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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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Archiv März 2009
31. März 2009
Eine texanische Hintertür für Kreationisten
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 4
Die gute Nachricht war, dass sich die Kreationisten bei ihrem Anlauf auf die Schulbücher in Texas nicht durchsetzen konnten: Das Begehren des Vorsitzenden der texanischen Bildungskommission, Dan McLeroy, die Richtlinien für Schulbücher dahin gehend zu ergänzen, dass alle wissenschaftlichen Theorien mit ihren "Stärken und Schwächen" zu repräsentieren seien, wurde von de 15-köpfigen Gremium mit 8 zu 7 Stimmen knapp abgelehnt. Doch nur um den Preis, dass eine Kompromissformel gefunden wurde, die dann am Ende doch ein kleines (?) Hintertürchen für die Anhänger des "intelligenten Design" offen lässt (mehr dazu in diesem Artikel in Salon.com).
Autor: Jürgen Schönstein· 31.03.09 · 06:43 Uhr· 4 Kommentare
28. März 2009
Eigenwilliger Häretiker oder seniler Spinner?
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 8
Es geht um den Physiker Freeman Dyson (85), der auf dem Cover des aktuellen Wochenend-Magazins der New York Times mit der Frage präsentiert wird:
"Wie hat es Freeman Dyson - VEREHRTER WISSENSCHAFTLER, LIBERALER INTELLEKTUELLER, PROBLEMLÖSER - geschafft, die Umweltschützer zu erzürnen?" (Großschreibung im Original).Die einfache Antwort ist natürlich, weil er den Standpunkt vertritt, dass die Gefahren als Folge einer Erwärmung durch steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre überschätzt würden, und weil er einer der prominentesten Mitunterzeichner jenes offenen Briefes an den UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon ist, mit dem 94 Wissenschaftler am 13. Dezember 2007 erklärten, dass es nicht möglich sei, den Klimawandel aufzuhalten sei und man ihn daher nicht bekämpfen, sondern sich als Menschheit lieber anpassen solle.
Autor: Jürgen Schönstein· 28.03.09 · 03:45 Uhr· 8 Kommentare
27. März 2009
"East meets West" in der Krebstherapie
Kategorie: Medizin · Kommentare: 2
Tja, und zwar nicht in einem dubiosen oder drittklassigen Provinzkrankenhaus, sondern am M.D. Anderson Cancer Center der University of Texas in Houston - laut dem Magazin U.S. News & World Report die beste Krebsklinik Amerikas. Ich habe gerade die Einladung zu einem Gespräch am kommenden Donnerstag mit Professor Lorenzo Cohen, dem Leiter der dortigen Abteilung für Verhaltensforschung des Programms für integrative Medizin auf den Tisch bekommen; es soll unter anderem um die "Integration östlicher und komplementärer Medizin in die konventionelle medizinische Krebsbehandlung" gehen, und Dr. Cohen will mir und meinen Journalistenkollegen dabei über seine Forschungsergebnisse hinsichtlich des Nutzens von Akupunktur sowie über Yoga oder Qigong für die Stressbewältigung und Verbesserung der Lebensqualität für Krebspatienten berichten.
Autor: Jürgen Schönstein· 27.03.09 · 00:26 Uhr· 2 Kommentare
26. März 2009
Nimm's sportlich, nimm den Bus!
Kategorie: Medizin · Kommentare: 2
Fünf mal wöchentlich eine halbe Stunde zu Fuß gehen, das genüge schon, um das Risiko von Übergewicht, Herzkrankheiten und Bluthochdruck einzudämmen, riet bereits vor zehn Jahren eine Studie der amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention. Und der einfachste Weg, sich diese Bewegung zu verschaffen ist - die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie dieses tägliche Laufpensum (was einer Distanz von knapp zweieinhalb Kilometern täglich entspricht) erreichen, ist bei Passagieren von Bussen und Bahnen - vor allem, wenn sie in Städten leben - etwa drei mal so hoch wie bei Autofahrern. Das jedenfalls folgern der kanadische Professor Lawrence Frank und sein Doktorand Ugo Lachapelle vom Institut für Gemeinde- und Regionalplanung der University of British Columbia nach ihrer Auswertung von insgesamt 4156 Verkehrsbefragungen in Atlanta (Georgia), die in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Journal of Public Health Policy veröffentlicht wurde.
