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Anke Bebber ist Dipl. Geologin. Sie studierte bis 2005 in Leipzig und diplomierte zum Thema Selachier. Paläontologie war seit sie denken kann ihre Faszination. Mittlerweile ist sie Mutter dreier Kinder, lebt, bloggt und arbeitet in Jena.
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Archiv Juni 2011
23. Juni 2011
Alles nur ein Spiel oder "Wissenschaftler, ärgere dich nicht".
Kategorie: Politik · Kommentare: 18
Ein Aufschrei geht durch die wissenschaftliche Blogosphäre.
Beginnend mit Anatol Stefanowitsch gestern und Florian Freistetter heute, zudem zahlreiche Vernetzungen in Facebook, twitter und anderen Netzen, scheint es zu einem Protest zu kommen, der mehr als gerechtfertigt ist:
Eine deutsche Politikerin, die ihren mittlerweile aberkannten Doktortitel ausgenutzt hat, um Karriere zu machen, wird zum vollwertigen Mitglied im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie.
Bitte? Zählen denn Biografie, Lebenslauf, LEISTUNG UND UNVERMÖGEN nur für den "Normalbürger"?
Würde man einen Durchschnittsposten in einem Durchschnittsunternehmen besetzen wollen, würde jeder Kanditat mit einer lückenhaften oder auch nur ansatzweise zweifelhaften Vita nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Seine Bewerbungsmappe würde mit einem Kaffeefleck und rotem Post it im Mülleimer landen.
Anders bei scheinbar machtvollen Positionen. Hier wird wildes "Mensch ärgere dich nicht" gespielt. Die wenigen Personen, die diese Stellen besetzt halten, werden in einem Würfelspiel nach Gutdünken umverteilt. Nach dem Motto: Gehe nicht über Los, ziehe nicht 5000 Mark ein. (Nur, dass sie es wahrscheinlich doch machen)
Die Arbeitssuchenden in diesem Lande müssen sich ganz schön verhöhnt fühlen angesichts dieser Methodik. Nicht Kompetenz zählt, sondern Dreistigkeit.
Man sah es schon beim neuen Bundesminister-Halma:
Ich frage mich, seit wann "mit der Materie vertraut" eine bestätigte fachliche Qualifikation darstellt.
Die Beförderung von Frau Koch-Mehrin zum Oberhaupt von Forschung und Wissenschaft zeigt dies ganz deutlich: Um ganz oben mitzuspielen, muss man nur gut würfeln können.
Autor: Anke Bebber· 23.06.11 · 11:02 Uhr· 18 Kommentare
17. Juni 2011
Doch kein Kipppunkt im arktischen Eisschild? Es gibt wieder Grund zum Hoffen.
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 10
Naturwissenschaftler verstehen sich gut darin, komplizierte Systeme vereinfacht darzustellen. Das ist auch gut und richtig so, denn auf diese Art und Weise decken sie Zusammenhänge auf, die bei der Betrachtung einzelner Faktoren vielleicht nie aufgefallen wären.
Im Hinblick auf das Klima unseres Planeten gibt es (unter anderem) die Theorie der Kipppunkte oder die Tipping Elements als Hinweise auf ebendiese.
Ursache und Wirkung stehen hierbei in drei unterschiedlichen Beziehungen zueinander:
Bildquelle: Bildungsserver
1. geradlinig: Ursache hat Wirkung.
2. schwingend: Eine Ursache hat eine (eineindeutge) Wirkung, aber der Weg dahin verläuft instabil.
3.Bifurkation: Eine Ursache hat nur in einem bestimmten Fenster eine bvestimmte Wirkung. Werden Grenzwerte überschritten, springt das System in einen anderen Zustand und ässt sich durch Veränderung/Rücknahme der Ursache nicht wieder in den Originalzustand zurückversetzten. Hier spricht man dann von Kipppunkten. Das Verhalten von komplexen Systemen nach diesen Regeln kann man auf alles Mögliche anwenden, ob nun Finanzmärkte oder Ökosysteme, man findet es überall.
So versuchen Klimatologen anhand der zugrundeliegenden Formeln, zum Beispiel die Dynamik der schmelzenden Gletscher im gesamten Stoffkreislauf darstellen zu können. Gäbe es einen Kipppunkt für das Meereis der Arktis, wäre es ja interessant zu wissen, ob man diesem nahe kommt. Denn wenn die Theorie der Kipppunkte hier Anwendung fände, würde selbst ein verringerter CO2 Ausstoß nichts mehr bringen, wenn er schon überschritten wäre.
