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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv März 2010
31. März 2010
Von "House" aus medizinische Missverständnisse
Kategorie: Medizin · Kommentare: 7
Moment mal, meine ich das wirklich? Dem populären Fernseh-Dr. House - der, nebenbei bemerkt, auch unter Scienbloggern seine Fans findet - unterstellen, dass er ein falsches Bild der Wissenschaft, oder wenigstens der Medizin vermittelt? Mit Einschränkungen - ja! Nicht, dass ich die Serie um den misanthropischen Doc, als sie hier vor sechs Jahren im Fernsehen anlief, nicht als erfrischend und provokant genossen hätte. Und vielleicht spielt meinerseits eine gewisse Übersättigung (allein der Kabelkanal Bravo zeigt am Wochenende immer sechsstündige "House"-Marathons, zusätzlich zu den neuen Folgen, nebst regelmäßigen Wiederholungen, auf dem Originalsender Fox) dabei eine Rolle, dass ich sogar schon bei den Vorschau- und Programmhinweis-Spots weiterzappe. Aber nach längerer innerer Einkehr (irgend was kann doch mit mir nicht stimmen, dass ich diese beliebte und mehrfach preisgekrönte Show um einen durch und durch wissenschaftlich gesinnten Mediziner an einem Klinikum im Umkreis der Princeton-Universität nicht mag) kam ich zu dem Schluss, dass ich das Bild der Wissenschaft, wie es hier vermittelt wird, immer mehr als ein Zerrbild empfinde.
Autor: Jürgen Schönstein· 31.03.10 · 18:55 Uhr· 7 Kommentare
30. März 2010
Wetterexperten und Klimafachleute
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 23
... reden zwar scheinbar die gleiche Sprache, aber doch nicht über das Gleiche. Warum Wetter nicht gleichbedeutend mit Klima ist (simpel ausgedrückt, ist das eine ein kurz-, das andere ein langfristiges Phänomen), wird vermutlich in den nachfolgenden Kommentaren - so es welche gibt (?) - sowieso in bereits vertrauter Weise so enthusiastisch diskutiert werden, dass ich hier vorerst mal drauf verzichten will. Ist vermutlich ähnlich wie mit Geographen und Geologen ...
Doch vor allem im US-Fernsehen (auf das sich alles Nachfolgende primär bezieht) sind die Wetter-Vorhersager oft die einzigen Stationsmitarbeiter, die überhaupt eine wissenschaftliche Ausbildung haben - und das macht sie automatisch zu "Experten" für alles Wissenschaftliche, von Erdbeben über Tierschutz bis eben auch zum Klimawandel. Und hier beginnt das Problem, wie eine Umfrage (Ergebnisse als pdf gibt es hier) des Center for Climate Change Communication der amerikanischen George Mason University unter insgesamt 571 Fernseh-Wetterleuten ergab.
Autor: Jürgen Schönstein· 30.03.10 · 07:20 Uhr· 23 Kommentare
26. März 2010
Bush und Clinton: Eine Hand wischt ...
Kategorie: Politik · Kommentare: 5
Ein bisschen "off topic" in den Scienceblogs, aber wenn Georg gerade ein paar lügende Politiker bloßgestellt konnte, dann passt auch dieses Video der BBC (via YouTube) hierher: George W. Bush, gemeinsam mit seinem Vorgänger Bill Clinton auf Hilfsmission in Haiti, wischt sich einen ihm wohl zu feuchten Händedruck an Clintons Hemdsärmel ab (etwa in der Mitte des Clips, so ab der 13. Sekunde):
Autor: Jürgen Schönstein· 26.03.10 · 21:46 Uhr· 5 Kommentare
25. März 2010
Achtung, Trolle!
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 29
Bei allen anderen Usern, die es aus Versehen oder aus echtem Interesse hierher verschlagen hat, möchte ich mich hiermit für den Clip entschuldigen.