Autor: Jürgen Schönstein· 26.03.09 · 21:07 Uhr· 2 Kommentare
21. März 2009
Das Gespenst der Steuerflucht
Kategorie: Politik · Kommentare: 1
Ehe ich gleich verbal gevierteilt werde: Mir ist schon klar, dass "Steuerflucht" ein reales Problem ist - schließlich kann ich ja lesen, was Klaus Zumwinkel et al. so alles anstellten, um Einkommen am Finanzamt vorbei zu manövrieren. Oder dass Boris Becker einen Wohnsitz in Monaco vortäuschte, um Millionen an Einkommenssteuer zu sparen. Doch hier geht es mir um die vor allem im Obama-Amerika nun immer wieder zu hörende These, dass man die höheren Einkommensschichten bloß nicht zu stark besteuern dürfe, weil die sonst in Scharen ihre Sachen packen und in freundlichere (Bundes-)Länder oder Staaten ziehen. Und zumindest daran darf man - mit wissenschaftlicher Rückendeckung - zweifeln.
Autor: Jürgen Schönstein· 21.03.09 · 13:38 Uhr· 1 Kommentar
20. März 2009
Ein Drittel der US-Vogelarten in Gefahr
Kategorie: Umwelt
Als George W. Bushs Innenminister Dirk Kempthorne im Mai 2008 erklärte, die Eisbären seien zwar als Folge des Klimawandels vom Aussterben bedroht, doch er verbiete ausdrücklich, dass daraus Klimaschutzmaßnahmen abgeleitet werden - da dachte ich, der hat doch 'ne Meise. Und wenn diese Politik weiter fortgesetzt worden wäre, dann hätte er wohl nicht mal mehr die, denn Kempthornes Nachfolger m US-Innenministerium, Ken Salazar, legte nun einen ausführlichen Lage-Bericht über die Vogelarten Amerikas vor. Und der zeichnet ein düsteres Bild: Etwa ein Drittel aller in den USA heimischen Vogelarten sind vom Aussterben bedroht oder gefährdet.
Autor: Jürgen Schönstein· 20.03.09 · 19:02 Uhr· 0 Kommentare
Kann Krebs-Vorsorge auch zu gründlich sein?
Kategorie: Medizin
Das ist die Frage, die ich mir nach dem Lesen einer Titelstory in der (Donnerstags-)New York Times stellen muss: Der so genannte PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs (ein harmloser Bluttest) funktioniert offenbar so gut, dass er Krebsfälle selbst dann aufspürt, wenn sie sich nie zu einer ernsthaften Gesundheitsgefahr für den Patienten entwickelt hätten. Zwei Langzeit-Studien (jeweils zehn Jahre), die im aktuellen New England Journal of Medicine publiziert wurden - das amerikanische Prostate, Lung, Colorectal & Ovarian Cancer Screening Trial (PLCO), mit Daten von 77.000 Männern, und die European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC), mit 182.000 Teilnehmern. Im Kern sagen beide Studien das gleiche: PSA-Voruntersuchungen entdecken zwar deutlich mehr Prostatafälle - aber sie retten nicht mehr Leben (die nebenstehende Grafik ist via NYT dem NEJM entliehen).
Autor: Jürgen Schönstein· 20.03.09 · 01:10 Uhr· 0 Kommentare
19. März 2009
Was wohl aus dem Ozonloch geworden wäre ...
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 17
Erinnert sich noch jemand an das Ozonloch? Ja, es gab mal eine Zeit, in der nicht die globale Erwärmung das beherrschende Umweltthema war, und in der nicht die Emissionen von CO2, sondern die so genannten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) die größte Sorge der Umweltschützer waren. FCKW, wie beispielsweise Freon oder Frigen, wurden nicht nur als Kühlmittel in Kühlschränken genutzt, sondern vor allem als Treibgase in Spraydosen; am Boden noch relativ harmlos, hatten sie den Effekt, die Ozonschicht in der Stratosphäre - den natürlichen UV-Schutzschild der Erde - zu zerstören. Vor allem über dem Südpol.
Autor: Jürgen Schönstein· 19.03.09 · 16:08 Uhr· 17 Kommentare
Amerikaner einig beim Klimawandel
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 1
Natürlich hätte ich die Überschrift auch reißerischer machen können: "90 Prozent der Amerikaner für Kampf gegen globale Erwärmung" oder "Vier von fünf Amerikanern fordern sparsamere Autos" - denn all dies steht tatsächlich auch so in einer Umfrage des Yale-Umweltinstituts und der George Mason University drin, deren Ergebnisse am Mittwoch bekannt gegeben wurden.
