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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH, einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz, an der er auch unterrichtet. Neben der Arbeit studiert er im Master-Studiengang Umweltwissen- schaften an der FU Hagen.
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04.12.09 · 16:03 Uhr
Impressionen von "unibrennt" in Frankfurt
Kategorie: Politik · Kommentare: 26
Die Räumung des von Studenten besetzten Casinos an der Frankfurter Goethe-Universität ging gestern ja durch sämtliche Medien. Nun hat die Leitung der Universität erschreckende Fotos der Schäden auf flickr veröffentlicht.
Der durch die Studierenden im historischen Casio angerichtete Gesamtschaden soll übrigens rund 250.000 Euro betragen, wobei unter anderem zahlreiche Grafiken des im Dritten Reich verfolgten Expressionisten Georg Heck demoliert wurden. Die Uni-Leitung hat sich hier zu den Vorfällen geäußert, hier findet man eine Stellungnahme der streikenden Studierenden.
Einige Impressionen...
Wer sich auf die Fahnen schreibt, für "mehr Bildung" einzutreten, während er zugleich an einem Ort der Bildung derartige Schäden anrichtet, hat meiner Ansicht nach an einer Uni nichts mehr verloren und untergräbt zudem die durchaus berechtigten Forderungen anderer Studenten. Außerdem führt - wie Florian schon vor zwei Wochen festgestellt hatte - die Uni-interne Randale ganz sicher nicht dazu, dass die Anliegen der Studierenden in der Öffentlichkeit besser (oder besonders positiv) wahrgenommen werden.
Legitimer politischer Protest sieht jedenfalls anders aus...
Mit Dank an Stecki für den Twitter-Linktipp.
Autor: Christian Reinboth· 26 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (26)
Tja, so artikuliert sich die kommende geistige Elite dieses Landes.
Au weia. Geht ja gar nicht.
So sieht es hier in Bremen auch aus. Alles bemalt. Ich hoffe mal, dass es Wasserfarbe ist, oder die Protestler das nachher selbst wieder überpinseln. Die Schmierereien an der Außenfassade wurden jedenfalls mit Lösungsmitteln entfernt, wenn ich nach dem Geruch bei den Arbeiten gehe.
Umso ärgerlicher, wenn es nicht nur um bessere Bildung, sondern auch und zuerst nur, um ein Holzhaus geht, welches weg soll.
Ich verstehe das auch nicht. Kann mir das höchstens durch eine verblendete Sicht der wenigen aktiven Besetzer erklären.
Wow. Ganz groszes Kino.
Schlimmer kann man seiner Sache ja gar nicht schaden.
Da wuensch ich fast, dass waere ein False Flag Operation gewesen...
Wie kann man nur so blöd sein, wie diese Studis? Ach ja richtig, es ist ja Bildungsstreik!
Man könnte denken dass der Kunst kurs die revolution angestrebt hatte.
Vileicht sollte man an unis lehren wie man streikt, denn wie man so absatz vom Verstand streiken kann, ist schwer nachvollziehbar. Bzw. mich würde brennend interresieren wo für/gegen die Studis dort protestiert haben.
Ich glaube, der obige Link auf die Erklärung der Studenten ist falsch. Ist dies hier die nicht die richtige Seite? http://bildungsstreik-ffm.de/cms/?p=74
Bester Satz:
"Die Bemalung der Wände im Casino ist kein Ergebnis eines gemeinsamen Beschlusses."
Man sieht ja schon an einigen Antworten hier, dass viele der hier Reagierenden entweder ihre eigenen Ergüsse nicht mehr lesen bevor es abgeschickt wird, oder es ist ihnen egal, oder schlimmer noch, sie können es nicht besser. Soweit zum Thema "Ich motze hier mal über die Bildungspolitik und bin bereits ein armes Opfer". Wie bei Massendemos leider manchmal üblich, besteht immer die Gefahr, dass einige wenige Anarchisten der guten Sache schaden. Man kann nur hoffen, dass die Verursacher zur Verantwortung gezogen werden. Die entstandenen Schäden sind weit größer als materieller Natur. Den Kritikern dieser Ereignisse wünsche ich eine sehr differenziertere Beurteilung der Ereignisse als es viele andere der schreibenden Zunft leider schon gemacht haben.
supi wissenschaftlicher blog
Wo sind denn nun die ganzen Studenten, die erklären worum es bei den Streiks geht?
Klar ist eine verwüstete Aula nicht schön und CDU-Christian muss das hier breittreten.
Ich gehe aber davon aus, dass die Sachbeschädigungen in Frankfurt nicht repräsentativ sind.
Also Studenten, worum gehts?
Legitimer politischer Protest sieht jedenfalls anders aus...
Ich finde nicht, dass man das so sagen kann: Politischer Protest kann jede Form annehmen, vom abgeben eines ungültigen Stimmzettels bis zur Hinrichtung der Machthaber. Ob das legitim ist, hängt immer davon ab, worauf sich der Protest richtet und ob die Relation zwischen Protest und Gegenstand des Protests ist.
