgendjemanden schaden, oder? Von italienischen Dosentomaten oder griechischem Olivenöl will ich gar nicht erst reden. Sizilianische Weintrauben oder türkische Aprikosen sind auch sehr transportintensiv, ebenso afrikanische Buschbohnen
und Weine aus Südafrika... umpf, mir wird schlecht.
Das Leben an sich ist tödlich, ich würde mich gar nicht mehr aus dem Haus trauen, wenn ich nicht wüsste das zu Hause die meisten Menschen sterben...
Ebenso viele Menschen sterben jedes Jahr aufgrund von Meldungen über "wissenschaftliche" Erkenntnisse, die nur deshalb jeder Überprüfung standhalten, weil sie nicht überprüfbar sind.
Oder welche Beobachtungen müsste ich machen, um die Behauptung von den 8000 Toten zu widerlegen?
@miesepeter3
Ja, klar. Siehe auch hier.
Stimmt. Aber die Frage ist ja nicht "ob", sondern "wann" und "wie".@Anhaltiner
Keine Bange, Sie müssen hier gar nichts machen.@Sven Türpe
@Alle
8000 Menschen sind im Vergleich zur Weltbevölkerung und den alltäglichen Risiken, denen wir ausgesetzt sind, keine sooo dramatische Zahl (vermutlich sterben jährlich viel mehr beim Sex oder weil sie sich an ihrem Lieblingsessen verschluckt haben). Zweck einer solchen Analyse - die natürlich eine rein statistische ist, also keine konkreten Totenscheine vorweisen muss - ist doch vor allem erst mal, die Tragweite eines bisher als unbedenklich eingestuften Problems zu demonstrieren. Dass es für uns am Boden eben nicht folgenlos ist, wenn Jet-Abgase in die oberen Luftschichten gepustet werden.
@ s. türpe (ich weigere mich, diesen Namen orthographisch korrekt zu schreiben)
Ich zitiere: "Ebenso viele Menschen sterben jedes Jahr aufgrund von Meldungen über "wissenschaftliche" Erkenntnisse, die nur deshalb jeder Überprüfung standhalten, weil sie nicht überprüfbar sind."
a) Aufgrund wissentschaftlicher Erkenntnisse stirbt kein Mensch frühzeitig
b) Wissenschaftliche Erkenntnisse sind entgegen Ihrer Meinung immer nachprüfbar
c) Wissenschaftliche Erkenntnisse stellen sich jederzeit einer Überprüfung
Sechs, setzen
@Jürgen Schönstein
Das hat wohl auch jeder so verstanden. Es zeigt sich eben immer wieder, das ganz triviale Dinge sich völlig anders darstellen können, als man eigentlich dachte.
Man hat auch mal angenommen, dass die Autoabgase auf Autobahnen sich etwa ein paar hundert Meter in die Luft erheben und dann von Wind und Wetter verteilt würden. Als man das dann mal ernsthaft untersuchte, stellte man fest. dass diese Abgase noch in 12 Km Höhe verhälnismäßig eng beieinander waren. Das ganze verteilte sich da oben auf nur etwa 1 Km Breite, bevor dann die Abgase von Höhenwinden auf eine viel weiter Fläche verteilt wurde, als man sich das vorstellen konnte. Von der A1 hatten so auch noch die Anrainer der oberitalienischen Seen etwas, wo dann wieder Teile dieser Abgase herunterkamen. Das ganze funktionierte auch genau so gut mit Industrieabgasen. Schwedische Gewässer übersauerten, weil Abgase aus dem Ruhrgebiet damals sich ebenfalls über ganz Europa verteilten. Und da die Luftbewegungen da oben in ganz andere Richtungen sich bewegen können, als die hier unten bemerkbaren Winde, kommt es eben machmal anders als man denkt.
Offensichtlich ist die Erkenntnis, dass schlechte Luft eine Todesursache sein kann, ein langwieriger Prozess. Nun ist man da auch bei den Flugzeugabgasen angelangt.
Finde ich überhaupt nicht gut, dass die Chemtrails noch nicht erwähnt wurden. Die haben bestimmt viel mehr Todesopfer zur Folge!!1!
http://de.wikipedia.org/wiki/Chemtrail
Mich würde als Gegenzahl mal interessieren, wie viele Leute jährlich durch Autounfälle sterben, weil sie NICHT fliegen wollen.
