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Nils Cordes ist Entomologe an der Universität Bielefeld. Er arbeitet gerade an seiner Promotion zum Verhalten von Wachsmotten. Wenn er nicht gerade in Klimakammern oder am Computer sitzt, zeichnet, fotografiert und dokumentiert er die Welt der Insekten vor seiner Haustür.
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- Anne · 19.05.12 · 23:26 Uhr Was ist eigentlich ... Gruppenselektion?
- Dr. Webbaer · 18.05.12 · 10:11 Uhr Sollten wir auf Fleisch verzichten?
- Nils · 11.05.12 · 18:05 Uhr Genetische Drift in der Uni
- Nils · 01.04.12 · 18:37 Uhr Wenn Evolutionsbiologen über Freien Willen plaudern ...
- BreitSide · 29.03.12 · 22:20 Uhr Wir waren alle mal Würmer
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05. Mai 2012
Genetische Drift in der Uni
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Im Biologiestudium lernt man in der Regel an einem der drei, vier Tage, die in den meisten deutschen Universitäten für Evolutionslehre erübrigt werden, dass vier wesentliche Prozesse zur Evolution beitragen:
- Selektion
- Mutation
- Migration
- Genetische Drift
Drei davon finden sich in jeder wissenschaftlich interessierten Illustrierten sowie auf mittlerweile hunderten Blogs regelmäßig wieder. Aber einer davon ist so etwas wie ein schwarzes Schaf. Die genetische Drift wird selten erwähnt, so dass man als Student (oder muss ich von Studierenden reden?! Ich hoffe der generische Maskulin hier sei mir verziehen ...) meinen könnte, sie spiele gar keine so große Rolle. Weit gefehlt, wie an unserer Uni die Studenten in den letzten Tagen wieder entdecken durften. In einem Modul des Bachelorstudienganges gibt es einen Praktikumstag, der komplett der Evolution gewidmet ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Tagen, an denen Tiere seziert, mikroskopiert und verhaltensbiologisch analysiert werden, wird hier gerechnet und logisch gedacht bis der Kopf raucht.
Wir haben seit Jahren drei Komponenten im Programm: Zum einen führen wir das klassische Beispiel natürlicher Selektion vor. Rote und gelbe Schmetterlinge sitzen auf einer rot-gelben Blumenwiese und die Studenten sollen durch Zählen die Raubtiere spielen, die - wer hätte das gedacht? - entweder die roten oder gelben Schmetterlinge stärker "fressen." Hat der gelbe Schmetterling etwa einen Selektionsnachteil? Nach einer kurzen Einführung in die Theorie um das Hardy-Weinberg-Gleichgewicht, dürfen die Studenten ins Eingemachte gehen und die Allelfrequenzen vor und nach dem Erscheinen des Räubers berechnen. Das Allel für den roten Phänotyp kommt wie erwartet in der nächsten Generation wesentlich häufiger vor. Die zweite Komponente ist eine Stammbaumrekonstruktion, in der die Studenten lernen, wie man die Verwandtschaft von Tierarten anhand von morphologischen und genetischen Merkmalen in den wahrscheinlichsten verwandtschaftlichen Zusammenhang stellt.
Das sind beides knifflige Aufgaben. Der dritte Teil des Praktikums ist meiner Meinung nach der einfachste, aber er führt einen wichtigen evolutionsbiologischen Prozess ein, der häufig vergessen wird.
Autor: Nils· 05.05.12 · 07:42 Uhr· 6 Kommentare
27. März 2012
Wir waren alle mal Würmer
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 8
So, das nächste Paper wurde soeben eingereicht, die neuen Versuche ausgearbeitet, es ist endlich etwas an der Zeit zu schauen, was außerhalb meines Labors so passiert ist. Wissenschaftler aus Cambridge und Toronto haben sich zum Beispiel mit einem Lebewesen beschäftigt, von dem es weltweit nur (noch?) 114 Exemplare gibt, einer Art Wurm, die dadurch berühmt ist, dass sie mit uns etwas ganz Wesentliches gemeinsam hat.
