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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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01.05.09 · 18:19 Uhr
Kreationismus ist längst schon US-Schulalltag
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Da macht man sich Sorgen, weil es in den USA immer wieder Bestrebungen gibt, die als "Intelligentes Design" in pseudowissenschaftliches Vokabular verpackte Schöpfungsgeschichte in den Biologieunterricht zu packen - und übersieht, dass diese, wie der fabel-hafte Swinigel im Wettrennen auf der Heide bei Buxtehunde, schon längst "al dor" ist: Zwischen einem Viertel und knapp einem Drittel aller Biologie-Studienanfänger in den USA hatten in der Oberstufe sowohl Evolutionslehre als auch Kreationismus gelernt, wenn man der Umfrage der Professoren Randy Moore und Sehoya Cotner vom College of Biological Sciences der University of Minnesota glauben darf, deren Ergebnisse in der Mai-Ausgabe des US-Magazins BioScience veröffentlicht wurde.
Dass Kreationismus in USA als eine religiöse Weltsicht nicht in den öffentlichen Schulen gelehrt werden darf, weil dies gegen die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat verstößt, ist mehr als einem Viertel der Biologielehrer unbekannt. Etwa die gleiche Anzahl der Lehrer glaubt zudem wirklich daran, dass Kreationismus wissenschaftlich belegbar ist - was nicht weiter verwundert, wenn man erfährt, dass jeder dritte Highschool-Biologielehrer gar keinen Abschluss in Biologie hat und demnach auch nie akademisch mit der Evolutionslehre in Berührung kam.
Aber wer sich entschließt, Biologie zu studieren, der weiß doch über das Fach ein bisschen besser Bescheid und kann den Glaubens-Hokuspokus der Kreationisten vom wissenschaftlichen Gehalt der Evolutionslehre trennen, oder? Nicht unbedingt. 57 bis 59 Prozent der Studenten, die sich für Biologie eingeschrieben hatten (bei der Umfrage unter 1000 Studenten ihrer Einführungskurse unterschieden Moore und Cotner nach Haupt- und Nebenfachstudenten) und die aus dem Biologie-Schulunterricht "Vorkenntnisse" in Kreationismus mitgebracht hatten, waren überzeugt, dass sich diese Schöpfungslehre auch wissenschaftlich belegen lasse. Aber selbst die Studenten, denen in der Schule nie etwas anderes als Evolutionslehre vermittelt wurde, sind nur zu 72 bzw. 78 Prozent überzeugt, dass Evolutionslehre wissenschaftlich fundiert ist. Au weia!
Autor: Jürgen Schönstein· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
Das ernsthaft wissenschaftliche Fundament der Evolutionstheorie würde ich gerne sehen. Meines Wissens ist sie in unseren Tagen noch stärker wissenschaftlich hinterfragbar als in den Tagen Darwins.
@Joshua Werling
Ach, wieder die alte Nummer ... Aber bitteschön: Hinterfragt wird die Evolutionstheorie permanent. Das ist nun mal, wie Wissenschaft arbeitet. Das heißt nicht, dass sie strittig ist - im Gegenteil: Jeder Falsifizierungsversuch führte am Ende bisher dazu, dass die Theorie noch ein wenig fester da steht.
@Joshua Werling
Tja dann würd ich mal vorschlagen dein Wissen ein wenig aufzufrischen oder hier nicht solche Scherze zu machen ohne Smileys zu benutzen ;3
Das passt ja wieder in die aktuelle Stimmungslage. Auch Kanada macht kräfitg mit - in der Provinz Alberta liegt ein Gesetzesvorschlag vor, nach dem Eltern ihre Kinder aus allen Schulveranstaltungen holen dürfen, die ihnen nicht passen. Evolution und Homosexualität inklusive.
Schlimm! Aber verwundert mich nicht, da es in den USA geschieht. Es gibt jedoch auch Lehrer, die es einfach super überzeugend rüberbringen können. Nach meinem halbjährigen Aufenthalt dort hatten wir 1 Monat Evolutionsbiologie und unser Lehrer konnte ein Teil der Schüler überzeugen. ;)
@Jürgen Schönstein
Für einen Quellenverweis wäre ich sehr dankbar.
@Sim
Auch an dich die Bitte um deine Quellen. Das war übrigens kein Scherz, sondern ernst gemeint. Mich würde insbesondere die Arten übergreifende Entwicklung interessieren, jedoch ohne Verweise auf die "mystische Kraft der Zeit" ("über Millionen von Jahren") noch auf "Mutter Natur", beides in meinen Augen eine Art Gottesersatz.
@Joshua Werling:
Fang doch mit nem grundlegenden Buch wie Evolution von Douglas Futuyma an. Davon gibts auch ne Easy Reading Edition.
Alternativ darfst du gern auch mal in den Open Access Journal Evolution: Education and Outreach reinlesen, dort werden grundlegende Themen der Evolution behandelt - auch die Makroevolution, an der du dich wohl störst.
In keinem dieser Texte wirst du übrigens deinen Strohmann von einer "mystischen Kraft der Zeit" oder "Mutter Natur" finden, so argumentiert niemand der sich wissenschaftlich mit Evolution auseinander setzt.
@Joshua
Das ist ja das faszinierende an der Evolutionstherorie: Sie erklärt das komplexe Wunder des Lebens mit ganz einfachen Regeln OHNE irgendwelche Fantasiefiguren oder Fantasiekräfte bemühen zu müssen. Bei allen anderen Erklärungsversuchen wie Kreationismus oder ID muss man immer eine zusätzliche, nicht fassbare und eigentlich sinnlose Komponente einführen, damit die Theorie funktioniert.