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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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30.01.09 · 17:21 Uhr
45 Milliarden $ Rekordgewinn für Exxon
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 8
Sicher eine schöne Nachricht für Aktionäre: Der Ölkonzern Exxon Mobil hat im Jahr 2008 - nach allen Maßstäben eigentlich kein gutes Jahr für die Gesamtwirtschaft - einen Rekordgewinn von 45,22 Milliarden Dollar gemacht. Elf Prozent mehr als in ihrem bisherigen Rekordjahr 2007. Wollte ich hier nur mal für den Fall notiert haben, dass so genannte "Klimaskeptiker" wieder das Bedürfnis verspüren, die "arme' Energiebranche und ihre Interessen gegen die Forderungen nach reduziertem Konsum an fossilen Brennstoffen zu verteidigen ...
Autor: Jürgen Schönstein· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (8)
Schön zu lesen. Nächstes Jahr macht dieser Konzern nur 43 Milliarden Gewinn, dann werden wieder Arbeitsplätze geopfert, damit im folgenden Jahr die Bilanz nicht " wieder"
so schlecht aussieht. Aber vielleicht kann ja der Steuerzahler auch wieder helfen..........
Vielleicht sind es genau solche Argumente, mit denen man sich Klimaskeptiker heranzüchtet -- weil sie genauso schwer zu ertragen wie zu zerlegen sind. Eigentlich handelt es sich nicht mal um ein Argument, sondern nur um einen platten Appell an die niederen Instinkte derjenigen, die Kapitalismus und Konzerne schon immer doof fanden. In manchen Kreisen gilt erfolgreiches Wirtschaften wohl generell als unanständig, um so unanständiger, je größer der Gewinn ausfällt.
So kann und darf man denken, aber wer es täte, der müsste dabei allerlei über Bord werfen. Das Wissen zum Beispiel, dass es jedem freisteht, Anteile an einer Aktiengesellschaft zu erwerben, sich damit am Gewinn zu beteiligen und das befreite Geld für den Klimaschutz einzusetzen. Viele von uns könnten sich das sogar leisten, würden sie weniger Geld für Benzin und Benzinverbraucher verschleudern. Für jede Tankfüllung eine Aktie, da kommt schon was zusammen. Aber meckern und irgendwie-doof-finden ist natürlich einfacher und angenehmer. Und dann verstärkt sich das auch noch selbst. Wer im vergangenen Jahr fleißig zu hohen Preisen Benzin gekauft hat, statt seinen Teil zur Enteignung der bösen Kapitalisten und zur Reinvestition der Gewinne in den Klimaschutz zu tun, der kann jetzt noch Krokodilstränen über den unglaublichen Gewinn von Exxon vergießen.
Mit anderen Worten, blöder geht es kaum, jedenfalls aus der Sicht desjenigen, der die hier stillschweigend unterstellten politischen Prämissen nicht teilt. Und so eine ideologiegeleitete Betrachtung wird nun mit Assoziationen zur Klimaforschung garniert. Liegt es da nicht nahe, dass einige in den Versuch verirren, das Problem an der vermeintlichen Wurzel, also an den Ergebnissen der Klimaforschung zu packen? Gelänge dies, wäre der Sieg schließlich grandios. Natürlich kann es nicht gelingen, denn tatsächlich liegt die Wurzel irgendwo zwischen Vulgärmarxismus, Greenpeacologie und einem Hang zur folgenlosen Nörgelei. Aber verständlich ist es schon. Hat die Klimaforschung Feinde, weil sie die falschen, aber durchschaubaren Freunde hat?
@Sven Türpe
Ich hoffe, Sie haben während dieser Tirade mal Luft geholt ... Aber was immer Sie hier unterstellen/interpretieren/schon-immer-mal-sagen wollten, ändert nichts daran, dass die Energiewirtschaft die größten finanziellen Interessen am Status Quo hat. Und dass Exxon Mobil bis vor gar nicht so langer Zeit mit Multimillionen-Aufwand die Forschung (was immer man davon halten mag) gegen den Klimawandel unterstützt hat, weil es eben diese finanziellen Interessen gefährdet sah.
Tiraden kann ich auch; mein Kommentar oben war keine. Obwohl ich allen Grund zu einer hätte angesichts der verbreiteten Unfähigkeit -- oder ist es gar Unwille? -- die unausgesprochenen Prämissen eigener Ansichten zumindest zur Kenntnis zu nehmen. Aber zur Sache.