Aber bevor ich dazu komme, hier ein perfekt passender Auszug aus einem der besten Bücher, die ich bislang gelesen habe. Inherit the Wind ist ein Theaterstück von Jerome Lawrence und Robert Edwin Lee, welches den berühmten Gerichtsprozess um John Thomas Scopes (der Scopes "Monkey" Trial) nutzt, um eine fiktive, aber sehr real wirkende Geschichte zu erzählen. Zu Beginn des Buches unterhalten sich HOWARD und MELINDA über dicke, eklige Würmer, die über die feuchte Erde kriechen. Melinda ist eindeutig nicht besonders von ihnen angetan. Hier ist der darauf folgende Dialog:
MELINDA (Shivering) How can you touch 'em? It makes me all goose-bumpy!
(HOWARD dangles it in front of her face. She backs away, shuddering.)
HOWARD What're yuh skeered of? You was a worm once.
MELINDA (Shocked) I wasn't neither!
HOWARD You was so! When the whole world was covered with water, there was nuthin' but worms and blogs of jelly. And you and your whole family was worms!
MELINDA We was not!
HOWARD Blobs of jelly, then.
Wir waren also alle mal Würmer. Unsere ganze Familie. Das stimmt wahrscheinlich, solange wir "Würmer" umgangssprachlich für "glitschige Kriechtiere" benutzen und nicht als tatsächliche Klassifizierung. Genauso waren wir alle auch mal "blobs of jelly" (uralter Wackelpudding). Aber welcher "Wurm" waren wir denn? Schaut man in die meisten Biologiebücher, taucht ein beliebter Kandidat auf: Pikaia.
Autor: Nils· 27.03.12 · 12:42 Uhr· 8 Kommentare
17. Januar 2012
Wenn Evolutionsbiologen über Freien Willen plaudern ...
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 339
Ein "pet peeve" ist im englischen Sprachraum etwas, das für jemanden ein weit größeres Ärgernis darstellt als für andere, wobei es meistens kaum erwähnenswerte Kleinigkeiten sind. Zum Beispiel nerven mich Comics mit vierbeinigen Insekten und Kartenspiele, auf denen vierflüglige Mücken zu sehen sind. Und LOL-Cats, für die fehlt mir einfach die richtige Art von Humor. Das bringt mich zu Jerry Coyne. Aus irgendeinem Grund hat sich bei mir aber auch Jerry Coyne zu einer Art Pet peeve entwickelt. Während ich seine Arbeiten zu Drosophila, besonders die im "Insect Genomics"-Kurs erwähnten Sachen, ziemlich cool fand, stoße ich häufig auf seinem Blog auf Kommentare, die mich einfach nur nerven. Nicht ganz stark nerven, aber doch genug, damit ich mich hinsetze und ein paar Worte darüber verliere. Wie eben bei einem Pet peeve.
Das neue Jahr begann Mr. Coyne mit einem Artikel, den er für die Zeitung USA Today schrieb, und Artikel wie diese sind es, die mich ein ganz, ganz kleines Bisschen zusammen zucken lassen: Why you don't really have free will
Als Evolutionsbiologe muss ich von vornherein zugeben, dass ich von der Debatte zum Freien Willen keine Ahnung habe. Warum auch? Das wenige Wissen, welches ich zu diesem höchst philosophischen Thema habe, kommt aus ein paar Texten im Internet, dem gelegentlichen Podcast und dem einen oder anderen Interview in mehr oder weniger anspruchsvollen Illustrierten. Warum äußert sich also Jerry Coyne zu Wort? Entweder weil er schlicht als Experte in einem Feld eine Meinung zu einem Thema aus einem anderen Feld abgeben möchte (sein gutes Recht, warum er aber dann in die USA Today kommt und nicht ich, verstehe ich dann nicht). Oder aber er meint, dass sein berufliches Wissen ihn speziell dafür qualifiziert, darüber zu reden.
