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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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04.02.12 · 13:23 Uhr
Astronomie: "LED-Beleuchtung ist eine riesengroße Chance"
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik·Umwelt · Kommentare: 11
Zum Wochenende noch ein kleiner Video-Tipp: In der aktuellen Ausgabe des Astronomie-Videomagazins "Sternstunden" erläutert Dr. Andreas Hänel, der Leiter des Osnabrücker Planetariums und Chef der VdS-Fachgruppe "Dark Sky", ein Umweltproblem, das mich und andere Blogger hier schon häufig beschäftigt hat: die zunehmende Lichtverschmutzung.
Das Video lässt sich nicht einbinden, kann aber unter diesen Adressen abgerufen werden:
http://vimeo.com/35503462 oder
http://www.oculum.de/interstellarum/video.asp
Viele der von Andreas Hänel* aufgegriffenen Themen - Beeinflussung von nachtaktiven Insekten durch exzessive Außenbeleuchtung, Initiativen zur Bewahrung ganz besonders geeigneter Beobachtungsplätze, die unnütze Energieverschwendung durch unsinnige Beleuchtungselemente sowie die großen Chancen, die sich durch LED-Beleuchtung für die Verringerung von Lichtsmog ergeben - wurden auch hier im Blog schon besprochen.
Auch das hier kürzlich kritisierte Ski-Projekt "Wurmberg 2015", das mit einer enormen Zunahme der Lichtverschmutzung im Harz verbunden wäre, wird kurz angesprochen. Alles in allem wird die gesamte Lichtsmog-Problematik in zehn Minuten knapp und verständlich auf den Punkt gebracht - vielleicht also auch ein Link, den man interessierten Mitmenschen empfehlen kann, die sich mit möglichst wenig Zeit und Mühe einen guten Einblick in die Thematik verschaffen wollen. Wie in jedem Monat lohnt sich natürlich auch der Rest der "Sternstunde" - wer also am Wochenende eine dreiviertel Stunde Zeit für die Astronomie übrig hat, sollte sich den vollen Beitrag gönnen...
*kleine Schleichwerbung am Rande: In der aktuellen Ausgabe der Astronomie-Zeitschrift interstellarum findet ihr einen von Andreas Hänel und mir verfassten Fachbeitrag, der sich ebenfalls mit der Lichtsmog-Problematik auseinandersetzt: Adreas Hänel & Christian Reinboth: Wo Sternlicht unter Naturschutz steht - Dark-Sky-Parks und ihre Ausweisung, in: interstellarum. Die Zeitschrift für praktische Astronomie, Nr. 80, Februar / März 2012, S. 12-17, Oculum-Verlag, Erlangen, 2012. Aktuell an jedem guten Kiosk erhältlich... ;-)
Autor: Christian Reinboth· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (11)
LED ist sicherlich eine feine Sache, wird auch kommen und seinen Beitrag zur Bekämpfung einiger ökologischer Probleme leisten können. Zwei Fragen vielleicht noch: 1.) Werden betroffenen Insekten nicht demnächst Wärmestuben entgehen?, ist hier Kompensation angedacht? 2.) Ist die Abgrenzung der "Lichtverschmutzung" zur "Zivilisationsverschmutzung" semantisch hinreichend klar, oder werden letztlich vielleicht doch von einigen i.p. "Lichtverschmutzung" tätigen Ökologisten unscharfe Grenzen gezogen?
MFG, Weiterhin viel Erfolg!, Dr. Webbaer
Chance und Risiko...
Dadurch, dass die LEDs immer billiger werden, könnten die privaten Beleuchtungsorgien immer ausufernder werden.
Hoffen wir das Beste!
@Dr. Webbär: Immer wieder erhebend zu sehen, dass ein Posting zum Thema Lichtverschmutzung mit der gleichen Sicherheit einen sarkastischen Kommentar des Webbären anzieht, wie eine Quecksilberdampflampe einen Eichenspanner...
Zur Abgrenzung der Lichtverschmutzung von "Zivilisationsverschmurtzung": Schon in der Frage ist ja implizit der Vorwurf enthalten, Astronomen würden sich im Grunde gegen ein Merkmal der Zivilisation wenden, wenn sie sich gegen Lichtverschmutzung aussprechen. Dem kann man nur immer wieder widersprechen: Nächtliche Beleuchtung ist ein Merkmal von Zivilisation, Lichtverschmutzung dagegen definitiv nicht. Man kann dies wunderbar am Beispiel der "Kugelleuchten" demonstrieren, die auch in Deutschland noch an allen Ecken und Enden zu finden sind: Eine Lampe, die nur etwa 20% des abgegebenen Lichts auf Straßen und Gehwege abstrahlt, während der Rest (inklusive aller negativen ökologischen und kulturellen Folgen) sinnlos in den Himmel abgegeben wird, ist einfach nur ineffizient.
