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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.

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23.02.09 · 21:20 Uhr

Das Grauen im Haarschopf

Kategorie: Naturwissenschaften

Ich bin eine von vielen unfreiwlligen, aber natürlichen Wasserstoffblondinen. Sieht man auf dem kleinen Profilfoto meines Blogs vielleicht nicht sehr gut, aber wie ich gerade gelesen habe, ist die Masse an grauen und weißen Haaren, die seit einigen Jahren schon in meinem Schopf wuchert, das Resultat einer natürlichen Selbst-Bleichung mit Wasserstoffperoxid (H2O2). So steht es jedenfalls, wenn ich das Abstract und die dazu gehörende Pressemitteilung auf Eurekalert.org richtig gelesen habe, im Journal der Federation of American Societies for Experimental Biology. Demnach sind die weißen Haare, die sich mit zunehmendem Alter bilden, die Folge einer Anreicherung von H2O2 in den Haarfollikeln, die wiederum aus einer offenbar altersbedingten Verminderung des Enzyms Katalase resultiert. Das derart angereicherte Peroxid verhindert, kombiniert mit einem gleichzeitg auftretenden Mangel der für die Reparatur solcher Haarschäden zuständigen Enzyme Methinoin-Sulfoxid-Reduktase (MSR) A und B, die Bildung des Enzyms Tyrosinase und damit Synthese des Farbstoffes Melanin.

Vor lauter Enzymen weiß ich nun gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht, und die Erkenntnis, wie meine Haare so grau werden, gibt ihnen ja noch lange nicht ihre ursprüngliche Farbe zurück (nicht, dass die besonders prachtvoll gewesen wäre - aber man nimmt, was an kriegen kann). Aber diese Erkenntnis, die - wenn ich den Abstract richtig verstehe - schon länger vermutet, aber bisher nie bestätigt wurde, könnte nun dazu genutzt werden, ein wirksames Mittel gegen diesen Farbverlust zu entwickeln. Doch darüber will ich mir lieber keine grauen Haare wachsen lassen ...

 

Autor: Jürgen Schönstein· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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