Autor: Jürgen Schönstein· 19.03.09 · 00:37 Uhr· 1 Kommentar
Einsteins IQ - ein steter Sensationsquell
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Was, schon Sommerloch? Wie das Ungeheuer von Loch Ness taucht auch Einsteins Gehirn - oder, ersatzweise, sein Intelligenzquotient - in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in den Medien auf, was meist ein Zeichen für eine Flaute "echter" Nachrichten ist. Und so lese ich auf der AOL-Newsseite (ja, ich benutz' diesen Dinosaurier noch - aus alter Treue) die Schlagzeile "IQ eines Sechsjährigen höher als Einsteins?" - zwar mit Fragezeichen, aber dennoch sensationalistisch. Die Quelle dieser Meldung, Cincinnati.com ist zwar etwas vorsichtiger und schreibt "Lokaler 'Einstein' ist erst 6 Jahre alt", aber die Idee ist die gleiche.
Autor: Jürgen Schönstein· 19.03.09 · 00:14 Uhr· 8 Kommentare
18. März 2009
Mehr Exxon Valdez, bitte!
Kategorie: Umwelt
Hä!?! Das kann doch nicht mein Ernst sein! Ist es auch nicht, aber wie ich überhaupt auf den Gedanken komme, so etwas hinzuschreiben, erkläre ich gleich. Erst mal ein paar Zahlen, die ich im aktuellen National-Geographic-Heft gefunden habe (im Original stammen die Daten vom National Research Council): Demnach gelangen jährlich etwa 1,3 Millionen Tonnen Erdöl - das sind, wenn ich richtig gerechnet habe, etwa 9,5 Millionen Barrel oder knapp ein Drittel dessen, was in Deutschland pro Jahr gefördert wird - in die Ozeane. Rund acht Prozent davon stammen aus Tankschiff-Pannen; aus natürlichen Quellen (wörtlich gemeint) hingegen etwa 46 Prozent dieser Menge.
Autor: Jürgen Schönstein· 18.03.09 · 14:46 Uhr· 0 Kommentare
17. März 2009
Saturn-Monde via Hubble-Teleskop
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Heute geh' ich mal schamlos in Florians Astrodicticum-Simplex-Revier wildern: Auf der europäischen Homepage des Hubble-Weltraumteleskops fand ich das folgende Zeitraffer-Video, das in 30 Sekunden die Saturn-Monde Enceladus, Dione, Titan und Mimas beim Passieren ihres Heimatplaneten zeigt:

(Aufs Bild klicken und ein bisschen Geduld mitbringen, oder hier eine handlichere Dateigröße auswählen.)
Autor: Jürgen Schönstein· 17.03.09 · 20:08 Uhr· 1 Kommentar
HIV-Epidemie in Washington schlimmer als in Westafrika
Kategorie: Medizin · Kommentare: 6
Wie oft hatte ich in den 90-er Jahren hören müssen, dass ein Freund/Bekannter/Nachbar an Aids gestorben war. Wie allgegenwärtig war damals diese Geißel, gegen die die Medizin so machtlos schien. Und wie sehr hat sich das Bild geändert: All die HIV-positiven Freunde und Bekannten, die 1997 keine Symptome zu beklagen hatten, sind auch heute noch ein Bild der Gesundheit. Niemand würde behaupten, dass Aids kein Problem mehr ist - aber es ist ein Problem anderer Länder und Kontinente, wie etwa Afrika, richtig? Falsch! Die Abteilung für Aids/HIV der Gesundheitsbehörde von Washington, DC, alarmiert in ihrem jüngsten Bericht, dass mindestens drei Prozent der Bevölkerung in der US-Hauptstadt mit dem HI-Virus infiziert sind - und diese Zahl ist, wie die Leiterin dieser Behörde, Dr. Shannon L. Hader, am Montag gegenüber der Washington Post erklärte, eher zu niedrig als zu hoch.
Autor: Jürgen Schönstein· 17.03.09 · 14:24 Uhr· 6 Kommentare
16. März 2009
Welchen Preis hat die Umwelt?