Autor: Jürgen Schönstein· 25.03.10 · 06:27 Uhr· 29 Kommentare
24. März 2010
Wissenschaftler sind "ihre eigenen schlimmsten Feinde"
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 18
...behauptet die Kolumnistin Sharon Begley in einem Kommentar im aktuellen US-Magazin "Newsweek". Den Grund, warum Wissenschaftler im PR-Krieg um das öffentliche Vertrauen verlören, weiß sie auch: "Wissenschaftler sind lausige Kommunikatoren", schreibt sie, und zitiert dazu den aufs Filmemachen umgestiegenen Marinebiologie-Professor Randy Olson:
"Scientists think of themselves as guardians of truth," he says. "Once they have spewed it out, they feel the burden is on the audience to understand it" and agree.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.03.10 · 21:27 Uhr· 18 Kommentare
Buzz Aldrin, eine Karikatur ... (Fortsetzung)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Nachdem ich hier vorab zu Buzz Aldrins Tanz-Auftritt geschrieben habe, darf nun das Video des tatsächlichen Auftritts nicht fehlen:
Urteilen kann jeder selbst.
Autor: Jürgen Schönstein· 24.03.10 · 21:09 Uhr· 1 Kommentar
23. März 2010
"Gesticheltes" im "Wall Street Journal"
Kategorie: Medizin · Kommentare: 55
Leider mal wieder eine absichtlich kryptische Überschrift, mit der ich erst mal die Suchmaschinen ablenken will. Es geht nämlich mal wieder um A...punktur (auch dies zur Ablenkung der Cranks und Trolle, die sich auf alles stürzen, was diesen Suchbegriff enthält). Anlass dieses Postings ist ein großer Artikel im aktuellen Wall Street Journal, den ich leider nicht für jedermann verlinken kann (geht nur für Abonnenten oder User, die das Urheberrecht bewusst verletzen - sorry!), der sogar schon groß auf der Titelseite angekündigt wird:

Ich weiß, dass dieses Thema hier immer wieder zu Endlosdiskussionen führen kann, und ich habe erst gezögert, ob ich diesen Artikel - das WSJ ist ja nun nicht unbedingt eine wissenschaftliche Publikation, man muss es also bei diesem Thema nicht unbedingt ernst nehmen - überhaupt als Anlass nehmen will, erneut Öl in die Flammen zu gießen (obwohl ich es doch lieber auf die sprichwörtlichen Wogen schütten würde).
Autor: Jürgen Schönstein· 23.03.10 · 14:46 Uhr· 55 Kommentare
22. März 2010
Schmutzwasser ist tödlicher als Gewalt und Kriege
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 4
Heute (22.3.2010) ist der Welt-Wassertag der Vereinten Nationen. Das globale Problem mit dem Wasser - vor allem die Tatsache, dass Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberen, unbedenklich konsumierbarem Wasser haben - ist nicht neu. Trotzdem (eigentlich eher: gerade deshalb) darf man das Thema nicht einfach ignorieren. Denn selbst wenn "Dreckwasser" längst nicht so bedrohlich klingt wie "dreckige Bombe" oder Drogenkrieg: Verschmutztes Wasser fordert, wie der UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in seinem Statement zum Welt-Wassertag erklärte, mehr Menschenleben als alle Gewalttaten und Kriege zusammen.
Auch die aktuelle Ausgabe des Magazins National Geographic ist dem Thema Wasser gewidmet. Hier kann man sich - gegen Registrierung - sogar das ganze Aprilheft gratis runterladen.
Autor: Jürgen Schönstein· 22.03.10 · 18:49 Uhr· 4 Kommentare
Buzz Aldrin, eine Karikatur seiner selbst
Kategorie: Technik · Kommentare: 13
Wie soll man sich Wortspiele a la "Lift-off" verkneifen, wenn man hier sieht, wie sich der zweite Mann auf dem Mond, Buzz Aldrin, die Gesichtszüge chirurgisch verformen ließ?