Dieses Problem anzusprechen hat mit antizivilisatorischer Bilderstürmerei nicht das geringste zu tun: Wenn ich mit geringerem Energieaufwand und geringeren negativen Folgen auf die Umwelt die relevanten Flächen (Straßen, Gehwege) hell beleuchten kann, ohne mir zugleich die Sicht auf den Sternenhimmel zu verbauen (und rein technisch betrachtet ist das ja kein Problem), dann fällt das für mich unter die Definition von Fortschritt. Kritik an Lichtverschmutzung ist somit letztlich ja auch Kritik an technischer Ineffizienz und damit alles andere als zivilisations- oder fortschrittsfeindlich...
@BreitSide: Genau deshalb wird es höchste Zeit, dass der Gesetzgeber neben der TA Luft und der TA Lärm auch eine TA Licht ins Leben ruft...
Dr. Webbaer·
07.02.12 · 04:53 Uhr
Ja, wo hört die sinnhafte Maßnahme auf, wo fängt der Ökologismus an?Das genaue Wissen, was zivilisatorisch in Ordnung ist und was nicht, hat in der Regel nur der Ökologist - der natürlich auch auf Verordnungen und gesetzliche Regelungen setzt, idealerweise selbst dabei in Funktion ist.
Dass LED zu mehr Lichtemission führen wird, liegt auf der Hand - es gibt u.a. eine Parallele zum E-Auto, das wenn hier die Informationen stimmen, den Durchbruch schaffen wird und weiteren Bedarf generieren wird, der nicht jedem gefallen wird. - Also mehr Kontrolle wünscht der werte Inhaltemeister, OK. Sie haben aber nichts dagegen, wenn der Webbaer gelegentlich hier zur Sache anmerkt, oder? Die Ökologismen [1] häufen sich jedenfalls...
MFG
Dr. Webbaer
Energiesparen um Energie zu sparen, fiel dem Wb in letzter Zeit mehrfach auf.
@Webbär:
Ich würde eher sagen: Energiesparen um Geld zu sparen. Oder nicht? Schließlich reden wir hier von der öffentlichen Beleuchtung, deren Kosten der Steuerzahler trägt. Man nenne mir mal einen vernünftigen Grund dafür, warum hier mehr Steuermittel als nötig ausgegeben werden sollten, wenn man mit weniger Energieaufwand und geringeren Kosten den gleichen Effekt (sichere Beleuchtung der öffentlichen Straßen und Gehwege) erzielen kann. Selbst wenn man sämtliche ökologischen Aspekte ignoriert - was man gewiss nicht tun sollte - bleibt doch am Ende die Tatsache übrig, dass jedes Jahr Millionen Euro verbrannt werden, um Licht zu erzeugen, das direkt in den Himmel abstrahlt und damit zur Sicherheit auf Straßen und Gehwegen nicht ein Iota beiträgt.
Ich dachte immer, als ITler würde einem die Effizienzsteigerung schon im Blut liegen...
Dr. Webbaer·
08.02.12 · 15:57 Uhr
Keinesfalls. Wirtschaftlichkeitsüberlegungen stehen immer im Vordergrund, Probleme werden in der Praxis oft durch den Einsatz von (globalen) Workarounds oder "Ersatzlösungen" weggehauen, weil die Einzelfallbearbeitung vielleicht punktuell effizient ist, aber für das Ganze nicht zielführend oder teuer ist."Energiesparen um Energie zu sparen." spielt aber noch in einer anderen Liga, weil erkennbar nicht die Effizienz adressiert ist, sondern die Ideologie. Niemand (außer ganz bestimmten Ökologisten oder Antizivilisationisten) hätte sicherlich etwas dagegen, wenn Energie "verschleudert" wird, aber angestrebte Umweltziele erreicht werden - sofern diese Energie zur Genüge günstig bereit steht. Man spart Ressorucen immer aus einem besonderen Grund, nie aus Prinzip.
Übertragen auf unser kleinen Erörterungspunkt heißt das beispielsweise, dass sich Freunde der Beobachtung von Himmelskörpern mit im All positionierten Beobachtungsmöglichkeiten kompensieren lassen müssten. Auch wenn sie dann nicht vor Ort sind und das "Look and Feel" womöglich fehlt. Wer aber mehr fordert, hat ein Luxusproblem.