Im Nachgang zu meinen Auslassungen über den Copenhagen Consensus sind mir übers Wochenende gleich zwei Artikel in großen US-Medien - namentlich der New York Times und dem Magazin Time - aufgefallen, die alle im Kern die gleiche Frage aufwerfen: Kann man dem Markt vertrauen, wenn es um Umweltfragen ging? Der Copenhagen Consensus hinsichtlich des Klimaschutzes beispielsweise bestand darin, dem Kampf gegen die globale Erwärmung nur eine niedrige Priorität zuzugestehen, da der Nutzen in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzen stehe. In der New York Times vom Sonntag war ein großer Beitrag darüber zu lesen, wie die marktwirtschaftliche Lösung der Wasserversorgung in der chilenischen Atacama-Wüste der trockensten Region der Welt) dazu geführt hat, dass Gemeinden wie Quillagua im wörtlichen Sinn das Wasser abgegraben wurde. Und das US-Time-Magazin zählt in seiner aktuellen Titelstory über die "Zehn Ideen, die die Welt gerade verändern" (10 Ideas Changing the World Right Now) auch das "Rent-a-Country"-Konzept zu diesen Ideen - das Konzept, dass reiche(re) Länder mit knappen oder nicht vorhandenenn agrarischen Potenzialen (Saudiarabien wäre hier natürlich an erster Stelle zu nennen) große Flächen in vegetationsfreundlicheren, aber dafür ärmeren Teilen der Welt pachten, um dort für sich Reis oder Palmöl anbauen zu lassen.
Autor: Jürgen Schönstein· 16.03.09 · 20:33 Uhr· 0 Kommentare
14. März 2009
Copenhagen Consensus - Schnee von gestern
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 8
Ja, warum schreib' ich denn dann darüber? Weil ich den Copenhagen Consensus in Diskussionen immer wieder mal als ein "Argument" gegen den Klimawandel finde und der Initiator des Consensus, Professor Bjørn Lomborg quasi als "Anti-Al-Gore" zum Vorzeigehelden der "Klimaskeptiker" (wie immer verwende ich diesen Begriff mit dem warnende Hinweis, dass ich ihn für absurd halte - aber dies scheint, so weit ich es verfolgen kann, noch das neutralste Etikett zu sein, das man dieser Gruppe geben kann) stilisiert wurde. Letzteres zeigt ja schon, wie absurd diese Idee ist: Gore ist kein Klimaforscher, er ist ein Politiker und (Achtung, Pleonasmus!) Selbst-Promoter. Allerdings vertritt er eine Position, die im Prinzip mit zahlreiche Klimaforscher mit ihm teilen.
Autor: Jürgen Schönstein· 14.03.09 · 00:21 Uhr· 8 Kommentare
13. März 2009
Rezession als Retter vor dem Henker?
Kategorie: Politik · Kommentare: 2
Indirekt jedenfalls ist sie das. Denn im Gegensazt zu dem, was selbst deutsche Stammtischpolitiker glauben - "Kopf ab und Schluss!" - ist es keineswegs billig, jemanden juristisch korrekt vom Leben zum Tod zu befördern. Eine Studie des Urban Institute hat für den Staat Maryland mal nachgerechnet und festgestellt, dass zwischen 1978 und 1999 ein Todesurteil - einschließlich aller Justizvollzugskosten - im Schnitt 3 Millionen Dollar kostete. In kapitalen Fällen, in denen die Staatsawaltschaft jedoch vor vorne herein darauf verzichtete, die Todesstrafe zu beantragen, entstanden hingegen nur Gesamtkosten von durchschnittlich 1,1 MIllionen Dollar.
Autor: Jürgen Schönstein· 13.03.09 · 20:04 Uhr· 2 Kommentare
Carnegie-Forscher: "Riffe werden sich auflösen"
Kategorie: Umwelt
Dass durch Erwärmung und Übersäuerung mit CO2 die Korallenriffe bedroht sind, hatte ich schon früher hier geschrieben. Doch nun haben Ken Caldeira und seine Kollegen von der Carnegie Institution for Science, sowie Boaz Lazar und Jonathan Erez von der Hebrew University of Jerusalem die Fakten noch weiter verfolgt. In einem Bericht, der am Donnerstag (13.3.) in den Geophysical Research Letters erscheinen wird, legen sie dar, dass die Riffe bei einem atmosphärischen CO2-Gehalt von 560 ppm nicht nur absterben werden (dieser Prozess ist ja bereits im Gang), sondern dass sich ihre Kalkstrukturen unter diesen Bedingungen so weit entmineralisieren, dass sie sich auflösen.
