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Anke Bebber ist Dipl. Geologin. Sie studierte bis 2005 in Leipzig und diplomierte zum Thema Selachier. Paläontologie war seit sie denken kann ihre Faszination. Mittlerweile ist sie Mutter dreier Kinder, lebt, bloggt und arbeitet in Jena.
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- Bullet · 25.10.11 · 00:58 Uhr Die Anatolische Platte und die Gefahr für Istanbul
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27. Oktober 2011
Geologie Deutschlands: Eine kleine Mittelgebirgsserie (4): Die Schwäbische Alb
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
Nachdem ich einige Tage mit der Familie im Urlaub verbracht habe, nehme ich mir heute mal wieder Zeit für meine Blogleser :)
Ich will meine Serie über die deutschen Mittelgebirge fortsetzen. Heute mit der mesozoischen Schichtstufe der
Schwäbischen Alb
Wie ihr ja nun schon wisst, ist der Südwesten Deutschlands von einer Abfolge verschiedener Gesteine geprägt, die ausgehend vom Oberrheingraben schräggestellt wurden, mit dem Höhenmaximum in Grabennähe und sich nach Südosten verringernder Mächtigkeit.
Analog zum Buntsandstein (Trias) im Schwarzwald und Spessart passierte dies auch mit den jurassischen Deckschichten, die stratigraphisch die terrestrischen Sandsteine überlagern und vornehmlich marine Ablagerungen des Jurameeres repräsentieren, mit Verlandungsbereichen natürlich.
Der Jura als eines von drei Teilen des Mesozoikums (Trias, Jura, Kreide) gliedert sich ebenfalls in kleinere Zeiträume: Lias, Dogger und Malm. Häufig werden die drei Bereiche auch mit ihrer typischen Farbe angesprochen: Schwarzer, brauner und weißer Jura.
In der Schwäbischen Alb findet man alle drei Einheiten bilderbuchartig aufgeschlossen.
Das Mittelgebirge wird im Nordwesten von einer prägnanten Steilstufe von 400 Meter Klippenhöhe definiert. Im Südosten liegt die Traufkante bei circa 1000 Meter und stellt hier mit dem Lemberg den höchsten Punkt des Gebirges, fällt aber zum Nordosten hin auf knapp 650 Meter ab. Das „Hochplateau" selbst fällt nach Südosten ungestört ab und verjüngt sich in der Schichtmächtigkeit, bis es von Molasseschichten des Alpenvorlandes überlagert wird.
Über Jahrmillionen wurden diese jurassischen Gesteinspakete von Flüssen zerschnitten und massiv zertalt, so dass heute nicht eine massive Decke, sondern zerklüftete Landschaften zu sehen sind. Durch die Zusammensetzung selbst findet man recht wenige Oberflächengewässer, dafür aber sehr prägnante Karsterscheinungen, wie Dolinen oder Tropfsteinhöhlen.
Die Landschaftsbildung hängt direkt von den Eigenschaften der unterschiedlichen Gesteine ab. So ist der Lias von einem bitumenreichen Tonschiefer gekennzeichnet, der sehr reich an Fossilien ist, die sich aber nicht immer gut herauslösen lassen, da die Schieferung nicht auf Schichtebene erfolgte, so dass die fossilführenden Lagen beim Spalten zerstört werden. Wenn man allerdings gute Bedingungen hierfür vorfindet, sind Zeitzeugen von herausragender Detailfülle zu finden, so wie die berühmten Ichthyosaurier im Posidonienschiefer von Holzmaden.
Tonschiefer bilden sich in Tiefwasserregionen, die unter Sauerstoffabschluss liegen. Darin begründen sich auch die mumienartigen Fossilisationsbedingungen. Sehr feinkörnige Tonplättchen lagern sich dicht auf dicht aufeinander und werden durch Druck und Temperatur zusammengepresst.
