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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv Juni 2010
26. Juni 2010
Lesetipp: Die andere Ölpest
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 6
Diese Story im aktuellen Economist hat nichts mit dem Desaster im Golf von Mexiko zu tun, und auch sonst nichts mit fossilen Brennstoffen im Sinn: Es geht um Palmöl. Dass dieses zwar eine erneuerbare, aber deswegen noch lange keine umwelt- und schon gar nicht menschenfreundliche Ressource ist, hatte man schon hier bei Frischer Wind lesen können. Der "Economist" beschreibt, wie die Palmölproduktion in Ländern wie Indonesien und Malaysia einen drastischen Beitrag zur Waldzerstörung leistet: in Indonesien wurde in den gut drei Jahrzehnten zwischen 1967 und 2000 die Anbaufläche für Palmöl von knapp 2000 Quadratkilometern auf mehr als 30.000 Quadratkilometer vergrößert. Laut dem United Nations Environmental Programme liegt sie inzwischen bei 41.000 Hektar; der Palmölanbau ist das größte Einzelrisiko für die Waldbestände in diesen beiden Ländern, wo rund 90 Prozent des Weltmarktangebots produziert werden. Vor allem die Orangutans sind durch diese Zerstörung ihres Lebensraumes gefährdet. Das Magazin beschreibt, wie der wachsende Druck durch Organisationen wie Greenpeace und WWF die großen Nachfrager wie Unilever, Kraft, Nestlé - die Palmöl in große Mengen sowohl in Lebensmitteln als auch für Kosmetika verwenden (angeblich enthält die Hälfte aller abgepackten Waren in US-Supermärkten Palmöl) - dazu bewegen will, auf nachhaltig produziertes Palmöl umzusteigen. (Hier geht's noch mal zum Artikel)
Foto: Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 26.06.10 · 08:32 Uhr· 6 Kommentare
25. Juni 2010
Wählen gehen ist rational
Kategorie: Politik · Kommentare: 64
Ist es das? War nicht erst kürzlich bei Kritisch gedacht, hier in den Scienceblogs, das genaue Gegenteil zu lesen: Wählen gehen ist irrational? Mit dieser Aussage, die sich auf das so genannte Wahlparadox stützt, wurde eine lange Folge z.T. kritischer Kommentare - zuletzt auch einige von mir - ausgelöst, in der scheinbar ohne Erfolg versucht wurde, diese Aussage zu entkräften. Meine eigenen Ausführungen dazu und Ulrich Bergers entsprechende Repliken kann man ab hier nachlesen, die muss ich jetzt nicht wiederholen. Und doch hört man hier die Nachtigall so laut trapsen, dass man kaum noch ein Auge zukriegt (ich schreibe dies in der Tat um etwa drei Uhr morgens). Was tun? Schauen wir erst mal zum Aufwärmen mal auf folgendes Problem:

Autor: Jürgen Schönstein· 25.06.10 · 09:44 Uhr· 64 Kommentare
24. Juni 2010
"Die größte Innovation in 10.000 Jahren Agrargeschichte"
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 3
Bei solchen Versprechen wie in dieser Pressemitteilung der Washington State University gehen mir immer alle Antennen hoch: Große Worte, aber steckt da auch wirklich etwas entsprechendes dahinter? Ich bin kein Biologe, aber so wie die Sache hier präsentiert wird, finde ich sie schon ganz umwerfend: Forscher der Uni arbeiten an der Entwicklung von mehrjährigem - perennierendem - Weizen, der also aus dem gleichen Wurzelstock über mehrere Jahre wächst und nicht, wie herkömmliches Getreide, jährlich neu angesät werden muss.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.06.10 · 22:22 Uhr· 3 Kommentare
Fusionsreaktoren im Eigenbau - WTF?