Autor: Jürgen Schönstein· 13.03.09 · 00:23 Uhr· 0 Kommentare
12. März 2009
Die Macht des Imperfekts
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 4
Als Journalist kann ich fast gar nicht anders, als an die Macht des Wortes zu glauben. An die Macht der Grammatik hingegen hätte ich bisher - abgesehen von der Macht, die sie den Lektoren über die Schreiber geben kann - gar nicht gedacht. Sollte ich aber wohl: Ein Artikel, der in der US-Fachzeitschrift Psychological Science erschienen ist, scheint zu belegen, dass die Verwendung des Präteritum (früher nannte man es das Imperfekt) eine deutliche Steigerung bei Gedächtnisleistungen bewirken kann.
Autor: Jürgen Schönstein· 12.03.09 · 03:08 Uhr· 4 Kommentare
"Wasserpistole" gegen Weltraumschrott
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik
Nicht erst seit dem 10. Februar, als ein ausgedienter russischer Millitärsatellit einen der Iridium-Telekom-Satelliten zerschrottete, weiß man um die Probleme Bescheid, die der Weltraumschrott,
der "Space Junk" (dazu die nebenstehende ESA-Grafik), zur Folge haben kann. Laut einem Artikel des Wall Street Journal (Nicht-Abonnenten finden ihn - hoffentlich noch - hier) stellt der Weltraumschrott inzwischen eine größere Gefahr für Space-Shuttle-Missionen dar als mögliche Unfälle bei Start oder Landung (und welche fatalen Folgen solche Unfälle haben können, zeigten Challenger und Columbia). Im gleichen Artikel kann man aber auch einen Lösungsvorschlag lesen, den sich der Raumfahrt-Ingenieur Jim Hollopeter von der Satelliten-Firma GIT Satellite Communications ausgedacht hat. Und der ist bestechend simpel - ob er funktionieren kann, das wage ich jedoch nicht zu berurteilen. Hollopeter schlägt vor, Raketen (es könnten ja ein paar betagte Modele sein, die eh bald ausrangiert werden müssen) zu orbitalen "Wasserpistolen" aufzurüsten, die die Schrott-Teile dann mit einem Wasserfilm besprühen würden. Diese zusuatzliche Masse würde dann, wenn ich es richtig verstanden habe, diese Weltraumtrümmer nach und nach in einer niedrigere Umlaufbahn und schließlich zu einem glühenden Ende in der Erdatmosphäre absenken.
Autor: Jürgen Schönstein· 12.03.09 · 00:54 Uhr· 0 Kommentare
11. März 2009
Die Freiheit der Forscher
Kategorie: Naturwissenschaften
Ohne weiteren Kommentar, hier ein Cartoon des US-Karikaturisten Walt Handelsman, gefunden auf seinem Blog :

Autor: Jürgen Schönstein· 11.03.09 · 17:21 Uhr· 0 Kommentare
Die "Evolutionslehre" der Managergehälter
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften
Der Bogen von der Biologie zu den Bankiersgehältern, den der Kolumnist Eduardo Porter diese Woche in der New York Times spannte ("On the Origin of Bankers' Giant Bonuses"), mag im Hinblick auf sein Verständnis der Evolutionslehre etwas überstrapaziert wirken: Der Vergleich zwischen fetten See-Elefantenbullen und den fetten Managergehältern hinkt zwar ein wenig, da für die Großrobben das Fettpolster sicher biologisch sinnvoll ist, während verfetteten Bankiersbezüge eine von vielen Ursachen der akuten Arteriosklerose des wirtschaftlichen Kreislaufs sind. Aber dass die Evolution der Bankiersgehälter einen Zustand erreichen musste, der das Überleben ihrer Art gefährdet, wirkt in Porters Darstellung ganz plausibel.
Autor: Jürgen Schönstein· 11.03.09 · 00:47 Uhr· 0 Kommentare
10. März 2009
Ogottogottogott - wird Amerika noch gottlos?