Sinkt der Wasserspiegel und es kommt zu Licht- und Luftzufuhr, ändern sich auch die Ablagerungen. Etwas gröbere, klastische Materialien werden vermengt, weniger dicht und körniger als im Tonstein. Vorrangig sind es Tone und Sande, die von Kalkmergeln durchsetzt. So kann man darauf schließen, dass es im mittleren Jura (Dogger oder "brauner Jura") in dieser Region teilweise zu einer Verringerung des Meerwasserspiegels kam. Der hohe Gehalt an zweiwertigem Eisen führt zur namensgebenden braunen Farbe. Der Erzgehalt ist so teilweise so hoch, dass es bei Aalen in oolithischer Form abbauwürdig ansteht.
Als maßgeblich landschaftsbildend kann man aber den weißen Jura (Malm) ansehen. Die hochreinen Kalksteine bilden die „Albtrauf" genannte Steilstufe und zeigen ein weiteres Sinken des Meeresspiegels an. Kalke fallen in Wasser aus, was lichtdurchflutet und kühl ist. Es gibt eine klar feststehende Reihe, wonach Salze in ihrer Wasserlöslichkeit ausfallen. CaCO3 als Kalkstein kommt sehr vielgestaltig vor. Einerseits als Kreide, wonach mikroskopisch kleine Kristalle aus dem Wasser ausfallen und zu Boden sinken, andererseits als Schill, also Schalenreste von Muscheln, Schnecken und anderen Mollusken. Letzteres bildet schnell massivere Bänke, weil auch Sandkörner und Tonminerale beigemengt werden können.
Je nach spezifischer Position im Flachmeer findet man also Mergel (Kalke mit Tonen), Bänke (reine verfestigte Kalkausfällung) oder Massenkalke (Schillbänke, Riffschutt) unterschiedlicher Schichtdicke.
Industriell hat der Kalkstein in der Region große Bedeutung, so als Zementgrundlage und zur Herstellung von Schotter. Hochreine Kalke werden auch für die chemische Industrie gebrochen. (schonmal was vom „Ulmer Weiß" gehört?)
Touristen wird die Kalksteinlandschaft aus anderer Sicht interessieren. Einerseits sind die Karsthöhlen (wie der Blautopf <3) und all die anderen Schauhöhlen ein absolutes Highlight der geologischen und karstkundlichen Wanderwege, andererseits kommen Fossilienjäger auch auf ihre Kosten. Auf Wanderungen durch die Alb kann man die herausstechenden Riffmassive schon als Laie als solche erkennen. Die Schwämme und Korallen sind so detailgenau verkieselt, dass sie einem förmlich ins Auge springen. Als Sammler sollte man aber immer bedenken, dass nicht jeder Felsen beklopft werden darf. Naturdenkmäler müssen bewahrt werden!
Wenn man aber einmal in der Schwäbischen Alb ist, und da sollte man unbedingt mal sein, weil es wunderschön ist (und der Rieskrater ist ja auch „nebenan"), dann MUSS man in die Museen gehen. Vielleicht bin ich da ein wenig voreingenommen, aber die Fossiliendichte und museale Pädagogik dieser Region sind so ausgezeichnet, dass man sie alle gesehen haben muss. Das Fossilienmuseum in Dotternhausen zum Beispiel. Gerstetten bietet ein Museum über die Riffe, und über die Korallen erfährt man viel im Heimatmuseum Nattheim.
Eine tolle weitere Besonderheit dieses Mittelgebirges befindet sich rund um das Städtchen Bad Urach. Klingt nicht weiter dramatisch, oder? Ist es aber, zumindest aus geologischer Sicht. Hier finden sich 355 vulkanische Ausbruchsstellen in einem Umkreis von lediglich 25 Kilometern um die Stadt. Man nennt das Gebiet deswegen „Schwäbischer Vulkan". Nur 16 bis 17 Millionen Jahre ist es her, dass explosiver Vulkanismus ohne große Lavamengen in Kleinsteruptionen durch lokale Plattenverschiebungen ausgelöst wurde. Das Randecker Maar zum Beispiel zeigt ganz klassisch noch heute eine Schlotverfüllung mit Seebildung. Die Thermen von Beuren und Bad Urach zeigen auch an, dass die vulkanische Aktivität noch nicht abgeklungen ist. Auch Erdbeben sind hier nicht selten.