Und genau so ist es. In dem Artikel diskutiert er "Freien Willen" aus evolutionsbiologischer Sicht. Meines Erachtens macht er dabei aber keine gute Figur. Es fängt mit dem Problem an: Was ist freier Wille? Im Gegensatz zu Brustwarzen, die in der Regel eine Funktion erfüllen, evolutionsbiologisch erklärbar sind, und bei denen jeder weiß was damit gemeint ist, kann man freien Willen nicht einfach definieren. Es ist ein schwammiges Konzept, welches meines Erachtens höchstens für Gedankenexperimente nützlich ist. Um in irgendeiner Weise biologisch zu argumentieren, muss man sich schon auf eines dieser Konzepte konzentrieren. Aber dann zu behaupten, dass natürliche Selektion die Illusion eines freien Willens geformt haben könnte, "vielleicht weil unsere Vorfahren in kleinen, harmonievollen Gruppen ... nicht gedeihen konnten, wenn sie sich nicht für ihre Aktionen verantwortlich fühlten," ist (freundlich gesagt) doch etwas weit hergeholt.
Autor: Nils· 17.01.12 · 07:42 Uhr· 339 Kommentare
23. Dezember 2011
Christmas Picks: What a Wonderful World
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Politik·Umwelt · Kommentare: 1
Weihnachten steht vor der Tür, und für all die Leute die so etwas gerne feiern (und da zähle ich fraglos dazu) bedeutet das den Stress abschalten, Kekse und Schokolade essen und mit der Familie Weißwein trinken. Da es aber nun mal ein christliches Fest und dank der zunehmenden Kommerzialisierung mittlerweile in der Kritik von Nicht-Christen und Christen steht, versuche ich mal mit ein paar positiven Eindrücken eine Art Weihnachtsstimmung von Optimismus, Schönheit und Toleranz zu verbreiten.
Mal sehen ab wann ich scheitere ...
- Hier sind 50 erstklassige Naturfotos, ausgewählt vom Blog The Big Picture. Fast alle Tierfotos sind in Zoos aufgenommen worden dabei, aber das ändert nichts daran, dass man einen tollen Einblick in das Leben von Lemuren, Löwen und Faultieren bekommt.
- Ein Gerichtsgebäude in Tennessee, USA, ruft zur Toleranz auf, indem es dort jedem erlaubt ist, Kunst auf der Wiese vor dem Eingang zu präsentieren. Das reicht von Jesus bis hin zum Fliegenden Spaghetti-Monster.
- Apropos Toleranz, in Australien läuft gerade ein Werbespot im Fernsehen, der zu Gleichberechtigung aufruft. Wofür genau? Das seht ihr hier:
- Apropos Australien, da ich erst dieses Jahr den genialen Komiker Tim Minchin entdeckt habe, gehört es sich zum Jahresende auch, dass ich eines seiner Lieder hier berücksichtige - auch wenn Florian das bei Astrodicticum simplex schon mehrfach getan hat. "White Wine in the Sun," oder: "Wie und warum man in Australien Weihnachten feiert" ...
- Wie würde eine Welt aussehen, in der es keine Werbung mehr in der Öffentlichkeit gibt? Auf jeden Fall besser, und es geht tatsächlich, wie São Paulo bewiesen hat. Vor 5 Jahren verboten sie Werbung in der Öffentlichkeit. Hier ein paar Eindrücke davon, wie so etwas aussieht.
- The Beauty of a Second - Wieviel Schönheit kann man in einem 1-Sekündigen Video einfangen? Ich denke, sehr viel.
- Und da ich es mit den Videos hier gerade eh übertreibe, noch einen Klassiker - in neuem Gewandt: What a Wonderful World, gelesen von Sir David Attenborough:
- Doch alles zu sentimental? Na, dann kann man ja immer noch ein paar Schneemänner bauen gehen. Einen großen Dank an Bill Watterson ...
