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Jürgen Schönstein ist Diplom-Geograph (TU München, 1984) aus Berufung und Journalist von Beruf. Nach rund zwei Jahrzehnten als "fester" Korrespondent für deutsche Publikationen in New York, arbeitet er nun als freier Journalist in Cambridge, Massachusetts - und wird damit auch weiterhin ein besonders waches Auge auf alles Neue aus Wissenschaft, Forschung und Technik halten. Daneben bringt er als Dozent am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Studenten das Schreiben bei.
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10.01.08 · 08:18 Uhr
Autos im Stromnetz
Kategorie: Technik·Umwelt · Kommentare: 2
Das US-Magazin FORBES schreibt in seiner aktuellen Ausgabe über eine Idee, wie man sein Auto nicht nur als Kraftwagen, sondern auch als Kraftspeicher fürs Stromnetz einsetzen könnte.
So ganz überzeugend klingt die Sache, die sich der 59-jährige Universitätsprofessor Willett Kempton schon vor zehn Jahren ausgedacht hatte, zwar noch nicht – aber das liegt weniger an den technischen Problemen, als an ökonomischen Parametern.
Denn im Prinzip ist die Idee ja einfach: Da Elektroautos, wie die meisten Privatfahrzeuge, die meiste Zeit des Tages stillstehen (in der Garage zu Hause, im Firmenparkhaus, beim Einkaufen, vor dem Schwimmbad oder wo auch immer), könnte man ihre teuren – und leistungsstarken – Batterien in dieser Zeit als Zwischenspeicher für Netzstrom nutzen. Wenn stets genug solcher Elektroautos mit geladenen Akkus am Netz hingen (knapp 60 Fahrzeuge könnten zusammen die Leistung von einem Megawatt abgeben), ließen sich damit kurzfristige und teure Spitzenlasten im Netz auffangen. Der ökonomische Anreiz läge darin, dass Strom in der Nacht, beispielsweise, billiger ist als am Tag – und an dieser Differenz könnte der Elektroautofahrer verdienen. Bis zu 2000 Dollar im Jahr, wenn Kemptons Rechnung aufginge.
Dass dabei Annahmen über Strompreise und vor allem über die Bereitschaft der Energiekonzerne, für diese Speicherleistung zu bezahlen, gemacht werden, die vermutlich viel zu optimistisch sind, hat weder Google noch den US-Staat Delaware abgeschreckt, Kemptons "V2G"-Projekt ("Vehicle-to-Grid") mit sechsstelligen Dollarbeträgen zu fördern. Dass vermutlich auf absehbare Zeit nie genug Elektroautos herum fahren, besser noch: stehen werden, um nennenswerte Leistungsklassen zu erreichen, ab denen es sich für die Energiekonzerne lohnen würde, in die notwendige Infrastruktur und Schalt-Logistik zu investieren, ist eine viel größere Hürde.
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Autor: Jürgen Schönstein· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Das größte Problem der Elektroautos steckt doch gerade in der Batterietechnik. Die Batterien von heutigen Elektroautos sind zu leistungsschwach um ein Auto 500 Kilometer weit zu bewegen und daher keine Alternative zu Benzin/Diesel-Motoren.
Hinzu kommt, dass die derzeit eingesetzte Lithium-Technologie auch sicherheitstechnisch alles andere als überzeugt.
Insofern krankt das Szenario am Kernstück. Wieder mal ein Gedankenexperiment eines Physikers, der sich besser mal mit einem Elektrochemiker beraten hätte ...
Die ganze Sache dürfte in etwa so sinnvoll sein wie das 'Sharing' eines Notebook-Akkus ... je intensiver dessen Speicherfähigkeiten genutzt werden, je mehr Lade-/Entladezyklen er erlebt, umso früher ist der Akku eben hin.
Da könnten die E-Versorger also genausogut auf eigene Akku-Kontingente zurückgreifen. Das wäre sogar vergleichsweise billiger, weil Leistungsgewicht und Leistungsdichte bei stationärem Betrieb kaum relevant sind. Zudem kann man das ganze zentral warten und mit zentraler Technik laden/entladen, was ebenfalls einen Kostenvorteil darstellt.
Wenn diese Form der Speicherung - obwohl vergleichsweise billiger - für die E-Versorger unattraktiv ist, dann lohnt sich's für die E-Mobil-Besitzer erst recht nicht. Eine typische Schnapsidee, also.