Noch cooler ist aber das Städtchen Steinheim! Oder besser, das harmlos klingende „Steinheimer Becken". Hier finden wir eine kreisrunde Senke von knapp vier Kilometern Durchmesser, die nichts Geringeres ist als ein Impaktkrater eines Meteoriten. Der Zentralhügel (aka Klosterberg) ist erhalten, er erhebt sich knapp 50 Meter über den heutigen Kraterboden, welcher selbst etwa 100 Meter über dem eigentlichen Boden liegt, da er durch Erosionsmaterial aufgefüllt wurde. Und hier kommen die Fakten:
- Der Meteorit schlug vor ca. 14 bis 15 Millionen Jahren ein
- Er war ca. 100 bis 150 Meter groß
- Seine Geschwindigkeit lag bei 72.000 km/h
- Die freigewordene Energie hat einen Wert von 1018 Joule (18.000 Hiroshimabomben, wenn man dieses schreckliche Maß denn überhaupt verwenden möchte)
- Die originale Kratertiefe lag bei 200 Meter
Wissenschaftler gehen durch die Analyse der Fossilien, die sich in den Ablagerungen des Kratersees finden lassen, davon aus, dass dieser Impakt an das Riesereignis (Ich werde noch darüber berichten) geknüpft ist, denn der Riesmeteorit ist wahrscheinlich ein von einem Satelliten begleiteter Asteroid gewesen.
Falls einer meiner Leser Geocacher ist, wird er froh sein zu erfahren, dass es einen Meteoritenkrater-Rundweg gibt! Oha, der landet auf meiner „Muss ich mal machen!"-Liste!
Denn wie an jedem typischen Impaktkrater findet man auch hier die wunderbar zerscherten Fossilien, Kalkplatten, die Impaktbrekzien und Suevite. Ich sehe schon, ich sollte mich diesem Thema in meinem nächsten Beitrag widmen. ;)
Autor: Anke Bebber· 27.10.11 · 20:40 Uhr· 8 Kommentare
13. Oktober 2011
Geologie Deutschlands: Eine kleine Mittelgebirgsserie (3): Der Spessart.
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Willkommen beim dritten Teil meiner virtuellen Exkursion durch die Mittelgebirgslandschaften Deutschlands. Nach Schwarzwald und Odenwald und ihrer sehr aufregenden, tektonisch und petrografisch vielfältigen Struktur, lasse ich es jetzt etwas geruhsamer angehen. Grund ist
DER SPESSART
Der Spessart ist geprägt von klaren Strukturen. So gilt er als das geografisch am besten zu umfassende Mittelgebirge Deutschlands. Man merke sich nur den Spruch: "Kinzig, Sinn und Main schließen rings den Spessart ein." Dann schlage man diese Flüsse auf einer Karte nach und Tadaaa - da haben wir ihn.
Doch was gibt es zur Geologie zu sagen? Aufmerksame Blogleser kennen sich mittlerweile gut aus, wenn es darum geht, die Beschaffenheit des variszischen Gebirgsrumpfes zu erkennen.
Gneise, Glimmerschiefer und Diorit-Intrusionen kann man im Vorspessart finden - das ist die nordwestliche Region um Hanau. Hier setzen sich die abgerundeten Hügelkuppen fort, die man aus dem Odenwald kennt.
Im nördlichen Teil sind als lokale Relikte noch Ablagerungen aus dem Perm zu finden - Rotliegendes und Zechstein.
Der Großteil der für Wandersleut' zu bewundernden Landschaft besteht allerdings aus den mächtigen Buntsandsteinschichten, die hier während der Trias abgelagert wurden. Sie sind mit 300 bis 400 Meter Dicke geringer als im Odenwald und - gemäß des Aufbaus des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes - im Südosten von Muschelkalk überlagert.
Durch die ungestört horizontale Lage der Schichten ergibt sich ein sehr klares, fast schon eintöniges geomorphologisches Bild: langgezogene Kuppen mit nur geringen Höhenunterschieden, die vornemlich von Eichen und Buchen bewaldet sind, mit argarwitschaftlich genutzen Flanken, die zudem Siedlungsfläche sind.