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 28
Hab' ich meinen Kalender mal wieder falsch gelesen? Ist's der 1. April oder sonst ein Narrentag - oder hab' ich einfach etwas verschlafen und was mir heute Morgen (Quatsch! Vor einer Minute noch!) unmöglich erschien, ist längst alltägliche Realität? Dieser BBC-Bericht verkündet nicht nur ganz beiläufig, dass eine "gezähmte" Kernfusion schon viele Dutzendfach erreicht worden sei, sondern erklärt auch, dass dies von Hobbytüftlern, die sich ihre Fusionsreaktor in der Garage basteln - darunter auch ein 15-jähriger Schüler - geschafft wurde:
(Mark) Suppes, 32, is part of a growing community of "fusioneers" - amateur science junkies who are building homemade fusion reactors, for fun and with an eye to being part of the solution to that problem.schreibt die BBC in ihrem Begleittext. Und auch in dem Video selbst ist keine Spur von Ironie zu bemerken:He is the 38th independent amateur physicist in the world to achieve nuclear fusion from a homemade reactor, according to community site Fusor.net. Others on the list include a 15-year-old from Michigan and a doctoral student in Ohio.
Via der angegebenen Website fusor.net finde ich sogar einen Link zu Gizmodo, wo man allerdings eine gewisse Grundkenntnis in praktischer Physik erwarten darf. Dennoch: Kernfusions-Reaktoren im Eigenbau? WTF?
Autor: Jürgen Schönstein· 24.06.10 · 00:31 Uhr· 28 Kommentare
23. Juni 2010
Fußball-WM: Was man aus Farben ablesen kann
Kategorie: Politik · Kommentare: 1
Mal sehen, ob sich daraus für das gerade angepfiffene Spiel gegen Ghana etwas ableiten lässt:
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Will heißen: Teams, die in blauen Trikots antreten, haben seit 1990 56 Prozent ihrer WM-Spiele gewonnen, gelb war in 55,9 Prozent siegreich etc. Da allerdings sowohl Ghana als auch Deutschland die - wenig Erfolg verheißende - Grundfarbe (Heimspielfarbe) Weiß für ihre Nationaltrikots gewählt haben (auch wenn die Deutschen in diesem Match aber in ihrer Auswärtsfarbe schwarz antreten), ist der Aussagewert dieser Farbtabelle - in der nur jene Farben erfasst wurden, die in mindestens 50 Spielen getragen wurden, weshalb beispielsweise das Orange der Niederländer hier feht - für diese Begegnung sowieso fraglich. Aber ich fand's halt amüsant, womit man sich in den USA, wo Sportstatistik oft wichotger ist als das reine Spielresultat, beschäftigen kann. (Siehe auch hier.)
(Gefunden im Wall Street Journal vom 23.6.2010)
Autor: Jürgen Schönstein· 23.06.10 · 20:23 Uhr· 1 Kommentar
Software erkennt depressive Blogger
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 13
Depressionen sind ja ein zu ernstes Thema, als dass man darüber Scherze machen sollte. Obwohl mir zu der folgenden Pressemitteilung der American Associates, Ben-Gurion University of the Negev eine Menge sarkastischer Bemerkungen einfallen würde: Yair Neuman von der Ben-Gurion University hat mit seinem Team ein Software-Programm entwickelt, das anhand der Wortwahl automatisch erkennen kann, ob ein Blogger depressiv ist oder nicht. Warum ausgerechnet Blogger, fragt man sich? Nicht, etwa weil Blogger besonders zu Depressionen neigen (auch hier bitte keine Scherze!) ...
Autor: Jürgen Schönstein· 23.06.10 · 07:48 Uhr· 13 Kommentare
21. Juni 2010
Per Asteroid ad Astra
Kategorie: Naturwissenschaften
Mein Schreibtisch wird leider nicht leerer, und so wird's auch heute bei einem englischsprachigen Lesehinweis bleiben (der hoffentlich nicht wieder an einer unerwartenen Paywall stecken bleibt, wie bei meinem letzten Eintrag. Heute geht es um die Raumfahrtpläne der Obama-Regierung, genauer gesagt, um den Anspruch, bis zum Jahr 2025 ein bemanntes Raumschiff zu einem Asteroiden zu schicken, dem die Zeitung USA Today heute ihre Coverstory gewidmet hat. Ist vielleicht nicht die profundeste Quelle, aber eine, die sicher genaug Anstoß zur Diskussion liefert, um eine Erwähnung auch hier zu rechtfertigen.