... und allen ein schönes Weihnachtsfest, oder zumindest ein paar entspannte Feiertage, und auf jeden Fall einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis 2012!
Autor: Nils· 23.12.11 · 07:42 Uhr· 1 Kommentar
20. Dezember 2011
Last-Minute Weihnachtsgeschenke für Evolutionsbiologen
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 2
There is grandeur in this view of life
Where one becomes many through struggle and strife
But the mother of mysteries is another man's call
Why is there something instead of nothing at all.
Diplomatisches Zitat aus Mother of Mysteries, Darwin Song Project
Ich weiß es wird langsam etwas spät, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, aber ich denke eh: Die besten Geschenke macht man selbst, sei es mit Mehl und Nüssen, Schere und Kleber oder Videokamera und Haustier. Für all diejenigen, die aber lieber doch etwas kaufen wollen, oder sich selbst einfach auch nach Weihnachten noch etwas gönnen möchten, habe ich hier ein paar Ideen rund um die Themen Naturwissenschaften, Evolutionsbiologie und, ohne besonderen Grund, Charles Darwin.
The reluctant Mr. Darwin: An intimate portrait of Charles Darwin and the making of his Theory of Evolution von David Quammen
Auf deutsch: Charles Darwin: Der große Naturforscher und seine Theorie der Evolution
Ich weiß ja nicht wie Andere das sehen, aber für mich gehört dieser Mann einfach zu den ganz Großen in seinem Feld. Die wenigsten kennen seinen Namen, aber fast jeder hatte schon einmal seine Worte gelesen. Ich rede natürlich nicht von Mr. Darwin selbst, sondern von David Quammen. Ein großartiger Autor, der anfing Kolumnen über die Biologie zu schreiben, weil es ihn einfach interessierte und das Journal, für das er arbeitete, gerade Platz für einen Naturkolumnisten hatte. Seine Begeisterung für das Fach ist ansteckend, und seit er sich intensiver mit Naturhistorie auseinander setzt, sind seine Artikel (vielen aus National Geographic bekannt) ein Muss für jeden, der an Evolution und Zoologie seinen Spaß hat.
Das Buch hier ist eine Auftragsarbeit für eine Reihe von Biographien naturwissenschaftlicher Größen, bei der ein ganzes Leben in bitte nicht viel mehr als 300 Seiten gepackt werden sollte. Da es von Charles Darwin schon mehrbändige Erzählungen über sein Leben gab, war das schon eine gewisse Herausforderung, die Mr. Quammen allerdings mit Bravour erledigte. Man sollte wirklich keine detaillierte Biographie erwarten, sondern eine Art Abenteuerbuch eines Wissenschaftlers.
Autor: Nils· 20.12.11 · 09:42 Uhr· 2 Kommentare
11. Dezember 2011
Ein Genom wie kein anderes
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 11
Das "Human Genome Project" war einst ein ambitioniertes Project mit dem Ziel, das menschliche Genom zu sequenzieren. Es dauerte zwar einige Jahre, genügend Genetiker dafür zu begeistern, aber als es 1990 begann fragte kaum jemand "warum?" Die Herausforderung alleine war schon faszinierend, ganz zu schweigen von den zu gewinnenden Erkenntnissen. Es dauerte über 10 Jahre, alle Chromosomen des Menschen zu sequenzieren. Während die Wissenschaftler langsam und mühsam nach und nach die einzelnen Chromosomen sequenzierten, wurden sie aber vom technologischen Fortschritt eingeholt. Gibt es da nicht eine Arthur C. Clarke-Geschichte, in der Astronauten 30 Jahre nach dem Aufbruch zu einem fremden Planeten von ihren Söhnen und Töchtern eingeholt wurden? So war es auf jeden Fall hier: eines Tages im Jahre 1998 hatte Craig Venter mit seiner Firma Celera die privat investierte Konkurrenz zum öffentlich finanzierten Humangenomprojekt ausgerufen. 2001 waren dann beide (mehr oder weniger) fertig und publizierten ihre Daten nebeneinander - einer in Science, die anderen in Nature.