Mit 586 Metern ist der Geiersberg die höchste Erhebung. Das macht den Spessart zu einem der niedrigsten Mittelgebirge Deutschlands.
Einzig der Basaltkegel des Beilsteins bildet eine Ausnahme der Regelmäßigkeit. Es handelt sich hierbei um einen Basaltkegel, der auf eine sehr junge vulkanische Aktivität zurückgeht. Aufmerksame und interessierte Wanderer können hier klassische Basaltsäulen studieren. Kühlt ein Lavastrom verzögert ab, bilden sich keine massiven Gesteinsdecken sondern durch Schrumpfungsprozesse senkrecht zur Ablagerungsfläche mitunter meterlange, hexagonale (sechseckige Geometrie) "Säulen". Die Datierung der Beilsteinbasalte ergab ein Alter von ca. 10 bis 20 Mio Jahre.
Mineralogen und Petrografen könnte der Spessart auch ein Begriff sein, ist er doch namensgebend für gleich zwei Besonderheiten: das Gestein Spessartit und das Mineral Spessartin.
Spessartit gehört zur Gruppe der Tiefengesteine. Fast ohne Quarz und Glimmer besteht er aus Feldspäten und Hornblende. Aufgrund seiner hohen Festigkeit und dunklen Farbe ist er ein weit verbreiteter Pflasterstein.
Das Mineral Spessartin gehört der Granatgruppe an und bindet Mangan an seine Alumosilikatgruppe. Früher bei Aschaffenburg abgebaut, war es ein beliebter Schmuckstein von brauner bis orangener Farbe.
Dem biblischen Noah wird nachgesagt, seine Arche des Nachts mittels einer Granatlaterne navigiert zu haben, und auch sonst galt der Granat als im Dunkeln leuchtend, weswegen er als Talisman begehrt war. Insbesondere hellbraune bis orangene Exemplare galten ob ihrer Selteneinheit als besonders Begehrenswert. Nun, schön waren sie sicher, sie leuchten aber nicht. Die Sagen lassen sich mit dem hohen Brechungskoeffizienten des Granats erklären. Leider sind die Lagerstätten im Spessart mittlerweile erschöpft.
Nun, zumindest auf der Durchfahrt durch Hessen wisst ihr nun, womit ihr es beim Spessart zu tun habt: Vor allem mit Buntsandstein und Wald.
Autor: Anke Bebber· 13.10.11 · 20:05 Uhr· 2 Kommentare
12. Oktober 2011
Geologie Deutschlands: Eine kleine Mittelgebirgsserie (2): Der Odenwald - ein tektonischer Thriller
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
In meinem heutigen Blogbeitrag möchte ich ein Mittelgebirge näher betrachten, welches regional eng mit dem Schwarzwald verbunden ist.
DER ODENWALD
Der Odenwald aus der Rheinebene gesehen
Aus Sicht seiner Entstehung kann man den Odenwald in zwei Landschaftszonen trennen: Der östliche, kristalline Teil und der westliche, aus Sedimenten bestehende. In ihrem geomorphologischen Zusammenspiel bilden diese unterschiedlichen Zonen allerdings ein eindrucksvolles Schauspiel. So erhebt sich die schroffe Westgrenze geradezu abrupt aus der Oberrheinischen Tiefebene, wohingegen man aus Norden kommend kaum Änderungen des hügeligen, bewaldeten Naturraumes bemerkt.
Im Osten ist es der Main, der eine klare Grenzziehung zum Spessart erlaubt, gefolgt von dem Flüsschen Erfa und (für Urlauber leichter nachzuvollziehen) der Verlauf der B27. Von einem Neckardampfer aus kann man anschließend bis nach Heidelberg zwei uferläufige Höhenzüge betrachten, die von dem Fluss zerschnitten wurden. Hier wird der Kleine von dem Großen Odenwald abgespalten und die Südgrenze gezogen.
Schaut man sich eine geologische Karte an, wird man feststellen, dass das Mittelgebirge recht kleinschuppig bunt dargestellt ist. Grund dafür ist die lange Geschichte, die in den Gesteinskörpern steckt.
