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08.06.11 · 16:30 Uhr

Was die unsymmetrische Erde mit Grönland zu tun hat:

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 18

Über das Abschmelzen des Grönlandeises, des arktischen Schildes und der Folgen für die Ozeanströmungen und damit dem Klima / Wetter wurde ja schon viel geschrieben (unter anderem hier, den Artikel sollte ich mal migrieren), aber es gibt noch einen weiteren Effekt, den die veränderten Wassermassen im Ozean haben: Die Gestalt der Erde ändert sich.
Vereinfacht ist unser Planet schon kugelig, aber streng gesehen ist die Länge des Äquators nicht gleich der Länge der Meridiane. Um die Mitte ist er ca. 42km dicker als in der Länge. Der Grund liegt in einem komplexen Zusammenspiel von Kontinental- und Wassermassen in Verbindung mit der Erdrotation.

Die NASA veröffentlichte hierzu eine gute Grafik:

squashed earth.jpg

Hatte man in den 70er Jahren noch angenommen, die Erde würde langsam runder werden, setzte sich dieser Trend bis Anfang der 90er auch fort. Durch das Verschwinden der Eismassen nach der letzten Eiszeit gab es ein Ausgleichen (vgl. Isostasie) in nördlichere Breiten und somit ein "Ausbeulen" der Erdgestalt.

ABER. Offenbar führte das zugeführte flüssige Wasser seit den 90ern zu einer erneuten Verstärkung der Querschnittsverschiebung. So kam es durch das Anheben der Landmassen zwar weiterhin zu einem Ausgleich, das freie Wasser allerdings legte sich um den eh schon verbreiteten Äquator. Messdaten zur Gravitation des GRACE Satelliten lieferten alle Indizien zu dieser Theorie. "Noch ist es spekulativ, aber die Fakten fügen sich zusammen." so zieht John Wahr der Universität von Colorado Bilanz.
Der Zeitrahmen (Anfang 90er/ Mitte der 80er) ist für Glaziologen interessant. In einem Modell "Losing Greenland" versuchen sie nämlich, den Punkt zu ermitteln, an dem der Eispanzer Grönlands, ebenfalls ein Relikt der Eiszeiten, begonnen hat, massiv abzunehmen und festzustellen, ob dieser Prozess bereits irreversibel ist.
Ich glaube, dazu sollte ich auch mal etwas schreiben.


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Autor: Anke Bebber· 18 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (18)

Kommentar-Direktlink Quh.· 08.06.11 · 17:33 Uhr

Das GFZ stellt schöne 3D Figuren vom Geoid zu verfügung. Damit kann man lustig mit rumspielen!

http://icgem.gfz-potsdam.de/ICGEM/potato/Potato.html

Kommentar-Direktlink MartinS· 08.06.11 · 18:08 Uhr

@Anke:
Obwohl das ganze nicht kongruent zu meiner Geologie ist ;-), habe ich doch eine Frage (mindestens!)

...gab es ein Ausgleichen (vgl. Isostasie) in nördlichere Breiten und somit ein "Ausbeulen" der Erdgestalt.
undDie 'nördlicheren Breiten' verstehe ich in dem Zusammenhang nicht. Und weiter sprichst Du einerseits davon,dass
das Verschwinden der Eismassen nach der letzten Eiszeit
zu einer Ausbeulung geführt hat und dass
Offenbar führte das zugeführte flüssige Wasser seit den 90ern
zu einer erneuten(?) Ausbeulung führt. Das sind aber doch zwei völlige verschiedene Zeitrahmen!?
Könntest Du das bitte genauer erklären? Danke.

Author Profile Page Anke Bebber· 08.06.11 · 19:31 Uhr

Hallo MartinS,

Die nördlicheren Breiten im ersten Zitat: Fennoskandien, Grönland, Nordamerika. Der nördliche Teil der nördlichen Hemisphere. Eben der, der von Eis bedeckt war.

