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Anke Bebber ist Dipl. Geologin. Sie studierte bis 2005 in Leipzig und diplomierte zum Thema Selachier. Paläontologie war seit sie denken kann ihre Faszination. Mittlerweile ist sie Mutter dreier Kinder, lebt, bloggt und arbeitet in Jena.
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07.10.11 · 12:41 Uhr
Comeback! Mit der Geologie Deutschlands: Eine kleine Mittelgebirgsserie (1)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Nun, ich war lange abwesend, aus Gründen, die ich an dieser Stelle nicht diskutieren will. Die Hauptsache ist, ich bin wieder da!
Damit es so bleibt, starte ich heute mit einer kleinen Beitragsserie zu den deutschen Mittelgebirgen. Nicht zu detailiert, aber doch so,
dass ihr im nächsten Urlaub Teile davon wiederentdecken könnt.
Beginnen möchte ich mit dem:
SCHWARZWALD
Im Südwesten Deutschlands gelegen, ist er geologisch mit den Vogesen verbunden.
Das Spannende am Schwarzwald ist, dass er Elemente von allen geologischen Perioden enthält. Bei dem Städtchen Hinterzarten wurden die ältesten Gesteine Deutschlands dokumentiert. Sie sind Teil des Grundgebirges. Zu dem Eklogit gesellen sich dort Gneise, in verschiedenen Ausprägungen und allesamt archaisch/spätpaläozoischen Alters. Aufschlüsse hierzu findet man zum Beispiel am Freiburger Hausberg, dem 1284 Meter hohen Schauinsland. Auch der höchste Berg des Hochschwarzwalds, der 1493m hohe Feldberg, ist aus diesen Gneisen aufgebaut.
Durch Kluftsysteme, Stress und weitere plattentektonische Aktivität drangen in diese Urgesteine jüngere Magmaflüsse, sogenannte "Intrusionen". So zum Beispiel kambrische Granite. Wer den Schwarzwald besucht nach dem Genuss der brühmten Kirschtorte seine Beine vertreten möchte, kann sich die Wasserfälle in Triberg ansehen, welche mit 153 Meter Höhe und sieben Kaskaden die höchsten Wasserfälle Deutschlands sind. Bedenkt beim Bestaunen der Aussicht, dass hier Granitintrusionen metamorphe Gesteinspakete durchschlagen haben.
Die Terrane-Theorie, nach der Mikrokontinente kollidieren und somit größere Landmassen bilden, findet im Süden dieses Mittelgebirges ihre Bestätigung. In der Region von Badenweiler-Lenzkirch sind paläozoische Vulkanite und Sedimentgesteine erhalten geblieben, die sehr wahrscheinlich derartige mikrokontinentale Aufschuppungen sind.
Eine weitere Besonderheit gibt es in der Region um der Gemeinde Todtmoos zu sehen. Hier kann man einen Akkretionskeil auskartieren (muss man aber nicht). Was das ist? Nun, wenn an einer Subduktionszone die ozeanische Platte unter die kontinentale gepresst wird, entstehen an der Scherkante unzählige kleine Überschiebungen von kontinentalen Ablagerungen, die mitunter auch mit ozeanischen Magmatiten einher gehen.
Für den Laien leichter zu erkennen sind die mächtigen Rotliegenddecken aus Quarzporphyr und Tuff, die von starker vulkanischer Aktivität zeugen. Finden kann man sie zum Beispiel am Battert, der Kletterfreunden sicher ein Begriff sein wird.
Das mesozoische Deckgebirge ist heutzutage größtenteils abgetragen, da im Känozoikum eine Hebung des Reviers stattfand. Zudem ist der Schwarzwald heute ja "nur" ein Mittelgebirge, weil er eine Grabenschulter des Oberrheingrabens darstellt, dessen Pendant die oben erwähnten Vogesen sind.
Ohne das Aufbrechen und Anheben der Lithosphäreim Süden wäre die Landschaft wohl noch immer sanfthügelig und die charakteristische Schräglage der Stufen hätte sich nicht gebildet.
Durch eine derartige Zerrüttelung des Gebietes ist es nicht verwunderlich, dass die leicht verwitterlichen jungpaläozoischen und mesozoischen Sedimente nicht mehr überall zu finden sind.