Autor: Jürgen Schönstein· 21.06.10 · 17:04 Uhr· 0 Kommentare
18. Juni 2010
Mathematik am Pokertisch
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Mehr als ein Lesehinweis (und dazu noch ein fremdsprachiger - sorry!) ist heute aus Zeitgründen nicht drin. Aber falls angehende Diplommathematiker noch nicht wissen, welche Karriere sie einschlagen sollen: Vielleicht finden sie ja in dieser Story über "The Attack of the Math Brats" (Angriff der Mathebälger) aus dem aktuellen TIME-Magazin, in der es darum geht, wie mathematisch geschulte Youngsters mit scheinbar irren, aber auf systematischer Analyse beruhenden Poker-Manövern die Kartenhaie der alten Schule abzocken.
Foto: Logan Ingalls via Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 18.06.10 · 19:07 Uhr· 12 Kommentare
17. Juni 2010
Fussballer auf dem statistischen Prüfstand
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Früher konnte ich meine mangelnde Fußballbegeisterung ja immer dadurch entschuldigen, dass ich in den USA lebe, wo die organisierte Balltreterei gemeinhin als ein Kinder- und Frauensport angesehen wird. Stimmt allerdings nicht mehr - selbst die Amerikaner scheinen in dieser WM-Saison vom Fußballfieber (auch wenn sie den Sport hartnäckig als "Soccer" - der Begriff ist abgeleitet von der englischen Football Assocciation - abtun, obwohl im American Football die berührung zwischen Fuß und Ball die seltene Ausnahme ist) erfasst zu sein. Und auch einige Forscher der Northwestern University in Evanston (US-Staat Illinois) konnten sich dem Fußball nicht mehr entziehen: In PLoS ONE haben sie ein Paper darüber veröffentlich, wie sich die Leistungen einzelner Spieler objektiv quantifizieren lassen.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.06.10 · 17:49 Uhr· 2 Kommentare
Wie Hunger gemacht wird
Kategorie: Politik · Kommentare: 15
Ich habe mal wieder in der aktuellen Ausgabe von Harper's geblättert. Die Coverstory erzählt davon, "wie Wall Street Millionen hungern ließ und damit durchkam" (How Wall Street Starved Millions and Got Away with It), geschrieben vom Harper's-Mitarbeiter Frederick Kaufman (den Link sollte man sich aufheben - ich denke, dass der Artikel, der eigentlich nur Abonnenten oder Zahlungswilligen online verfügbar gemacht wird, früher oder später auf Kaufmans Seite auftauchen wird). Und es geht um so etwas scheinbar schlichtes wie harten Weizen, der als eines der Grundnahrungsmittel der Welt anzusehen ist und dessen Weltmarktpreis letzlich an der Minneapolis Grain Exchange, der Getreide-Warenterminbörse von Minneapolis, bestimmt wird. Im Jahr 2008 explodierten die Getreidepreise, trotz einer Rekordernte, und mehr als 250 Millionen Menschen weltweit (darunter übrigens auch fast 50 Millionen Amerikaner) mussten plötzlich in diesem Jahr unerwartet erleben, was Hunger ist - so viele wie nie zuvor in der Geschichteund das erste Mal seit Generationen, dass die Zahl der Hungernden weltweit nicht sank, sondern anstieg - auf mehr als eine Milliarde ingesamt.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.06.10 · 07:19 Uhr· 15 Kommentare
16. Juni 2010
Noch ein Grund, nicht beim Fahren zu telefonieren
Davon, dass das Betriebsrisiko für ein Auto erheblich erhöht wird, wenn man am Steuer sitzt und gleichzeitig telefoniert, haben vermutlich selbst all jene schon mal gehört, die sich trotzdem für so unentbehrliche Gesprächspartner halten, dass sie die Plauderdinger einfach nicht vom Ohr kriegen können, egal wie schlimm der Verkehr ist. Aber ob sie wohl auch daran gedacht haben, dass nicht nur das Autofahren und damit die Verkehrssicherheit darunter leidet, sondern auch das Telefongespräch? Und falls am anderen Ende der Verbindung jemand ist, mit dem sie eine delikate Beziehung unterhalten (Ehegattinnen und -Gatten, Verlobte/Lebenspartner oder Schwieger- und sonstige Mütter - meinetwegen auch Vorgesetzte), könnte dies schwerwiegende Folgen für die Gesundheit dieser Beziehung haben. Sagt, und das ganz plausibel, der Familienpsychologe Paul Rosenblatt, Professor am Department of Family Social Science der University of Minnesota. Und er hat dazu sogar ein Paper in der Family Science Review geschrieben, das in der nächsten Ausgabe erscheinen soll (derzeit noch nicht online erhältlich).