Jetzt, 10 Jahre später, hört man ab und zu immer wieder Kritik an dem Mammutprojekt, denn die Ergebnisse fielen bescheidender aus, als man sich erhofft hatte. Die Entdeckungen lassen sich bei Wikipedia in 4 Sätzen zusammenfassen. Es ist zwar interessant zu sehen, dass nur knapp 2 Prozent des menschlichen Genoms für die Herstellung von Proteinen ist und dass die Hälfte all unserer DNA nichts weiter ist als Wiederholungen von Sequenzen sind, für die wir bislang keine wirkliche Funktion kennen. Aber abgesehen von diesen beschreibenden Datensätzen können wir mit Hilfe des Genoms immer noch keinen Krebs heilen, keine Trisomie 21 verhindern, und sowieso sind wir noch weit weg vom Szenario aus "Gattaca."
Zum Glück?
Autor: Nils· 11.12.11 · 17:42 Uhr· 11 Kommentare
30. November 2011
Wie der Kuckuck die Pflegeeltern reinlegt
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 14
Ich schreibe diese Worte auf dem Rückweg von der Uni. Soeben hat Professor Nick Davies von der Universität Bielefeld einen Ehrendoktor erhalten. Grund dafür ist einerseits seine langjährige Kollaboration mit Kollegen aus der Verhaltensökologie hier, aber ganz ehrlich gesagt: Man braucht keine speziellen Gründe, um Nick Davies irgendeinen Titel zu geben. Dieser Mann liefert die Gründe ganz alleine. Es war das berühmte Verhaltensökologiebuch, das er mit seinem Kollegen John Krebs schrieb, welches mich zu einem Biologen gemacht hat. Seine Forschung zum Paarungs- und Brutverhalten von Vögeln ist wegweisend. Und wie heute Abend deutlich betont wurde: Nick Davies hat einen bleibenden Eindruck im Feld der Verhaltensökologie hinterlassen. Nicht zuletzt durch die unzähligen Doktoranden, Postdocs und auch Schüler, die er inspirierte.
In seinem Vortrag heute Abend fasste Prof. Davies die gesamte Geschichte der Verhaltensökologie zusammen, begonnen bei Aristoteles. An einem Punkt kam er zwangsläufig zu Charles Darwin. Dieser hatte Vermutungen aufgestellt warum Vögel Kuckuckseier in ihren Nestern duldeten. Bis dahin war eine populäre Annahme, dass es eine Ehre sei, wenn ein Vogel vom Kuckuck ausgewählt wurde. Die Adoption und Aufzucht seiner Jungen sei demnach eine Selbstverständlichkeit. Darwin vermutete jedoch, dass es ein fehlgeleiteter Instinkt war, der Vögel zu unfreiwilligen Zieheltern machte.

Autor: Nils· 30.11.11 · 12:42 Uhr· 14 Kommentare
10. November 2011
Picks: Wie wahrscheinlich ist unsere Existenz?
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 43
Hier ist ja mal wieder nicht so viel los. Zeit, für ein paar Anekdoten aus der Welt der Wissenschaft. Diesmal gibt es viele mit einem kleinen (ENG) dahinter, für die Links, die auf Englischsprachige Seiten führen ...