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 8
Der Gute ist in den USA zwar noch in aller Munde - von der allüberall gebrauchten (Gruß)-Floskel "God bless America", über den von der Verfassung zwar nicht vorgeschriebenen, aber generell praktizierten Eides-Schlussatz "So help me God" und den morgendlichen Fahneneid in vielen Schulen ("Pledge of Allegiance") mit der ebenfalls nachträglich eingefügten Passage "One Nation under God", bis hin zu den alltäglichen Münzen und Geldscheinen (ok, die sind hoffentlich in niemands Munde) und ihrem Motto "In God We Trust". Doch die Zahl seiner Anhänger seiner Anhänger sinkt stetig - oder, wenn mann so sagen wollte, die der potenziellen Mitfahrer in eventuellen Atheistenbussen wächst immer weiter. Laut dem American Religious Identification Survey (ARIS), der vom Program on Public Values am Trinity College in Hartford (Connecticut) durchgeführt wurde, bezeichnen sich inzwischen 15 Prozent der Amerikaner als religionslos. Den Report findet man hier.
Autor: Jürgen Schönstein· 10.03.09 · 00:30 Uhr· 8 Kommentare
09. März 2009
Konferenz der Klima-Skeptiker
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 4
Na, das dürfte wenigstens eine Konferenz sein, auf der sich niemand ein schlechtes gewissen machte, weil er/sie mit dem Flugzeug angereist kam: Das Heartland Institute, Bastion aller Kritiker an den Thesen des Klimawandels und des IPCC, veranstaltet seit Sonntag im New Yorker Hotel Marriott Marquis seine jährliche International Conference on Climate Change. Obwohl selbst der Ölmulti Exxon inzwischen seine Förderung für das Heartland Institute eingestellt hat (zwschen 1998 und 2006 kassierte die Organisation jährlich knapp 100.000 Dollar von den Ölbaronen), sehe es in der Spendenkasse gut aus, versichert der Präsident des Heartland Institute, Joseph L. Bast, in der Montagausgabe der New York Times. Alle Klima-"Skeptiker" (immer noch ein blöder Begriff, aber es weiß eh' jeder, welche Gruppe hiermit gemeint ist), die auf dem Standpunkt stehen, dass es gar keinen globalen Erwärmungstrend gebe, sollten sich von dieser Konfernez allerdings wohl lieber fern halten. Denn bei allem Beharren darauf, dass sich die Nobelpreisträger IPCC und Al Gore geirrt haben müssen, scheinen die Organisatoren doch den Trend als solches inzwischen akzeptiert zu haben: "Global Warming: Was it Ever a Crisis?" lautet nun das Motto. Na, dann hoffe ich doch nur, dass der Sand, in den sie hier kollektiv ihre Köpfe stecken wollen, nicht zu heiß ist ...
Autor: Jürgen Schönstein· 09.03.09 · 16:18 Uhr· 4 Kommentare
Obama gibt Stammzellenforschung frei
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 2
Präsident Barack Obama ist seinem Versprechen, der Wissenschaft ihren angestammten Platz zurück zu geben, einen Schritt näher: Am heutigen Montag (9. März 2009) wird er den Erlass seines Vorgängers aufheben, der es im Prinzip untersagte, die Forschung an embryonalen Stammzellen direkt oder indirekt mit Bundesmitteln zu fördern (ausgenommen waren ein paar "legitimierte" Stammzellen-Kulturen). Damit soll, so heißt es, auch die "Integrität der Wissenschaft" wieder ein Stück mehr restauriert werden.
Autor: Jürgen Schönstein· 09.03.09 · 14:42 Uhr· 2 Kommentare
Wissenschaftlich gesungen ...
Kategorie: Naturwissenschaften
Ob sie nun wegen der Geräuschverbindung (um Wilhelm Busch zu paraphrasieren) als schön empfunden wird oder nicht - Musik ist definitiv Geschmackssache. Und mein Musikgeschmack ist es sicher nicht, was als "Singing Science Records" in den späten 50-er und frühen 60-er Jahren von Tom Glazer und seiner Partnerin Dottie Evans in Vinyl gepresst wurde. Aber mein neunjähriger Sohn ist von den Songs ganz begeistert - was bedeutet, dass sie bei Autofahrten manchmal pausenlos laufen müssen. Und warum soll ich der einzige hier sein, der solche Ohrwürmer wie "Why does the sun shine" tagelang nicht aus dem Kopf kriegen kann?
(In dieser Version tut Sting alias Gordon Sumner so, als ob er den Song sänge ...)
Autor: Jürgen Schönstein· 09.03.09 · 03:03 Uhr· 0 Kommentare
06. März 2009
Der rechtmäßige Platz der Wissenschaft ...
