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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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03.12.08 · 21:34 Uhr
Die Lärmpest unter dem Meer
Kategorie: Umwelt
Unter den Wellen herrscht ein Höllenlärm. Anders kann man es wohl nicht mehr ausdrücken. Auf einer Tagung des UN-Umweltprogramms (UNEP) in Rom wurden Fakten über die Lärmbelastung der Ozeane diskutiert, die nicht nur den Walen und anderen Meeresgetieren keine ruhige Minute mehr lassen werden, sondern auch dem Menschen anhaltend in den Ohren klingen sollten. Schließlich sind wir es, die den Lärm verusachen.
Ein paar Fakten: Im pazifischen Ozean beispielsweise hat sich der Schiffslärm über die vergangenen vier Jahrzehnte hinweg versechzehnfacht (Verdoppelung pro Jahrzehnt), im Mittelmeer, dem Schwarzen Meer und dem Atlantik wurde die gleiche Tendenz beobachtet. Der weltweite Schiffsverkehr wird sich bis zum Jahr 2025 verdoppeln. Neben den Motorrgeräuschen sind dabei vor allem die Sonarsysteme, die einen Schalldruck bis zu 235 Dezibel aussenden können, und seismische Messungen (vor allem für die Öl-Exploration) mit Schallstärken von maximal 259 dB die Hauptquellen des Lärms.
Aber wirklich überraschend ist, dass auch hier die drohende globale Klimakatastrophe - genau gesagt, deren Ursachen - mit ins Spiel kommen. Denn durch die CO2-Übersäuerung der Meere ändert sich auch die Schall-Leitfähigkeit des Wassers: Forscher des Monterey Bay Aquarium Research Institue hatten bereits im September nachweisen können, dass vor allem tiefe Frequenzen dadurch bis zu 10 Prozent weniger absorbiert werden und sich entsprechend weiter ausbreiten können. Bis zum Jahr 2050 könnte damit ein Zustand erreicht werden, in dem die Schallwellen der Sonargeräte und vor allem der Druckkanonen für seismische Messungen - die bisher schon in mehr als 3000 Kilometer Distanz noch messbar sind - um 70 Prozent weiter reichen als bisher. Schon heute hat dieser Hintergrundlärm den Radius, in dem sich Blauwale verständigen können, um 90 Prozent reduziert.
Dass der Krach unter Wasser eine der Mitursachen für Massenstrandungen von Walen sind, hat man ja schon gehört. Hinzu kommen Zusammenstöße mit Schiffen: 46 von insgesamt 287 tote Finnwalen, die im Mittelmeer bisher gezählt wurden, waren an den Folgen einer Schiffskollision gestorben.
Und auch die letzten Rückzugsgebiete vor dem Krach werden bald verschwinden: Mit dem Schrumpfen der arktischen Eiskappe wird nicht nur der Schiffsverkehr durch die Nordost- und Nordwestpassage zunehmen, es wird auch möglich werden, dort verstärkt nach Öl und Gas zu suchen (mit den bereits erwähnten Seismo-Krachern, natürlich).
Autor: Jürgen Schönstein· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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