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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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03.02.10 · 05:27 Uhr
Zahlenspiele um die SuperBowl
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Nachdem Georg hier in Primaklima von Paris aus schon über die nächste SuperBowl geblogt hatte, kann ich als Wahl-Amerikaner natürlich nicht zurückstehen. Obwohl mich diese amerikanische Variante des Fußballs (in der es erstens keinen Ball, sondern nur eine Art Rotationsellipsoid als Spielgerät und zweitens nur sehr wenige Kontakte zwischen diesem "Ball" und den Spielerfüßen gibt - was die Namensgebung selbst Amerikanern unverständlich macht) nur wenig interessiert, kann ich mich dem Rummel, der um dieses Endspiel der amerikanischen Football-Liga gemacht wird, nicht völlig entziehen. Am faszinierendsten finde ich die nur noch mit Aberglauben erkärbare Statistik-Besessenheit amerikanischer Sportfans: Spielberichterstattung ist oft auch eine Anhäufung von Durchschnitts-Rechnungen, Kumulationen, Wahrscheinlichkeitswerten etc. Irgendwo in den Zahlen muss sich etwas finden, duch das ein Spielergebnis determiniert wird ...
Ein schönes Beispiel für solchen Zahlenzauber, der aus Parametern, die nichts mit dem Sport zu tun hat, eine Vorab-"Analyse" wagt, fand ich am Dienstag im Wall Street Journal. Dort wurde folgende Rechnung aufgemacht:
47 Durchschnittalter der Stars, die in der Halbzeitshow aller bisherigen SuperBowls auftraten
59 Durchschnittsalter der Stars in den vergangenen sechs SuperBowl-Halbzeitshows
61 Prozentsatz der Spiele, die von Team der National Football Conference (eine der beiden Teilligen innerhalb der National Football League) gewonnen wurden, wenn das (Durchschnitts)-Alter der jeweiligen Halbzeitshow-Stars über dem Gesamtdurchschnitt lag (wow, da muss einer schon ganz schön gewühlt haben, bis er diesen Parameter fand).
Die Stars, die das Unterhaltungsprogramm der nächsten SuperBowl (die am kommenden Sonntag in Miami ausgetragen wird) werden The Who sein - was also den New Orleans Saints, die als NFC-Team gegen die Indianapolis Colts aus der American Football Conference (AFC) antreten werden, einen Sieg bescheren müsste: The Who - namentlich: Roger Daltrey und Pete Townshend - bringen es auf ein Durchschnittsalter von 65,3 Jahren. Alles klar?
Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Alexander·
03.02.10 · 10:42 Uhr
Deshalb heißt der Sport ja auch inoffiziell "Handegg"...Naja, da die Sportinteressierten Amis ja schon immer einen Stat-Fetisch hatten (siehe hier) ist es auch kaum verwunderlich, dass man auch das meistgesehene Endspiel in der Welt des Sport zu Tode-Statistifiziert. Und man muss ja schließlich auch Werbezeit verkaufen, und wenn es nur damit geschieht, dass man die Schuhgröße des Kickers mit der Wahrscheinlichkeit eines Superbowl-Sieges in Korrelation setzt.
Ansonsten: ARD ist diese Woche Sonntag 23:45 schon voreingestellt (Superbowl ohne Werbung- YAY!). Ich will endlich mal sehen, wie der Rekord für den Sieg mit dem höchsten Punkte-Unterschied von 1990 gebrochen wird.
Naja, und es kann ja sein, dass sich in den USA eine neue Redewendung einbürgern wird. Dannn heisst es nicht mehr: "When hell freezes over" sondern "When the Saints win the Superbowl" ;)
Perfekt vorhergesagt! Bravo!