Kategorie: Politik · Kommentare: 6
In seiner Rede zum Amtsantritt hatte Barack Obama versprochen, der Wissenschaft wieder ihren angemessenen Platz zurück zu geben:.
Dafür gab's berechtigten Applaus. Doch wie schwierig sich dies in der Praxis gestaltet, zeigt sich jetzt: In seinem 410 Milliarden Dollar schweren Ausgaben-Paket, das dem Senat vorliegt, sind insgesamt 8570 so genannte "Earmarks", also speziell geförderte Sonderausgaben (im Volksmund auch "pork barrel" genannt - ein Begriff, der sich auf die altertümliche Bevorratung von gepökeltem Schweinefleisch in Fässern bezieht, dessen genaue Bedeutungsentwicklung aber obskur ist), im Gesamtwert von irgendwo zwischen 3,8 und 7,7 Milliarden Dollar vorgesehen. Und die liefern den Kritikern einen griffigen Hebel, denn Obama war ja ausdrücklich mit dem Versprechen angetreten, solche Sonderausgaben - die meist nur einer kleinen Gruppe dienen und oft als "Wahlgeschenke" von Senatoren oder Abgeordneten propagiert werden - aus dem Haushalt zu tilgen.
Autor: Jürgen Schönstein· 06.03.09 · 00:22 Uhr· 6 Kommentare
05. März 2009
Und wieder mal die Tarnkappe ...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Manchmal kann man aus seiner journalistischen Haut nicht raus: Wenn ich wissenschaftliche Artikel in die Hand bekomme, die von Tarnkappen, elektromagnetischen Wurmlöchern und Transformationsoptiken handeln, schlägt mein Herz höher. Und wenn dann die dazu gehörende Pressemitteilung - die in diesem Fall von der Society for Industrial and Applied Mathematics stammt - auch noch jubelt "Scientists closer to making invisibility cloak a reality", dann möchte ich natürlich schon die Schlagzeilen dichten. Der Haken ist nur: Weiter als bis zu den Sätzen, die sich auf den griechischen Helden Perseus oder Harry Potter berufen, reicht mein Fach-Verständnis nicht.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.03.09 · 18:11 Uhr· 6 Kommentare
Glück und Gesundheit, global gesehen
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin
"Lieber reich und gesund als arm und krank", pflegte mein Vater zu sagen. Wenn man den Sarkasmus dabei mal außer Acht lässt, wird man den Zusammenhang zwischen körperlichem und geistigem Wohlbefinden auch in einer modernen Industriegesellschaft unschwer nachvollziehen können. Dass materieller Wohlstand dabei nachrangig sein kann, behauptet nicht nur das alte Sprichwort (zumindest in seiner ursprünglichen Form, "lieber arm und gesund ..."), dies belegt auch eine Pressemitteilung der University of Kansas, die sich wiederum auf eine Auswertungs des Gallup World Poll bezieht, die von der KU-Psychologiedozentin und Gallup-Mitarbeiterin Sarah Pressman auf der Jahrestagung der American Psychosomatic Society in Chicago präsentiert werden soll.
Autor: Jürgen Schönstein· 05.03.09 · 00:35 Uhr· 0 Kommentare
04. März 2009
Bitte wach bleiben, Oma!
Kategorie: Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Um Himmels willen! Von wegen, Schlaf sei gesund: Für Frauen über 69 Jahre kann, wenn man der Studie im aktuellen Journal of the American Geriatrics Society glauben darf, zu viel Schlaf sogar tödlich sein. Denn der Studie zu Folge haben Frauen dieses Alters, die regelmäßig ein Nachmittagsschläfchen halten, ein um 58 Prozent höheres Risiko, an Herzerkrankungen zu sterben als ihre "aufgeweckten" Altersgenossinnen. Und für nicht durchs Herz und nicht durch Krebs verursachten Todesarten sei, so schreiben die neun Autoren unter der Federführung von Dr. Katie L. Stone am California Pacific Medical Center das Risiko der Schlafmützinnen sogar um 59 Prozent höher. Und nicht nur das Nickerchen ist gefährlich: Auch eine Stunde mehr Schlaf in der Nacht (neun bis zehn Stunden, statt acht bis neun) hat einen vergleichbar Herz zerreißenden Effekt.