Das kristalline Grundgebirge ist im Osten herausgehoben worden, so dass die leicht verwitterbaren Buntsandsteine abgetragen wurden, welche im Westen noch erhalten sind und dort stark zertalte Lanschaften mit "sargähnlichen" Tafelbergen bilden.
Um das Gefüge des Grundgebirges zu verstehen, sollte man sich erst einmal großräumig mit der Geologie Mitteldeutschlands beschäftigen. Dann wird man sehen, dass sich eine Bogenstruktur vom Odenwald bis zum Thüringer Wald und ins Erzgebirge zieht. Das ist die Mitteldeutsche Kristallinzone. Sie entstand als Subduktionszone im Paläozoikum, als verschiedene Mikrokontinente zusammengeschoben und unterschiedliche Gesteinskörper in- und übereinander geschoben wurden. Im Devon/Karbon wurde dann dieses "Konglomerat" (Ja, ein Konglomerat ist aus petrografischer Sicht etwas völlig anderes) herausgehoben - es entstanden die Varisziden (man liest auch "variskische" oder "herzynische" Gebirgsbildung, das ist aber das selbe). Dieses Grundmassiv sorgt auch für die wunderbaren skandinavischen Gebirgsansichten und die sanften schottischen Hügel- alles eine Frage der späteren Überformung.
Diese (wahrscheinlich) Inselgruppen wurden nun zusammengedrängt und teilweise in die Tiefe gezogen, wo sie im äußeren Mantel aufschmolzen, durch ihre Flüchtigkeit wieder als Plutone nach oben stiegen und intrusiv in die sich oberflächlich umgeprägenden Metamorphite eindrangen. Das Auskristallisieren dieser Magmatitkörper dauerte circa sechzig Millionen Jahre.
Heute kann man den kristallinen Teil in drei Bereiche teilen, die von deutlichen Störungszonen ("Strike-slip") zerteilt werden.
1.) Der Böllsteiner Gneis: Dieser war einst ein oben beschriebener Granitoidkörper, der aus 15 Kilometer Tiefe in die Kruste aufstieg. Das konnte auf gut 410 Millionen Jahre datiert werden. Doch liegt heute das Material als Gneis und Schiefer vor - die metamorphe Umprägung geschah durch das erneute Verschleppen und Dehnen des Materials im Bereich der Erdkruste.
2.) Der Frankenstein-Komplex: Gruseliger Name, das muss man ihm schon lassen :) Doch beängstigend ist hier bei nur das Alter: Vor grob 362 Millionen Jahren, also im Oberdevon, kristallisierten die Magmatite (Gabbro, Diorit) aus, ohne erneut überprägt zu werden.
3.) Der bis Heidelberg reichende Bergsträßer Odenwald besteht aus strukturell gut trennbaren, jüngeren Gesteinskomplexen, die entweder von Störungszonen oder Kontaktmetamorphosen unterteilt werden können. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Solange man die Geschichte im Hinterkopf behält, welche massiven (platten-)tektonischen Prozesse zur Entstehung der Komplexe abliefen, erklären sich lokale Intrusionen wie der Weschnitz-Pluton oder die "Flasergranitoidzone" viel leichter. Letztere stellt eine Zone sehr aktiver dynamischer Über- und Umformung von Gesteinsmaterial dar, die in Scher- und Aufschmelzungsereignissen entstanden. Sehr kleinräumig kam es durch Spannung, Druck und Hitze zum Verflüssigen der Granitoide und fast zeitgleich zu einer Rekristallisation zu Magmatiten mit gleicher mineralogischer Zusammensetzung wie die zugrundeliegenden Gesteine. Nur eben in neuer Paralleltextur.
In einem nur zwei Kilometer langen Streifen bei Auerbach lässt sich so auch eines der wenigen deutschen Marmorvorkommen finden - der Auerbacher Marmorzug. Aus sehr sehr feinem Kalzit im schnöden Kalkstein entsteht durch Druck und Temperatur die metamorphe, grobe Kristallstruktur des Marmor, in dem die Einzelkristalle bereits mit bloßem Auge sichtbar sind.