Da sieht man mal wieder, wie umweltfreundlich die Luftfahrt verglichen mit dem Auto- oder Schiffsverkehr ist: Allein durch Schiffs-Emissionen sterben jährlich bis zu 64.000 Menschen...
Aber im Ernst: So schön plakativ diese ganzen statistischen Zahlenspielereien auch sind (und so toll sie sich für Überschriften eignen) - letztlich sagen die Daten doch nur aus, dass es da ein irgendwie geartetes Problem gibt. Warum muss man eigentlich versuchen, alles mit Menschenleben zu quantifizieren? Damit der eine Verschmutzer zum anderen sagen kann: Unser Problem ist nicht so schlimm wie Eures?
Das ist nachweislich falsch. Und übrigens auch kein sinnvoller Anspruch an die Wissenschaft.
Fein, dann können wir uns ja jetzt statt mit der Orthographie meines Namens endlich mit meiner Frage beschäftigen: welche Beobachtungen wären geeignet, die behaupteten Opferzuschreibungen zu erschüttern? Wie also sähe die Nachprüfung der angestellten Berechnungen aus?
Department of Redundancy Department? Dass die Rechenergebnisse der Wissenschaftler nebst Erläuterung zur Überprüfung veröffentlicht wurden, steht bereits oben in der Meldung.
@Schönstein:
"Denn diese Stick- und Schwefeloxide haben, wie die Forscher berichten, die Eigenschaft, sich mit dem in der dortigen Landwirtschaft besonders intensiv eingesetzten Ammoniak zu einem letzlich tödlichen Feinstaub zu verbinden."
Das ist schon Naturwissenschaft a la new York Times pur: Wenn es denn inzwischen journalistische Praxis ist, angelesenes Halbwissen erfolgreich zu Fakten umzudeklarieren, dann kann man diese Meinung zur Feinstaubbildung vielleicht einfach als kreative Chemie einstufen.
Gehts noch peinlicher beim Wissenschaftsbezug ?
Übrigens in Deutschland gibt es nach verifizierten Untersuchungen des Helmholtz-Instituts (und nicht etwa nach einer einsamen Pseudo-Statistik-Übung wie hier referenziert) ca 80.000 Tote durch wirklichen Feinstaub. Der geneigte Leser möge dies auf die industrialisierte Welt und auch auf die Länder mit stark umweltschmutzenden Brennstoffen wie Holz oder Rinderdung hochrechnen (Indien, China, Afrika).
Diese 80.000 Tote in Deutschland sind nach der veröffentlichten Meinung , sowie nach der daraus abgeleiteten Meinung der meisten Politiker (besonders derjenigen die mit der sogenannten Umweltpolitik Ihre trüben Spielchen treiben) durchaus akzeptabel. Flugverkeht ist natürlich extrem pöse!
Könnten die Luftverkehrsgesellschaften denn bestimmten Pressuregroups nicht wieder öfters Vergünstigungen einräumen ?
Was die Forscher so alles erforschen.
Inwieweit die Zahlen stimmen, einer Überprüfung standhalten ist die zweite Frage, wenn das so geht wie peer review beim IPCC dann ist nicht viel zu erwarten.
Ich würde vorschlagen : Fliegen verbieten und vor allem Auto fahren ebenso, das kommt bestimmt den radikaleren Ökojüngern und greenpeace zupass.
Jetzt gilt es nur noch zu erforschen inwieweit das Atmen, Wasser trinken und die Nahrungsaufnahme zum Tode führen kann.
Ich glaube irgendwer hat sich schon an das Thema rangewagt.
Fazit:
Nur weil ein Mensch der sich Forscher oder Wissenschaftler nennt sollten dessen Ergüsse nicht unbedacht und unkommentiert veröffentlicht werden.
Ich verneige mich nicht vor Leuten nur weil hier Forscher davor steht.
ich stelle meinen gesunden Menschenverstand immer noch über den eines scheuklappenbewehrten Wissenschaftlers der wieder eine schlimme Sache rausgefunden hat.
Manchmal mutet es sehr gewürgt an.