Autor: Jürgen Schönstein· 16.06.10 · 03:02 Uhr· 0 Kommentare
14. Juni 2010
Die Spur der Steine
Kategorie: Naturwissenschaften·Themenwoche · Kommentare: 4
Der folgende Text ist ein Kapitel, das ich für das Buch "Mekkas der Moderne - Pilgerstätten der Wissensgesellschaft" geschrieben habe. Die Herausgeber - der Spiegel-Wissenschaftsredakteur Hilmar Schmundt, der Max-Planck-Rechtsgelehrte Milos Vec und die Bremer Geowissenschaftlerin Hildegard Westphal - hatten mich darum gebeten, nachdem sie über diesen Blogeintrag hier gestolpert waren. Und weil ich mich einerseits sehr geehrt fühle, mit Personen wie Irenäus Eibl-Eibesfeld, Harald Lesch, Steve Wozniak oder auch meinem Mit-Scienceblogger Ernst-Peter Fischer (um nur mal ein paar der insgesamt 65 Autoren-Namen zu "droppen) in einer Autorenliste zu stehen, andererseits die herausgebende Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina vor 358 Jahren in meiner Heimatstadt Schweinfurt gegründet wurde und ich daher eine seltsame, lokalpatriotische Verbindung habe, erklärte ich mich gerne bereit, das Stück zu schreiben.
Autor: Jürgen Schönstein· 14.06.10 · 07:01 Uhr· 4 Kommentare
13. Juni 2010
Nach 10 Jahren: Eine ernüchternde Genom-Bilanz
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 10
Im Juni 2000 konnte der US-Präsident Bill Clinton den Vollzug eines Mega-Projekts verkünden: Das menschliche Genom sei erstmals vollständig entschlüsselt, und damit die Hoffnung verbunden, dass es "die Diagnose, Verhütung und Behandlung der meisten, wenn nicht aller menschlicher Krankheiten revolutioniert". Doch zehn Jahre später zieht die New York Times in einem Artikel eine ernüchternde Bilanz: Die Ziele, etwa die genetische Ursachen von Krebs und Alzheimer zu finden und zu kontrollieren, seien heute so unerreichbar wie vor einem Jahrzehnt. Was vielleicht daran liegt, dass die Hoffnung überzogen war, man müsse nur die gentischen Marker finden, dann komme die Therapie von alleine:
"Genomics is a way to do science, not medicine,"zitiert die Times den Präsidenten des Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York, Harold Varmus, der im Juli die Präsidentschaft des National Cancer Institute übernehmen wird. Eines der Probleme ist, dass man eigentlich das Genom jedes einzelnen Patienten analysieren und dekodieren müsste - und das ist bisher noch kaum bezahlbar. Selbst wenn, wie erhofft, die Kosten schon bald auf 5000 bis 10.000 Dollar fallen, wird dies als Routine-Diagnosemethode noch fürr die meisten Patienten unerschwinglich bleiben.