Und auch wenn der Ex-Astronaut sowieso schon längst kaum mehr ist als ein Showman: Mit seiner Teilnahme im US-Promitanzwettbewerb Dancing with the Stars (heute - 22.3.2010 - Abend ist Premiere; er erwähnt seinen Auftritt auch gleich am Anfang des YouTube-Videos) - was etwa der RTL-Show Lets Dance entspricht - sackt er auf ein Niveau ab, das nur noch als "unterirdisch" bezeichnet werden kann.

Naja, ich werde mich wohl doch dem Lamento Ernst Peter Fischers über die demontierten Jugend-Idole anschließen müssen ...
Autor: Jürgen Schönstein· 22.03.10 · 18:35 Uhr· 13 Kommentare
20. März 2010
Die nächste Nasa-Mission?
Kategorie: Technik
Da ich mich mit meinem vorherigen Eintrag über Frauen und männliches Risikoverhalten eh schon aufs chauvinistische Territorium gewagt habe, lege ich hier jetzt noch ein Video von der Onion-Webseite nach:
Autor: Jürgen Schönstein· 20.03.10 · 08:30 Uhr· 0 Kommentare
Cherchez la femme - wenn's riskant wird
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 11
Gewusst haben wir's eigentlich schon immer: Um schönen Frauen zu imponieren, gehen Männer höhere Risiken ein. In der Literatur wie in der Pop-Kultur ist die "femme fatale", die Männer ins oft sehenden Auges riskierte Verderben lockt, ja ein im wörtlichen Sinn alt-bekanntes Klischee, von der klassischen Helena über Carmen bis hin zu dem einen oder anderen Bond-Girl. Aber "schon immer gewusst" ist wissenschaftlich gesehen so brauchbar wie das Horoskop in der gestrigen BILD-Zeitung. Und darum haben sich die australischen Psychologen Richard Ronay und William von Hippel, beide von der University of Queensland, mal Gedanken gemacht, wie man dies als Hypothese testen könnte. Heraus kam das Paper The Presence of an Attractive Woman Elevates Testosterone and Physical Risk Taking in Young Men, das im neuen Journal Social Psychological and Personality Science publiziert wurde.
Autor: Jürgen Schönstein· 20.03.10 · 07:18 Uhr· 11 Kommentare
19. März 2010
"Action on climate is justified"
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 9
"... not because the science is certain, but precisely because it is not." Dieser Satz aus dem Inhaltsverzeichnis des Wirtschaftsmagazins The Economist hat mich schon gefesselt. Das Magazin hat seine aktuelle US-Coverstory dem Thema "Klimawandel" gewidmet (Spin, science, an climate change"). Und obwohl der "Economist" sich ja primär der Solidarität mit der Wirtschaft (die bisher nicht generell als aufgeschlossen gegenüber dem Thema bezeichnet werden konnte) verschrieben hat, scheint es einen ausgeschlafenen, intelligenten Standpunkt zum Thema gefunden zu haben. So kommt es mir zumindest vor, wenn ich diese Passage im Leitartikel lese:
Plenty of uncertainty remains; but that argues for, not against action. If it were known that the global warming would be limited to 2oC, the world might decide to live with that. But the range of possible outcomes is huge, with catastrophe one possibility, and the costs of averting climate change are comparatively small.dann kann ich dem nur zustimmen. Vermutlich, weil ich im Prinzip das Gleiche schon mehrfach, zum Beispiel hier, geschrieben hatte.
(Es bleibt viel Ungewissheit; aber die spricht für, nicht gegen das Handeln. Wenn man wüsste, dass sich die globale Erwärmung auf 2oC begrenzen würde, dann könnte die welt entscheiden, dass sie damit leben kann. Aber die Bandbreite der Möglichen Auswirkungen ist riesig, mit der Katastrophe als einer der Möglichkeiten, und die Kosten, den Klimawandel abzuwenden, sind vergleichsweise gering.)"
