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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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04.04.08 · 08:45 Uhr
Klimawandel: Tun, was man kann
Kategorie: Politik·Umwelt · Kommentare: 1
Panikmache oder drohende Katastrophe, wissenschaftlicher Fakt oder erdgeschichtliche Ignoranz - die Debatte um den Klimawandel ist selbst unter Akademikern (zu denen ich mich hier nicht zählen darf) offenbar hitziger als ein wild gewordener Treibhauseffekt. Aber wäre es wirklich so schlimm, Maßnahmen zu ergreifen, ehe man jedes Detail begreifen kann?
Ich habe in diesem Blog schon oft genug zum Thema Klimawandel geschrieben, dass ich mich wohl trauen darf, mich in die Diskussion um Verschwörungstheorien und Klimaagnostiker einzumischen.
Schon interessant, wie leicht man dabei ein paar simple Fakten aus den Augen verliert:
1. Die Erde erwärmt sich - im vergangenen Jahrhundert um durchschnittlich 0,74 Celsiusgrade, wie das (Achtung, pdf-Datei!) Intergovernmental Panel on Climate Change nachgewiesen hat.
2. Diese Erwärmung schreitet fort, und zwar in einem Tempo, wie es in der Erdgeschichte nie zuvor beobachtbar war.
Punkt zwei legt nahe, dass menschliche Aktivität die Ursache oder zumindest ein beitragender Faktor zu dieser Klimaentwicklung ist. Die meisten Wissenschaftler stimmen dem zu, und selbst die US-Regierung, dies ich dieser Eisnicht lange widersetzte, hat dies inzwischen eingeräumt (George W. Bush ist natürlich kein Wissenschaftler, wohl aber sein Wissenschaftsberater John Marburger, der diese Position erklärte).
Irgend etwas, was wir Menschen generieren, trägt also zu dieser Entwicklung bei. Wer dem bisher Geschrieben zustimmt, wird dann wohl auch folgenden Schluss mit tragen: Also müssen wir etwas tun, um diesen Zustand zu ändern.
Natürlich muss die Wissenschaft interessiert sein, die wahren Mechanismen herauszufinden. Und vielleicht ist das CO2, das sich so leicht als "usual suspect" anbot, wirklich nicht der maßgebliche Faktor. Aber wenn ein Auto auf den Abgrund zu fährt, ist es auch nicht damit getan, darüber zu debattieren, ob man nun links oder rechts vom rechten Weg abgebogen sei oder ob sowieso nicht alle Wege irgend wann mal zu einem Ende kommen - man muss bremsen oder die Kurve kriegen, wenn man nicht abstürzen will. Und natürlich birgt jedes dieser beiden Manöver das Risiko, dass es nicht mehr ausreicht, um das Unglück zu verhindern - das bei Nichtstun jedoch sowieso unausweichlich ist.
CO2-Reduzierung hat den schönen Vorteil, dass sie technisch relativ leicht machbar ist. Und manchmal hat sie Nebenwirkungen, die ebenfalls nichts schaden können. Reduzierung der Stickoxide in der Luft, beispielsweise, wenn Autos endlich weniger Sprit verbrauchen. Vergrößerung der Waldbestände, wenn Konsumenten ihr Gewissen durch so genannte "Carbon Offsets" erleichtern, die dann für Wiederaufforstungsprojekte verwendet werden. Und das Bewusstsein, etwas tun zu können, motiviert auch zu weiteren Verhaltensänderungen, wie Recycling, dem Gebrauch wiederverwendbarer Einkaufstaschen oder der Einsicht, dass der Kaffee und die Schokolade vielleicht sogar besser schmecken, wenn sie aus organischem, urwaldfreundlichem Anbau stammen und der Hersteller dank Fair Trade nicht ganz so schamlos ausgebeutet wird. Und auch ganz unabhängig vom Klimaeffekt ist ein erhöhter CO2-Ausstoß Schuld an einer Übersäuerung der Meere und damit zur Zerstörung der Riffe, wie ich hier schon mal beschrieben hatte.
Natürlich gibt es da auch bedenkliche Fehlentwicklungen, vor allem, wenn nur um jeden Preis "neue" Energiequellen wie der Biosprit erschlossen werden sollen, damit man ansonsten unverändert weiter leben kann. Dass dies nicht nur eine negative Umweltbilanz haben kann, wenn dafür tropische Urwälder abgeholzt werden, sondern durch "Agflation" auch zu einer Hungerkatastrophe in der Dritten Welt führen kann, war schon hier und hier zu lesen. Aber da auch Biosprit Kohlendioxid in die Atmosphäre abgibt, wäre diese Fliege mit der gleichen CO2-Klappe zu schlagen.
Ob das reicht? Wer weiß. Aber wenn mich mein acht Jahre alter Sohn später einmal fragen wird, was wir gegen den Klimawandel unternommen haben, möchte ich nicht antworten müssen: Nichts, weil die wissenschaftlichen Beweise nicht eindeutig genug waren.
Autor: Jürgen Schönstein· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Guten Morgen die Damen und Herren,
Tut mir leid, wenn meine Frage fehl am Platze ist, aber ich würde mich freuen, wenn mir da jemand weiterhelfen kann.
Die Diskussion befasst sich ja hauptsächlich mit dem Klimawandel durch die Erhöhung von Treibhausgasen. Aber was ist mit der Energie die von Menschen direkt in Wärme umgesetzt wird?
Existieren eigentlich auch Studien dazu, inwiefern sich Abwärme aus menschgemachten Quellen (von Kraftwerken, Kühlschränken, Klimaanlagen, Heizungen, etc.) auf die Entwicklung des Weltklimas auswirkt?
Denn ein Kraftwerk erzeugt ja nicht nur Wasserdampf und eventuell noch C02, was in die Atmosphere geblasen wird sondern setzt eine Menge Energie frei, von der gut die Hälfte über gesagten Wasserdampf und ein Rest über i.A. Flusswasser direkt an die Umwelt abgegeben wird.
Von der anderen Hälfte wird nochmal ein beträchtlicher Teil drekt (Ofen, Kühlschrank, Klimaanlage) oder durch Dissipation in Wärme umgesetzt.
Ich weiß nicht, wie viel Energie so pro Tag durch menschliche Enwirkung in Wärme umgesetzt wird und in welchem Verhältnis das zur eingestrahlten Sonnenenergie steht. Kann mir da jemand weiterhelfen?
Danke!
Jan