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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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Archiv September 2010

29. September 2010

Atheisten sind die besseren Religionskenner

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur  ·  Kommentare: 36

Eine Telefon-Umfrage des Pew Forum on Religion and Public Life unter 3412 Amerikanern bestätigt das alte Klischee, dass "glauben" so viel heißt wie "nichts wissen" - und zwar vor allem auch über Religion. Laut der Pew-Umfrage - die ich via New York Times hier verlinken muss, da die Pew-Website während ich dies hier schreibe Probleme hat - hatten die meisten Befragten Probleme, mehr als die Hälfte der 32 Fragen zum Thema Bibel und Religion zu beantworten. Am besten wussten origineller Weise jene Bescheid, die sich selbst als Atheisten bezeichneten: Sie beantworteten im Schnitt 20,9 Fragen korrekt; gleich darauf folgen Juden, mit 20,5 richtigen Antworten, und Mormonen (20,3).

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Autor: Jürgen Schönstein· 29.09.10 · 05:55 Uhr· 36 Kommentare

28. September 2010

5.1 minus fünf

Kategorie: Technik  ·  Kommentare: 8

Das bisschen Musik, das ich höre, mache ich mir zwar meistens selber, aber als ich vergangene Woche zur Premiere einer geheimnisvollen Weltneuheit ins Haupquartier der Firma Bose in Framingham (Massachusetts) geladen war, wären auch meine von HiFeinheiten unbedarften Ohren vor Überraschung beinahe abgefallen: Es ist den Technikern dieser Unterhaltungselektronik-Firma gelungen, den akustischen Leistungsumfang einer 5.1-SurroundSound-Anlage in die Rückwand eines 46-Zoll-Flachbildschirms zu packen - inklusive des ansonsten mit mörderischen (aus der Sicht des 1080p-LCD-Bildschirms) Vibrationen daher kommenden SubWoofers. VideoWave.jpgFür jemanden, der wie ich noch einen Vinyl-Plattenspieler im Haus hat und der im Traum nicht daran denken würde, seine eh' schon pro Flächeneinheit viel zu teure Wohnimmobilie mit den für solche Systeme üblichen fünf Boxen etc. zuzubauen, ist das jedenfalls enorm verblüffend. Und dass für dieses VideoWave-System (sorry, soll keine Schleichwerbung sein, aber man muss das Kind ja auch mal beim Namen nennen) eine ganze Reihe von neuen Erfindungen nötig waren, will ich gerne glauben. Der so genannte PhaseGuide, beispielsweise, der wie ein Laserpointer den Schall spezifischer Bänder so projizieren kann, dass ausschließlich dessen Reflexion - von der Stelle, wo die "virtuelle" Schallquelle sein soll - unser Ohr erreicht. Könnte man auch ein prima Kinderspielzeug draus machen ... Allein die dafür entwickelte (und patentierte) Software, mit der die insgesamt sieben Lautsprecher im TV-Gehäuse angesteuert werden, sei so aufwändig, erklärte der beteiligte Forscher Bill Berardi, dass Billig-Nachbauten auf lange Sicht nicht zu befürchten seien.

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Autor: Jürgen Schönstein· 28.09.10 · 20:00 Uhr· 8 Kommentare

8000 Tote, weil Flugzeuge FLIEGEN ...

Kategorie: Technik·Umwelt  ·  Kommentare: 11

Genau! Nicht die Todesopfer durch Abstürze sind hier gemeint, denn das sind erheblich weniger - 685 im Jahr 2009, um genau zu sein. Hier geht es um die Todesopfer, die jährlich indirekt durch den Flugverkehr, genauer gesagt: durch die daraus resultierende Luftverschmutzung verursacht werden. Die Zahl stammt aus dem Paper Global Mortality Attributable to Aircraft Cruise Emissions, das von dem MIT-Aeronautiker Steven Barrett und Kollegen, u.a. von der University of Cambridge, verfasst und in der aktuellen Ausgabe von Environmental Science & Technology publiziert wurde.