Exxon Mobil hat also mit Millionenaufwand Forschung finanziert, die, so lese ich zwischen den Zeilen, den heute als Konsens geltenden Kenntnisstand nicht ins Wanken gebracht und damit im Endeffekt sogar gestärkt hat. Habe ich das richtig verstanden? Dann bliebe als Vorwurf nur noch die korrekte Feststellung, dass Wirtschaftsunternehmen wirtschaftliche Interessen haben und diese verfolgen. Das aber ist erstens trivial und zweitens nicht zu verurteilen. Im Gegenteil, es ist ein wesentliches Element unseres Gesellschaftsmodells, dass Interessenträger ihre jeweiligen Interessen selbst formulieren und vertreten. Das kann man ändern wollen, aber dann soll man das auch so sagen und nicht die Klimaforschung als Strohmann verwenden.
Für eine Unterstellung halte ich den Zusatz, das Interesse der Energiewirtschaft richte sich spezifisch auf die Erhaltung eines Status Quo. Tatsächlich sind Wirtschaftsunternehmen die wohl am wenigsten ideologisch geprägten Einrichtungen unserer Gesellschaft. Sie geben nichts kampflos her, wer täte das schon, begnügen sich aber letztlich in aller Regel mit einem vernünftigen Maß an Investitionsschutz und hinreichend langen Anpassungszeiträumen. Was ebenso regelmäßig auch der Gesellschaft dient; man stelle sich nur einmal vor, eine durchgeknallte Regierung würde im großen Stil einfach Unternehmen schließen. Damit das nicht passiert, haben wir unserer Gesellschaft eine Reihe von Moderationsmechanismen gegeben, die dafür sorgen, dass Debatten stattfinden und so lange dauern wie nötig. Exxon Mobil ist wie jedes andere Unternehmen, jede Privatperson, jede Partei, jeder Politiker, jede Lobbyorganisation ein legitimer Teilnehmer. Dass Forderungen und Äußerungen in solchen Debatten auch taktischen und strategischen Erwägungen folgen, ist normal.
Das überarbeitete Exxon-Argument ist also erst recht nichts als billige Stimmungsmache. Die hat ihren Platz in politischen Debatten, keine Frage. Nur sollte sich niemand wundern, dass es zu Übertragungseffekten auf die häufig im Zusammenhang genannte Klimaforschung kommt. Immerhin ist der Klimawandel zwar begreiflich, aber in der Alltagserfahrung absolut nicht spürbar. So etwas glaubt man nicht ausgerechnet denjenigen unbesehen, die mit einigen Kulturleistungen der letzten 250 Jahre auf Kriegsfuß zu stehen scheinen.
Exxon ist einer der Hauptsponsoren des Fraser Institute. An diesem Institut arbeitet zum Beispiel der Wirtschaftswissenschaftler Ross McKitrick, über dessen "Forschung" zur globalen Temperatur ich hier geschrieben hatte.
@Sven Türpe
"Exxon Mobil hat also mit Millionenaufwand Forschung finanziert, die, so lese ich zwischen den Zeilen, den heute als Konsens geltenden Kenntnisstand nicht ins Wanken gebracht und damit im Endeffekt sogar gestärkt hat. Habe ich das richtig verstanden?"
Nein. Alles weitere steht schon in Thilos Kommentar, muss ich hier also nicht wiederholen.
Thilo fasst seinen eigenen Blogeintrag so zusammen:
Ich erkenne auch in der Finanzierung einer solchen Arbeit keinen natürlichen Träger für die negative Konnotation, die Sie nun schon zweimal erfolglos anzuheften versucht haben. An einer gesinnungsethischen Begründung könnte man sich noch versuchen, aber dabei dürfte kaum mehr herauskommen als man anfangs an Annahmen hineinsteckt.
Ich schlage vor, dass wir die Diskussion an dieser Stelle beenden und vorerst festhalten: Sie finden Exxon irgendwie blöd, ohne das wirklich begründen zu können; mir ist Exxon egal, Stimmungsmache mit vagen Andeutungen aber nicht; und mit Klimaforschung und Wissenschaft hat das alles nichts zu tun. Ich erlaube mir abschließend noch den Hinweis, dass es sich beim Konstrukt: "arbeitet für X, die auch Geld von Y bekommen (haben)" um ein Stilmittel aus dem Grundkurs Verschwörungstheorie handelt, das freilich hier ausnahmsweise zum äußerst eingeschränkten Thema passt.
"Ich schlage vor, dass wir die Diskussion an dieser Stelle beenden und vorerst festhalten: Sie finden Exxon irgendwie blöd, ohne das wirklich begründen zu können; mir ist Exxon egal,"
Zustimmung zum Teil "beenden". Ihre Schlussfolgerung, die Sie festhalten wollen, hingegen ist ein Trugschluss - aber (sorry for diese persönliche = ad hominem = Feststellung) der ist ja konsistent mit dem meisten, was Sie bisher vorgebracht haben. Gute Nacht.