Autor: Jürgen Schönstein· 04.03.09 · 19:43 Uhr· 2 Kommentare
03. März 2009
Fröhlicher Quadratwurzeltag!
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 3
Für mich als Nicht-Rechner (oder zumindest Nicht-mehr-als-nötig-und-selbst-das-nicht-oft-Rechner) hatte der heutige Tag keine besondere Bedeutung, aber eben sah ich im Rockefeller-Aufzug aus dem Augenwinkel auf einem Nachrichten-Bildschirm, dass in einschlägig interessierten Kreisen heute der Quadratwurzel-Tag gefeiert wird - einer der neun Tage im Jahrhundert, an denen sich die Monats- und Tagesangaben als Wurzel des Jahres ausdrücken lassen. Den nächsten Tag dieser Sorte gäbe es erst wieder am 4.4.2016 zu begehen, dann käme der 5.5.2025 und so weiter ...
Autor: Jürgen Schönstein· 03.03.09 · 20:50 Uhr· 3 Kommentare
Wer zahlt, schafft an - auch in Harvard?
Kategorie: Medizin
Ohne Gelder aus der Industrie liefe an amerikanischen Universitäten vermutlich nicht sehr viel: 31,6 Milliarden Dollar sammelten sie im vergangenen Jahr von privaten und institutionellen Spendern ein. Die Harvard-Universität, die von diesen 31,6 Milliarden etwa 650 Millionen Dollar für sich abzweigen konnte, bestritt damit knapp ein Fünftel ihres 3,5-Milliarden-Budgets. Aber nicht nur die Unis selbst genießen die Großzügigkeit von Spendern - es scheint ganz normal zu sein, dass sich auch Professoren direkt für Beratungsleistungen und andere Gefälligkeiten von der Pharmaindustrie bezahlen lassen. Die Medizinstudenten in Harvard scheinen sich jedenfalls ernste Sorgen um die Integrität der Lehre unter dem Einfluss der Pharmaindustrie-Gelder zu machen, wie man einem Artikel im Wirtschaftsteil der heutigen (3.3.2009) New York Times entnehmen kann.
Autor: Jürgen Schönstein· 03.03.09 · 18:21 Uhr· 0 Kommentare
02. März 2009
Eine Überraschung im fossilen Hirnkästchen
Kategorie: Naturwissenschaften
Die Fülle der schlechten Witze, die mir alle einfielen, als ich über den Pressedienst der American Museum of Natural History in New York die Vorabmeldung mit der Überschrift "Ältestes fossiles Hirn in Kansas gefunden" erhielt, will ich jedermann lieber ersparen, denn im Kern kreisen sie alle eh' nur um Politiker und auch einige Blog-Kommentatoren sowie die Frage, ob die nun alle in Kansas wohnen. Aber die Nachricht als solche ist durchaus ernst und wird auch in der Online-Vorabausgabe der Proceedings of the National Academy of Science erscheinen: Alan Pradel vom Pariser Museum für Naturgeschichte hat beim CAT-Scan der versteinerten Hirnschale eines etwa 300 Millionen Jahre alten Iniopteryx Sibyrhynchus denisoni (einem Knorpelfisch, am ehesten mit den heutigen Seekatzen oder Chimären verwandt) einen kleinen Klumpen entdeckt, der sich als das älteste fossile Hirn entpuppte.
Autor: Jürgen Schönstein· 02.03.09 · 23:00 Uhr· 0 Kommentare
Rock-it Science in New York
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Schade, dass ich's wegen einer Reise erst heute im Veranstaltungskalender gesehen habe und daher für Dienstag Abend bereits verplant bin: Da werden nämlich Wissenschaftler wie Rockstars empfangen - wortwörtlich! Beim Rock-it Science Festival im Highline Ballroom werden nicht nur Musiker wie Rufus Wainwright, The Kennedys, Dee Snider, oder Steve Wynn auftreten, sondern auch ein paar waschechte Wissenschaftler, wie etwa der Neurospychologie-Professor (und Songschreiber) Daniel Levitin, die Harvard-Genetikerin Pardis Sabeti mit ihrer Band Thousand Days oder der New Yorker Neurowissenschaftler Joseph E. LeDoux, gleichzeitig Frontman und Gitarrist der Band Amygdaloids.
Science rocks!
Autor: Jürgen Schönstein· 02.03.09 · 16:37 Uhr· 1 Kommentar
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