Autor: Jürgen Schönstein· 19.03.10 · 14:16 Uhr· 9 Kommentare
Wer Hausaufgaben abschreibt, lernt weniger
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Jawohl. Und das ist sogar wissenschaftlich erwiesen und peer-reviewt. War also doch für was gut, dass ich als Schüler nie meine Hausaufgaben abgeschrieben, sondern vielmehr (so ab der neunten Klasse) gänzlich darauf verzichtet hatte, sie zu erledigen ... Aber mal im Ernst: Der Erziehungswissenschaftler Young-Jin Lee von der University of Kansas hat, gemeinsam mit Kollegen vom Massachusetts Institute of Technology das Abschreibe-Verhalten von MIT-Studenten mit ihren späteren akademischen Leistungen verglichen. Und um es kurz zu sagen: Studenten, die ihre Physik-Hausaufgaben lieber abschreiben (was sich, dank des Online-Verfahrens MasteringPhysics.com, offenbar recht gut an der viel zu schnellen und komplett fehlerlosen Erledigung präsenterter Aufgaben erkennen ließ), fallen später im Semester um bis zu zwei Noten in ihren Leistungen ab. Die Arbeit ist aktuell in Physical Review Special Topics: Physics Education Research erschienen und hier als pdf-Dokument nachzulesen.
Autor: Jürgen Schönstein· 19.03.10 · 06:02 Uhr· 12 Kommentare
18. März 2010
Krebs-Krankenschwestern forschen
Kategorie: Medizin·ScienceBlogs Kategorien · Kommentare: 5
Ob ein Krebs-Patient nun Hautcreme vor einer Bestrahlungsbehandlung auftragen sollte oder nicht, mag auf den ersten Blick als eine geradezu läppische Nebensache im medizinisch-technischen Konzert der Krebs-Therapien wirken. Doch wie ich aus meiner ganz subjektiven - also nicht-randomisierten, nicht doppelt verblindeten und nicht-placebokontrollierten - Erfahrung weiß, sind es oft die Nebenerscheinungen der Therapie, wie beispielsweise Übelkeit und Schwindelgefühle bei der Chemotherapie oder Hautirritationen und -Infektionen bei der Radiotherapie, die den Patienten die Lebensqualität und sicher nicht selten den Mut zum Durchstehen der Behandlung rauben. Das solche Nebenerscheinungen oft mit - aus streng wissenschaftlicher Sicht - unkonventionellen Methoden behandelt werden, habe ich schon mehrfach geschrieben, und scheine damit zum Beispiel hier und hier in eine Art Wespennest gestochen zu haben - obwohl es dabei nie um Heilungsansprüche ging, sondern stets um das, was man neudeutsch wohl als "Wellness" bezeichnen würde. Und auch das Paper, das ich hier ansprechen will und das im Clinical Journal of Oncology Nursing veröffentlicht wurde, könnte ein solcher "Störfall" sein - allein schon, weil es nicht von forschenden Akademikern, sondern von zwei praktizierenden Krankenschwestern erarbeitet wurde.