Nun sind solche intrudierten Gesteinskörper sehr kompakt und starr, allerdings durch ihr grobes Kristallgefüge in klare Spaltrichtungen teilbar. So kam es, dass durch weitere Plattenbewegungen immer wieder große Spalten in die Kristallingesteine getrieben wurden, die von erzhaltigen Fluiden aufgefüllt wurden. Klassische Quarz-, Baryt- oder Aplitgänge sind vielerorts sichtbar. Auch der Trommgranit ist so ein Schweissmittel - er verfüllte die Otzbergspalte zwischen dem Böllsteiner Gneis und dem Bergsträßer Komplex.
Nachdem die Kristallisations- und Metamorphoseprozesse zum Erliegen kamen, hatte die Region des heutigen Odenwaldes ein paar Millionen Jahre Ruhe. Hebungsprozesse führten zu einer Exponierung und einer gemächlichen Abtragung der Varisziden, bis nicht viel mehr als ein Rumpf zurückblieb.
Im Rotliegenden dann aber, vor grob 260 Millionen Jahren, geriet das Gebiet erneut in tektonischen Stress. Alte Störungszonen rissen auf und Lavadecken breiteten sich kilometerweit auf dem Gebirgsrumpf aus. Auch Vulkane bildeten sich, heute bezeugen dies der noch vorhandene Wachenberg und Daumberg bei Weinheim. Lavadecken, die heute als Rhyolith und Quarzporphyr dankbare Baumaterialien sind, findet man bei Schriesheim, Dossenheim und Heidelberg. Ein dazugehöriger Vulkan wird heute als im Gebiet des eingesunkenen Oberrheingrabens vermutet.
Rhyolith-Steinbrüche von Schriesheim und Dossenheim
Danach deckte das Zechsteinmeer all die Feuersbrunst ab. Abbauwürdrdige Dolomite, aber auch Quarzlösungen mit metallischen Beimengungen zeugen noch heute davon. In linearer Abfolge folgten mesozoische, kontinentale Sedimente, wobei hier die bis zu 600 Meter hohen Buntsandsteinlagen heute ins Auge springen - zum Beispiel in Heidelberg als Baugrund und -material für das Schloss.
Das wäre dann ich vor dem Heidelberger Schloss ;) Das Foro gehört dem Stefan.
Mesozoische Zeugen gibt es bis ins Jura, doch sind diese sehr lokal und eher unbedeutend.
Zumindest wenn man bedenkt, was im Tertiär passierte. Wer den Schwarzwaldartikel gelesen hat, weiß, dass vor circa 45 Millionen Jahren auf einer Riftzone Afrika-Skandinavien der Oberrheingraben eingebrochen ist. Man schätzt die maximale Senkung der Oberfläche auf vier Kilometer! Allerdings wurde der Graben durch nachrutschendes Material sofort verfüllt. Dies ist auch der Grund, warum im Grabeninneren leicht zersetzliche (mesozoische) Sedimente noch erhalten sind, wohingegen sie in exponierteren Lagen längst abgetragen wurden.
Um die Senkung auszugleichen, kam es zu Hebungen des umgebenden Landes. Wie der Schwarzwald, so wurde auch der Odenwald herausgehoben. Was zieht so ein Stress mit sich? Logisch, Risse und Spalten im Gestein. Diese Schwächezonen nutzten erneut aktive Magmakammern, an die Oberfläche zu kommen und Vulkane zu bilden. Der Katzenbuckel erlebte einen Wiederausbruch, nachdem er bereits kreidezeitlich gebildet wurde, "neu" entstanden hingegen Otzberg und Roßberg.
Und wieder folgte auf Chaos Stille. Das warmfeuchte Klima sorgte für eine schnelle, tiefe Kaolinisierung der Feldspate und somit eine heftige fluviatile Abtragung. (Auf deutsch: In Graniten enthaltene Minerale wurden zu Ton und konnten durch Wasser ausgewaschen und von Flüssen abtransportiert werden.)
Die im östlichen Odenwald typischen tiefen Täler sind das heute sichtbare Ergebnis dieses Prozesses. Wo die kontinentalen Sedimente nicht mehr erhalten sind, liegt heute der variszische Gebirgsrumpf vor. Hier suchen sich die Flüsse alte Störungszonen als Bett und bilderbuchartige Wollsackverwitterungen bestimmen das Bild.