Der Artikel ist die erste Folge einer zweiteiligen Serie: The Genome at 10.
Autor: Jürgen Schönstein· 13.06.10 · 04:28 Uhr· 10 Kommentare
09. Juni 2010
Neil Tyson zum Weltuntergang 2012
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Falls ich's hier nicht schon mehrfach erwähnt habe: Ich halte Neil deGrasse Tyson, den Direktor des Hayden Planetariums am American Museum of Natural History für einen der besten und unterhaltsamsten Wissenschaftserklärer unserer Zeit. Wobei ich natürlich voreingenommen bin, da ich ihm schon mehr als einmal persönlich begegnen durfte und ihn dabei nicht nur als erstklassigen "public speaker", sondern auch als humorvollen, pointierten Gesprächspartner schätzen lernen konnte. Davon kann sich jeder, der der englischen Sprache einigermaßen mächtig ist, selbst überzeugen: Tyson demontiert einige 2012-Mythen nicht allein mit wissenschaftlichen Argumenten, sondern auch mit geradezu entwaffnender Schlagfertigkeit:
Gefunden bei A Blog Around the Clock
Autor: Jürgen Schönstein· 09.06.10 · 05:29 Uhr· 2 Kommentare
08. Juni 2010
Wodka-Trinker sind scharfzüngige Strukturanalytiker
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Wodka besteht aus Ethanol (C2H5OH) und Wasser, typischer Weise in einem Mischungsverhältnis von 40 zu 60 (nach Volumen) - und vor allem aus durch Werbung veredeltem Image. So hatte ich bisher geglaubt. Klar ist es in der Bar viel cooler und Status vermittelnder, einen Grey Goose oder Absolut Ketel One oder sonst einen teuren Edelsprit zu ordern, aber das Produkt ist doch letztlich das gleiche, oder? Gaaanz falsch: Chemiker und Materialforscher der University of Cincinnati sowie Physiker der Staatlichen Universität Moskau (Lomonossow-Universität) - klar doch! - haben fünf Wodka-Sorten, darunter Grey Goose, Stolichnaya und Oval 42, mit "Hightech-Instrumenten" (sagt die Pressemitteilung) analysiert und folgendes feststellen können:
Component analysis of the FT-IR and Raman data reveals a water-rich hydrate of composition E·(5.3 ± 0.1)H2O prevalent in both vodka and water−ethanol solutions. This composition is close to that of a clathrate−hydrate observed at low temperature, implying a cage-like morphology.
Autor: Jürgen Schönstein· 08.06.10 · 07:48 Uhr· 2 Kommentare
07. Juni 2010
Forschungsfach Folter?
Kategorie: Politik · Kommentare: 8
"Ärzte, Psychologen und andere Fachleute, die den Auftrag hatten, den Einsatz von 'Waterboarding', Schlafentzug und anderen 'verschärften' Befragungstechniken zu überwachen, sammelten Daten über die Folgen dieser Befragungen auf die Inhaftierten, um diese Techniken zu verfeinern und sicher zu stellen, dass sie innerhalb der Grenzen blieben, die von den Juristen der Bush-Regierung etabliert worden waren", schreibt die New York Times heute. Basis ist ein am Montag veröffentlichter Bericht der Physicians for Human Rights. Sieht man davon ab, dass es sowieso schon schwer nachvollziehbar ist, wie sich Mediziner - die sich ja selbst einen Standeseid gegeben haben - für die Folter-Begleitarbeit hergeben können, würde mich die Frage schon mal interessieren, wie man als Forscher mit solchen später eventuell zu veröffentlichenden Daten (es gibt ja so etwas wie den Freedom of Information Act, der eine Offenlegung solcher Materialien erzwingen kann) umgehen würde. Dürfte man solche Daten - die sicherlich eine Menge Verwertbares für Mediziner wie für Psychologen enthalten könnten - wissenschaftlich verwenden, auch wenn sie nach allgemeiner Auffassung unter ethisch bedenklichen Umständen erhoben wurden?