Autor: Jürgen Schönstein· 18.03.10 · 05:07 Uhr· 5 Kommentare
17. März 2010
CO2 gibt Städten was auf den Deckel
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 18
Und das ist, dieser saloppen Formulierung zum Trotz, eine ernste, gar tödliche Angelegenheit. Zu diesem Schluss kommt der Stanford-Professor Mark Z. Jacobson in einem Paper, das am 10. März auf der Website des Fachmagazins Environmental Science & Technology veröffentlicht wurde.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.03.10 · 07:30 Uhr· 18 Kommentare
15. März 2010
Die schlechtesten Jobs für Wissenschaftler
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
... stellt das US-Magazin Popular Science alljährlich zusammen. In der April-Ausgabe (die zwar schon auf meinem Schreibtisch liegt, aber zum Zeitpunkt dieses Blogeintrags noch nicht online verlinkt ist) werden die zehn Wissenschafts-Jobs präsentiert, um die man sich als Forscher wohl kaum beneiden lassen muss. Obwohl - sooo schlimm scheinen manche dann auch wieder nicht:
Autor: Jürgen Schönstein· 15.03.10 · 19:25 Uhr· 2 Kommentare
06. März 2010
Grüne Ansichts-Sache
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 4
Die nebenstehende grafische Übersicht, in der die US-Regierungssubventionen für "grüne" Programme zu Zeiten des Präsidenten George W. Bush (konkret: im Jahr 2005) mit denen im aktuellen Haushalt des amtierenden Präsidenten Barack Obama verglichen werden, habe ich in der aktuellen Ausgabe des US-Magazins Time gefunden. Und tatsächlich nehmen sich die rund 90 Milliarden Dollar, die Obama für u.a. regenerative Energiewirtschaft (26,6 Mrd.), Energiesparprogramme (19,9 Mrd), Massenverkehrsmittel (18,1 Mrd.), Stromnetz-Verbesserungen (10,5 Mrd.), neue Fahrzeuge und Kraftstoffe (6,1) und "Sonstiges" (8,9 Mrd.) neben den etwa 14 Milliarden - insgesamt - des Bush-Haushalts geradezu spektakulär aus. Aber wenn man es mit dem anderen "grünen", nämlich olivgrünen Posten im US-Budget vergleicht - was ich mal auf die schnelle und beinahe freihändig (mit der Bitte, nicht mit dem Mikrometermaß nachzukontrollieren) in der nächsten Grafik gemacht habe - dann sieht es doch wieder sehr bescheiden aus: Im Haushaltsjahr 2010 sind 538,8 Milliarden Dollar als Grundhaushalt des Verteidigungsministerium veranschlagt (wie gesagt, das ist nur das Basis-Budget - insgesamt sind Militärausgaben in Höhe von 762 Miliarden zu erwarten). Alles Ansichtssache, vermute ich mal ...
Autor: Jürgen Schönstein· 06.03.10 · 06:59 Uhr· 4 Kommentare
05. März 2010
So wär's, wenn's mal wirklich kalt würde
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 11
Das nennt Ihr Winter? Das bisschen Schnee und Winterstürme? Pah, früher, da war's noch viel kälter ... 716,5 Millionen Jahre früher, um genau zu sein. Auf diesen Zeitpunkt haben nun Harvard-Forscher die so genannte Sturtische Eiszeit datiert, in der die Erde bis zum Äquator vereist, also ein globaler Schneeball war. (Achtung: Die nebenstehende Abbildung ist keine Darstellung dieser sturtischen Eiszeit, sondern leidiglich ein Symbolbild, wie man sich so eine "Schneeball_Erde" vorstellen könnte. Wie die Konturen der Kontinente unter dem Eis zeigen, handelt es sich um eine künstlerisch verfremdete Darstellung der heutigen Erde. Danke an Lars Fischer für den Hinweis auf die Missverständlichkeit meiner Iluustrations-Entscheidung.)
Das Paper, auf das auch die Harvard-Gazette hinweist, ist in der aktuellen Ausgabe von Science erschienen.
Abbildung: University of Bristol, via Nasa
Ich würde ja gerne noch ein bisschen mehr dazu schreiben, muss ich nun aber beeilen, da ich ein Flugzeug nach Deutschland besteigen muss. Ich weiß, dass Fliegen eigentlich eine Umweltsauerei ist - aber leider ist mir bisher keine bessere Fortbewegungsmethode bekannt, mit der ich es schaffe, meine Familie daheim zu besuchen. Schwimmen wäre einfach zu anstengend ...
Autor: Jürgen Schönstein· 05.03.10 · 18:20 Uhr· 11 Kommentare
Columbia-Paper: Akupunktur wirkt (?)