Anders als der Schwarzwald war der Odenwald nicht im direkten Vergletscherungsbereich der quartären Eiszeiten eingebunden. Lediglich Permafrost gestaltete Teile der Landschaften um - Block und Felsenmeere entstanden.
Diese und andere Schönheiten kann man bewundern, wenn man hier unterwegs ist. Nicht nur interessante geologische Aufschlüsse, sondern auch archäologische Highlights wie den Fundort des Homo heidelbergensis sollte man sich nicht entgehen lassen. Und den Wein, den vor allem nicht.
Autor: Anke Bebber· 12.10.11 · 23:05 Uhr· 12 Kommentare
07. Oktober 2011
Comeback! Mit der Geologie Deutschlands: Eine kleine Mittelgebirgsserie (1)
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Nun, ich war lange abwesend, aus Gründen, die ich an dieser Stelle nicht diskutieren will. Die Hauptsache ist, ich bin wieder da!
Damit es so bleibt, starte ich heute mit einer kleinen Beitragsserie zu den deutschen Mittelgebirgen. Nicht zu detailiert, aber doch so,
dass ihr im nächsten Urlaub Teile davon wiederentdecken könnt.
Beginnen möchte ich mit dem:
SCHWARZWALD
Im Südwesten Deutschlands gelegen, ist er geologisch mit den Vogesen verbunden.
Das Spannende am Schwarzwald ist, dass er Elemente von allen geologischen Perioden enthält. Bei dem Städtchen Hinterzarten wurden die ältesten Gesteine Deutschlands dokumentiert. Sie sind Teil des Grundgebirges. Zu dem Eklogit gesellen sich dort Gneise, in verschiedenen Ausprägungen und allesamt archaisch/spätpaläozoischen Alters. Aufschlüsse hierzu findet man zum Beispiel am Freiburger Hausberg, dem 1284 Meter hohen Schauinsland. Auch der höchste Berg des Hochschwarzwalds, der 1493m hohe Feldberg, ist aus diesen Gneisen aufgebaut.
Durch Kluftsysteme, Stress und weitere plattentektonische Aktivität drangen in diese Urgesteine jüngere Magmaflüsse, sogenannte "Intrusionen". So zum Beispiel kambrische Granite. Wer den Schwarzwald besucht nach dem Genuss der brühmten Kirschtorte seine Beine vertreten möchte, kann sich die Wasserfälle in Triberg ansehen, welche mit 153 Meter Höhe und sieben Kaskaden die höchsten Wasserfälle Deutschlands sind. Bedenkt beim Bestaunen der Aussicht, dass hier Granitintrusionen metamorphe Gesteinspakete durchschlagen haben.
Die Terrane-Theorie, nach der Mikrokontinente kollidieren und somit größere Landmassen bilden, findet im Süden dieses Mittelgebirges ihre Bestätigung. In der Region von Badenweiler-Lenzkirch sind paläozoische Vulkanite und Sedimentgesteine erhalten geblieben, die sehr wahrscheinlich derartige mikrokontinentale Aufschuppungen sind.
Eine weitere Besonderheit gibt es in der Region um der Gemeinde Todtmoos zu sehen. Hier kann man einen Akkretionskeil auskartieren (muss man aber nicht). Was das ist? Nun, wenn an einer Subduktionszone die ozeanische Platte unter die kontinentale gepresst wird, entstehen an der Scherkante unzählige kleine Überschiebungen von kontinentalen Ablagerungen, die mitunter auch mit ozeanischen Magmatiten einher gehen.
Für den Laien leichter zu erkennen sind die mächtigen Rotliegenddecken aus Quarzporphyr und Tuff, die von starker vulkanischer Aktivität zeugen. Finden kann man sie zum Beispiel am Battert, der Kletterfreunden sicher ein Begriff sein wird.
Das mesozoische Deckgebirge ist heutzutage größtenteils abgetragen, da im Känozoikum eine Hebung des Reviers stattfand. Zudem ist der Schwarzwald heute ja "nur" ein Mittelgebirge, weil er eine Grabenschulter des Oberrheingrabens darstellt, dessen Pendant die oben erwähnten Vogesen sind.