Autor: Jürgen Schönstein· 07.06.10 · 16:36 Uhr· 8 Kommentare
06. Juni 2010
Das Weltraumteleskop in Park-Position
Kategorie: Technik
Wer wissen will, wie das James Webb Space Telescope funktioniert, der kann entweder hier oder hier (auf Scienceblogs.de) nachschauen. Oder eiligst einen Flug nach New York buchen, wo ein Modell im Maßstab 1:1 bis heute Abend noch im Battery Park als Teil des von Brian Greene organisierten World Science Festival (von dem ich mal wieder aus Termingründen alles verpasst habe) aufgestellt ist. Für mich war's zum Glück nur eine Fahrt im Stadtbus entfernt, hier daher ein paar Fotos von der Ausstellung:
Autor: Jürgen Schönstein· 06.06.10 · 02:44 Uhr· 0 Kommentare
05. Juni 2010
Unkraut vergeht nicht - trotz GMO
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 3
Der Streit um genmanipulierte Lebensmittel - namentlich das als Roundup Ready vermarktete Saatgut-Sorten des Konzerns Monsanto, das gegen das Unkrautvernichtungsmittel Roundup (ebenfalls aus dem Haus Monsanto) resistent ist - verlagert sich vermutlich bald auf eine neue Ebene: Wie das Wall Street Journal in seiner Freitagausgabe berichtete (hier leider nur ein Link zum Artikelanfang - die volle Länge gibt's nur für Abonnenten), sind im so genannten "Farm Belt" (namentlich: Iowa, Kansas, Minnesota, Nebraska, North Dakota und South Dakota) der USA inzwischen so viele "Unkräuter" (ein Un-Wort, zumindest aus botanischer Sicht) gegen das Herbizid resistent geworden, dass die Bauern wieder massiv auf die alten Unkrautvernichter zurück greifen. Und nun müssen, wie bei einem Rüstungswettlauf, die Biotech-Konzerne daran arbeiten, neue Saatgutsorten zu gen-erieren, die gegen diese alten Chemiekeulen resistent sind.
Zur Herbizid-Resistenz gibt es auch ein Paper von der Weed Science Society of America. Aber leider macht meine Netzverbindung jetzt aus unbekannten Grund dauernd schlapp, drum muss ich's bei diesem knappen Hinweis belassen.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.06.10 · 00:13 Uhr· 3 Kommentare
04. Juni 2010
Trübe Aussichten für ölige Pest
Kategorie: Umwelt
Die nachfolgende Animation war zwar auch schon andernorts zu sehen, sollte aber auch hier im Rahmen der Scienceblogs nicht fehlen. Sie zeigt eine von sechs Alternativ-Simulationen, die das National Center for Atmospheric Research auf seiner Website anbietet und die durchspielen, wie und wie schnell das Öl aus dem Golf von Mexiko in den Golfstrom und damit auch über den Atlantik kommen kann:
Autor: Jürgen Schönstein· 04.06.10 · 16:51 Uhr· 0 Kommentare
Live dabei beim Flug des Falken
Kategorie: Technik · Kommentare: 12
Ich will den Ereignissen nicht vorgreifen (da man aus der Vergangenheit weiß, dass immer irgend etwas schiefgehen kann), und will auch nicht in Alexanders Revier wildern, wo er ja schon über den für heute (4.6.2010) geplanten Start der privat von der Firma SpaceX konstruierten Trägerrakete Falcon 9 geschrieben hatte, aber der Falke soll in etwa 40 Minuten abheben, und in etwa 20 Minuten (ab 16:40 MESZ) kann hier live per Webcast zuschauen. Ich werd's jedenfalls tun ...