Kategorie: Medizin · Kommentare: 179
Damit ich mich vom Verdacht befreien kann, der heimliche Esowatch-Betreiber zu sein, schmeiß' ich hier einfach mal den Hinweis auf ein Paper hin, das in der aktuellen Ausgabe des Journal of Clinical Oncology erschienen ist und das den Titel trägt: Randomized, Blinded, Sham-Controlled Trial of Acupuncture for the Management of Aromatase Inhibitor-Associated Joint Symptoms in Women With Early-Stage Breast Cancer. Untersucht wurde diese Wirkung von Akupunktur als Schmerzlinderer bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium am Columbia University Medical Center in New York. Heraus kam, dass bei "sachgemäß" - will heißen: nach den Vorschriften der Tradition - gesetzter Akupunktur eine schmerzlindernde Wirkung festgestellt wurde, die bei der "Sham-Akupunktur" (d.h. willkürlich gepieksten Nadeln) nicht beobachtet werden konnte. Oder so ähnlich. Im Abstract wird es so ausgedrückt:
Women with AI-induced arthralgias treated with TA had significant improvement of joint pain and stiffness, which was not seen with SA. Acupuncture is an effective and well-tolerated strategy for managing this common treatment-related side effect.Was an der Studie dran ist, kann ich nicht beurteilen - dass sie aber als Argument für die Wirksamkeit der Akupunktur verwendet wird, traue ich mich vorherzusagen. Und das ist auch schon alles ...
Autor: Jürgen Schönstein· 05.03.10 · 04:19 Uhr· 179 Kommentare
04. März 2010
"Kritisches Denken" als Hintertür fürs Gegenteil
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 3
"Eating crow" sagt man in den USA, wenn man einen Irrtum zugeben muss. Und solch eine Krähe muss ich wohl nun essen, denn ich hatte in einem Kommentar zu Florians Beitrag über Kohlendioxid, das "Gas des Lebens", "Teach the Controversy" und dumme Politiker in South Dakota blauäugig geschrieben, dass man die Geschehnisse in South Dakota (wo die konservative Mehrheit im Landeskongress durchgesetzt hat, dass beim Thema Klimawandel nunmehr auch "die Kontroverse gelehrt" werden muss) nicht so ernst nehmen dürfe, da es sich dabei um die amerikanische Provinz handele. Doch dank der heutigen New York Times ist nun auch einem - offenbar naiven - Optimisten wie mir klar, dass da viel mehr dahinter steckt. Die Welle ist schon durch die Staaten Louisiana geschwappt, durch Oklahoma, Kentucky (wo ein entsprechender Gesetzesentwurf noch zur Entscheidung ansteht) - und vor allem Texas. Und vor allem letzteres kann durchaus amerikaweite Ausstrahlung haben.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.03.10 · 19:10 Uhr· 3 Kommentare
Ein Streifzug durch die Rückständigkeit
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
... scheint der Besuch im Creation Museum (im Foto rechts zu sehen: die Eingangshalle) in Petersburg, Kentucky, zu sein. Ich war zwar nicht selbst da (und weiß auch nicht, ob ich meine Zeit wirklich damit verschwenden würde), aber in der zurückliegenden Ausgabe von Vanity Fair (bin nun mal kein regelmäßiger Leser des Blattes, darum hat's ein wenig gedauert, bis ich drauf gestoßen bin) ist ein Bericht über einen Besuch in dieser Ansammlung wortwörtlich genommener Bibelszenen.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.03.10 · 05:31 Uhr· 3 Kommentare
03. März 2010
Ozonloch: Den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
... hat man offenbar, als die Ozonschicht schädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) durch so genannte teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (H-FCKW) ersetzt wurden.