Ohne das Aufbrechen und Anheben der Lithosphäreim Süden wäre die Landschaft wohl noch immer sanfthügelig und die charakteristische Schräglage der Stufen hätte sich nicht gebildet.
Durch eine derartige Zerrüttelung des Gebietes ist es nicht verwunderlich, dass die leicht verwitterlichen jungpaläozoischen und mesozoischen Sedimente nicht mehr überall zu finden sind.
So findet man Deckgebirgsschichten im Norden und Nordosten des Schwarzwalds. Sie sind Teil des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes, welches man als solches auch morphologisch erkennt, wenn man zum Beispiel auf der Autobahn A81 von Stuttgart aus in Richtung Schweiz unterwegs ist. Man stelle sich vor, dass zur Zeit des Perm eine enorme geologische Energie im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg und Bayern lag. Hebungsvorgänge führten zu verstärkter Erosion, der Abtragungsschutt wurde in vorgelagerte Senken abgelagert und zu Sedimenten verdichtet. Die vulkanischen Events sorgten für die o.g. Zwischenlagen. Das Klima war trocken und Eisen wurde zur dreiwertigen Form reduziert, was die charakteristische Farbe der Rotliegendformationen begründet.
Im Erdzeitalter des Trias setzte sich dieser Prozess mit den Buntsandsteinen fort, in Jura und Kreidezeit kam es dann immer wieder zu Meeresspiegelanstiegen, so dass zyklisch kontinentale und marine Sedimentdecken gebildet wurden.
Wie bereits erwähnt ist für den Schwarzwald vor allem der Buntsandstein typisch. Konglomerate des mittleren Buntsandsteins bilden durch tiefgehende Verkieselung heute deutliche Klippen und Bergrücken, so zum Beispiel den höchsten Berg des Nordschwarzwalds, die Hornisgrinde.
Weiter nach Norden/Nordosten gehend dünnen die Buntsandsteinlagen allmählich aus.
Hornisgrinde. Quelle Wikipedia, Urheber: Rainer Lück
Als Schwarzwaldliebhaber fällt einem etwas ganz anderes auf: Die Morphologie passt nicht so ganz mit der geologischen Entstehungsgeschichte zusammen, nicht wahr?
Das heutige Schwarzwaldbild zeigt sanfte Hänge, stark bewaldet, runde Formen und Kare, nicht selten Riefen an aufgeschlossenen Klippen- all das bezeugt, was NACH der ursprünglichen Bildungsphase passierte, nämlich die glaziale Überformung des Gebirges. Starke Vergletscherungen dieses Mittelgebirges sind bis vor circa 10.000 Jahren erwiesen. Das deckt den Zeitraum der Riß- und Würmeiszeit ab. Alle Lehrbuchformen der glazialen Umgestaltung von Naturräumen kann man im Hoch- und Nordschwarzwald entdecken. Nordostgerichtete Kare die noch heute zum Teil als Karsee erhalten sind (Mummelsee, Wildsee, Schurmsee, Glaswaldsee, Nonnenmattweiher, Feldsee) tragen zu dieser Vielfalt bei.
Ihr seht, der Schwarzwald bietet Geologieliebhabern viel! Von Uraltgesteinen bis quasi gestriger Umgestaltung ist das ganze Spektrum erhalten. Wer gern Mineralien sammelt, dem sei die Region um Badenweiler ans Herz gelegt. Insbesondere Blei-Sekundär-Mineralien in perfekten Kristallformen oder auch extrem farbenfrohe Sulfate durch Feuersetzparagenese mit Blei und Kupfer können hier gefunden werden.
Dank der reichlich ausgelegten Geocaches werden auch moderne Wandersleut' wie ich ihre Freude beim Erkunden der Landschaften haben. Vielleicht sieht man sich ja mal!
(Danke an Stefan Taube für die beiden anderen Bilder! :) )
Autor: Anke Bebber· 07.10.11 · 12:41 Uhr· 6 Kommentare
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