Das Eis bedeckte also die Landmassen und senkte sie tiefer in die Lithosphäre ein. Man kann sich somit eine "Delle" vorstellen. OK? Diese glich sich langsam wieder aus, nachdem die Inlandeismassen abgetaut waren. Der Erdkörper "rundete sich" somit. In den 70ern wurde das untersucht und der Ausgleichsprozess wurde bis Anfang der 90er beobachtet. Ab dann begann eine erneute "Verdickung" um den Äquator. Der Grund ist, wie beschrieben, unter anderem das Abschmelzen der Grönlandgletscher und der vermehrte EIntrag flüssigen Wassers in den Ozeanen.
Natürlich schwankt die Erdgestalt immer ein wenig. Es gibt sogenannte 18 Jahres- Tiden und Schwankungen in Jahre- und Dekadenbereich, auch El Nino hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss.
HIer aber ging es um einen größeren Maßstab.

OK? Ich hoffe, so war es verständlicher. :)

Kommentar-Direktlink MartinS· 08.06.11 · 20:08 Uhr

@Anke:
Danke Dir, hab's jetzthoffentlich verstanden.
Aber in welchen Dimensionen bewegt sich die Verdickung seit den 90ern? Und wie bekommt man die 'Wasserverdrängung' durch steigende Landmassen (und untermeerischen Hebungen) vom Anstieg durch Abschmelzen auseinandergedröselt?
Und nein! ich bin kein Klimakrisenleugner!

Kommentar-Direktlink Quh.· 08.06.11 · 20:59 Uhr

Also die Hebung des fennoskandischen Schildes hält eigentlich seit der letzten Eiszeit an. Das merkt man in Schweden sehr schön wenn man sich mittelalterliche Häfen anschaut. Bei einer Hebung von max. 0.9mm/yr liegen die meisten nämlich inzwischen trocken.

Oder hab ich jetzt deinen Kommentar falsch verstanden.

Kommentar-Direktlink Theres· 08.06.11 · 21:17 Uhr

... Potato.html!
Geoid=Kartoffel, lach. Die Datei heißt tatsächlich so, wie fein.
@Anke
"Es gibt sogenannte 18 Jahres- Tiden und Schwankungen in Jahre- und Dekadenbereich, auch El Nino hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss."
Könntest du etwas dazu schreiben? Davon hab ich noch nie gehört (ja, ja, ist kein Wunder, bin auch keine Geologin, aber trotzdem ...) Das finde ich jedenfalls spannend. Hebt sich die Südhalbkugel in Teilen eigentlich auch?

Kommentar-Direktlink Theres· 08.06.11 · 22:55 Uhr

@Anke
Mein vorheriger Kommentar hängt (sorry, gleich dreimal) im Filter.

Kommentar-Direktlink Roland· 09.06.11 · 02:46 Uhr

Alte Häfen sind immer ein schönes Zeichen für Veränderungen.
In der Nähe von Neapel gibt es einen römischen Hafen, an dessen Resten man schön die Höhenveränderungen seit der Antike erkennen kann (hier vorwiegend durch kleinräumige Bewegungen wegen des Vesus-Vulkanismus), und der alte Kreuzfahrerhafen Aigues-Mortes in Südfrankreich liegt sogar kilometerweit im Landesinneren (das dürfte aber an der Deltabildung der Rhone liegen).
Änderungen des Meeresspiegels können natürlich auch immer eine Rolle spielen.

Kommentar-Direktlink Theres· 09.06.11 · 03:52 Uhr

Anke? Kannst du meinen einen Kommentar freischalten - ist in der Moderation gelandet ... einer reicht, sorry.