So findet man Deckgebirgsschichten im Norden und Nordosten des Schwarzwalds. Sie sind Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes, welches man als solches auch morphologisch erkennt, wenn man zum Beispiel auf der Autobahn A81 von Stuttgart aus in Richtung Schweiz unterwegs ist. Man stelle sich vor, dass zur Zeit des Perm eine enorme geologische Energie im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg und Bayern lag. Hebungsvorgänge führten zu verstärkter Erosion, der Abtragungsschutt wurde in vorgelagerte Senken abgelagert und zu Sedimenten verdichtet. Die vulkanischen Events sorgten für die o.g. Zwischenlagen. Das Klima war trocken und Eisen wurde zur dreiwertigen Form reduziert, was die charakteristische Farbe der Rotliegendformationen begründet.
Im Erdzeitalter des Trias setzte sich dieser Prozess mit den Buntsandsteinen fort, in Jura und Kreidezeit kam es dann immer wieder zu Meeresspiegelanstiegen, so dass zyklisch kontinentale und marine Sedimentdecken gebildet wurden.
Wie bereits erwähnt ist für den Schwarzwald vor allem der Buntsandstein typisch. Konglomerate des mittleren Buntsandsteins bilden durch tiefgehende Verkieselung heute deutliche Klippen und Bergrücken, so zum Beispiel den höchsten Berg des Nordschwarzwalds, die Hornisgrinde.
Weiter nach Norden/Nordosten gehend dünnen die Buntsandsteinlagen allmählich aus.
Hornisgrinde. Quelle Wikipedia, Urheber: Rainer Lück
Als Schwarzwaldliebhaber fällt einem etwas ganz anderes auf: Die Morphologie passt nicht so ganz mit der geologischen Entstehungsgeschichte zusammen, nicht wahr?
Das heutige Schwarzwaldbild zeigt sanfte Hänge, stark bewaldet, runde Formen und Kare, nicht selten Riefen an aufgeschlossenen Klippen- all das bezeugt, was NACH der ursprünglichen Bildungsphase passierte, nämlich die glaziale Überformung des Gebirges. Starke Vergletscherungen dieses Mittelgebirges sind bis vor circa 10.000 Jahren erwiesen. Das deckt den Zeitraum der Riß- und Würmeiszeit ab. Alle Lehrbuchformen der glazialen Umgestaltung von Naturräumen kann man im Hoch- und Nordschwarzwald entdecken. Nordostgerichtete Kare die noch heute zum Teil als Karsee erhalten sind (Mummelsee, Wildsee, Schurmsee, Glaswaldsee, Nonnenmattweiher, Feldsee) tragen zu dieser Vielfalt bei.
Ihr seht, der Schwarzwald bietet Geologieliebhabern viel! Von Uraltgesteinen bis quasi gestriger Umgestaltung ist das ganze Spektrum erhalten. Wer gern Mineralien sammelt, dem sei die Region um Badenweiler ans Herz gelegt. Insbesondere Blei-Sekundär-Mineralien in perfekten Kristallformen oder auch extrem farbenfrohe Sulfate durch Feuersetzparagenese mit Blei und Kupfer können hier gefunden werden.
Dank der reichlich ausgelegten Geocaches werden auch moderne Wandersleut' wie ich ihre Freude beim Erkunden der Landschaften haben. Vielleicht sieht man sich ja mal!
(Danke an Stefan Taube für die beiden anderen Bilder! :) )
Autor: Anke Bebber· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Ich höre gerade im Radio, dass heute auf dem Feldberg schon der erste Schnee gefallen ist, brrrrrrrrr
Kleine Korrektur:
Gesprochen klingt das richtig, muss aber Terrane heißen.Ach ... die meisten Blogschreiber würden das gar nicht erwähnen, und auch zu Recht - man hat nun einmal nicht immer die Zeit und die innere Ruhe, was zu schreiben, und ich glaube, einschätzen zu können, wie viel Arbeit in so einem langen Artikel steckt. Als Leser will ich nicht unbedingt viele Artikel lesen, sondern gute - und wenn das seine Zeit braucht, ist das ok. Das trifft gerade auf zwei meiner Lieblingsblogs zu, Aggregat 7 und Prellblog; dort erscheint viel zu selten was Neues, aber das ist dann immer erste Sahne.
=> Danke, und weiter so!
Christoph
@Lichtecho: Brrrrrr, hör mir auf mit Schnee!
@Christoph: Danke fürs Korrigieren, und danke fürs Verständnis!
Willkommen zurück :) gerade erst entdeckt....
@Anke Bebber Herzlichen Glückwunsch zum gelungenem Comeback! Ich habe gesehen der 2. Teil ist auch schon online, den genieße ich ganz entspannt heute mittag.
Noch ein Korinthenkacker: Das Eisen wurde zur dreiwertigen Form oxidiert; nicht reduziert.