Beim Vandalismus im Rahmen des Uni-Streiks in Frankfurt ist das Problem, dass hier bestenfalls ein Ausdruck von Frust, vielleicht als verallgemeinerter Protest gegen alles, was die Protestierer unglücklich macht, zum Ausdruck kommt, und dass Sachbeschädigung im Umfang von 250000 Euro in keinem Verhältnis zu diesem Protest steht.
Ob man das aber wirklich den streikenden Studierenden in ihrer Gesamtheit anlasten darf, weiß ich nicht. Das Problem ist hier, dass jeder Unistreik Vandalen anlockt, die sich für die Inhalte nicht wirklich interessieren und nur die Gelegenheit nutzen, zu randalieren. Da streikende Studierende keine institutionalisieren Organisationsstrukturen haben, können sie solche Randalierer nur schwer aufhalten.
Ich muss mich immer viel mehr über die Hochschulleitungen wundern, die den protestierenden Studierenden fast immer erst einmal wochenlang freie Hand lassen, statt sofort ihr Hausrecht dazu zu nutzen, den Unterschied zwischen Protest und Hausfriedensbruch deutlich zu machen.
Und schließlich bleibt zu sagen, dass an den meisten deutschen Universitäten unter immer schlechteren Rahmenbedingungen immer mehr von Lehrenden und Studierenden erwartet wird. Dass das zu einem Dauerfrust führt, der sich alle paar Jahre entlädt, ist prinzipiell verständlich und auf jeden Fall absolut vorhersehbar.
@Tobias: "Wo sind denn nun die ganzen Studenten, die erklären worum es bei den Streiks geht?"
Da kommen bei mir in den nächsten Tagen noch ein paar Gastbeiträge...
Protest bei den gegenwärtigen Zuständen muss sein. Aber hier hat jemand definitiv nicht die richtige Form der Artikulation gefunden - zumindest nicht für eine Diskussion mit einer Hochschul-Leitung. Für einer Diskussion mit Politikern vielleicht schon eher, weil die machen ja sowieso was sie wollen. Zumindest hier im strohkonservativen Bawü braucht man sich keine Sorgen zu machen, dass eine Landesregierung jemals an Bildungspolitik scheitern würde. Da ist der Ministerpräsident ja eher ein Fürst als ein Volksvertreter.
Würde man hierzubundesland basisdemokratisch über Hochschulfinanzierung entscheiden, so hätten wir am nächsten Tag keine Unis mehr. Die "Akademiker" genießen kein hohes Ansehen hier.
Bei einem solchen Rückhalt aus der Masse ist dann auch leicht auf den Ruf geschissen. Mit Vandalismus wird man aber ein Manko kaum beheben: Die Uni-Leitung vertritt in der Regel die Interessen alle Mitglieder der Universität, nur eben nicht die Studenten. Besprühte Aulen motivieren den Herrn Rektor aber auch nicht, das zu ändern.
Es gab bereits ~15 Räumungen. Die TV-Nachrichten haben es immer ignoriert. Jetzt kommt eine Räumung, die tatsächlich berechtigt ist und die wird dann groß im TV gebracht.
Jetzt denkt jeder, dass wir Protestierenden alles Randalierer wären.
Man kann die Empörung auch übertreiben. Bei uns in den Mitte/Ende 70ern, Anfang 80ern hat das Institut nur so ausgesehen. Die Unis sind zu effizienten, stromlinien geformten Denk- und Ausbildungsfabriken verkommen, die sich auch in der Architektur und Einrichtung an Wirtschaftskonzerne orientiern. Ich denke da nur an den neuen Campus Augustusplatz in Leipzig, den ich letztens besuchen durfte. Kein Unterschied zu den Zentralen von Konzernen.
Diese Randale verstehe ich auch als Protest gegen diese klinisch reine, auf Höchstleistung getrimmte Ausstattung, die Kreativität und eigenes Denken nicht zulässt.
@Tim
Bei mir, Bonn und Mühlheim/Bochum, nicht. Ich verstehe auch den Zusammenhang zwischen Suhle und Kreativität nicht. Sind alle Künstler Schweine?
Denn Kreativität und eigenes Denken sind ja das Gegenteil, wenn nicht der natürliche Feind von Höchstleistung, nicht wahr? Sonst alles in Ordnung?
Ähm, ja Kreativität und eigenes Denken sind schwierig mit Höchstleistung zu vereinbaren!
Einfach mal darüber nachdenken, wo Höchstleistungen erbracht werden und unter welchen Umständen...Egal nicht mein eigentlicher Punkt
Ich muß sagen, es stört mich an unserer Uni auch, wer den Bildungstreik bei uns dominiert und teilweise auch die Formen, die einzelne Veranstaltungen annehmen.
