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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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18.06.08 · 08:12 Uhr
Besser auf dem Donnerbalken
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 3
Daran, dass unzureichende sanitäre Infrastruktur eines der wichtigsten Probleme bei der Bekämpfung von Epidemien in der dritten Welt ist, besteht kein Zweifel. Doch falls jemand daraus im Umkehrschluss folgern würde, dass moderne Sanitäranlagen - mit Wasserspülung nach westlichem Vorbild, versteht sich! - die Lösung des Problems wären, so irrt sich der.
Es ist schwer, ernst zu bleiben, wenn die Schlagzeile der Pressemitteilung "Latrines Trounce Toilets" (salopp etwa mit "Latrinen machen Toiletten platt" zu übersetzen) lautet (der Artikel selbst erschien in "Environmental Sciences and Technology"). Aber die Frage, mit der sich die Professoren David Watkins und James Mihelcic, gemeinsam mit der Doktorandin Lauren Fry, am Sustainable Futures Institute der Michigan Technological University befassten, ist eine ernste Betrachtung wert: Wie kann man die sanitären Verhältnisse in Entwicklungsländern mit vertretbarem Aufwand verbessern?
Und eine häufig richtige Antwort ist die auch als "Donnerbalken" geschmähte Latrine. Sicher kein Vergnügen für die Nase, aber bei der Bekämpfung von Krankheiten wie der Ruhr (Dysenterie) oder der Cholera hat diese schlichte Sanitäranlage die sprichwörtliche Nase vorn. Denn WCs wären nur dort sinnvoll, wo a) genug Wasser zum Spülen verfügbar ist und b) das dabei entstehende Abwasser geklärt werden kann, ehe es die Bäche und Flüsse erreicht, die Trink- und Nutzwasser für die Landwirtschaft liefern. Eine Latrine, korrekt angelegt, erspart solche Wasserverunreinigungen.
Das klingt nun sicher keineswegs überraschend; in der Praxis sieht es aber leider oft eher so aus, dass moderne "Waschräume" (ein Euphemismus, der offenbar aus dem amerikanischen Sprachgebrauch übernommen wurde) als Vorzeigeobjekte der Entwicklungshilfe gelten. Wie Watkins selbst zugibt: "Als Ingenieure bauen wir halt gerne Sachen." Aber manchmal seien die kleinen, low-technischen Maßnahmen besser als die scheinbar fortschrittlicheren Lösungen.
Autor: Jürgen Schönstein· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
BTW, auch Hundertwasser hat eine Kompost-Toilette entworfen/"erfunden", vielleicht fällt es der Entwicklungshilfe leichter, wenn sie gleichzeitig "Kunst" exportieren können.
Der Witz ist ja, dass auch eine Trockentoilette durchaus Ansprüche an die Ingenieurskunst stellen kann. Zum Beispiel gibt es praktisch einsetzbare Urinale, deren besonders glatte Beschichtung die Wasserspülung überflüssig (Wortspiel ist unbeabsichtigt) macht. Wenn's in New York City - hier beispielsweise im Bronx Zoo - funktioniert, dann müsste es (Einspielung der Musik "New York, New York" ;-) ) eigentlich überall gehen. Und nicht nur in Entwicklungsländern ...
Gibt es nicht auch so eine Art Klo, das mit Sand betrieben wird, oder sowas? Dass die westliche Version des Wasserklosetts ökologischer Horror wäre, wenn alle so spülten, schien mir jedenfalls Tenor einer Reportage zu sein, die ich vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen habe. ich glaube die Sache wurde dann etwas ketzerisch damit abgeschlossen, dass man am besten das Wasserklosett überall abschafft - wie gesagt: Das war wohl mehr so dahingesagt, damit der deutsche Zuschauer nochwas zum Naserümpfen hat.