Wissenschaftsblogger Carl Zimmer hat ein neues Buch (Science Ink). Es sieht spektakulär aus und ich würde es gerne mal durchblättern, aber kaufen werde ich es mir sicher nicht - es beinhaltet lauter Fotos von Tattoos aus der Welt der Wissenschaft, z.B. die Galapagosfinken, Einsteins berühmteste Gleichung oder eine Formel, die beschreibt welche Kraft ein Mensch braucht, um ein Fahrrad in Bewegung zu setzen - letzteres findet sich auf dem Bein eines Profi-Radfahrers. Hier ist eine schöne Diashow mit Kommentaren (ENG).- In den USA ist eine als ausgestorben angenommene Art wieder aufgetaucht (ENG): der Neunpunktige Marienkäfer, Coccinella novemnotata. Man hatte angenommen, dass er seit 1982 ausgestorben war ...
- Das momentan größte Krokodil der Welt misst - wow - 6,20 Meter!
- Ein neues Zeitraffervideo von Terje Sørgjerd: The Water. Als nächstes will er uns Aufnahmen vom Mt. Everest zeigen ...
- Eine neue Studie zeigt, dass das Schauen der amerikanischen Fernsehserie "Lie to Me" ("Belüge mich," läuft momentan bei VOX), in der mit Hilfe von Psychologie Lügner entlarvt werden, dazu führt, dass man Lügen nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden kann. Ehrlich! Hier ist die komplette Studie als PDF (ENG):
Lie to Me viewers ... were more likely than control participants to misidentify honest interviewees as deceptive. Watching Lie to Me decreases truth bias thereby increasing suspicion of others while at the same time reducing deception detection ability.
- Matt Ridley, Journalist und Autor mehrerer populärwissenschaftlicher Bücher, hielt vor kurzem die Angus Millar Lecture 2011 zum Thema "Wissenschaftliche Häresie." Darin erklärt er, wieso er die Gefahr von Globaler Erwärmung anzweifelt. Ich würde ihm zwar in den Details widersprechen, aber er hat ein paar gute Argumente und erklärt, wieso es so wichtig ist, wissenschaftliche Daten anzuzweifeln. Die Rede in ihrer Gesamtheit gibt es hier (ENG).
- Wo wir gerade bei Pseudowissenschaften sind: Eric hat auf seinem Blog AFFE seine Gedanken zu den aktuellen Kreationismus-Debatten, die zunehmend auch in den deutschen Medien geführt werden, aufgeschrieben und ruft zur Diskussion auf.
- Zu guter letzt, hier eine wirklich gelungene Infografik zur statistischen Wahrscheinlichkeit, dass gerade DU (genau, du, ich rede mit dir) existierst. Zwar eher unterhaltsam als 100%ige Mathematik (ich bin sicher, man hätte noch einen Haufen weitere Variablen dazu nehmen können), aber es ist spannend, eine Zahl zu sehen, die angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeder von uns auf diesen Planeten gekommen ist. (In dem Sinne hier auch eine nette Grafik, mit der man berechnen kann, als wievielter Mensch man auf diese Welt kam.) Die berechnete Wahrscheinlichkeit ist laut Autor Ali Binazir die gleiche wie die, dass "2 Millionen Menschen an einem Tisch sitzen und Würfel mit einer Billion Seiten werfen, und dabei alle die gleiche Zahl erwürfeln."
Klick aufs Bild zum Vergrößern (ENG).

Abbildung von visual.ly
Autor: Nils· 10.11.11 · 16:42 Uhr· 43 Kommentare
20. Oktober 2011
Buchkritik: "The Magic of Reality" von Richard Dawkins
Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 22
Angenommen ich schriebe ein Kinderbuch. Eines, in dem ich all die großen Fragen von Kindern beantworte, zum Beispiel: Was sind Erdbeben? Woraus besteht eine Regenbogen? Und warum sind wir eigentlich hier? Und um dabei auch gleich zu erklären woher wir die Antworten auf solche Fragen wissen, erzähle ich nebenbei Geschichten, Mythen, die wir Menschen uns lange Zeit erzählten, um eben diese Fragen zu beantworten. Ich illustriere dann das Buch mit informativen Abbildungen und schreibe es so, dass jeder 12-jährige einerseits von der Thematik gefesselt ist, andererseits sein Interesse geweckt wird, den Sachen weiter auf den Grund zu gehen.