Die Eis-Albedo-Rükkopplung steht hierbei unter besonderer Beobachtung. Hierbei handelt es sich um eine Verstärkung des Effekts durch Rückkopplung: Das Eis schmilzt, legt Meerwasser frei. Dieses absorbiert die einfallende Lichtstrahlung deutlich mehr als das helle Eis, welches einen Großteil der Energie wieder reflektiert. Durch die Strahlungsaufnahme des Meerwassers kommt es jedoch auch zu einer Erwärmung, welche letztlich den Schmelzprozess des festen Eises vorantreibt. Somit wird die Strahlungsaufnahme durch die Flächenvergrößerung wieder potenziert und das Ganze windet sich spiralförmig weiter.
2007 wurde der bisher größte Wert abgeschmolzenen Eises gemessen, was die Wissenschaft dazu veranlasste, über die Existenz des Kipppunktes und dessen etwaige Überschreitung detaillierter nachzudenken.
Wäre dies der Fall, dann wäre das vollständige Abtauen des Meereises nicht mehr zu stoppen.
Allerdings, und nun kommt die gute Nachricht, haben die Wissenschaftler im Team um Dirk Notz vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie Hinweise entdeckt, die die Existenz eines Kipppunktes negieren. Laut ihrer Arbeit (Geophysical Research Letters, 26.01.2011) reagiert die Eisbedeckung ziemlich genau auf die jeweiligen lokalen klimatischen Bedingungen. Somit besteht noch immer die Hoffung auf das Verlangsamen oder das Stoppen der arktischen Eisschmelze.
Autor: Anke Bebber· 17.06.11 · 15:10 Uhr· 10 Kommentare
15. Juni 2011
Ein Hauch von Mystik liegt in der Luft
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 33
Man mag ja die heutige Mondfinsternis sehen wie man will. Ich werde sie jedenfalls vom Balkon aus sehen. Und wenn man durch die naturwissenschaftliche deutschsprachige Blogoshäre schaut, findet man auch fast überall einen Artikel zu dem Thema.
Wie eine Mondfinsternis funktioniert, lässt sich also schnell herausfinden (Hier in etwa) . Was die BILDzeitung ganz plakativ als Blutmond bezeichnet, auch. (Bei Florian zum Beispiel)
Warum also noch einen Artikel über die Mondfinsternis? Nun, weil man zum Beispiel noch auf Twitter hinweisen sollte. Unter #mondfinsternis, #blutmond oder #mofi sollte man heute abend einen schönen deutschlandweiten Eindruck der Sichtbarkeit und der Euphorie (oder ggf. Langeweile) erhalten können.
Woran ich allerdings bei Vollmond, Blutmond, Mondfinsternis und all dem pseudoesoterischem Zeugs denken muss ist dies: Werwölfe!
Nun, auch als Wissenschaftler kann und darf man Mythen spannend finden. Man muss sie ja nicht für real betrachten, dafür sind es ja Mythen. Aber wo bleibt denn das geheimnisvolle, das fantastische, die Spielwiese für die eigene Fantasie, wenn mann nicht wenigstens mal einen Blick in dunkle Mythen wirft. Und Werwölfe sind (neben Drachen) etwas ganz und gar cooles.
Wusstet ihr, dass die ganze "Er erwacht bei Vollmond, weil er vorher von einem anderen Werwolf gebissen wurde" ein Hollywoodtrick ist? Und dass es Abwandlungen in Drehbüchern gibt, in denen Werwölfe nicht durch Silberkugeln, sondern durch das Betrachten einer Mondfinsternis (da haben wir den Bogen wieder) sterben? Die ursprünglichen Legenden reden da eher von bewussten Gestaltwandlungsprozessen (jaha, denkt ruhig an Jacob Black) oder Zeremonien, bei denen Wolfspelze übergezogen wurden.
Spannend bei dem Ganzen finde ich (und hier bricht wieder der Wissenschaftler durch) die Hintergründe für solche Legenden. Vierfüßlergang, Heulen, Krämpfe, das "Tiersein"- klingt alles sehr nach einer Psychose. Vielleicht waren manches auch Bräuche, Feiern, Tänze oder sonstige Verhaltensmuster, die von "Gelehrten" schlicht nicht reflektiert und für "besessen" erklärt wurden.
Noch einleuchtender ist der Zusammenhang zur Tollwut. Gebissen von einem Tier mit Schaum am Maul, geplagt von Krämpfen, mit Angst vor Wasser und gleichzeitigem unglaublichen Durst, der in spastischem Atmen und Hecheln resultiert, einem verzerrten Gesichtsausdruck und dem Um-Sich-Beissen. Kein Wunder, dass man dachte, der Erkrankte verwandle sich in das Tier, welches gebissen hat.
Zudem wurden Wölfe für böse gehalten, fraßen sie doch den Bauern ihre Tiere weg (was ja damals die Lebensgrundlage sehr vieler Menschen war).