Aber das heisst nicht, dass ich nicht differenziere, zwischen intern notwendiger Kritik an Fehlern und dem wie die Berichterstattung läuft.
Klar ist es viel interessanter (mehr will ich gar nicht unterstellen) über Randale und Schmierereien zu berichten, als Inhalte zu kommunizieren...ist ja auch nichts wirklich neues in unserer Medienwelt.
Die fehlende Ernsthaftigkeit einiger Studis ist kontraproduktiv, aber andererseits auch zu verstehen, wenn man ALter, Lebenssituatuion etc. bedenkt und so unberechtigt ist auch der Zorn direkt auf die Unis selbst nicht...ihr Führungspersonal mit vorauseilendem Gehorsam und fehlendem Interesse an der Lehre, das eigene Bewegungsfreiheit im Bolognaprozeß sträflich in den Sand gesetzt hat...könnte man ganze Romane schreiben.
Kurz, ich fänd es besser, sie hätten das zuständige Ministerium geschändet, meinetwegen auch die dort gehäufte Kunst; KMK und HRK wären auch dankbare Gegner gewesen.
@Zensator: "Wie bei Massendemos leider manchmal üblich, besteht immer die Gefahr, dass einige wenige Anarchisten der guten Sache schaden."
Leider lässt man diese wenigen Anarchisten aber auch all zu gerne gewähren und schützt sie durch die eigene Anwesenheit. Für mich ist genau das der Grund, an Massendemos nicht mehr teilzunehmen. Jeder, der bei der Besetzung des Casinos mitgewirkt hat, ist auch schuldig. Ich sehe nicht, warum man da differenzieren muss.
Ich begrüße diese Verwüstung überhaupt nicht. Vor allem wird dringend benötiges Geld, erst einmal in die Beseitigung der Schäden gesteckt werden müssen und fehlt dann wieder an notwendigen Stellen.
Äußerst unüberlegt und leider ein Zeichen der Zeit. Einige der heutigen Studenten gehören nicht an Universitäten.
Ja, und einige der Profs gehören auchnicht an die universitäten... das nur mal nebenbei.
Eskalationen gehen von der chefetage aus, und wenn es nur durch Duldung ist.
aus welchem Grunde auch immer.
Falls sich jemand über meinen Beitrag wundert... (fiel mir noch so ein).
Wissen im verhaltensbiologischen Bereich ist da sehr wertvoll.
Stichwort Hierarchie, Stichwort Führungsqualitäten, Stichwort soziale Kompetenzen einer Spezies.
Machtausübung ist eine sehr minderwertige Form von Führung zum Erhalt einer (macht-)Hierarchie und zeugt von geringen sozialen Kompetenzen...
(Literaturtip zB Hassenstein)
@Tobias:
Das hat mit CDU eher wenig zu tun. Mich ärgert es nur wenn ich darüber nachdenke, wie viel Geld allein unser Institut jeden Monat an den Fiskus überweisen muss - und wenn ich dann sehe, wie im Rahmen solcher Proteste völlig gedankenlos derartige Zerstörungen angerichtet werden, für deren Reperatur dann anschließend mit eben diesem Geld - und nicht mit dem der Verursacher - bezahlt wird. Jedes Mal, wenn in den letzten Jahren zu einem Bildungs-, Schul- oder Uni-Streik aufgerufen wird, kostete die Bereinigung von Schäden den Steuerzahler hinterher zig hunderttausend Euro, die anschließend im Bildungstopf fehlen. Sowas finde ich persönlich geradezu grotesk. Studenten, die einigermaßen was in der Birne haben, sollten doch wirklich dazu in der Lage sein, einen Protest zu organisieren bei dem nicht (a) ihre eigene Uni verwüstet wird und (b) "Otto-Normalbürger" sich auch noch mit Grausen abwendet und mal wieder sämtliche hässlichen Vorurteile bestätigt sieht.
Was die Repräsentativität der Sachbeschädigungen angeht: Sicher ist Frankfurt ein eher extremes Beispiel. Auch aus anderen Hochschulen habe ich aber gehört, dass die "besetzten" Räume schon nach ein bis zwei Tagen vollkommen verdreckt und verschandelt sind und aufwändig gereinigt werden müssen. Wenn Du dann noch die Kosten für Polizeieinsätze, die Ausfallkosten etc. pp. addierst, kommst Du bundesweit schon auf ziemlich hohe Summen. Und das muss nun wirklich nicht sein.
@Hagen
Das verstehe ich allerdings auch nicht. Inwiefern stehen denn eigenes Denken und Höchstleistungen im Widerspruch zueinander?
Nun, offensichtlich hat das Volk nicht nur die Regierung, die es verdient.
Sondern auch den Nachwuchs, den es verdient...
Dazu ein Kommentar von Dieter Nuhr:
Die Studenten reden von 'Bildungsklau'. Muss man nicht vorher etwas haben, bevor es geklaut werden kann ?