Gar nicht schlecht, oder? Ich würde es wagen, zu behaupten, dass, solange ich die ganzen biochemischen, physikalischen und astronomischen Fakten korrekt hintereinander kriege, jeder dieses Projekt sehr zu schätzen wüsste.
Doch ist das anscheinend eine andere Sache, wenn nicht ich sondern ein gewisser Richard Dawkins dieses Buch schreibt. Richard Dawkins ist durch seinem Bestseller "Der Gotteswahn" zu sehr unter das Label der "Radikalen Atheisten" geraten (nicht dass ihn das groß stören würde), als dass man ihm glauben könnte, er schreibe ein Buch lediglich aus einer Faszination heraus. Nein, da muss doch eine Agenda hinter stecken, oder?
Tatsächlich liest sich sein neues Buch so, als wollte er die jugendlichen Leser von den wissenschaftlichen Kenntnissen überzeugen, wollte ihnen deutlich machen, welchen Unfug die australischen und griechischen Mythen, die alten europäischen Legenden und vor allem natürlich die christliche Entstehungsgeschichte der Welt doch darstellen. Man könnte fragen, ist das denn so schlimm? Im Grunde finde ich, nein, es ist völlig in Ordnung. Das neue Buch von ihm, "The Magic of Reality," würde ich fraglos jedem Schüler der Sekundarstufe 1 weiter empfehlen. Es ist in vieler Hinsicht ein unterhaltsames, sehr persönliches Buch, aus dem Kinder und viele, viele Erwachsene jede Menge lernen können.
Wäre es nicht von Richard Dawkins geschrieben ...

Autor: Nils· 20.10.11 · 09:42 Uhr· 22 Kommentare
07. Oktober 2011
LUCA, der Vorfahre aller Lebewesen
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 12
Schaut man sich unser Genom an, also sämtliche vererbbare Information in unseren Körpern, lässt sich feststellen, dass wir viele Gene mit anderen Lebewesen teilen. Da liegt es nahe, anzunehmen, dass wir auch alle einen gemeinsamen Vorfahren haben, von dem wir abstammen. Dieser Vorfahre wird allgemein LUCA genannt, kurz für "Last universal common ancestor." Dieser muss so weit zurück liegen, dass sich aus ihm die drei großen Gruppen (Domänen) von Lebewesen entwickelt haben, die es heute auf der Erde gibt: Eukaryoten (das sind wir und alle anderen Lebewesen mit einem Zellkern), Bakterien und Archaea.
Arche-was? Wie auch Bakterien besitzt diese Gruppe keinen Zellkern, unterscheidet sich aber zusätzlich durch ein paar andere Merkmale, besonders in der ribosomalen RNA.
Hier sind alle drei Gruppen einmal schematisch nebeneinander aufgezeigt:

Uns findet man oben rechts. LUCA ist auf dieser Abbildung auch schon zu finden, und zwar in der Mitte unten, wo sich die schwarzen, blauen und roten Linien treffen. DAS ist unser letzter gemeinsamer Vorfahre mit Pflanzen, Pilzen, Protozoen, Bakterien und Archaeen.
Darf ich vorstellen, LUCA
Hypothetisch existierte unser letzter gemeinsamer Vorfahre ungefähr solange wie die Menschen wussten, dass wir mit anderen Lebewesen der Erde verwandt sind. Es ist aber schwieriger, direkt Hinweise darauf zu finden, wie LUCA ausgesehen hat. Es ist schon schwierig, einen Eindruck davon zu bekommen wie unsere Vorfahren vor ein paar Tausend Jahren aussahen, da ist es quasi unmöglich sich vorzustellen, wie Leben vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren aussah.
Autor: Nils· 07.10.11 · 20:42 Uhr· 12 Kommentare
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