MFG
Dr. Webbaer
@Webbär:
Genau das meine ich doch aber auch, wenn ich die mangelnde Effizienz anspreche. Welcher Grund könnte denn dafür sprechen, ineffizient zu beleuchten, wenn eine solche Form der Beleuchtung gleichzeitig mit einer erheblichen Verschwendung von Steuermitteln verbunden ist. Das wäre ein wenig so, als würde sich ein Umweltschützer darüber beschweren, dass die Stadtverwaltung jedes Jahr 500.000 Blatt Papier kauft und unbeschrieben in den Schredder werfen würde. Die Tatsache, dass sich jemand wegen der offenbar umsonst gefällten Bäume beschwert, bedeutet ja noch lange nicht, dass man den gesamten Vorgang als "Ökologismus" abtun könnte. Er bleibt nämlich auch dann (fiskalische) Verschwendung, wenn einen die gefällten Bäume nicht interessieren. So ähnlich sieht es bei der Lichtverschmutzung aus. Warum um alles in der Welt sollten wir mehr Energie und damit auch mehr Geld und mehr natürliche Ressourcen für die öffentliche Beleuchtung aufwenden, als objektiv erforderlich wäre, insbesondere wenn darüber hinaus auch noch ein ökologischer Schaden entsteht? Ich kann hier jedenfalls keine Wirtschaftlichkeit erkennen...
Der Anblick des nächtlichen Sternenhimmels ist seit tausenden von Jahren eine Quelle der Inspiration für Künstler, Wissenschaftler und religiöse Lehrmeister gewesen. Wenn das in Zukunft schon wegfallen muss, dann doch bitte aus wirklich wichtigem Grund. "Wir wissen nicht, wie man eine Lampe so baut, dass sie ihr Licht nur nach unten abgibt" ist keiner, ebensowenig Flakscheinwerfer-Werbung für Diskotheken. Warum nur objektiv ineffiziente und schlechte Beleuchtung verteidigen? Doch nicht etwa nur deshalb, weil das ökologische Element der Kritik als störend empfunden wird?
@Inhaltemeister
Es weiß ja niemand, was 'objektiv erforderlich wäre', aber man dreht sich im Kreis. - Der Webbaer weiß ja, dass Sie es gut meinen, no prob, und ehrlich gesagt wüsste er zumindest im Moment auch nicht wie man angemessene Lichtemission anders griffig verkaufen könnte - wobei die diesbezügliche Angemessenheit streng genommen bereits nicht mehr im Aktiv-Vokabular des Webbaeren ist...Was die bürgerliche Kraft jedenfalls auszeichnet ist eine gewisse Duldsamkeit und Qualität in der Kommunikation, die webtypische Härte aushaltend, in diesem Sinne,
MFG
Dr. Webbaer
@Webbär:
Objektiv erforderlich ist eine Beleuchtung, die genau die Flächen ausleuchtet, die auch der Ausleuchtung bedürfen (tatsächlich benutzte Gehwege und Straßen) - und dies mit einer Lichtintensität, die eine sichere Benutzung garantiert. Nicht weniger - aber auch nicht mehr, da jedes "mehr" das Geld des Steuerzahlers kostet, ohne einen Nutzen zu generieren. So würde ich das ad hoc definieren - aber wir können eine geeignetere Definition sehr gerne hier erarbeiten.... :-)
Ich denke LEDs sind im allgemeinen eine Tolle sache. Sie sind verhältnismäßig billig und vergrauchen recht wenig Energie. Das das möglichweiße zu einem mehr an Beleuchtung führt weis ich nicht, kann ich mir allerdings nicht ganz vorstellen. Irgentwann ist für jeden genug und wer gerne im Lichtermeer wohnt, kann das mit der bestehenden Technologie auch. Was die benutzung von LEDs bei Werbung und Beleuchtung betrifft könnte noch eineiges auf uns zu kommen....
Ja LED Leuchten sind schon eine große Alternative. Aber durch falsch plazierte LED Beleuchtung trübt sich auch die Freude am Nachthimmel, bzw man sieht aufgrund fehl platierter Beleuchtung weniger unsere Sterne am Nachthimmerl, was auch sehr große Auswirkungen auf unsere Tierwelt hat. Es betrifft nicht nur die LED Beleuchtung, sondern ist ein globales Thema der Beleuchtungstechnik. Hier müssen Lösungen gefunden werden, um der Lichtverschmutzung gegenzuwirken. hier helfen auch Lichtsensoren, wie der Mark Pro, um die Lichtausleuchtung zu kontrollieren. Nahmhafte Sternenwarten nutzen schon den Sensor zur Kontrolle der Lichtverschmutzung.