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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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17.06.08 · 18:03 Uhr
Der sinnlose Tod des Wolfgang Röhling
Kategorie: Politik · Kommentare: 2
Heute jährt sich zum 55sten Mal der erste Volksaufstand in der DDR. Mindestens 34 Demonstranten wurden am 17. Juni 1953 von DDR-Volkspolizei und russischem Militär erschossen, weitere sieben Personen in den Tagen nach dem Aufstand hingerichtet. Im Gedenken an dieses erste Aufbegehren gegen ein Regime, dass erst 1989 sein Ende finden sollte, möchte ich die Geschichte eines dieser Opfer aufgreifen - eines 15jährigen Schülers, der erst fünf Tage nach dem eigentlichen Aufstand getötet wurde.
Wolfgang Röhling, ein 1938 geborener Berufsschüler aus West-Berlin, begibt sich am 22. Juni 1953 mit Freunden zu einer Badestelle am Spandauer Schifffahrtskanal an der Heidestraße. Auf der anderen Seite des Kanals liegt die DDR, die politische Lage dort ist nach den Ereignissen vom 17. Juni aufs höchste gespannt. Auf der Ostseite patrouillierende DDR-Volkspolizisten („VoPos") fordern die auf der Westseite spielenden Kinder auf, aus der Nähe des Kanals zu verschwinden.
Im Bewusstsein, dass die DDR-Polizei auf der Westseite keine Befehle zu erteilen hat, wird über diese Anweisung zunächst nur gelacht. Erst als einer der Polizisten seine Waffe zieht, begreifen die Kinder den Ernst der Situation und rennen weg. Mehrere Polizisten schießen wahllos in die Gruppe der flüchtenden Kinder, Wolfgang wird von hinten in den Kopf getroffen und stirbt auf der Stelle - bereits 100 Meter vom Ufer des Kanals entfernt.
Der laute Aufschrei der West-Berliner über diesen Mord verhallt ungehört - keiner der Polizisten wird je für den Tod des Berufsschülers zur Rechenschaft gezogen. Der Lagebericht der Volkspolizei vermerkt zu dem Vorfall lediglich, die Einsatzkräfte hätten korrekt gehandelt und auf die „Annäherung verdächtiger Personen an die Sektorengrenze reagiert". Verdächtige, spielende Kinder auf der Westseite, die bereits die wilde Flucht vor den Schüssen aus dem Osten angetreten hatten.
Nach dem Aufstand des 17. Juni
Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
In der Stalinallee Flugblätter verteilen
Auf denen zu lesen war, daß das Volk
Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
Und es nur durch verdoppelte Arbeit
zurückerobern könne. Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?
- Bertolt Brecht
Namen und Biographien aller Toten des 17. Juni 1953 finden sich hier.
Autor: Christian Reinboth· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Sind die alle vor 1990 gestorben?
Übrigens, Bertolt Brecht.
@David Marjanović: Stimmt - habe ich korrigiert. Danke für den Hinweis.
Was die Polizisten angeht haben Sie Recht - es wäre eigentlich anzunehmen dass auch nach 37 Jahren zumindest einer aus dieser Gruppe noch gelebt haben dürfte. Sicher ist jedenfalls, dass es keinen Prozess gab, daher vermute ich, dass man diesen Todesschuss (ebenso wie etliche andere) nach 1990 nicht weiter geahndet hat. In der Tat aber eine interessante Frage, ich werde da nochmal ein wenig recherchieren....