Werwölfe wurden also schnell zum Symbol für alles mögliche. Auch in der Literatur.
Mein "Lieblingswerwolf" (wenn man das so sagen kann) ist (wen wunderts) Sympathieträger Remus Lupin, bekannt aus der Harry Potter Saga.
In ihm wird der Werwolf als eine Art Opfer dargestellt. Mit dem Wolfsbanntrank kann sein Verwandeln unterbunden werden, dennoch kränkelt er langsam dahin. Als chronische Krakheit oder Behinderung wird die Lykanthropie dargestellt. Natürlich gibt es auch den begeisterten, animalischen Gegenpart in Form von Fenrir Greyback, der es insbesondere aufs Beißen von Kindern abgesehen hat.
Und als letztes: Kaum eine gte Rockband hat in ihrem Repertoire kein Titel, der sich mit dem Thema "Werwolf" auseinandersetzt. Beispiele gibt es viele, angefangen von Metallica ("Of Wolf and Man") oder "Wolf" von Iced Earth. (Ja, auch nicht-gitarrenlastige Interpreten haben sich dazu geäußert, aber das höre und empfehle ich nicht)
Die beste Umsetzung (musikalisch, nicht musikvideotechnisch) ist allerdings diese, und hier bin ich deutlich voreingenommen:
Und damit verabschiede ich mich in einen (WOLKIGEN???) Nachmittag, um diese zu vertreiben, damit ich heute abend auch gute Sicht auf den Blutmond und die Werwölfe habe ;) Wer verfolgen will, ob die Mondfinsternis auch in Jena zu beobachten ist, der folge mir.
UPDATE:
Ja, auch bei uns war es absolut bewölkt. Leider habe ich den blutigen Mond nicht sehen können und war- gelinde gesagt, frustriert.
Nachdem die ISS dann aber flink, schnell, pünktlich und hell vorbeigesaust war, besserte sich die Laune und dann gab es noch eine etwa zehnminütige Wolkenlücke. Nach Sichtung des mürben Bildmaterials gebe ich euch diese beiden Schnappschüsse des Halbschattens, zum mich-Bemitleiden. Herzlichen Dank.
Autor: Anke Bebber· 15.06.11 · 14:55 Uhr· 33 Kommentare
08. Juni 2011
Was die unsymmetrische Erde mit Grönland zu tun hat:
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 18
Über das Abschmelzen des Grönlandeises, des arktischen Schildes und der Folgen für die Ozeanströmungen und damit dem Klima / Wetter wurde ja schon viel geschrieben (unter anderem hier, den Artikel sollte ich mal migrieren), aber es gibt noch einen weiteren Effekt, den die veränderten Wassermassen im Ozean haben: Die Gestalt der Erde ändert sich.
Vereinfacht ist unser Planet schon kugelig, aber streng gesehen ist die Länge des Äquators nicht gleich der Länge der Meridiane. Um die Mitte ist er ca. 42km dicker als in der Länge. Der Grund liegt in einem komplexen Zusammenspiel von Kontinental- und Wassermassen in Verbindung mit der Erdrotation.
Die NASA veröffentlichte hierzu eine gute Grafik:

Hatte man in den 70er Jahren noch angenommen, die Erde würde langsam runder werden, setzte sich dieser Trend bis Anfang der 90er auch fort. Durch das Verschwinden der Eismassen nach der letzten Eiszeit gab es ein Ausgleichen (vgl. Isostasie) in nördlichere Breiten und somit ein "Ausbeulen" der Erdgestalt.
ABER. Offenbar führte das zugeführte flüssige Wasser seit den 90ern zu einer erneuten Verstärkung der Querschnittsverschiebung. So kam es durch das Anheben der Landmassen zwar weiterhin zu einem Ausgleich, das freie Wasser allerdings legte sich um den eh schon verbreiteten Äquator. Messdaten zur Gravitation des GRACE Satelliten lieferten alle Indizien zu dieser Theorie. "Noch ist es spekulativ, aber die Fakten fügen sich zusammen." so zieht John Wahr der Universität von Colorado Bilanz.
Der Zeitrahmen (Anfang 90er/ Mitte der 80er) ist für Glaziologen interessant. In einem Modell "Losing Greenland" versuchen sie nämlich, den Punkt zu ermitteln, an dem der Eispanzer Grönlands, ebenfalls ein Relikt der Eiszeiten, begonnen hat, massiv abzunehmen und festzustellen, ob dieser Prozess bereits irreversibel ist.
Ich glaube, dazu sollte ich auch mal etwas schreiben.
Autor: Anke Bebber· 08.06.11 · 16:30 Uhr· 18 Kommentare
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