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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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17.07.08 · 14:33 Uhr
Open-Source-Software für die Wissenschaft
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 2
Im Office- und Desktop-Bereich nutze ich schon seit etlichen Jahren fast ausschließlich Open-Source-Software. Inzwischen existieren auch viele wissenschaftliche Open-Source-Anwendungen - kostenfreie Programme mit frei zugänglichen Quellcodes.
OpenOffice, KeePass, ClamWin, Firefox und Thunderbird haben bei mir schon vor Jahren alle kommerziellen Konkurrenten abgelöst - und wissenschaftliche Paper schreibt man ohnehin besser mit LaTeX als mit Word. Besonders gefallen mir die Portable-Varianten dieser Programme - schnelle Backups von Daten mitsamt der Software sind damit kein Problem mehr, und jeder neue Rechner lässt sich in wenigen Minuten durch einfaches Überspielen einer DVD voll einsatzfähig machen.
Auch für den Einsatz in der Wissenschaft existiert mittlerweile eine ganze Reihe hervorragender Programme auf Open-Source-Basis. Seit Jahren versuche ich immer wieder, meine Kollegen von solchen „Alternativ"-Lösungen zu überzeugen - frei nach dem Motto „Science goes Open Source". Im „Frischen Wind" werde ich ab heute unter diesem Label regelmäßig über Software aus allen wissenschaftlichen Bereichen berichten - in der Hoffnung, auch den einen oder anderen der hier mitlesenden Wissenschaftler auf vielleicht noch unbekannte Alternativen aufmerksam zu machen. Denn es muss längst nicht immer teure Software sein - gerade an Universitäten und in Forschungseinrichtungen lässt sich mit Open-Source-Software erfolgreich viel Geld sparen.
Avogadro
In wissenschaftlichen Präsentationen sind gute Visualisierungen häufig die besten „Eisbrecher". Mit Avogadro lassen sich sehr einfach ganz hervorragende dreidimensionale Darstellungen von Atomen und Molekülen (aus mehreren verbundenen Atomen bestehende Teilchen) erstellen. Das Programm ist vielseitig einsetzbar, denn sowohl Chemiker und Bioinformatiker als auch Physiker und Materialforscher sollten etwas damit anfangen können - zumindest mehr als ich, denn ich habe das Programm (zugegebenermaßen) nur deshalb auf der Festplatte, um meine Präsentationen zum Thema "Energieeffizienz und Klimaschutz" mit hübschen Grafiken von CO2 über CH4 bis hin zu O3 optisch aufbessern zu können...
Download: http://sourceforge.net/projects/avogadro/
Celestia
Mit Sicherheit eines der besten naturwissenschaftlichen Open-Source-Programme im Web, auch wenn es in mir eher den kleinen Jungen als den Wissenschaftler anspricht (aber das muss ja nicht verkehrt sein). Mit Celestia lässt sich das Sonnensystem dreidimensional erforschen - und das in einer absolut phänomenalen Grafik. Das Programm ist keinesfalls statisch, sondern lässt sich auch als Planetarium einsetzen. Wer also gerne wissen möchte, wie die Planeten unseres Sonnensystem am 13. September 1077 zueinander standen, kann dies ebenso einfach herausfinden wie die aktuelle Position der ISS. Besser noch - individuelle „Raumflüge" lassen sich als Videos aufzeichnen und im AVI-Format speichern. Ein großartiges Programm, dass auch Nicht-Astronomen sich einmal ansehen sollten.
Prädikat: Besonders atemberaubend!
Mit einem entsprechend schnellen Rechner kann das dann tatsächlich so gut aussehen:
Download: http://sourceforge.net/projects/celestia/
ePTE
Das Periodensystem der Elemente in elektronischer Form ist sozusagen ein „Klassiker" in den Bereichen Open-Source und Freeware, denn Dutzende Programmierer haben bereits „ihre Version" des PSE kostenfrei ins Web gestellt. ePTE (electronic Periodic Table of Elements) gefällt mir in der Riege der virtuellen PSE persönlich am besten. Das Programm ist übersichtlich, verfügt über eine einfache Suchfunktion, lässt einen bestimmte Elementgruppen markieren (z.B. alle Halbmetalle etc.) und bietet eine ausführliche Hilfe sowie einen Umrechner für Temperatur- Druck- und Zeiteinheiten. Wie alle anderen hier vorgestellten Programme ist es natürlich Open-Source und kostenfrei - wer also das PSE nicht ohnehin bereits auswendig herunterbeten kann, sollte sich dieses kleine Tool ruhig einmal ansehen.
Download: http://www.jadsoft.ch/ger/epte/
Virtual Moon Atlas
Nachdem LEO nun offenbar gescheitert zu sein scheint, werden wir auf wirklich neues Kartenmaterial vom wohl leider noch sehr lange warten müssen. Bereits 1994 kartographierte die US-Raumsonde Clementine den Mond (auf dem sie anschließend wegen eines Triebwerksproblems zerschellte). Auf dem Kartenmaterial dieser Mission baut der von zwei passionierten französischen Mondbeobachtern - Christian Legrand und Patrick Chevalley - entwickelte Virtual Moon Atlas auf. Das Programm enthält neben den eigentlichen Karten auch alle wichtigen Basisdaten zu Kratern, Gebirgen, Domen und anderen Formationen sowie ein umfangreiches Glossar mit allerlei wissenswerten Informationen über unseren Trabanten.
Download: http://sourceforge.net/projects/virtualmoon/
Cartes du Ciel
Patrik Chevalley, der (Mit-)Entwickler des Virtual Moon Atlas, zeichnet sich noch für eine weitere hervorragende Astronomie-Software verantwortlich: Cartes du Ciel ("Karten des Himmels"). Das Programm dient in erster Line dazu, Karten in Vorbereitung für eigene Himmelsbeobachtungen zu erstellen. Dank einer großen Menge an Optionen (Selektion der Farbe und Größe von Sternen und Nebeln, Anzeige und Erscheinung von Planeten und Sternbildern, Ein- und Ausblenden von Koordinatengittern) lassen sich vergleichsweise schnell und einfach Karten zum eigenen Gebrauch erstellen.
Der Autor gibt auf stargazing.net übrigens einen hervorragenden Grund für den Release von Cartes du Ciel als freie Software an: "Sie sollten ihr Geld lieber in gute Okulare investieren, als es für Software zu verschwenden."
Download: http://www.stargazing.net/astropc/
Soweit zu diesem, ersten Einblick in meine persönliche Hitliste wissenschaftlicher Open-Source-Software. Ich werde mich bemühen, die Liste meiner "Top50" zukünftig in regelmäßigen Abständen abzuarbeiten und natürlich auch über Neuerscheinungen zu berichten. Eventuell trägt dies ja dazu bei, dass Open-Source-Software getreu dem Motto "Science goes Open Source" an der einen oder anderen Hochschule bzw. dem einen oder anderen Institut stärker in den Fokus gerät - und dafür lohnt sich der Aufwand allemal...
Autor: Christian Reinboth· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Very nice summary.
Hallo das ist mein toller Kommentar!