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Wie kann das Wechselgeld, das ich in meiner Bäckerei in der New Yorker East Village bekommen habe, dabei helfen, sich ein Bild über die Ausbreitung von Infektionskrankheiten im Allgemeinen und der (immer noch grassierenden, wenn auch – wie vorhergesagt – kaum noch in den Medien relevanten) Schweinegrippe zu verschaffen? Tja, das ist eine längere Geschichte …

Im Dezember 1998 hatte der Progammierer Hank Eskin die Idee, mal zu verfolgen, durch wie viele Hände sich eine amerikanische Dollarnote geht und auf welche Reise sie sich im Lauf der Zeit begibt. Die Idee war, Banknoten mit der Aufforderung zu versehen, ihre Seriennummer sowie die Postleitzahl des Ortes, an dem man sie erhalten hatte, auf einer eigens dafür eingerichteten Website zu notieren: Where’s George? (So getauft, weil das Konterfei George Washingtons die Dollarscheine ziert.) Über die Jahre konnten damit die Verbeitungswege von mehr als zehn Millionen Banknoten verfolgt werden.

Dieser Datenfundus kam dem Göttinger Physiker Dirk Brockmann zu Ohren, der an der Northwestern University in Evanston (Illinois) das Forschungsteam Research on Complex Systems leitet. Diese Daten, dachte er (so jedenfalls kann man’s hier in der New York Times nachlesen), erlauben es, persönliche Interaktionen zu kartieren und nachzuvollziehen – und waren daher genau das, was er für eine Simulation der Ausbreitung des A(H1N1)-Virus brauchte.

Die Geschichte hatte ich am 3. Mai in der Zeitung gelesen und für eine Randbemerkung zum Thema Schweinegrippe aufgehoben – und dann im Alltagsbusiness vergessen. Bis mir vorgestern dieser Geldschein in die Hände fiel:

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Nun wissen wir also, dass Geld selbst dann manchmal der Wissenschaft helfen kann, wenn sie es nur anschauen darf …

Den Geldschein habe ich natürlich auf der Wheresgeorge-Site registriert – und weiß nun auch, dass er zum ersten Mal in Jacksonville (Florida) gesichtet wurde und für die knapp 50 Meilen weite Reise von Flemington (New Jersey) nach Manhattan zwei Jahre, 221 Tage, 18 Stunden und 21 Minuten gebraucht hat. Und morgen früh kauf’ ich mir dafür einen Bagel – Dollar, Dollar, Du musst wandern …

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Kommentare (2)

  1. #1 Christian A.
    15. Mai 2009

    Bis jetzt wußte ich nicht, dass es so einProjekt gibt, aber ich finde es phantastisch! Nur aus dem Interesse heraus, wie sich Geldscheine so bewegen können (auch wenn es lückenhaft sein dürfte, weil nicht alle registrieren). Dass dann noch Parameter für ein Modell zur Ausbreitung von Krankheiten dabei herumkommt, ist toll!

  2. #2 klaus diercks. germany
    3. Oktober 2010

    auch ich bin überrascht, was es so alles gibt! ich habe einen solchen one dollarschein
    im märz 2010 in florida bei einem einkauf als weselgeld bekommen. bemerkt habe ich
    ihn aber erst viele monate später, habe ihn an meine pinwand geheftet und heute,
    den 3.10.2010 wieder in augenschein genommen, die webseite angeklickt und bin be-
    geistert von diesem projekt. die reg. nr. ist A 90168349 C. vorerst werde ich den schein noch behalten aber meine tochter fliegt in kürze wieder nach orlando und
    vielleicht gebe ich ihr ihn dann wieder mit.