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Autor: Jürgen Schönstein· 28.09.10 · 17:10 Uhr· 11 Kommentare

23. September 2010

Neptun, der verräterische Staubsauger

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Ich geh' mal schnell wieder im Revier unserer Astronomen und Planetologen wildern: Die Nasa hat heute eine Animation veröffentlicht, die von Marc Kuchner am Goddard Space Flight Center in Greenbelt (Maryland), gemeinsam mit seinem Kollegen Christopher Stark (inzwischen am Carnegie Institute for Science in Washington) erstellt wurde und die zeigt, wie unser Sonnensystem in den Teleskopen außerirdischer Astronomen erscheinen könnte. Dass es sich dabei um ein Planetensystem handelt, verrät unter anderem unser ferner Bruder Neptun, der mit seiner Masse ringförmige Strukturen im Staub des Kuiper-Gürtels hinterlässt. Alles weitere hier im Video:


Autor: Jürgen Schönstein· 23.09.10 · 20:19 Uhr· 2 Kommentare

Macht Abkehr von der Religion wirklich krank?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin  ·  Kommentare: 15

Mal wieder eine Frage als Überschrift*, dazu noch eine, auf die ich selbst erst mal mit der Gegenfrage "Wer behauptet denn sowas?" reagieren würde. Diese Gegenfrage jedenfalls ist ziemlich klar zu beantworten: Laut der Pressemitteilung der Penn State University ist dies der Tenor des Papers, das der Soziologe Christopher Scheitle in der aktuellen Ausgabe des Journal of Health and Social Behaviour (während ich das schreibe, steht auf der Journal-Website leider noch der Inhalt der letzten Ausgabe - mehr als die Pressemitteilung habe ich daher nicht verfügbar) untergebracht hat.

* Als Journalist soll man Fragezeichen in Headlines ja grundsätzlich vermeiden, aber als Blogger nehme ich mir gerade diese Freiheit des Nachfragens sehr gerne.

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Autor: Jürgen Schönstein· 23.09.10 · 18:44 Uhr· 15 Kommentare

21. September 2010

Staubiger Schnee bringt Trockenheit

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 3

Erst mal den "Klimaskeptiker-Köder" vorweg: Es muss nicht der vom Menschen verursachte Klimawandel sein, um den sich die rund 27 Millionen Einwohner des Südwestens der USA und der benachbarten mexikanischen Provinzen die größten Sorgen machen müssen. Was nicht heißen soll, dass die globale Erwärmung keine Auswirkungen auf den Wasserhaushalt der Region - der im Wesentlichen vom Colorado River abhängt - haben wird; im Gegenteil: Als Folge der Klimaänderungen rechnen Wissenschaftler mit einer Verringerung der Wassermenge des Colorado-Systems irgendwo zwischen sieben und 20 Prozent bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Aber eine andere, lokalere und ebenso, sondern antropogene Ursache scheint etwa ebenso dramatischere Wasserverluste zur Folge zu haben: Staub, der durch den Menschen (vor allem die Landwirtschaft und die Industrie) in die Luft geblasen wird, hat die Schneeschmelze im Einzugsgebiet des Colorado-Oberlaufs über die vergangenen 150 Jahre um etwa drei Wochen nach vorne verlegt - mit dramatischen Folgen für den Wasserhaushalt: Die Wasserführung des Colorado hat sich dadurch seit Beginn der massiven Siedlungsaktivität in der Region im Schnitt um fünf Prozent verringert. Dies ist das Resultat einer Studie, die unter der Leitung von Tom Painter (Hydrogeograph des Jet Propulsion Laboratory der Nasa und Professor an der University of California in Los Angeles) durchgeführt wurde und als Paper in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen ist.
Schnne im Grand canyon.jpg

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Autor: Jürgen Schönstein· 21.09.10 · 15:11 Uhr· 3 Kommentare

20. September 2010

Macht ein Schnupfenvirus unsere Kinder dick?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 3

Über den Zusammenhang zwischen einer Infektion mit dem Schnupfen erregenden Adenovirus des Serotyps 36 (kurz: AD36) hatte ich schon vor gut zehn Jahren mal etwas geschrieben - muss aber zugeben, das ich die Forschung seit damals nicht mehr weiter beobachtet habe. Nach der damaligen Datenlage wäre ich nicht überrascht gewesen, wenn sich die Sache am Ende als eine reine Korrelation ohne Kausation entpuppt hätte. Aber offenbar ist da mehr dran, denn in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazin Pediatrics berichtet der Kindermediziner Jeffrey B. Schwimmer von der University of California in San Diego über einen Zusammenhang zwischen AD36-Infektionen und Fettsucht speziell bei Kindern - und über den möglichen Mechanismus, der dabei am Werk ist.

