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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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17.11.08 · 10:23 Uhr
Wikipedia.de ist tot...
Kategorie: Politik · Kommentare: 7
...allerdings nicht mehr lange. Hoffe ich zumindest. Vorübergehend jedoch gibt es Wikipedia.de nicht mehr. Für die vorübergehende Sperrung verantwortlich ist Lutz Heilmann, seines Zeichens MdB der Partei "Die Linke" und ehemaliger Mitarbeiter der Staatssicherheit.
Seit Samstag bekommt man auf den Wikipedia-Seiten nur noch dies zu sehen:
Zu den Gründen für die Sperrung könnte man vieles schreiben, sollte es aber nicht, da die strittigen "Details zu seinem beruflichen und persönlichen Werdegang" so heikel sind, dass selbst SPIEGEL Online auf deren Nennung verzichtet. Wie aus Heilmanns Umfeld inzwischen zu hören war, soll die einstweilige Verfügung gegen die Betreiber des Online-Lexikons möglicherweise aber noch heute aufgehoben werden. Das "Echo" auf die Sperrung ist offenbar sehr negativ ausgefallen, zudem scheint inzwischen auch eine zufriedenstellende "Bereinigung" des Wikipedia-Artikels stattgefunden zu haben:
Nachdem die [...] ehrabschneidenden und deshalb mein Persönlichkeitsrecht verletzenden Inhalte weitgehend aus dem entsprechenden Artikel entfernt wurden, habe ich gegenüber dem Wikimedia e.V. erklärt, dass ich keine weiteren juristischen Schritte unternehmen werde.
Nun denn. Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass dies bereits die zweite Klage eines Politikers der Partei "Die Linke" gegen die Wikipedia-Betreiber ist: Vergangenes Jahr hatte die stellvertretende Parteivorsitzende Katina Schubert Strafanzeige ausgerechnet wegen angeblicher Nazi-Propaganda gestellt, da sie fälschlicherweise annahm, dass "Rechtsextreme versuchen, die Wikipedia zu dominieren". Auch diese - vollkommen absurde - Klage wurde nach dem ersten Echo schnell wieder zurückgezogen.
Bevor ich jetzt den Schwanengesang auf die Meinungsfreiheit abstimme, warte ich erst mal den Ausgang der verschiedenen Verfahren ab, von denen einige offenbar noch weiterlaufen sollen - Heilmann beabsichtigt angeblich, einen oder mehrere Wikipedia-Schreiber, die "ehrverletzende" Behauptungen über ihn eingestellt haben, straf- und zivilrechtlich zu belangen - unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits mit dem Wikimedia e.V.
Eine Tatsachenbehauptung wird Heilmann jedoch nicht verbieten lassen können: Er ist der erste hauptamtliche Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, der jemals in den Deutschen Bundestag eingezogen ist - bislang saßen dort lediglich "Inoffizielle". Ein Detail, das er selbst den eigenen Genossen jahrelang verschwiegen hat (in seinem Lebenslauf wurde die MfS-Tätigkeit als "Wehrdienst" ausgewiesen), so dass es 2005 sogar zu einem Misstrauensvotum kam, welches Heilmann jedoch (wenn auch knapp) überstand.
Seufz. Deutschland, deine Abgeordneten...
Autor: Christian Reinboth· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Um mal die Politik hier außen vor zu lassen: ich finde das lächerlich. User von Browsern wie Opera oder Firefox nutzen die eingebaute Wiki-Suche die sowieso auf de.wikipedia.org geht und ich denke jeder der wirklich deutsche Wiki-Infos sucht kommt beim lesen der Meldung auf die Idee mal googel zu fragen oder, wenn er schlau ist, wikipedia.com oder gar .org einzugeben. Also meiner Meinung nach voll am Ziel vorbei und maximal negative Publicity - egal was da stand, für Internetzensur sind die Deutschen nach den olympischen Spielen in China zu aufmerksam.
hat sich doch längst erledigt, oder?
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,590747,00.html
Und hat Wikimedia zudem ein enormes Spendenplus beschert.
Wikipedia war tot, wäre vielleicht treffender, oder?
@Marcus: Also noch ist die Umleitung nicht freigegeben.
Probier mal: http://www.wikipedia.de
"Erledigt" hat sich die Sache wohl auch nur, weil die entsprechenden Stellen im Artikel gelöscht worden sind (so hieß es zumindest im SpOn), was aus den ganzen anderen Anzeigen wird, weiß zur Stunde noch niemand so genau.
Das Spendenplus finde ich übrigens hervorragend, auch wenn ich nicht der größte Fan der Wikipedia bin (allerdings eher wegen des "studentischen Mißbrauchs". Es zeigt, wie Samin korrekt anmerkt, dass die Mehrheit der Deutschen sich eine Internet-Zensur vermutlich nicht gefallen lassen würde. Und das macht doch Hoffnung...
Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil ....
jetzt aber, geht wieder
http://www.wikipedia.de
Das lustigste an der Sache:
Vor dem Zwischenfall hatte Heilmanns Artikel rund 50 Zugriffe pro Tag. In den letzten drei Tagen waren es über 600.000:
http://stats.grok.se/de/200811/Lutz_Heilmann
Tja, willkommen im Internet, Herr Heilmann. Ein klassisches Eigentor.
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