Letztere durchlöchern zwar die Ozonschicht weniger, sind dafür hocheffiziente Treibhausgase und bauen sich zudem zu Oxalsäure ab - und die wiederum ist eine Ursache des so genannten "sauren Regens". (Seufzer)
Und nun muss ich gestehen, dass ich diesen Zusammenhang - über den ich nur gestolpert bin, weil mich die scheinbar in Vergessenheit geratenen Umweltprobleme der 80-er Jahre, das Ozonloch und der Saure Regen, halt doch gelegentlich noch interessieren - aus einer Pressemitteilung der American Chemical Society abschreiben musste, weil ich bei dem Artikel, auf den sich dieser Pressetext bezieht und der in der aktuellen Ausgabe des Journal of Physical Chemistry veröffentlich ist, noch nicht mal die Überschrift kapiert hätte (bin nun mal kein Chemiker, sorry!): Hydroxyl Radical Substitution in Halogenated Carbonyls: Oxalic Acid Formation. (Anklicken und das Paper im Original lesen, wer weitere Fragen hat.)
Autor: Jürgen Schönstein· 03.03.10 · 21:21 Uhr· 12 Kommentare
Frauen und Kinder zuerst! Aber nur wenn Zeit bleibt ...
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 12
Der in der Überschrift zitierte Spruch von den "Frauen und Kindern zuerst" stammt zwar noch aus einer Zeit, als "Ritterlichkeit" (oder wie immer man die Höflichkeit gegenüber Damen nennen will) als Gegenleistung für die soziale Dominanz des männlichen Geschlechts erwartet wurde. Aber stimmte das denn: Kamen im Notfall wirklich die Frauen und Kinder zuerst? Offenbar nur, wenn den Männern genug Zeit blieb, um darüber nachzudenken. Dies kann man in einem Paper nachlesen, das in der aktuellen Ausgabe der Proceedings of the National Acacemy of Science veröffentlicht ist und das die Geschehnisse auf den Passagierschiffen Titanic und Lusitania analysierte, die vor fast einem Jahrhundert gesunken waren.
Autor: Jürgen Schönstein· 03.03.10 · 06:56 Uhr· 12 Kommentare
Erdbeben machte die Tage kürzer
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Und trotzdem wollte es gestern einfach nicht schneller Feierabend werden: "Chilean Quake May Have Shortened Earth Days" - laut dem Jet Propulsion Laboratory immerhin um 1,26 Millionstel Sekunden. Das Beben hat durch seine vertikale Verschiebung enormer Gesteinsmassen einen "Pirouetteneffekt" bewirkt (wie bei einem Eisläufer, der durch Anlegen der Arme sich immer schneller um sich selbst dreht) und außerdem die Erdachse um 2,7 Millionstel Bogensekunden - das entspricht etwa acht Zentimetern - verschoben. Es ist übrigen nicht zum ersten Mal, dass die Wissenschaftler diesen Effekt (der mit genauerer Auswertung der Erdbebendaten eventuell noch korrigiert werden muss) nachweisen konnten: Das Beben auf Sumatra am 2. Weihnachtstag 2004 hatte nicht nur den verheerenden Tsunami
ausgelöst, sondern unsere Tage auch um 2,68 Millionstel Sekunden verkürzt.