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Autor: Jürgen Schönstein· 20.09.10 · 17:35 Uhr· 3 Kommentare

17. September 2010

Es stürmt? Dann wird dieser Urlaub bestimmt ein Erfolg

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 2

Sorry, dass ich noch eine Zeitlang eher seichte Themen anbiete - hab' leider noch vom Umzug zu viel Organisatorisches am Hals. Aber wenn ich mir jetzt einen Urlaub gönnen könnte, dann wäre das irgendwo weit im Süden, mit Strand, Palmen, und vielleicht der einen oder anderen Caipirinha in der Hand ... Jedenfalls nicht das, was sich offenbar immer mehr Europäer und Amerikaner unter einem aufregenden Urlaub vorstellen: die wilde Jagd nach Tornados. Ich fand den Film "Twister" zwar ziemlich pathetisch (obwohl die Szene mit der fliegenden Kuh - hier leider etwas verstümmelt - nicht ohne Komik war),
aber ich kann nachvollziehen, dass sich dadurch auch Laien animiert fühlten, mal mit den "Stormchasern" auf die Jagd zu gehen:

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Autor: Jürgen Schönstein· 17.09.10 · 03:30 Uhr· 2 Kommentare

15. September 2010

Warum "Konsens" so oft strittig ist

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 17

Es funktioniert so zuverlässig wie das Sabbern bei Pavlovs Hund: Man muss nur erwähnen, dass es einen breiten Konsens unter Klimaforschern darüber gibt, dass sich das Erdklima erwärmt und dass dies die Folge menschlichen Handelns ist - und prompt melden sich die "Skeptiker", die entweder bestreiten, dass es diesen Konsens gibt, oder die den Konsentierenden dann wenigstens die Kompetenz (und damit die Befugnis zum Konsenz) absprechen. Wer's am praktischen Beispiel nachvollziehen will, braucht nur hier zu klicken: Konsens zum Klimawandel - klar doch und dann die Kommentare durchlesen. Das gleiche passiert bei nahezu jedem Reizthema, zu dem sich die Forschung zwar einig ist, der "Mann auf der Straße" aber eine andere Meinung hat (Todesstrafe wäre in den USA ein weiteres Beispiel). Warum eigentlich?

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Autor: Jürgen Schönstein· 15.09.10 · 04:05 Uhr· 17 Kommentare

13. September 2010

An neuen Ufern

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 9

... sitze ich, während ich diese Zeilen schreibe: Ich habe den New Yorker East River gegen den Charles River eingetauscht, der Cambridge in Massachusetts von Boston trennt. Und obwohl dies eigentlich ein Posting in ganz eigener Sache ist (wobei ich die Überschrift "In eigener Sache" vermeiden wollte - die klingt immer so dramatisch-bedrohlich), habe ich sogar einen aktuellen wissenschaftlichen Aufhänger dafür gefunden: Die Studie Changes in Wives' Employment When Husbands Stop Working: A Recession-Prosperity Comparison, erschienen im US-Fachjournal Family Relations.

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Autor: Jürgen Schönstein· 13.09.10 · 23:08 Uhr· 9 Kommentare

08. September 2010

Hawking: Kein Gott im Universum nötig

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

51GPz0weGVL._SL500_AA300_.jpgDa mein letztes Posting vor der mehrwöchigen Sommerpause (die weniger mit dem Sommer als vielmehr mit einer tief greifenden, wenngleich insgesamt sehr positiven Veränderung meiner Lebensumstände zusammenhing - dazu ein andermal ein paar Zeilen mehr) sich mit der Frage Wissenschaft und Glauben befasste, reizt es mich nun, mal wieder in die Tasten zu greifen, um auf einen kürzlich erschienenen Leitartikel im Wall Street Journal von Stephen Hawking und Leonard Mlodinow (eigentlich ein Auszug aus ihrem an diesem Dienstag erschienenen Buch The Grand Design), in dem die beiden erklären, warum es keinen Gott braucht, um die Existenz des Universums zu rechtfertigen.

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Autor: Jürgen Schönstein· 08.09.10 · 02:10 Uhr· 11 Kommentare

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