Nachtrag: Hier ist ein Videoclip vom Start - nicht ganz so mitreißend wie der Live-Webcast, aber ein guter Eindruck.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.06.10 · 16:17 Uhr· 12 Kommentare
03. Juni 2010
Stürmische Zeiten im Bild
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 1
Mit dem Juni hat auch die offizielle Hurrikan-Saison in den USA begonnen, und nach den Prognosen der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) dürfte sie stürmisch werden: In den kommenden sechs Monaten rechnen die Experten mit 14 bis 23 Sturmsystemen, in denen Windgeschwindigkeiten auf über 39 Meilen (62,76 Kilometer) pro Stunde steigen und die daher einen Namen bekommen werden; 8 bis 14 von diesen Systemen könnten Hurrikan-Stärke erreichen (Windgeschwindigkeiten > 74 Meilen Pro Stunde = 119,1 km/h), 3 bis 7 sogar schwere Hurrikane der Kategorien 3,4 und 5 werden, d.h. mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 111 Meilen pro Stunde (178,6 km/h). Das sind, wie gesagt, die Prognosen. Wie's im vergangenen Jahr aussah, kann man sich ganz schön in dieser Animation ansehen, die von der NASA gemeinsam mit der NOAA entwickelt wurde:
Autor: Jürgen Schönstein· 03.06.10 · 20:35 Uhr· 1 Kommentar
02. Juni 2010
Schon wieder die arme Katze ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9
Für ein Science-Abo reicht's in meinem Büro leider nicht mehr. Aber gerade landete ein drei Wochen altes Exemplar als Werbe-Wurfsendung auf meinem Schreibtisch, und auch wenn's nicht mehr ganz frisch ist, habe ich doch ein wenig darin geblättert. Als Nicht-Physiker hätte ich den Beitrag Managing Multistate Quantum Entanglement garantiert überblättert, weil sich beim Entanglement meine Hirnwindungen sehr schnell verschränken. Aber dann sah ich die Grafik mit der Katze und blieb hängen (etwa so, wie man an einem Dornenstrauch hängen bleibt):
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Aus Science, Vol 328, 14. Mai 2010, Seite 836
Autor: Jürgen Schönstein· 02.06.10 · 07:26 Uhr· 9 Kommentare
01. Juni 2010
Ein Wirbel wie aus dem Bilderbuch
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt
Und wenn wir schon bei Bildern sind, die unglaublich wirken: Der Tornado im nachfolgenden Video (via AP, daher nicht einzubetten) sieht, zumindest in den ersten paar Sekunden - nach der leider unvermeidlichen Webung (sorry!) - auch erst mal so unnatürlich gleichmäßig aus, dass man glauben könnte, er stamme aus dem Photoshop:![]()
Zum Öffnen hier klicken.
Autor: Jürgen Schönstein· 01.06.10 · 21:46 Uhr· 0 Kommentare
Angestichelte Adenosin-Neurotransmitter
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 15
Hier hatte ich ja schon einmal das Thema Akupunktur und Wissenschaft aufgegriffen. In der aktuellen Online-Vorabausgabe von Nature Neuroscience ist nun in der Tat eine Studie veröffentlicht, die nicht nur eine Wirkung für die akuten Nadelsticheleien bezeugt, sondern auch einen Wirkmechanismus erklärt, der allerdings bisher nur an Mäusen nachvollziehbar ist (was aber den Vorteil hätte, das der Placebo-Effekt dabei vermutlich weniger eine Rolle spielen dürfte):
Acupuncture triggers adenosine and ATP metabolites release
Autor: Jürgen Schönstein· 01.06.10 · 20:40 Uhr· 15 Kommentare
Ohne Worte II
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Und wie schon beim ersten Mal stimmt die Wortlosigkeit weder in der Überschrift noch im Rest des Postings. Aber wie beim ersten Mal braucht man auch dem Inhalt dieses Cartoons eigentlich nichts Verbales mehr zuzufügen ...
Eingebettet via Dilbert.com
Autor: Jürgen Schönstein· 01.06.10 · 17:29 Uhr· 3 Kommentare
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