Author Profile Page Anke Bebber· 09.06.11 · 08:08 Uhr

Hallo Theres und alle,

ja sicher kann ich das Thema noch einmal aufgreifen. Ich habe mich bisher auch noch nicht wirklich intensivst damit beschäftigt, aber ich lese mich mal ein. Kann aber etwas dauern, die Zeit fürs Bloggen ist derzeit leider beschränkt (Sommer, Kinder, Arbeit....) Aber ich freue mich ganz arg über das Interesse :)

LG Anke

Kommentar-Direktlink Quh.· 09.06.11 · 10:42 Uhr

@Roland
Du meinst die bucht von Puzzouli (hab ich jetzt bestimmt falsch geschrieben) Da gibts Hebung/Senkung im Meterbereich seit den 70er Jahren. Das liegt am Vulkanismus der Phlegräischen Felder.

@Theres
Ja, da gibts auch Hebung (Nord Viktorialand - wir sind da an einem Projekt beteiligt :-D)
Allerdings ist da noch nicht klar ob das an der Tektonik des Transantarktischen Gebirges oder an der Eisauflast liegt. Nord-Viktorialand liegt direkt südlich von Neuseeland/Tasmanien.

Kommentar-Direktlink Theres· 09.06.11 · 13:26 Uhr

@Anke
Verständlich, dass du nicht ständig was bloggen kannst, sehr, aber auch bedauerlich ;-(
Las gerade http://www.innovations-report.de/html/berichte/geowissenschaften/kuenstliche_erdbeben_thueringen_176641.html - ist interessant - aber du warst da nicht dabei, oder?
mit Grüßen, Theres

Author Profile Page Anke Bebber· 09.06.11 · 14:09 Uhr

Hallo Theres,

nein, ich arbeite doch ganz fachfremd :), habe Geologie allerdings studiert. Nicht immer läuft alles in geraden Bahnen, oder?
Den Link kenne ich schon dank facebook und aufmerksamen followern :)

LG

Kommentar-Direktlink Theres· 09.06.11 · 16:59 Uhr

@Anke
Gerade Bahnen sind auch oft langweilig :-)
@Quh
Brr, schnatter ... das wär mir eine Spur zu weit südlich. Ich sah zuerst mal nach, Gondwana- Station? Ein toller Name ... und faszinierend das, Landschaft, nach den Bildern wie Forschungsvorhaben.

Kommentar-Direktlink Quh.· 09.06.11 · 20:07 Uhr

@Theres Zu deinem Link: Das ist auf unserem Mist gewachsen :-)

Kommentar-Direktlink Theres· 10.06.11 · 02:29 Uhr

@Quh
Faszinierend ... und auch wenn ich Anke jetzt verärgere, bloggst du vielleicht auch? Diese "sehr kleinen Erdbeben" konnten doch gemessen werden, oder waren sie viel zu lokal? Laufen die verwendeten Frequenzen schon unter Infraschall ... und diverse Fragen mehr, die vermutlich alle nur mein Unverständnis kundtun - und die Neugier.

Kommentar-Direktlink Quh.· 10.06.11 · 09:45 Uhr

Nein, ich blogge nicht (keine Zeit und Talent :-D)

Zu den Erdbeben (ich finde den Begriff hier irgendwie etwas komisch):
Dabei geht es hier eigentlich nur um das künstliche Erzeugen von Wellen (in dem Fall sind nur die p-Wellen/longitudinal interessant).
Wenn du mehr Wissen willst: das Internetorakel Wikipedia weiß was dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Seismik
und
http://de.wikipedia.org/wiki/Vibroseis

Wir haben zusätzlich noch mehr Stationen aufgebaut um eine Tomografie des Thüringer Beckens zu erstellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Seismische_Tomografie

Das wird ja auch in dem Artikel angesprochen.

Grüße

Kommentar-Direktlink Theres· 10.06.11 · 22:20 Uhr

Danke! Vibroseis kannte ich noch nicht, bisher nie gelesen oder gehört, die beiden anderen Einträge hab ich gelesen - und jetzt lerne ich p- Wellen auswendig, versprochen (und longitudinal zu schreiben). Mir fehlte der Begriff. Nur Wellen klang so komisch ;-)

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