Illustration: Wikimedia Commons
Autor: Jürgen Schönstein· 03.03.10 · 02:46 Uhr· 6 Kommentare
02. März 2010
Von Wissenschaftlern und Witzbolden
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 18
Diesen Beitrag muss ich mal, ganz unjournalistisch, mit einer nicht rhetorisch gemeinten Frage anfangen (was sonst nur in Interviews entschuldbar wäre): Wären deutsche Wissenschaftler von Rang eigentlich bereit, in Comedysendungen wie der heute-show oder TV Total aufzutreten? Oder müssten sie sich dann Sorgen machen, auch sonst nicht mehr ernst genommen zu werden? Würde mich mal interessieren, denn als ich noch engere Alltagskontakte mit Akademikern in Deutschland hatte, sah die Medienlandschaft sowieso noch viel spröder aus, die Trennung zwischen "U" (wie Unterhaltung) und "E" (wie ernst) war strikt. Doch wer hören will, was Wissenschaftler - ernsthaft, aber unterhaltsam - zu sagen haben, der ist in den USA am besten beraten, Comedysendungen wie die Daily Show mit Jon Stewart oder den Colbert Report (beide Worte mit stummem "t", bitte!) einzuschalten. Wer damit zufrieden sein konnte, dass Robert Mundell, Wirtschafts-Nobelpreisträger 1999, "Yo-Mama!"-Witze im Fernsehen erzählte, der brauchte dafür nur David Lettermans Late Show anzugucken.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.03.10 · 21:19 Uhr· 18 Kommentare
01. März 2010
Wenn sich Al Gore was wünschen dürfte ...
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 10
... dann wäre es, sich im Hinblick auf den Klimawandel getäuscht zu haben. Das schreibt der Ex-Vizepräsident in seinem Leitartikel "We Can't Wish Away Climate Change" für die New York Times, der passend zum Ende des "meteorologischen Winters" (weil die "Wetterfrösche", zumindest im US-Fernsehen, den Winter mit den Monaten Dezember, Januar und Februar gleichsetzen) am Sonntag erschienen ist. Ich hoffe, dass der Link funktioniert und man mit deutschen IP-Adressen auch an den Stoff rankommt (irgendwie und irgendwann wollte die NYT ja einen gebührenpflichtigen Riegel vorschieben, aber bei mir klappt alles vorerst noch wie gehabt), aber damit man auch so ein bisschen mitreden kann, hier ein paar Zitate aus dem Artikel:
It would be an enormous relief if the recent attacks on the science of global warming actually indicated that we do not face an unimaginable calamity requiring large-scale, preventive measures to protect human civilization as we know it.Damit fängt er gleich im ersten Satz an. Ungeachtet dessen, dass auch ohne den Klimawandel noch genug Gründe gäbe, unseren Konsum fossiler Brennstoffe und unsere Energiepolitik generell zu überdenken,
Zu deutsch: Es wäre eine ungeheuere Erleichterung, wenn die jüngsten Angriffe auf die Wissenschaftlichkeit des Klimawandels in der Tat bedeuten würde, dass wir nicht vor einer unvorstellbaren Katastrophe stehen, die großartige Präventivmaßnahmen zum Schutz der uns vertrauten menschlichen Zivilisation erfordert.
We would no longer have to worry that our grandchildren would one day look back on us as a criminal generation that had selfishly and blithely ignored clear warnings that their fate was in our hands. We could instead celebrate the naysayers who had doggedly persisted in proving that every major National Academy of Sciences report on climate change had simply made a huge mistake. I, for one, genuinely wish that the climate crisis were an illusion.Ich will jetzt nicht den ganzen Text hier wiedergeben, und seine Argumente, warum es nur Wunschdenken ist, den Klimawandel wegzuwünschen, sind ja auch im Prinzip all denen bekannt, die sie hören wollen - und werden ebenso geflissentlich wie leidenschaftlich von jenen dementiert, die Warnungen mit Hysterie verwechseln.
Wir müssten uns dann nicht länger sorgen, dass unsere Enkel eines Tages auf uns als eine Generation von Verbrechern zurückblicken könnten, die selbstsüchtig und vergnügt die klaren Warnsignale missachtet hatte, dass ihr Schicksal in unserer Hand liegt. Wir könnten statt dessen die Neinsager feiern, die verbissen darauf beharrten zu beweisen, dass jeder große Bericht der National Academy of Sciences zum Klimawandel einfach nur einen großen Fehler gemacht hat. Ich, für meinen Teil, wünsche mir ganz ehrlich, dass die Klimakrise nur eine Illusion ist.
Autor: Jürgen Schönstein· 01.03.10 · 18:26 Uhr· 10 Kommentare
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